Jugendsprache in der "Bravo". Verwendung und Wandel


Bachelorarbeit, 2015

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Jugendsprache
2.1 Definitionen
2.2 Funktionen
2.3 Historische Entwicklung von Jugend und Jugendsprache
2.4 Jugendsprache als Medienphänomen
2.5 Sprachliche Besonderheiten

3. Der Untersuchungsgegenstand „Bravo“
3.1 Entwicklung
3.2 Zielgruppe

4. Empirische Untersuchung jugendsprachlicher Elemente in der „Bravo“
4.1 Die „Bravo“ 1963
4.2 Die „Bravo“ 1985
4.3 Die „Bravo“ 2015
4.4 Untersuchungsergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Jede Zeit, aber auch alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppen haben ihre eigenen Kommunikationsformen […].“ (Ermert 1987, 5)

So beschreibt es Karl Ermert in seinem Werk „Sprüche - Sprachen - Sprachlosigkeit? Ursachen und Folgen subkultureller Formen der Kommunikation am Beispiel der Jugendsprache“. Demzufolge kann auch zwischen dem Sprachgebrauch von Jugendlichen und dem Erwachsener differenziert werden. Die Sprache jugendlicher Menschen unterscheidet sich von der anderer Altersgruppen und dient hauptsächlich als ein Weg der Abgrenzung gegenüber anderen. Diese so genannte Jugendsprache ist unter anderem in Zeitschriften zu finden. Gerade Jugendzeitschriften erfreuen sich schon über Jahrzehnte großer Beliebtheit bei der heranwachsenden Jugendkultur. Sie haben die Aufgabe, sich nicht nur thematisch den Jugendlichen anzupassen, sondern auch ihre Sprache zu repräsentieren.

In der folgenden Bachelorarbeit wird die Jugendsprache in der Jugendzeitschrift „Bravo“ näher untersucht. Mit dem Thema „Jugendsprache in der „Bravo“ - Verwendung und Wandel“ soll geklärt werden, auf welche Weise die Jugendsprache in der bekanntesten und meist gelesenen deutschen Jugendzeitschrift verwendet wird. Außerdem soll untersucht werden, ob und wie sich die Sprache in der Jugendzeitschrift in den Jahren verändert hat.

Um dieses Themengebiet enger zu beleuchten, erfolgt zunächst eine Klärung zentraler Begrifflichkeiten im Bereich der Jugendsprache. Im weiteren Verlauf wird außerdem auf die Funktion und auf die historische Entwicklung der Jugend und ihrer Sprache eingegangen. Zusätzlich werden das Medienphänomen sowie einige relevante sprachliche Merkmale von Jugendsprache aufgezeigt. Anschließend steht im zweiten Kapitel der Untersuchungsgegenstand - die „Bravo“ - im Fokus der Betrachtungen. Hierbei wird auf die Entwicklung und die Zielgruppe der Zeitschrift, mit Benennung einiger wichtiger Merkmale, eingegangen. Den Hauptteil der Arbeit bildet das vierte Kapitel mit einer analytischen Untersuchung jugendsprachlicher Elemente in der Jugendzeitschrift. Hierfür werden Ausgaben der „Bravo“ aus dem Jahr 1963, dem Jahr 1985 sowie aus dem aktuellen Jahr 2015 gegenübergestellt. Dabei ist zum einen von Interesse, wie genau sich die Jugendsprache in der Jugendzeitschrift entwickelt hat, zum anderen soll geklärt werden, ob sich in den Jahren der Gebrauch von Jugendsprache in Jugendzeitschriften verändert hat. Den Abschluss dieses Kapitels bilden die Untersuchungsergebnisse, die hier ausgewertet und gegenübergestellt werden. Abschließend für diese Arbeit folgt ein Fazit.

