Thema und Problemstellung
Die Grundidee entwicklungspolitischer Bemühungen war seit jeher eine Minderung der Armut in der Welt. So ist die weltweite Halbierung extremer Einkommensarmut bis 2015 beispielsweise eines der Ziele, das sich die Vereinten Nationen auf dem Millenniumsgipfel im September 2000 gesetzt haben. Um Armut bekämpfen zu können, erfordert es eines umfassenden Ansatzes, da sie sich in den unterschiedlichsten Facetten äußert. Entsprechend der Vielzahl von Dimensionen, in denen sich Armut äußert, gibt es auch eine Vielzahl von Indikatoren zu ihrer Bestimmung. Den unterschiedlichen Messkonzepten liegen unterschiedliche Verständnisse von Armut zugrunde, die nicht zu jeder Zeit identisch waren. Interessant ist es deshalb zu untersuchen, wie sich das veränderte Verständnis von Armut auf Messkonzepte und entwicklungspolitische Auffassungen und Zielsetzungen in den letzten Jahrzehnten ausgewirkt hat.
Aber nicht nur hinsichtlich ihrer Ausprägungen, sondern auch bezüglich ihrer Ursachen, Entstehung und Entwicklung gibt es eine Vielzahl von relevanten Faktoren. Wichtig scheint an dieser Stelle die Untersuchung der Bedeutung des Wirtschaftswachstums als Einflussgröße sowohl auf die Armutsentwicklung als auch auf die Einkommensverteilung. Ziel dieser Arbeit ist es, die regionale Struktur und Entwicklung der Armut darzulegen. Sie soll die unterschiedlichen Dimensionen der Armut aufzeigen, verschiedene Messkonzepte vorstellen, die regional und sozial differenzierte Armutsentwicklung unter Beachtung der zugrunde gelegten Messkonzepte darlegen und außerdem den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Armutsentwicklung beleuchten. Als Einstieg in die Thematik wird in Kapitel 2 zunächst auf das Armutsverständnis und seine Dimensionen eingegangen. Kapitel 3 legt die Vorgehensweisen bei der Bestimmung des Ausmaßes der Armut dar und erörtert einhergehende Schwierigkeiten. Kapitel 4 behandelt die Entwicklung der Armut in der Welt im Zeitverlauf während der letzen vier Jahrzehnte. Im Anschluss wird im Kapitel 5 der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Armut sowohl theoretisch als auch empirisch näher untersucht. Um einen Überblick über die Entwicklung der Armut zu erhalten, werden in dieser Arbeit die Entwicklungsländer in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Denn schließlich findet man hier den größten Teil der von Armut Betroffenen in der Welt.
Inhaltsverzeichnis
1 Thema und Problemstellung
2 Das Armutsverständnis
2.1 Armut als multidimensionales Phänomen
2.2 Absolute und relative Armut
2.3 Definition von Entwicklungsländern
3 Indikatoren zur Messung von Armut und Entwicklung
3.1 Definition von Entwicklungsindikatoren
3.2 Wirtschaftliche Entwicklungsindikatoren
3.2.1 Das Pro-Kopf-Einkommen
3.2.2 Verteilungsindikatoren
3.2.2.1 Indikatoren zur Messung personeller Verteilungsstrukturen
3.2.2.2 Indikatoren zur Messung absoluter Armut
3.3 Aggregierte Entwicklungsindikatoren
3.4 Allgemeine Probleme bei der Messung von Armut
3.5 Die Bedeutung des Maßstabs
4 Die Entwicklung der Armut
4.1 Die Entwicklung der Einkommensarmut
4.2 Die Entwicklung der menschlichen Armut
4.3 Disparitäten zwischen Ländern, Regionen und Bevölkerungsgruppen
4.4 Rückschläge in der Entwicklung in den 1980er Jahren
5 Zusammenhang von Armut und Wirtschaftswachstum
5.1 Die Debatte über Wirtschaftswachstum, Armut und Einkommensverteilung
5.1.1 Die Kuznets-Hypothese (1955)
5.1.2 Empirische Befunde
5.2 Entwicklungspolitische Strategien im Zeitverlauf
6 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die regionale Struktur und Entwicklung der Armut mit Fokus auf Entwicklungsländer. Das primäre Ziel ist es, die multidimensionalen Dimensionen der Armut aufzuzeigen, verschiedene Messkonzepte kritisch zu bewerten und den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Armutsentwicklung unter Berücksichtigung regionaler Disparitäten zu beleuchten.
