Regionale Struktur und Entwicklung der Armut


Hausarbeit, 2003

31 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Thema und Problemstellung

2 Das Armutsverständnis
2.1 Armut als multidimensionales Phänomen
2.2 Absolute und relative Armut
2.3 Definition von Entwicklungsländern

3 Indikatoren zur Messung von Armut und Entwicklung
3.1 Definition von Entwicklungsindikatoren
3.2 Wirtschaftliche Entwicklungsindikatoren
3.2.1 Das Pro-Kopf-Einkommen
3.2.2 Verteilungsindikatoren
3.2.2.1 Indikatoren zur Messung personeller Verteilungsstrukturen
3.2.2.2 Indikatoren zur Messung absoluter Armut
3.3 Aggregierte Entwicklungsindikatoren
3.4 Allgemeine Probleme bei der Messung von Armut
3.5 Die Bedeutung des Maßstabs

4 Die Entwicklung der Armut
4.1 Die Entwicklung der Einkommensarmut
4.2 Die Entwicklung der menschlichen Armut
4.3 Disparitäten zwischen Ländern, Regionen und Bevölkerungsgruppen
4.4 Rückschläge in der Entwicklung in den 1980er Jahren

5 Zusammenhang von Armut und Wirtschaftswachstum
5.1 Die Debatte über Wirtschaftswachstum, Armut und Einkommensverteilung
5.1.1 Die Kuznets-Hypothese (1955)
5.1.2 Empirische Befunde
5.2 Entwicklungspolitische Strategien im Zeitverlauf

6 Schlussbetrachtung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die Kuznets’sche U-These

Abb. 2: Kategorisierung der Welt nach Einkommen

Abb. 3: Einkommensarmut der Regionen 1987-1998

Abb. 4: Armutsentwicklung in den Regionen 1987-1998

Abb. 5: Wo die Armen der Entwicklungsländer leben

Abb. 6: Relative Einkommensarmut der Regionen 1987-1998

Abb. 7: Entwicklungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen 1970-2000

Abb. 8: Disparitäten zwischen Stadt und Land 1990

1 Thema und Problemstellung

Die Grundidee entwicklungspolitischer Bemühungen war seit jeher eine Minderung der Armut in der Welt. So ist die weltweite Halbierung extremer Einkommensarmut bis 2015 beispielsweise eines der Ziele, das sich die Vereinten Nationen auf dem Millenniumsgipfel im September 2000 gesetzt haben.

Um Armut bekämpfen zu können, erfordert es eines umfassenden Ansatzes, da sie sich in den unterschiedlichsten Facetten äußert. Entsprechend der Vielzahl von Dimensionen, in denen sich Armut äußert, gibt es auch eine Vielzahl von Indikatoren zu ihrer Bestimmung. Den unterschiedlichen Messkonzepten liegen unterschiedliche Verständnisse von Armut zugrunde, die nicht zu jeder Zeit identisch waren. Interessant ist es deshalb zu untersuchen, wie sich das veränderte Verständnis von Armut auf Messkonzepte und entwicklungspolitische Auffassungen und Zielsetzungen in den letzten Jahrzehnten ausgewirkt hat.

Aber nicht nur hinsichtlich ihrer Ausprägungen, sondern auch bezüglich ihrer Ursachen, Entstehung und Entwicklung gibt es eine Vielzahl von relevanten Faktoren. Wichtig scheint an dieser Stelle die Untersuchung der Bedeutung des Wirtschaftswachstums als Einflussgröße sowohl auf die Armutsentwicklung als auch auf die Einkommensverteilung.

Ziel dieser Arbeit ist es, die regionale Struktur und Entwicklung der Armut darzulegen. Sie soll die unterschiedlichen Dimensionen der Armut aufzeigen, verschiedene Messkonzepte vorstellen, die regional und sozial differenzierte Armutsentwicklung unter Beachtung der zugrunde gelegten Messkonzepte darlegen und außerdem den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Armutsentwicklung beleuchten.

Als Einstieg in die Thematik wird in Kapitel 2 zunächst auf das Armutsverständnis und seine Dimensionen eingegangen. Kapitel 3 legt die Vorgehensweisen bei der Bestimmung des Ausmaßes der Armut dar und erörtert einhergehende Schwierigkeiten. Kapitel 4 behandelt die Entwicklung der Armut in der Welt im Zeitverlauf während der letzen vier Jahrzehnte. Im Anschluss wird im Kapitel 5 der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Armut sowohl theoretisch als auch empirisch näher untersucht.

