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Die moralphilosophischen Thesen Rousseaus im Lichte der naturalistischen Argumentationen des Marquis de Sade

Eine Auseinandersetzung mit der Mitleidskonzeption

Title: Die moralphilosophischen Thesen Rousseaus im Lichte der naturalistischen Argumentationen des Marquis de Sade

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sabrina Hanke (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Jean-Jacques Roussau, der wohl größte Mitleidsverkünder des 18. Jahrhundert, scheint nur wenig gemein zu haben mit dem "ruchlosen“ Autor Donatien Alphonse Francois Marquis de Sade. Obgleich die Schriften beider den Geist der Aufklärung in sich tragen, könnte ihr Gedankengut kaum gegensätzlicher sein.

In seinem "Discours sur l´origine et les fondements de l´inégalité parmi les hommes" von 1755 macht Rousseau Front gegen die Gesellschaft, die scheinbar all ihren kulturellen und intellektuellen Fortschritt teuer bezahlt hat. Für ihn ist der Ursprung allen Übels, der Niedergang der Moral, einzig dem Aufkommen der Zivilisation zuzuschreiben und keineswegs durch die menschliche Natur, die er vielmehr als Quelle der Moralität versteht, zu rechtfertigen.

Ganz anders de Sade, der in seinem aufgeklärten Rationalismus ein von allen Vorurteilen befreites Bild von der menschlichen Natur zu zeichnen sucht und sich abwendet von der Annahme einer natürlichen Güte im Menschen. In schroffem Gegensatz zu Rousseau erscheint de Sades Anthropologie als eine „gigantische Begründung der natürlichen Bestialität des Menschen“ .

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Thesen der beiden Philosophen in ein Verhältnis zu stellen und zu erörtern, mittels welcher Argumente die Sadeschen Figuren die bonté naturelle, die Rousseau in der Natur zu erkennen glaubt, zu widerlegen suchen. Ferner soll betrachtet werden, welche Folgen sich für die Moral ergeben, wenn – wie de Sade nicht müde wird zu behaupten – das einzige natürliche Bestreben des Menschen seine Bedürfnisbefriedigung ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitendes

2. De Sade und die Philosophie seiner Figuren

3. Die Natur – Richtstab und Quelle der Normativität

3.1 Zwei Triebfedern der menschlichen Natur

3.2 Das natürliche Gesetz des Stärkeren

3.3 Von der Natur zur Kultur

3.4 Mitleid – Die natürliche Tugend des Menschen?

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das gegensätzliche Verständnis von menschlicher Natur und Moral bei Jean-Jacques Rousseau und dem Marquis de Sade. Ziel ist es, die Argumentationslinien beider Philosophen gegenüberzustellen und zu erörtern, wie Sades Romanfiguren die bei Rousseau zentrale Idee der natürlichen Güte widerlegen und welche moralischen Konsequenzen aus einem primär auf Bedürfnisbefriedigung ausgerichteten Menschenbild resultieren.

  • Vergleich anthropologischer Grundannahmen von Rousseau und de Sade
  • Die Rolle von Mitleid als natürliche Tugend versus das Gesetz des Stärkeren
  • Der Übergang von der Natur zur Kultur und deren Einfluss auf die Moral
  • Ethische Implikationen von Utilitarismus und radikalem Egoismus in der Literatur

Auszug aus dem Buch

3.2 Das natürliche Gesetz des Stärkeren

Dieser Bestimmung Rousseaus pflichtet de Sade keineswegs bei, denn „entschieden (…), ja sogar in schroffem Gegensatz zu Rousseau, hat Sade die These verfochten, daß Natur und Moral nichts miteinander gemein haben“28. Das vermeintlich natürliche Band zwischen den Menschen ist ihm ein reines Hirngespinst29, denn das einzige, was er in der Natur begründet sieht, ist das Gesetz des Stärkeren, welches dem Starken das Recht, gar die Pflicht erteilt, den Schwachen zu unterdrücken und diesen für seine Dinge dienlich zu machen.30

Im Verhältnis zwischen dem Starken und dem Schwachen will de Sade das Naturgesetz von Druck und Stoß reproduziert sehen. So wie sich die Körper diesem Gesetz zufolge voneinander abstoßen, ist auch das Verhältnis der nicht gleichsam privilegierten Individuen, sowie sie miteinander verkehren, ein unmittelbar gewaltvolles.31 Entgegen der These Rousseaus, der mitleidende Mensch erkenne in der Schwäche des von ihm bemitleideten Gegenübers, wie es um die eigene Natur und die eines jeden Menschen bestellt sei,32 kann der Starke nach de Sade den Schwachen in keinem Fall als ein gleichberechtigtes Individuum ansehen, sondern dieser ist ihm bloß ein Objekt, welches er für seine eigenen Zwecke zu gebrauchen lernt. „Statt Mitleid mit seinem [des Unglücklichen] Kummer zu haben, statt sein Unglück mildern zu wollen, darfst du in ihm nur ein Wesen sehen, das dir die Natur schickt, damit du dich seiner bedienst“33. Mit diesen Worten fordert der verbrecherische Libertin Noirceuil die wissbegierige Juliette, die sich vollends ihrer Vernunft versprochen hat, auf, auch von dem letzten Hauch an Tugend abzulassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitendes: Einführung in die gegensätzlichen Positionen von Jean-Jacques Rousseau und dem Marquis de Sade bezüglich des menschlichen Naturzustands und der Moral.

