In seinem 12641 verfassten Opusculum "De rationibus fidei contra Saracenos, Graecos et Armenos ad Cantorem Antiochenum" eilt Thomas von Aquin einem namenlosen Glaubensbruder zu Hilfe. Dieser sah sich im Orient hilflos den islamischen Einwänden gegen den katholisch-christlichen Glauben ausgesetzt und fragte deshalb den großen christlichen Glaubenslehrer Thomas um Rat, was er denn dem Spott der Sarazenen entgegnen solle. Die Sarazenen nämlich, so der Kantor aus Antiochien, würden die Christen verhöhnen, weil diese – angeblich – nicht nur Christus als Sohn Gottes bezeichnen würden, sondern auch, weil sie – angeblich – in Gott drei Personen verehren würden. Demnach nahmen die Sarazenen u.a. Anstoß an der christlichen Auffassung der Trinität Gottes, welche vom Koran unmissverständlich zurückgewiesen wird.
Um Thomasʼ Antwortschreiben auf diesen Einwand bezüglich der christlichen Trinität soll es in dieser Arbeit gehen. Hierzu werden das dritte und das vierte Kapitel von "De rationibus fidei" in den Blick genommen und der jeweilige Gedankengang nachgezeichnet. Dadurch wird sich zeigen, dass Thomas nicht nur um eine schlichte, und doch klare und präzise Ausarbeitung großer philosophischer und theologischer Gedanken und Gedankenreihen bemüht ist, sondern auch, dass er qua ratione den bzw. die islamischen Einwände tatsächlich entkräften kann.
Der erste Teil dieser Arbeit wird sich mit dem Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater per modum intellectus beschäftigen. Im zweiten Teil wird schließlich das Hervorgehen des Heiligen Geistes aus Vater und Sohn per modum amoris zur Sprache kommen, wodurch gezeigt wird, dass für Thomas in Gott drei durch ihre innertrinitarische Relation verschiedene Personen oder Hypostasen sind, aber letztlich nur einzige göttliche Wesenheit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Trinität in De rationibus fidei
2. Hauptteil
2.1 Hervorbringung des Sohnes per modum intellectus
2.2 Hervorbringung des Geistes per modum amoris
3. Schluss
3.1 Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die rationale Verteidigung der christlichen Trinitätslehre durch Thomas von Aquin in seinem Werk De rationibus fidei. Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie Thomas mithilfe philosophischer Argumente auf islamische Einwände antwortet und aufzeigt, dass der christliche Glaube trotz der Vorwürfe der physischen Zeugung und des Tritheismus rational konsistent und monotheistisch ist.
- Analyse der Trinitätslehre in Thomas von Aquins Opusculum.
- Untersuchung der Zeugung des Sohnes per modum intellectus.
- Darstellung der Hervorbringung des Heiligen Geistes per modum amoris.
- Widerlegung des Vorwurfs des Tritheismus durch relationale Differenzierung.
- Anwendung der natürlichen Vernunft zur apologetischen Beweisführung.
Auszug aus dem Buch
Hervorbringung des Sohnes per modum intellectus
Im dritten Kapitel von De rationibus fidei setzt sich Thomas mit dem ersten großen Einwand des Islams auseinander, dass Gott in concreto mit einer Frau – auf körperlichem Wege – einen Sohn gezeugt habe. Um diesem Einwand entgegenzutreten, zeigt Thomas in diesem Kapitelchen, wie in der katholischen Theologie die Zeugung im eigentlichen Sinne zu verstehen ist.
Seine rationale Überzeugungsstrategie setzt mit einem empirischen Befund ein: Jeder „verständige Mensch“ (65) könne leicht in der Welt erkennen, so Thomas, dass die Zeugung respektive Fortpflanzung unter Lebewesen bzw. Pflanzen viele Ausprägungen kennt. Pflanzen würden sich anders fortpflanzen als z.B. Tiere. Die Eigentümlichkeit der jeweiligen Fortpflanzung hänge folglich, so Thomas, von der jeweils „eigenen Natur“ (65) des Zeugenden ab.
Dieser empirische Befund wird anschließend auf die axiomatische Natur Gottes übertragen, der nicht eine „körperliche Natur“ (65) besitze, sondern eine „geistige bzw. vernunftmäßige Natur“ (67), weshalb Gott auch keine Frau für die Zeugung seines Sohnes gebraucht habe (Vgl. 65). Gott habe sich schlicht und ergreifend gemäß seiner geistigen Natur, die alle menschliche Vernunft übersteigt (Vgl. 67), geistig fortgepflanzt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den historischen Kontext von Thomas von Aquins Schrift und die Fragestellung der Arbeit bezüglich der Auseinandersetzung mit islamischen Einwänden.
Hauptteil: Detaillierte Analyse der trinitarischen Hervorbringungsprozesse per modum intellectus (Sohn) und per modum amoris (Heiliger Geist) als rationale Verteidigungsstrategie.
Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, die belegen, dass Gott als Einheit in drei Personen rational begründbar ist und der Vorwurf des Tritheismus entkräftet wird.
Schlüsselwörter
Thomas von Aquin, De rationibus fidei, Trinität, Sohn Gottes, Heiliger Geist, per modum intellectus, per modum amoris, christliche Apologetik, Islam, Tritheismus, Hypostase, relationale Verschiedenheit, natürliche Vernunft, Gotteslehre, Scholastik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die apologetische Schrift De rationibus fidei von Thomas von Aquin und dessen Versuch, christliche Glaubenswahrheiten mittels rationaler Argumentation gegenüber Kritik zu verteidigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die trinitarische Struktur Gottes, die Konzepte der geistigen Zeugung des Sohnes und die Ausgießung des Heiligen Geistes sowie das Verhältnis von Philosophie und Theologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Thomas durch die Anwendung der natürlichen Vernunft die Anschuldigungen der physischen Zeugung und des Tritheismus als unbegründet entlarvt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine textanalytische Vorgehensweise gewählt, die den Gedankengang von Thomas von Aquin anhand der Textquelle nachzeichnet und philosophische Analogien auf das göttliche Wesen überträgt.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Intellektprozesses (Hervorbringung des Sohnes) und des Willensprozesses (Hervorbringung der Liebe als Heiliger Geist).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Trinität, per modum intellectus, per modum amoris, Hypostase und relationale Verschiedenheit aus.
Wie unterscheidet Thomas die göttliche von der menschlichen Zeugung?
Er argumentiert, dass göttliche Zeugung immateriell, ewig und ohne Potenzialitätswandel geschieht, während menschliche Zeugung zeitlich, physisch und unvollkommen ist.
Warum weist Thomas den Vorwurf des Tritheismus zurück?
Er zeigt, dass sich Vater, Sohn und Heiliger Geist nicht in ihrer Wesenheit, sondern nur durch ihre gegenseitigen personalen Relationen unterscheiden, was den monotheistischen Charakter bewahrt.
- Arbeit zitieren
- Alexander Meyer (Autor:in), 2013, Die Trinität in Thomas von Aquins "De rationibus fidei", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309755