Um einen Überblick über die Entwicklung der Armut zu erhalten, werden in dieser Arbeit die Entwicklungsländer in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Denn schließlich findet man hier den größten Teil der von Armut Betroffenen in der Welt.

2 Das Armutsverständnis

2.1 Armut als multidimensionales Phänomen

Will man Armut definieren, so wird einem bald bewusst, dass sie keine verbindliche aussagekräftige Definition zulässt. Sie ist heute als ein multidimensionales Phänomen zu verstehen, wurde allerdings nicht zu jeder Zeit als solches definiert. Da Zielsetzungen in der Entwicklungspolitik eng am Armutsverständnis anknüpfen, bedeuten unterschiedliche Verständnisse von Armut zwangsläufig auch unterschiedliche Schwerpunkte bei den entwicklungspolitischen Maßnahmen, auf die zu einem späteren Zeitpunkt vertiefend eingegangen wird.

So stand anfangs ein rein ökonomisches Verständnis von Armut im Vordergrund, bei dem diese hauptsächlich über ein geringes Einkommen definiert wurde (Durth/Körner/Michaelowa 2002, S. 7 f.).

Mittlerweile wird Armut als multidimensionales Phänomen verstanden, das nicht nur durch das Einkommensniveau und die Erfüllung der Grundbedürfnisse, sondern darüber hinaus auch durch Sicherheit und persönliche Einflussmöglichkeiten (empowerment) bestimmt wird. Die ökonomische Dimension, das heißt der Mangel an Konsum- und Einkommensmöglichkeiten, ist nur eine unter verschiedenen, sich gegenseitig beeinflussenden Komponenten der Armut. Armut ist folglich als Mangel an Lebenschancen zu verstehen und ist das Ergebnis wirtschaftlicher, politischer und sozialer Prozesse (Weltbank 2000, S. 1 ff.). Damit beinhaltet Armutsbekämpfung entsprechend die Gewährleistung grundlegender Freiheiten und die Eröffnung neuer Chancen für die Armen in einer Vielzahl unterschiedlicher Bereiche.

Dieses Verständnis von Armut ist eng verwandt mit der Definition von Entwicklung. Während früher Entwicklung als notwendige Bedingung für Armutsbekämpfung betrachtet wurde, erscheint heute die Überwindung von Armut, verstanden an wesentlichen Fähigkeiten, Chancen und Freiheiten, als notwendige Bedingung von Entwicklung (Durth/Körner/Michaelowa 2002, S. 8 f.).

Dimensionen der Armut

Die ökonomische Dimension der Armut ist – wie bereits dargelegt - nur eine unter vielen.

Eine weitere Armutsdimension stellt die so genannte menschliche Armut dar. Sie umfasst Mängel in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Ernährung.

Hinzu tritt die politische Dimension der Armut, bei der es um Mängel bei den politisch-gesellschaftlichen Grundbedürfnissen geht. Dazu gehören politische Freiheiten und Einflussmöglichkeiten (Weltbank 2000, S. 16 ff.).

Die schutzbezogene Dimension der Armut umfasst Wehrlosigkeit gegenüber innerer und äußerer Bedrohung. Mangelnde Sicherheit kann unter anderem durch Krankheiten, Ernteausfälle, Preisschocks, interfamiliäre Gewalt, Naturkatastrophen und Krieg ausgelöst werden (Durth/Körner/Michaelowa 2002, S. 13 ff.).

Nicht zu vernachlässigen ist auch die soziokulturelle Dimension der Armut. Diese geht von der positiven Bedeutung des sozialen Zusammenhalts und der sozialen Beziehungen innerhalb menschlicher Gemeinschaften für den Einzelnen aus. Soziokulturelle Armut ist gekennzeichnet durch fehlende Akzeptanz innerhalb einer sozialen Gemeinschaft und durch die fehlende Möglichkeit zur Partizipation in dieser Gruppe. Die soziokulturelle Komponente der Armut ist deshalb eng verwandt mit dem Konzept des sozialen Ausschlusses (Durth/Körner/Michaelowa 2002, S. 26).

2.2 Absolute und relative Armut

Bei einer Analyse von Armut kann zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden werden.

Von relativer Armut wird gesprochen, wenn Untersuchungseinheiten im Vergleich zu näher zu spezifizierenden anderen Untersuchungseinheiten „arm“ sind. Zudem berücksichtigt das Konzept der relativen Armut, dass Armut vom gesellschaftlichen Umfeld, das heißt insbesondere auch vom Einkommen der anderen Mitglieder der Gesellschaft, mitbestimmt wird (Durth/Körner/Michaelowa 2002, S. 15).