- Multidimensionale Aspekte und Definitionen von Armut
- Methodische Instrumente zur Messung von Armut und Entwicklung
- Empirische Analyse der Armutsentwicklung in verschiedenen Regionen
- Die Rolle des Wirtschaftswachstums für die Armutsreduzierung
- Wandel entwicklungspolitischer Strategien im Zeitverlauf
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Das Pro-Kopf-Einkommen
Bei der Messung des wirtschaftlichen Entwicklungsstandes einzelner Länder gilt das Hauptaugenmerk dem zur Verfügung stehenden Güterberg. Als aussagefähigster Indikator hierfür wird überwiegend das Pro-Kopf-Einkommen (PKE) angesehen. Man erhält es, indem man das Volkseinkommen durch die Bevölkerungszahl des betreffenden Landes dividiert (Hemmer 2002, S. 9). Bringt man die Länder entsprechend der Höhe ihrer PKE-Werte in eine Rangfolge, so erhält man einen ersten Anhaltspunkt zur Kategorisierung der Länder nach ihrem Entwicklungsstand. In der Tat stellt sich aber die Frage, ob der Blick auf die PKE-Niveaus einzelner Länder tatsächlich Auskunft über ihren wirtschaftlichen Entwicklungsstand gibt. Denn ein internationaler PKE-Vergleich birgt rechnerische Verfälschungen in sich.
Beispielsweise treten bei der BSP-Erfassung Probleme bei der zu berücksichtigenden Gütermenge auf. Bei allen Wirtschaftsdaten für Entwicklungsländer muss ihre begrenzte Aussagekraft berücksichtigt werden, da neben dem statistisch erfassten Teil der Wirtschaft der informelle Sektor in der Regel beachtliche Leistungen aufweist (Baratta 2001, S. 1110). Das BSP dieser Länder ist dadurch systematisch unterschätzt.
Zweitens können Probleme bei der nationalen Bevölkerungsermittlung in der Form auftreten, dass Entwicklungsländer Einwohnerzahlen angeben, die aufgrund statistischer Erfassungsprobleme nur grobe Schätzungen beinhalten (Hemmer 2002, S. 15). Drittes Problem stellt die Umbewertung nationaler Pro-Kopf-Einkommensbeträge in eine einheitliche Währung dar. Ausgedrückt werden die PKE-Werte in so genannten Kaufkraftparitäten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Thema und Problemstellung: Einführung in die Zielsetzung, die Relevanz der Armutsbekämpfung und die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Das Armutsverständnis: Analyse der Wandlung von Armutsdefinitionen, von einer rein ökonomischen Sicht hin zu einem multidimensionalen Verständnis.
3 Indikatoren zur Messung von Armut und Entwicklung: Vorstellung und kritische Diskussion von Messinstrumenten wie Armutslinien, Indikatoren und aggregierten Indizes wie dem HDI.
4 Die Entwicklung der Armut: Darstellung der globalen und regionalen Armutsentwicklung über die letzten vier Jahrzehnte sowie Erörterung von Disparitäten.
5 Zusammenhang von Armut und Wirtschaftswachstum: Theoretische Debatten und empirische Erkenntnisse über die Auswirkungen von Wachstum auf Armut und Einkommensverteilung.
6 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Fazit zur Notwendigkeit regionalspezifischer Lösungsansätze.
Schlüsselwörter
Armut, Entwicklungsländer, Armutsverständnis, Messkonzepte, Entwicklungsindikatoren, Pro-Kopf-Einkommen, Armutslinie, Human Development Index, Wirtschaftswachstum, Einkommensverteilung, Armutsreduzierung, Entwicklungspolitik, Disparitäten, Grundbedürfnisse, Weltbank.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die regionale Struktur und die zeitliche Entwicklung der Armut in Entwicklungsländern im Kontext wirtschaftlicher und sozialer Prozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Armut, die methodische Erfassung durch Indikatoren, den Zusammenhang zu Wirtschaftswachstum sowie die historischen Phasen entwicklungspolitischer Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die multidimensionalen Ausprägungen von Armut darzustellen, geeignete Messansätze zu evaluieren und die Abhängigkeit der Armutsentwicklung vom Wirtschaftswachstum kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich von Wirtschaftsdaten sowie Indikatoren der Weltbank und des UNDP, um Zusammenhänge theoretisch und empirisch zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den verschiedenen Dimensionen der Armut, den Problemen bei deren statistischer Messung und der Analyse der Armutsentwicklung über die letzten Jahrzehnte unter Einbeziehung des Wirtschaftswachstums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Armut, Entwicklungsländer, Armutsindikatoren, Einkommensverteilung, Wirtschaftswachstum, Armutsbekämpfung und Human Development Index.
Warum ist die Wahl des Armutsmaßstabs für die Ergebnisse so entscheidend?
Da verschiedene Maßstabsebenen zu unterschiedlichen Ergebnissen über das Ausmaß der Armut führen, ist die Definition des verwendeten Konzepts maßgeblich für die Interpretation der Entwicklungstendenzen.
Welche Rolle spielt das Wirtschaftswachstum laut der Arbeit für die Armen?
Wachstum wird als notwendig, aber nicht als hinreichende Bedingung für die Armutsbekämpfung angesehen; es erfordert flankierende entwicklungspolitische Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Effekte bei den Armen ankommen.
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- Nicola Ahlert (Author), 2003, Regionale Struktur und Entwicklung der Armut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30974