2. Die Jugendsprache

„Jugendsprache hat Hochkonjunktur [...]“, so beschreibt es Neuland in ihrem Werk „Jugendsprache“ (Neuland 2008, XI). Das Thema Jugendsprache ist in den vergangenen Jahren zu einer kontrovers diskutierten Problematik herangewachsen. Das große öffentliche Interesse an dieser Thematik zeigt sich nicht nur allein an dem alljährlich von Langenscheidt gewählten „Jugendwort des Jahres“.

Im Folgenden wird erläutert, was die Linguistik unter der Bezeichnung Jugendsprache versteht. Dafür ist es zunächst sinnvoll den Begriff Jugend näher zu erläutern, um dann anschließend den Terminus Jugendsprache zu klären. Des Weiteren erfolgt eine Antwort auf die Frage, ob sich Jugendsprache funktional begründen lässt und inwieweit sich die Jugend und ihre Sprache in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Da es im weiteren Verlauf eine empirische Untersuchung zu der Jugendzeitschrift „Bravo“ geben wird, bietet es sich an zusätzlich das Medienphänomen von Jugendsprache näher zu beleuchten. Für dieses Kapitel abschließend werden sprachliche Besonderheiten im Bereich der Jugendsprache aufgezeigt.

2.1 Definitionen

Unter dem Begriff Jugend, wie er in dieser Arbeit verwendet wird, versteht man „eine bestimmte Phase im Lebenslauf eines Menschen“ (Henne 2009, 201). In der Soziologie wird darunter eine Lebensperiode verstanden, in der ein Mensch nicht mehr als Kind betrachtet wird, ihm jedoch der Status, die Rollen und die Funktionen eines Erwachsenen noch nicht uneingeschränkt zugeschrieben werden können (Brockhaus 1996). Mit Jugend werden verschiedene Ansichtsweisen verbunden, wobei die altersabhängigen Kennzeichen von Jugend in der Literatur sehr unterschiedlich beschrieben werden. So betont Helmut Henne, dass „Die Phase der Jugend [...] zwischen der biologischen Geschlechtsreife, von 12 bis 13 Jahren, und sozialer Reife, die vielfach mit 25 noch nicht erreicht ist“ liegt (Henne 2009, 202). Eine einheitliche Definition und Altersabgrenzung von Jugend gibt es nicht, da bei jedem Individuum der Eintritt bzw. der Austritt in das bzw. aus dem „Jugendalter“ unterschiedlich verlaufen kann.

Demnach gibt es auch nicht „die“Jugendsprache, weil es ebenso nicht „die“Jugend gibt. Dennoch spielt sich die Jugendsprache im sozialen Alter der Jugend ab, welches durch die jeweilige Gesellschaft definiert ist. Der Bereich der Linguistik, der sich mit der Jugend und ihrer Sprache beschäftigt, ist die Soziolinguistik, deren Aufgabe vor allem darin besteht, sozial und kulturell bedingte Unterschiede im sprachlichen Verhalten von Menschen zu untersuchen (Neuland 2008, 22). Jugendsprache setzt sich aus verschiedenen jugendlichen Sprechweisen zusammen und ist ständigen Veränderungen unterworfen. Helmut Henne schreibt hierzu:

„Sie setzt die Standardsprache voraus, wandelt sie schöpferisch ab, stereotypisiert sie zugleich und pflegt spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels.“ (Henne 2009, 208)

