„Viele Versprechen und eine Drohung“ lautet der Titel eines Berichtes über eine Rede von Ministerpräsidentin Hadertauer. Doch lassen sich Versprechungen und Drohungen überhaupt richtig von einander unterscheiden? In manchen Fällen scheint dies nicht der Fall zu sein, so kann ein „Ich werde morgen kommen!“ als Drohung oder Versprechen verstanden werden.
Sprechakttheorie untersucht Sprache nicht nur im abstrakten Sinn, „sondern auch als Produkt des Sprachverhaltens natürlicher Sprecher und ihres Sprachgebrauchs in konkreten Situationen“
Die Theorie des Sprechakts wurde erstmal von dem Philosophen John L. Austin untersucht, besser gesagt waren die Performative seine Entdeckung. Austin benannte so einen Satz, in welchem man genau die Handlung durchführt, die das Verb im Satz beschreibt (nicht alle Verben sind performative Verben). Austins Theorie systematisierte der amerikanische Philosoph John Searle. Searles Grundannahme: „Sprechen ist regelgeleitetes Handeln“.
In meiner folgenden Arbeit möchte ich mich vor allem mit den illokutionären Sprechakten Drohen und Versprechen sowohl theoretisch als auch an Hand von ausgewählten politischen Reden auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Fundierungen
3 Sprechakttheorien unter John Rogers Searle
3.1 Typologien der Sprechakte
3.2 Illokutionäre Sprechakte
3.3 Sprechakte Drohen/Versprechen
3.3.1 Sprechakt Versprechen
3.3.2 Sprechakt Drohen
4 Empirie
4.1 Analyse der Sprechakte in einem politischen Artikel
4.2 Analyse der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel
5 Abschluss
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die illokutionären Sprechakte „Drohen“ und „Versprechen“ auf Basis der Sprechakttheorie von John Rogers Searle. Ziel der Untersuchung ist es, die theoretischen Grundlagen dieser Sprechakte zu explizieren und deren Anwendung sowie manipulative Wirkung in ausgewählten politischen Texten und Reden zu analysieren.
- Grundlagen der Sprechakttheorie nach John Rogers Searle
- Definition und Klassifizierung illokutionärer Sprechakte
- Analyse von Versprechen und Drohungen in politischer Kommunikation
- Überprüfung der Gelingensbedingungen von Sprechakten in der Praxis
- Untersuchung von rhetorischen Strategien in Reden von Politikern
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Sprechakt Drohen
Ein Versprechen ist eine feste Zusage, etwas für jemanden zu unternehmen und nicht gegen ihn.22Eine Drohung jedoch ist genau anders herum: es ist eine feste Zusage, etwas gegen jemanden zu unternehmen. Der Begriff Versprechen muss jedoch kein Anzeichen für ein Versprechen sein. So kann der Satz „Ich verspreche dir, wenn du nicht lernst bestehst du die Klausur nicht“ eine Drohung sein, obwohl er mit dem Begriff Versprechen eingeleitet wird.
Da es nach Searle keine Definition von Drohen gibt, möchte ich hier die Definition von DUDEN heranziehen:
Drohen ist, „jemanden durch Gesten oder emphatische, nachdrückliche Worte einzuschüchtern versuchen, damit er etwas nicht zu tun wagt, ihn darauf hinweisen, dass etwas für jemanden Unangenehmes geschehen wird, falls er sich nicht den Forderungen entsprechend verhält, als etwas Gefährliches, Unangenehmes möglicherweise eintreffen, als Gefahr o. Ä. bevorstehen im Begriff sein, etwas Gefährliches, Unangenehmes o. Ä. zu tun“23
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Unterscheidung von Drohungen und Versprechen in der Sprache ein und stellt die theoretische Basis durch John Searle sowie das Ziel der Arbeit vor.
2 Theoretische Fundierungen: Dieses Kapitel erläutert den Handlungscharakter der Sprache und gibt einen Überblick über die Ursprünge der Sprechhandlungstheorie in der englischen Philosophie.
3 Sprechakttheorien unter John Rogers Searle: Es werden Searles Kategorisierungen der Sprechakte, seine Typologien und die spezifischen Bedingungen für Drohungen und Versprechen detailliert dargestellt.
4 Empirie: Hier wird die Theorie von Searle auf einen politischen Artikel und eine Neujahrsansprache von Angela Merkel angewendet, um die illokutionären Akte in der politischen Praxis zu identifizieren.
5 Abschluss: Der Abschluss reflektiert die Bedeutung der Sprechakttheorie und fasst das Wechselspiel von Drohungen und Versprechen als bewusst eingesetztes politisches Mittel zusammen.
Schlüsselwörter
Sprechakttheorie, John Rogers Searle, Drohen, Versprechen, Illokution, Politische Rede, Sprechhandlung, Gelingensbedingungen, Kommunikation, Pragmatik, Sprachphilosophie, Performative Äußerungen, Politische Rhetorik.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Untersuchung der Sprechakte „Drohen“ und „Versprechen“ innerhalb der politischen Kommunikation auf Basis der linguistischen Sprechakttheorie.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themenfelder sind die sprachphilosophischen Grundlagen nach John R. Searle, die Typologisierung illokutionärer Akte und deren empirische Anwendung in politischen Diskursen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politisch agierende Personen die Sprechakte Drohen und Versprechen nutzen, um Wähler zu beeinflussen und wie diese Akte theoretisch nach Searle analysiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der theoretischen Deskription der Sprechakttheorie und verknüpft diese mit einer qualitativ-analytischen Auswertung von politischem Text- und Redematerial.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Searles Modell und einen empirischen Teil, der konkrete Beispiele aus Zeitungsartikeln und Reden analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Sprechakttheorie, Illokution, Drohen, Versprechen und Politische Rhetorik.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen Versprechen und Drohungen im politischen Kontext?
Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, da beide Akte zwar als Zusage formuliert werden können, jedoch in ihrer Zielsetzung (Wohlwollen vs. Einschüchterung) und ihrem illokutionären Potenzial fundamental differieren.
Wie werden die Gelingensbedingungen nach Searle in der Praxis geprüft?
Die Autorin prüft die Bedingungen wie propositionalen Inhalt, vorbereitende Bedingungen und Ernsthaftigkeitsbedingungen an konkreten Textpassagen, um zu verifizieren, ob ein Sprechakt im Sinne Searles vollständig vorliegt.
- Quote paper
- Lisa Althammer (Author), 2014, Drohungen und Versprechen in politischen Reden. Eine sprechakttheoretische Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309589