Drohungen und Versprechen in politischen Reden. Eine sprechakttheoretische Untersuchung


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretische Fundierungen

3 Sprechakttheorien unter John Rogers Searle
3.1 Typologien der Sprechakte
3.2 Illokutionäre Sprechakte
3.3 Sprechakte Drohen/Versprechen
3.3.1 Sprechakt Versprechen
3.3.2 Sprechakt Drohen

4 Empirie
4.1 Analyse der Sprechakte in einem politischen Artikel
4.2 Analyse der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel

5 Abschluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Viele Versprechen und eine Drohung“1 lautet der Titel eines Berichtes über eine Rede von Ministerpräsidentin Hadertauer. Doch lassen sich Versprechungen und Drohungen überhaupt richtig von einander unterscheiden? In manchen Fällen scheint dies nicht der Fall zu sein, so kann ein „Ich werde morgen kommen!“ als Drohung oder Versprechen verstanden werden.

Sprechakttheorie untersucht Sprache nicht nur im abstrakten Sinn, „sondern auch als Produkt des Sprachverhaltens natürlicher Sprecher und ihres Sprachgebrauchs in konkreten Situationen“2

Die Theorie des Sprechakts wurde erstmal von dem Philosophen John L. Austin untersucht, besser gesagt waren die Performative seine Entdeckung.3 Austin benannte so einen Satz, in welchem man genau die Handlung durchführt, die das Verb im Satz beschreibt (nicht alle Verben sind performative Verben). Austins Theorie systematisierte der amerikanische Philosoph John Searle. Searles Grundannahme: „Sprechen ist regelgeleitetes Handeln“4.

In meiner folgenden Arbeit möchte ich mich vor allem mit den illokutionären Sprechakten Drohen und Versprechen sowohl theoretisch als auch an Hand von ausgewählten politischen Reden auseinandersetzen.

2 Theoretische Fundierungen

In der Sprechakttheorie liegt der Fokus auf dem Handlungscharakter der Sprache.5 Sprechakttheoretiker befassen sich vor allem mit den Fragen, was wir tun, wenn wir Sprechen und was wir tun, indem wir Sprechen. Das wichtigste Ziel der Sprechakttheorie ist die „Beschreibung und Abgrenzung der einzelnen illokutionären Akte.“6 Außerdem liegt das Interesse auf der Erforschung der konventionellen Beziehung zwischen den Äußerungsakten und den illokutionären Akten.7

Ihren Ursprung hat die Sprechhandlungstheorie in der englischen Ordinary-Language- Philosophy. Anhänger dieser Philosophie gehen davon aus, dass „die traditionelle Philosophie an einer unklaren, überzüchteten und damit letztlich bedeutungslosen Sprache krankt.“8 Als Gegenmittel soll das Philosophieren in Alltagssituationen sowie die Beschreibung des täglichen Gebrauchs von philosophisch relevanten Ausdrücken dienen. Begründer dieser philosophischen Denkweise sind vor allem Ludwig Wittengstein, John Langshaw Austin und Gillbert Ryle.

Später haben Searle und Habermas die Idee der Klassifikation aufgegriffen, die Kriterien jedoch differenziert, um ein differenziertes Sprachkonzept im Zusammenhang komplexer Alltagsgespräche zu untersuchen und um überhaupt universale Kriterien des kommunikativen Handelns zu finden.9

Im Folgenden möchte ich mich vor allem auf John Searle konzentrieren.

3 Sprechakttheorien unter John Rogers Searle

John Rogers Searle ist ein am 31.Juli 1932 geborener amerikanischer Philosoph. Er beschäftigt sich vorwiegend mit der Sprachphilosophie, der Philosophie des Geistes, der Sozialontologie sowie Teilen der Metaphysik.

Er betrachtet den illokutionären Akt als kleinste Einheit der sprachlichen Kommunikation, versteht diesen jedoch als eine Bildung unter spezifischen Voraussetzungen.10 Searle unterscheidet die Sprechakttheorie in Äußerungsakt, propositionaler Akt (welcher sich in Referenz und Prädikation gliedern lässt), illokutiven Akt und, wie Austin, perlokutiver Akt.