Die Jugendsprache ist folglich keine eigenständige Sprache, sie weicht von der Standardsprache ab und fällt deshalb innerhalb der Sprachnorm als Varietät auf Varietätenlinguistik. D.h. vereinfacht, sie bedient sich der Standardsprache und ändert diese ab. Jüngeren Forschungsansätzen der Varietätenlinguistik zufolge ist die Jugendsprache ein Bereich des Substandards, ein „standardnah gesprochenes Deutsch, das überregionale Merkmale aufweist, jedoch einer Reihe von Korrektheitsbedingungen des schriftlichen Standards nicht hinreichend Rechnung trägt“ (Neuland 2008, 67). Dennoch sind die Varietäten nicht nur durch sprachliche, sondern zugleich durch außersprachliche Kriterien definiert: die räumlichen, sozialen und situativen Variationsdimensionen. Jedes Individuum beherrscht demnach über mehrere Varietäten. Die Auswahl dieser Varietäten ist abhängig von den sozial-situativen Bedingungen, da „bestimmte Situations- und Handlungstypen […] konventionell die Wahl einer bestimmten Sprachvarietät“ verlangen (Androutsopoulos 1997, 10). Jugendliche entscheiden demnach bewusst zwischen den Verwendungssituationen von Freizeit, Schule und Familie (Neuland 2008, 138). Dennoch kritisiert Neuland den Varietätsbegriff in Verbindung mit Jugendsprache, da innerhalb einer Varietät eine gewisse Homogenität der Merkmale gegeben sein muss (ebd., 68). Wie jedoch bereits verdeutlicht, lässt sich die Jugendsprache nicht als vollständig homogen bewerten. Die Jugendlichen entwickeln und sprechen ihre Sprache vorwiegend in Peer-Groups (Gruppen Gleichaltriger). Da es aber Unmengen verschiedener „Peer-Groups“ gibt, gibt es auch eine Vielzahl verschiedener Varietäten von Jugendsprache. Aus diesem Grund kann die Jugendsprache als ein heterogenes Gegenstandsfeld bezeichnet werden (Neuland 2007, 13). Neuland hält daher die Bezeichnung „Sprachgebrauchsweisen“ in einem „multidimensionalen Varietätenraum“ für angemessener (Neuland 2008, 69).

In der folgenden Abbildung soll die Vielfalt von Sprachgebrauchsweisen Jugendlicher verdeutlicht werden. Neuland benennt dazu eine Vielzahl von soziolinguistischen Aspekten, welche die Heterogenität von Jugendsprache verdeutlichen. Dazu gehört beispielsweise das Alter, das Geschlecht, die soziale Herkunft sowie die regionale Herkunft der Jugendlichen (ebd., 69).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Variationsspektrum Jugendsprache (Neuland 2008, 69)

2.2 Funktionen

Der Jugendsprache können grundsätzliche Funktionen zugeschrieben werden, die sich durch eine interne und externe Reichweite unterscheiden lassen. Sie dient demnach dazu, die Gruppe von Jugendlichen nach innen zu stabilisieren, um eine Gruppenidentität herzustellen, und sich andererseits nach außen gegenüber anderen Gruppen abzugrenzen (Schlobinski/Blank 1990, 4).

Durch bestimmte sprachliche Äußerungen wollen die Jugendlichen die Zugeh ö rigkeit zu einer Gruppe verdeutlichen („Wir-Gefühl“). Diese sprachlichen Äußerungen „erlauben, dass [sic] die Gruppe sich als Einheit, als Identität erfährt“ (Pörksen 1987, 24). Eine weitere bedeutende Funktion von Jugendsprache ist die Identit ä tsfindung der Jugendlichen. Helmut Henne benutzt dafür den Begriff „Jugendton“, der in einer jugendlichen Gruppe gesprochen wird. Durch eine eigene Varietät von Sprache wollen die Jugendlichen eine „Ich-Identität“ ausbilden. (Henne 2009, 202f).

„'Ich' sagen zu können heißt, eine unverwechselbare Person zu sein, die als solche von anderen akzeptiert wird“. (Henne 2009, 203)

Dieses steht in enger Verbindung mit der Abgrenzungsfunktion („Ihr-Gefühl“), da die Jugendlichen ihre Identitätsfindung „durch Abgrenzung von der Welt der Erwachsenen und Identifikation mit der jugendlichen Altersgruppe verwirklichen wollen (Dürscheid/Neuland 2006, 20). Auch Androutsopoulos unterstützt die Abgrenzungsfunktion von Jugendsprache, indem er von einer „in-group language“ spricht, welche die Abgrenzung zu anderen Jugendgruppen verdeutlicht (Androutsopoulos 1998, 75).