2. De Sade und die Philosophie seiner Figuren: Analyse der methodischen Herausforderung, die philosophischen Thesen innerhalb von de Sades Romanen den fiktiven Charakteren zuzuordnen und nicht unmittelbar als Autormeinung zu werten.

3. Die Natur – Richtstab und Quelle der Normativität: Untersuchung der Natur als zentralem Bezugspunkt für beide Philosophen, um daraus normative Aussagen für das menschliche Verhalten abzuleiten.

3.1 Zwei Triebfedern der menschlichen Natur: Darstellung von Rousseaus Theorie der Selbsterhaltung und des Mitleids als natürliche Triebfedern, die dem Menschen vor jeder Vernunft innewohnen.

3.2 Das natürliche Gesetz des Stärkeren: Gegenüberstellung von Rousseaus Sichtweise durch das bei de Sade postulierte Naturrecht des Starken, den Schwachen zu unterdrücken.

3.3 Von der Natur zur Kultur: Untersuchung des Wandels menschlicher Strukturen beim Übergang vom Naturzustand in die zivile Gesellschaft und die damit einhergehende Entstehung von Selbstsucht.

3.4 Mitleid – Die natürliche Tugend des Menschen?: Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Mitleids, das bei Rousseau als Fundament der Moral gilt, während es bei de Sade als widernatürlicher Eingriff abgelehnt wird.

4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Unvereinbarkeit beider Theorien und die grundlegende Frage nach der Legitimität der Natur als Quelle moralischen Sollens.

Schlüsselwörter

Naturzustand, Moral, Rousseau, Marquis de Sade, Mitleid, Selbsterhaltung, Gesetz des Stärkeren, Aufklärung, Anthropologie, Libertinismus, Tugend, Laster, Bedürfnisbefriedigung, Kulturkritik, Philosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem philosophischen Diskurs über die menschliche Natur und die daraus abgeleitete Moral, basierend auf den gegensätzlichen Positionen von Jean-Jacques Rousseau und dem Marquis de Sade.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind der Naturzustand, die Funktion von Mitleid, das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Unterdrückung sowie die Auswirkungen zivilisatorischer Prozesse auf die menschliche Moral.

Welches primäre Ziel verfolgt der Text?

Das Ziel ist es, die Argumentationsmuster Rousseaus und de Sades in ein Verhältnis zu setzen, um zu klären, wie radikale Ansätze der Bedürfnisbefriedigung das Konzept einer "natürlichen Güte" infrage stellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der philosophische Texte Rousseaus mit der Darstellung philosophischer Überzeugungen in den Romanen de Sades verglichen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Bildungen von "Natur" bei beiden Denkern, diskutiert die Bedeutung von Selbsterhaltung und Mitleid und beleuchtet die Rolle der gesellschaftlichen Entwicklung für das Aufkommen von Selbstsucht.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Naturzustand, Moral, Mitleid, Libertinismus, Aufklärung, anthropologische Grundannahmen, Gesetz des Stärkeren, Selbstsucht.

Wie unterscheidet sich Rousseaus Verständnis von Mitleid von dem bei de Sade?

Für Rousseau ist Mitleid eine natürliche Tugend, die harmonisierend auf den Menschen wirkt. De Sade hingegen interpretiert Mitleid als eine Schwäche oder einen widernatürlichen Eingriff, der den Starken daran hindert, seinem natürlichen Recht der freien Bedürfnisbefriedigung zu folgen.

Was bedeutet die "apathische Wiederholung" im Kontext von de Sades Denken?

Es handelt sich um eine Strategie der Immunisierung gegen Reue oder Gewissensbisse, die es dem Individuum ermöglichen soll, moralische Hemmungen abzubauen und das eigene Handeln rein egoistisch auszurichten.

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Details

Title
Die moralphilosophischen Thesen Rousseaus im Lichte der naturalistischen Argumentationen des Marquis de Sade
Subtitle
Eine Auseinandersetzung mit der Mitleidskonzeption
College
University of Bonn  (Philosophisches Institut)
Course
Mitleid und Moral
Grade
1,0
Author
Sabrina Hanke (Author)
Publication Year
2014
Pages
17
Catalog Number
V309758
ISBN (eBook)
9783668083578
ISBN (Book)
9783668083585
Language
German
Tags
de Sade Rousseau Mitleid Moral Zweiter Diskurs Marquis de Sade Sein-Sollens-Fehlschluss
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabrina Hanke (Author), 2014, Die moralphilosophischen Thesen Rousseaus im Lichte der naturalistischen Argumentationen des Marquis de Sade, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309758
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