Situationsmodelle bilden Ereignisse als mentale Repräsentationen ab. Dabei findet eine Zerlegung in die fünf Indizes Raum, Zeit, Protagonist, Kausalität und Intention statt. In filmischem Material ändern sich häufig einer oder mehrere dieser Indizes an der Stelle eines Filmschnitts. Zur Beantwortung der Frage, wie sich die Änderung der Indizes Protagonist und Zeit auf die Erinnerungsleistung an Filmmaterial auswirkt, wurden kurze Filmclips mit jeweils einem Filmschnitt als Stimulusmaterial eingesetzt.
Aus der „Event Segmentation Theory“ (Kurby & Zacks, 2008) abgeleitet, wurde eine bessere Gedächtnisleistung für Filmclips erwartet, in denen sich mehr Indexveränderungen abspielten. Indexveränderungen sollen nämlich zu einer verstärkten Wahrnehmung der Ereignisgrenzen beitragen und die verstärkte Elaboration an den Ereignisgrenzen soll wiederum dazu führen, dass man sich besser an diese Inhalte erinnern kann.
Inhaltsverzeichnis
A Zusammenfassung
B Einleitung
C Methoden
Stichprobe
Apparate und Reize.
Versuchsablauf.
Design.
D Ergebnisse
Post-Hoc-Analysen.
E Diskussion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Indexveränderungen (Raum, Zeit, Protagonist, Kausalität und Intention) an Ereignisgrenzen auf die menschliche Erinnerungsleistung bei filmischem Material, basierend auf dem Event-Indexing Model und der Event Segmentation Theory.
- Psychologische Modellbildung von Situationsmodellen
- Einfluss von Indexänderungen in Filmen auf die Gedächtnisleistung
- Experimentelle Untersuchung von Ereignisgrenzen durch Filmschnitte
- Vergleich von additiven Effekten bei Mehrfachänderungen
- Analyse von Deckeneffekten in Gedächtnisexperimenten
Auszug aus dem Buch
B Einleitung
Wenn Menschen Situationen analysieren, machen sie sich Gedanken über die handelnden Personen und deren Zielsetzungen, die Kausalität ihrer Handlungen und den räumlichen und zeitlichen Rahmen, in dem die Situation stattfindet. Sie bilden diese mentalen Modelle des Erlebten aber nicht nur in realen Situationen ab, sondern auch beim Lesen von Geschichten oder beim Betrachten von Filmen. Zwaan, Langston und Graesser (1995) konnten anhand von Textmaterial zeigen, dass wir Ereignisse in die fünf Indizes Raum, Zeit, Protagonist, Kausalität und Intention zerlegen und unser Situationsmodell bei Bedarf anpassen, wenn sich eine dieser Dimensionen verändert. Hier klingt bereits an, dass wir an Stellen, wo eine Änderung in einer oder mehreren der Dimensionen stattfindet, die Situation intensiver verarbeiten.
Die Einzelteile einer Situation, also die wahrgenommenen Ereignisse oder Handlungen, werden in einem Netzwerk aus semantischen Knoten repräsentiert (Zwaan & Radvansky, 1998), wobei die fünf Indizes die Verbindungen zwischen diesen Knoten darstellen. Je mehr Indizes zwei Ereignisse teilen, desto intensiver sind sie in diesem Netzwerk miteinander verbunden. Im Umkehrschluss wird die Aktualisierung des Situationsmodells umso mehr als kognitive Belastung wahrgenommen, je mehr Indizes sich verändern, was von Zwaan und Radvansky (1998) als „additive Hypothese“ bezeichnet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
A Zusammenfassung: Diese Sektion gibt einen Überblick über die theoretische Fundierung, die experimentelle Hypothesenprüfung und die unerwarteten Ergebnisse aufgrund eines Deckeneffekts.
B Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen um das Event-Indexing Model und die Event Segmentation Theory erläutert, um zu erklären, wie Situationsmodelle bei Filmwahrnehmung aktualisiert werden.
C Methoden: Beschreibung des experimentellen Aufbaus, der Stichprobe aus Studierenden, des verwendeten Stimulusmaterials (Filmclips) und des Versuchsdesigns.
D Ergebnisse: Darstellung der statistischen Auswertung, die keinen signifikanten Einfluss der Indexveränderungen auf die Gedächtnisleistung nachweisen konnte, ergänzt durch Post-Hoc-Analysen zum Alter der Filme.
E Diskussion: Interpretation der Ergebnisse vor dem Hintergrund des beobachteten Deckeneffekts und Diskussion methodischer Verbesserungsvorschläge für zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Event-Indexing Model, Event Segmentation Theory, Situationsmodelle, Erinnerungsleistung, Filmwahrnehmung, Ereignisgrenzen, Kognitive Psychologie, Gedächtnisexperiment, Deckeneffekt, Indexveränderung, Rekognitionstest, Stimulusmaterial, Psychophysik, PsychoPy, Mentale Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen Ereignisse in Filmen mental strukturieren und ob Veränderungen bestimmter Situationsindizes, wie Zeit oder Protagonist, die Erinnerungsleistung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitive Psychologie der Filmrezeption, die Aktualisierung von Situationsmodellen sowie die Erforschung von Ereignisgrenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel war es zu prüfen, ob eine höhere Anzahl von Indexveränderungen an einem Filmschnitt zu einer besseren Gedächtnisleistung für den entsprechenden Filmausschnitt führt (additive Hypothese).
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde ein experimentelles Within-Subjects-Design mit 24 Probanden durchgeführt, bei dem die Gedächtnisleistung für 128 Filmclips nach verschiedenen Indexänderungs-Bedingungen getestet wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die methodische Beschreibung des Experiments, die statistische Analyse der Reaktionszeiten und Fehlerraten sowie eine ausführliche Interpretation der erhobenen Daten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Situationsmodelle, Event-Indexing Model, Ereignisgrenzen und der Deckeneffekt in Gedächtnisstudien.
Warum konnte die Haupt-Hypothese nicht bestätigt werden?
Die Daten zeigten einen sogenannten Deckeneffekt, da die Erinnerungsleistung der Probanden allgemein sehr hoch war, was eine Differenzierung zwischen den Bedingungen verhinderte.
Welchen Einfluss hatte das Alter der verwendeten Filme?
In den Post-Hoc-Analysen zeigte sich, dass die Erinnerungsleistung tendenziell mit dem Alter der Filme korreliert, wobei neuere Filme zu besseren Ergebnissen führten.
Welche methodischen Empfehlungen gibt die Autorin für Folgestudien?
Es wird empfohlen, in Zukunft kürzere Filmclips zu verwenden, die Anzahl der Stimuli zu erhöhen und die Ablenkungsphase zwischen Lern- und Testphase anspruchsvoller zu gestalten.
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- Franziska Kreisel (Author), 2013, Event-Indexing und Erinnerungsleistung bei Filmschnitten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309634