2.3 Historische Entwicklung von Jugend und Jugendsprache

Die Jugend und ihr Sprachwandel sind kein reines Phänomen der Gegenwart. Dieser Prozess ist seit jeher ständigen Veränderungen unterworfen. Gerade bei Jugendlichen sind besondere Trends sehr kurzlebig, was gestern „in“ war, kann heute schon wieder „out“ sein (Jenke/Niehues 1995, 9f.). Ebenso verändert sich die Lexik der Jugendlichen. Im Folgenden sollen die sprachlichen Besonderheiten in Verbindung mit den gesellschaftlichen Hintergründen betrachtet werden. In Anbetracht auf die spätere empirische Untersuchung von Jugendsprache in der Zeitschrift „Bravo“ wird speziell auf die 60er und 80er Jahre sowie auf die Gegenwartssprache eingegangen. Anknüpfend an die erste Jugendbewegung, mit dem Namen „Halbstarke“, der Nachkriegszeit (nach 1945) in Deutschland, entstanden in den 60er Jahren die sogenannten „Teens und Twens“. (Neuland 2008, 112ff.)

„Der stärker orientierte Lebensstil der Teenager und Twens und seine Vereinnahmung durch Freizeitmarkt und Warenangebot der Konsumindustrie führte zu einer Entschärfung und Transformation des rebellischen und gesellschaftskritischen Kerns von Jugendsubkultur […]. (Neuland 2008, 120)

Aufgrund des großen Einflusses der Medien und der Wirtschaft fand eine Veränderung des jugendkulturellen Hintergrundes statt, was „zu einer Vermarktung und Kommerzialisierung des Teenager- und Twenstils beitrug“ (ebd., 116). Zu erkennen war dies vor allem an den ersten Wörterbüchern zur Sprache der Teenager und Twens, die bereits 1960 und 1962 erschienen. Als besondere Kennzeichen des Twen-Deutsch sind Metaphernbildung, Umdeutungen, Neologismen, Anglizismen sowie Humor und Selbstironie zu nennen (ebd., 119). Ende der 60er Jahre änderte sich die Jugendsubkultur mit der Entwicklung der Studentenbewegung und der Außerparlamentarischen Opposition (ebd., 120). Die sprachlichen Besonderheiten wurden „sprachreflexiv sowie wissenschaftssprachlich ausgebaut und zu argumentativ begründeten Modellen von Gesellschaftskritik und Gesellschaftsveränderung theoretisch weiterentwickelt“ (ebd., 121).

In den 80er Jahren entwickelte sich die sogenannte „Sponti-Bewegung“, welche das Spektrum von Jungendszenen zunehmend differenzierte. Die eigene Betroffenheit galt als Voraussetzung und Grundlage für das politische Handeln, sodass sich der Sprachgebrauch „stark auf das eigene Subjekt und die eigene Befindlichkeit“ konzentrierte. Der Sprachgebrauch der sogenannten „Spontis“ ist durch Emotionalität und psychischer Betroffenheit gekennzeichnet. Zu den wesentlichen sprachlichen Besonderheiten können Vieldeutigkeit, Partikeln und Abkürzungen sowie die Übernahme von Elementen der gesprochenen Sprache in die Schriftsprache zählen. Außerdem ist die Sprüche-Kultur der Spontis geprägt durch Kreativität und Witz (Neuland 2008, 125f.).