Für Searles Analysen der einzelnen illokutionären Akte sind vor allem die hinreichenden Bedingungen (s.u.) und auch die allgemeinen kommunikativen Bedingungen sprachlichen Handelns wichtig. Schon zu Beginn seines Buches betont Searle, dass es sich um keine linguistische Arbeit handelt, sondern sein Ziel ist, allgemeine Prinzipien herauszufinden die für Sprache überhaupt (nicht für einzelsprachliche Strukturen) gelten.11

Der amerikanische Philosoph stellt folgende notwendige und hinreichende Bedingungen für die Durchführung einzelner Sprechakte. Es gibt Bedingungen die für alle, und Bedingungen die nur für einzelne Sprechakte gelten.12 Durch die Angabe von neun Bedingungen geht Searle davon aus, einen illokutionären Akt wie das Versprechen vollständig bestimmen zu können.13 Searle gibt drei Bedingungen an, die sich auf sprachliches Handeln generell beziehen. Die restlichen sechs der neun Bedingungen beziehen sich auf den spezifischen Sprechakt. Ich werde die Bedingungen noch einmal genau am Beispiel Versprechen (siehe Punkt 3..) eingehen.

3.1 Typologien der Sprechakte

Weiter hat Searle ein System zur Typologie der Sprechakte erarbeitet. Dabei verwendet er Kriterien, die zum einen den Zweck des Sprechakts bestimmen, oder das Verhältnis zwischen Wort und Welt. Auch ist Searle die Einstellung zur Proposition wichtig, die der Sprecher wiedergibt sowie in wie weit der Zweck streng angestrebt wird.14

Nach Searle erfolgt die Klassifizierung in folgende Typen: Assertiva (behaupten, mitteilen, feststellen, informieren, beschreiben), Direktiva (befehlen, bitten, fragen, verbieten, erlauben, raten), Kommisiva (geloben, versprechen, schwören, drohen, ankündigen), Deklarativa (kapitulieren, definieren, kündigen, missbilligen, ernennen), Expressiva (danken, gratulieren, sich entschuldigen, klagen, bedauern).15

Da ich mich in der vorliegenden Arbeit mit den Kommisiva Drohen und Versprechen beschäftige, werde ich nur auf die Kommisva näher eingehen.

Im kommissiven Sprechakt muss der Sprecher selbst eine zukünftige Handlung durchführen. „So ist die Welt mit der Äußerung in Übereinstimmung zu bringen; der ausgedrückte mentale Zustand ist eine Absicht.“16 Auch im mentalen Zustand muss S A tun wollen.17

3.2 Illokutionäre Sprechakte

„Ein Illokutionsakt ist die kleinste Redeeinheit mit illokutivem Verbindlichkeits-Potential im Nullkontext oder die kleinste potentiell (illokutiv) verbindliche Redeeinheit.“18

Der illokutive Akt wird durch die Äußerung des Satzes vollzogen.19 Somit ist er eine Äußerung mit bestimmtem Sinnkriterium.20 Er hat etwas verbindliches, jedoch nur dann, wenn auch ein aktiver Hörer existiert. Illokutionsakte können häufig verschiedene kommunikative Funktionen erfüllen. Als illokutionäre Akte gelten Auffordern, Befehlen, Behaupten, Feststellen, Bestätigen, Fragen, Danken (für), Raten, Warnen, Grüßen, Beglückwünschen, Versprechen, Drohen. Äußerungsformeln haben eine illokutionäre Rolle, die man an einer Reihe von sprachlichen Mitteln festmachen kann. Diese sind die Spitzenstellung der im Imperativ stehenden Verbs, das Existieren von Abtönungspartikeln, an formelhaften Ausdrücken und speziellen lexikalischen Elementen, explizit- performativ gebrauchte Verben und die Intonation.21