Dagegen charakterisiert absolute Armut ausschließlich die Situation der jeweiligen Untersuchungseinheit, ohne Vergleiche zu anderen anzustellen. Unter absoluter Armut versteht man einen Zustand, bei dem die Betroffenen nicht in der Lage sind, die zur Sicherung ihres Existenzminimums erforderlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen (Hemmer 2002, S. 5).

Absolute Armut kann darüber hinaus weiter differenziert werden. Ist die physische Subsistenz (ausgedrückt durch Nahrung, Kleidung, Obdach) von Menschen nicht gewährleistet, dann spricht man speziell von primärer (absoluter) Armut. „Ein Ausschluss von der Teilnahme am gesellschaftlich üblichen Leben“ hingegen oder, anders ausgedrückt, das Nicht-Erreichen eines konventionellen sozialen und kulturellen Existenzminimums bezeichnet man hingegen als sekundäre (absolute) Armut. Diese Art der Charakterisierung von Armut knüpft am Begriff der Grundbedürfnisse an. Danach werden Menschen für „arm“ gehalten, deren materielle oder immaterielle Mindest- bzw. Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden (Schubert 1994, S. 13 f.).

2.3 Definition von Entwicklungsländern

Der Armutsbegriff steht in engem Zusammenhang mit der Definition von Entwicklung. Da die Entwicklungsländer im Fokus dieser Arbeit stehen, soll zunächst auf ihre Definition eingegangen werden. Die Entdeckung der heute überwiegend als Entwicklungsländer bezeichneten Länder als Objekt wissenschaftlicher Analysen begann faktisch Ende der 1940er Jahre. Unterentwicklung bezeichnet sprachlich einen Zustand der Entwicklung unterhalb einer Norm. Vom Grundsatz her versteht man unter Entwicklungsländern jene Länder, deren bislang erreichter Lebensstandard hinter den meist als Vorbild angesehenen Ländern Nord-, West-, Mittel- und Südeuropas, Nordamerikas und Ozeanien (Japan, Australien, und Neuseeland) zurückgeblieben ist (Hemmer 2002, S. 5). Dies ist eine Definition im relativen Sinn. Das Interesse beschränkt sich allerdings nicht auf diese relative Schlechterstellung. Von besonderer Bedeutung sind vielmehr die absoluten Lebensbedingungen der Bevölkerung vieler Länder, die durch eine umfangreiche absolute physische und psychische Armut gekennzeichnet ist (Hemmer 2002, S. 5).

Die Weltbank beispielsweise nimmt eine Kategorisierung aller Länder anhand des Kriteriums „BSP pro Kopf“ vor und unterscheidet dabei zwischen den „Ländern mit niedrigem Einkommen“ (755 $ oder weniger im Jahre 1999), den „Ländern mit mittlerem Einkommen“ (756 $ bis 9.265 $) und den „Ländern mit hohem Einkommen“ (9.266 $ oder mehr), den Industrieländern (Abb. 2, Anhang) (Weltbank 2000, S. 271).

3 Indikatoren zur Messung von Armut und Entwicklung

Für die Bestimmung von Art und Ausmaß der Armut sind generell drei Analyseinstrumente von besonderer Bedeutung, nämlich 1) Armutslinien oder –grenzen, 2) Armutsprofile sowie 3) die Armutsindikatoren.

Armutslinien bzw. –grenzen trennen die Armen von den Nicht-Armen. Armutsprofile kennzeichnen die Charakteristika von Armen näher, und Armutsindikatoren sollen einen Gesamteindruck von Lebensstandard, Einkommen und sozialen Bedingungen von Armen vermitteln. Mit Hilfe aller drei genannten Instrumente können Momentaufnahmen der Armut für Individuen, Gruppen oder Länder oder auch Vergleiche zwischen Gruppen und Ländern bzw. Vergleiche im Zeitablauf angestellt werden (Schubert 1994, S. 14). Besonderes Augenmerk liegt im Folgenden auf den Armutsindikatoren.

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Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Regionale Struktur und Entwicklung der Armut
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
31
Katalognummer
V30974
ISBN (eBook)
9783638321181
Dateigröße
1242 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionale, Struktur, Entwicklung, Armut
Arbeit zitieren
Nicola Ahlert (Autor), 2003, Regionale Struktur und Entwicklung der Armut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30974

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