Jugendliche Sprachstile der Gegenwart zeichnen sich unter dem Aspekt der „Stilbildung in der Erlebnisgesellschaft“ aus. Dieser Begriff steht für „jene Vielfalt 8 sprachkultureller Äußerungen jugendsprachlicher Erscheinungsformen […], die wir heute vor allem in den unterschiedlichen Musikszenen, Sport- und Freizeitaktivitäten und im Kontext von Medien-erfahrungen Jugendlicher registrieren können“ und geht auf den Sozialwissenschaftler Gerhard Schulze zurück (ebd., 133). Die Jugendlichen verwenden heute zahlreiche Anglizismen und sind zugleich Experten für Mode, Medien und Musik. Zudem tragen die neuen Medien, wie z.B. Chats, zu einer Aufhebung der traditionellen Grenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit bei (ebd., 134). Neuland hält fest:

„Jugendlichkeit“ des Sprachgebrauchs stellt zunehmend einen Effekt subjektiver Selbstzurechnung dar und bildet einen Prestigefaktor der Eventkultur und Erlebnisgesellschaft.“ (Neuland 2008, 136)

2.4 Jugendsprache als Medienphänomen

Schon von Beginn an beschäftigte sich die Jugendsprachforschung mit dem Phänomen, dass sich Medien auf den Sprachgebrauch von Jugendlichen ausüben. Gerade im Bereich der Printmedien werden die Jugendlichen als aktive Mitgestalter angesehen (Neuland 2008, 36). Daher spielen gerade Medien bei dem Prozess des sprachlichen Wandels eine große Rolle. So werden jugendsprachliche Neuerungen von den Medien aufgegriffen und popularisiert (ebd., 83). Henne spricht davon, dass die Medien die Jugendsprache als ein Spielzeug verwenden, sie also medial funktionalisiert wird (Henne 2009, 198). Dennoch ist zu beachten, dass Medien sich ein eigenes Bild von Jugendsprache konstruieren und es sich dabei um eine inszenierte Sprache handelt, die von Erwachsenen hervorgerufen wird. So bilden Medienkonsum und Medienwissen „eine wesentliche Ressource für jugendlichen Sprachgebrauch“, indem die Jugendlichen z.B. Zitate aus Jugendmagazinen kreativ in ihren eigenen Sprachgebrauch einarbeiten (Neuland 2008, 41). Die Betrachtung vom jugendlichen Sprachgebrauch als ein Medienphänomen kann demnach Aufschluss über die Bildung, Verbreitung sowie Vermarktung jugendlicher Sprachstile durch das Spektrum der klassischen Printmedien geben (ebd., 42).

2.5 Sprachliche Besonderheiten

Trotz der Heterogenität von Jugendsprache gibt es einige grundsätzliche sprachliche Strukturen. Nach der anfänglichen Konzentration auf den Wortschatz von Jugendlichen und auf die lexikografischen Betrachtungen, hat sich das Feld der linguistischen Untersuchungen erweitert und bezieht mehrere linguistische Ebenen mit ein (Neuland 2007, 13). Der Sprachgebrauch Jugendlicher kann hier unter dem soziolinguistischen Begriff „subkultureller Stile“ erfasst werden. Die Stilbildung bei Jugendlichen geschieht immer dynamisch und neu, durch die Abwandlung und Aneignung sprachlicher Merkmale und Handlungsmuster (Neuland 2008, 140f.).

Zu den lexikalischen Merkmalen zählt Neuland vor allem die Verstärkungspartikel, Anglizismen, Schimpfwörter, Fäkalausdrücke sowie Wertungsausdrücke. Zudem kommen die Umgangssprache und ein besonderer Fachwortschatz hinzu. (Neuland 2008, 133f.). Im Bereich der phonetischen Besonderheiten sind hauptsächlich Verschleifungen, Lautmalereien, Interjektionen sowie Apokopen, Synkopen und Gesprächspartikel aufzufinden. Diese sind vorrangig im gesprochenen Sprachgebrauch anzutreffen, befinden sich aber auch in schriftlichen Texten (ebd., 134). Im geschriebenen Sprachgebrauch werden vor allem graphische Besonderheiten, wie z.B. die Abweichung von orthographischen Normen - genauer, die orthographische Nachgestaltung von gesprochener Sprache - genutzt (ebd., 134). Die morphologischen Besonderheiten von Jugendsprache beinhalten primär den Faktor „Wortbildung“. Neuland schreibt der Wortbildung sogar gänzlich eine eigene Ebene zu. Hierzu zählen auch Neuwortbildungen, die durch Wortverkürzungen- und Erweiterungen hervorgerufen werden (Neuland 2007, 12). Henne hingegen ordnet den bedeutenden Faktor Wortbildung in die lexikalische Ebene ein und unterscheidet hierbei zusätzlich das Neuwort, die Neubedeutung und die Neubildung (Henne 2009, 209ff.). Bei neueren Formen von Schriftlichkeit sind außerdem Wortbildungen in Form von Akronymen zu finden. Zu der syntaktischen Ebene zählen vorwiegend die Satzverkürzungen, Satzbrüche, Verbspitzenstellungen sowie auffällige Phraseologismen (Neuland 2008, 134). Hierzu gehören auch Interpunktionen, die in der Schriftlichkeit von Texten häufig vorkommen. Zudem ordnet Neuland bestimmte Begrüßungs- und Verabschiedungsformen sowie bestimmte kommunikative Handlungsmuster von Jugendlichen den pragmatischen Merkmalen zu (Neuland 2007, 12).