3.3 Sprechakte Drohen/Versprechen

3.3.1 Sprechakt Versprechen

Wie schon Anfangs erwähnt, lassen sich nach Searle Sprechakte durch neun Bedingungen analysieren. Diese möchte ich nun am Beispiel Versprechen darstellen. Für ein Versprechen müssen nach Searle folgende Bedingungen realisiert sein: Zuhörer und Sprecher sprechen dieselbe Sprache, es besteht kein Kommunikationshindernis. Um sich im weiteren Verlauf besser auf den Akt des Versprechens konzentrieren zu können, wird die Proposition vom übrigen Sprechakt isoliert. Der Sprecher muss beim Akt des Versprechens einen Akt Aussagen, der in der Zukunft liegt. Ein Versprechen kann unvollständig sein: wenn der, dem es versprochen wird, es gar nicht möchte, oder wenn der, der etwas verspricht, nicht glaubt dass es sich der andere auch wünscht. Ebenfalls verlangt ein Versprechen meist eine bestimmt Gelegenheit oder Situation, in der das Versprechen zustande kommt. Ein Versprechen wird dann Unsinnig, wenn allen bewusst ist, dass es sowieso nie ausgeführt wird. Aufrichtig ist das Versprechen nur dann, wenn es dem Sprecher auch möglich ist, die Handlung durchzuführen und nur dann ist es auch ein wirkliches Versprechen.

3.3.2 Sprechakt Drohen

Ein Versprechen ist eine feste Zusage, etwas für jemanden zu unternehmen und nicht gegen ihn.22 Eine Drohung jedoch ist genau anders herum: es ist eine feste Zusage, etwas gegen jemanden zu unternehmen. Der Begriff Versprechen muss jedoch kein Anzeichen für ein Versprechen sein. So kann der Satz „Ich verspreche dir, wenn du nicht lernst bestehst du die Klausur nicht“ eine Drohung sein, obwohl er mit dem Begriff Versprechen eingeleitet wird.

Da es nach Searle keine Definition von Drohen gibt, möchte ich hier die Definition von DUDEN heranziehen:

[...]


1 http://www.merkur-online.de/lokales/dachau/landkreis/viele-versprechen-eine-drohung-3086960.html

2 Preyer, Ulkan, Ulfig (Hrsg.): Intention – Bedeutung – Kommunikation. Kognitive und Handlungstheoretische Grundlagen der Sprachtheorie. Opladen 1997.

3 Vgl. Erhardt, Heringer: Pragmatik. Paderborn 2011.

4 Ebd., S. 59.

5 Vgl. Hindelang, Götz: Einführung in die Sprechakttheorie. Tübingen 2004.

6 Hindelang, Götz: Einführung in die Sprechakttheorie. Tübingen 2004.

7 Ebd.

8 Ebd. Einführung.

9 Harras, Gisela: Handlungssprache und Sprechhandlung. Eine Einführung in die theoretischen Grundlagen. Berlin 2004.

10 Greafen, Liedke: Germanistische Sprachwissenschaft. Deutsch als Erst-, Zweit- oder Fremdsprache. Tübingen 2012, S. 246.

11 Hindelang, Götz: Die Formulierung der Sprechakttheorie bei Searle.

12 Searle formulierte seine Bedingungen am Beispiel Versprechen. (Searle, S. 88)

13 Hindelang, Götz: Die Formulierung der Sprechakttheorie bei Searle.

14 Vgl. Erhardt, Heringer: Pragmatik. Paderborn 2011. S. 64.

15 Vgl. Erhardt, Heringer: Pragmatik. Paderborn 2011. S. 64.

16 Vgl. Erhardt, Heringer: Pragmatik. Paderborn 2011. S. 64.

17 Vgl. Harras, Gisela: Handlungssprache und Sprechhandlung. Eine Einführung in die theoretischen Grundlagen. Berlin 2004. S.

18 Müller, Beate: Der Sprechakt als Satzbedeutung. Zur pragmatischen Grundform der natürlichen Sprache. Bern 2003. S. 37.

19 Vgl. germanistische Sprachwissenschaft, S. 246.

20 Müller, Beate: Der Sprechakt als Satzbedeutung. Zur pragmatischen Grundform der natürlichen Sprache. Bern 2003. S. 35.

21 Vgl. Hindelang, Götz: Einführung in die Sprechakttheorie. Tübingen 2004.

22 Searle, John: Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay. Übersetzt von R. und R. Wiggershaus. Frankfurt 1983. S. 90.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Drohungen und Versprechen in politischen Reden. Eine sprechakttheoretische Untersuchung
Hochschule
Universität Regensburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar „Sprechakttheorie“
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V309589
ISBN (eBook)
9783668078864
ISBN (Buch)
9783668078871
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
drohungen, versprechen, reden, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Lisa Althammer (Autor), 2014, Drohungen und Versprechen in politischen Reden. Eine sprechakttheoretische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309589

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