Diese Vielzahl von sprachlichen Auffälligkeiten beweisen, dass der Sprachgebrauch Jugendlicher von der Standardsprache abweicht. Im Verlauf dieser Arbeit wird primär auf den geschriebenen Sprachgebrauch der Jugendsprache in der Zeitschrift „Bravo“ eingegangen, da dieser in diesem Rahmen hauptsächlich Verwendung findet.

3. Der Untersuchungsgegenstand „Bravo“

In diesem Kapitel wird der Untersuchungsgegenstand, die Jugendzeitschrift „Bravo“, näher charakterisiert. Dies ist daher von Interesse, da es im weiteren Verlauf dieser Arbeit eine empirische Untersuchung zu jugendsprachlichen Elementen in dieser Zeitschrift geben wird. Dafür wird zunächst auf die Entwicklungsgeschichte der „Bravo“ eingegangen, um anschließend die Zielgruppe inklusive ihrer Merkmalen zu intensivieren.

3.1 Entwicklung

Erstmalig erschienen ist die Zeitschrift „Bravo“ am 26. August 1956 im Münchner Kindler & Schiermeyer Verlag, als eine „Zeitschrift für Film und Fernsehen“ (Wikipedia 2015). Zunächst wurden die Erwachsenen als Leserschaft angesprochen, bevor man bemerkte, dass sich auch Jugendliche für die Zeitschrift interessierten. Nach und nach stellte sich die Zeitschrift immer mehr auf die jüngere Leserschaft ein, bis sie sich schließlich gänzlich zu einer Jugendzeitschrift entwickelte (Krüger 1985, 364). Die „Bravo“ entwickelte sich zum deutschen Marktführer der Jugendzeitschriften, auch weil sie den Jugendlichen eine große Bandbreite an Themen bot. Mit Musik, Film und Fernsehen, ab 1962 auch mit der Rubrik Sexualität bzw. Aufklärung, sollten sowohl die jüngeren als auch die älteren Leser angesprochen werden. Die Startauflage der Zeitschrift begann mit 64000 Exemplaren und war damals bereits ein großer Erfolg. Im Verlauf der ersten zehn Jahre gelang es der „Bravo“ ihre Verkaufszahlen um das Elffache zu steigern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache in der "Bravo". Verwendung und Wandel
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Sprachwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
36
Katalognummer
V309746
ISBN (eBook)
9783668080522
ISBN (Buch)
9783668080539
Dateigröße
10313 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Bravo, Wandel von Jugendsprache
Arbeit zitieren
Jana Wiedemann (Autor:in), 2015, Jugendsprache in der "Bravo". Verwendung und Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309746

Kommentare

  • Gast am 26.9.2020

    Hallo Jana, ich würde gerne wissen, woher du die ganzen Bravo Ausgaben hast? Würde mich sehr interessieren :)

Im eBook lesen
Titel: Jugendsprache in der "Bravo". Verwendung und Wandel



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