Kaum jemandem, der im weitesten Sinne etwas mit Bildungspolitik zu tun hat, ist spätestens nach den bekannten Diskussionen – ausgelöst durch die PISA-Studie – die Thematik der Förderung von leistungs- oder lernschwachen Schülern unbekannt. Dabei wird oft vergessen, dass eine gleichberechtigte Förderung im deutschen Schulsystem sowohl die Förderung von schwachen als auch die von leistungsstarken Schülern beinhaltet.
Bardy und Hrzan verleihen dem Bereich der Förderung von hochbegabten Schülern deutlichen Nachdruck. Jeder Lehrer muss sich somit darauf einstellen, dass er – mit einer hohen Wahrscheinlichkeit – ein Kind mit einer Hochbegabung in seiner Klasse vorfindet. Ist man sich dessen bewusst, dann ist es für eine Schule unabdingbar, dass Förderungsschwerpunkte ausgearbeitet und bereitgestellt werden müssen. Schulen müssen Angebote schaffen, genauso wie sie es heutzutage für die lernschwachen Schüler fast schon mit einer Selbstverständlichkeit tun. Der Schwerpunkt dieser Arbeit befasst sich genau mit diesem Bereich: Der Förderung von hochbegabten Schülern in der Grundschule.
Im ersten Kapitel erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Bereich der Hochbegabung. Zudem werden Diagnoseverfahren vorgestellt, da es nicht immer einfach ist hochbegabte Kinder als solche zu identifizieren.
Innerhalb des zweiten Kapitels findet eine praktische Auseinandersetzung mit dem Themenbereich statt. Sollte ein Kind, wie es im ersten Teil dieser Arbeit dargestellt wurde, durch verschiedene Diagnoseverfahren als hochbegabt identifiziert worden sein, dann gilt es eine gezielte Förderung zu ermöglichen. Unterstützt werden diese Ausführungen durch die konkreten Förderschwerpunkte von Bardy und Hrzan, die durch gezielt ausgewählte Aufgabenbeispiele dargestellt werden.
Im letzten Teil der Arbeit werde ich anhand eines eigens durchgeführten Fallbeispiels die theoretischen Erkenntnisse durch Beobachtungen und der Arbeit mit einem hochbegabten Kind anwenden und herausgestellte Thesen überprüfen oder wiederlegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitender Gedanke zur Hochbegabtenförderung
2 Theoretische Auseinandersetzung zum Thema „Hochbegabung“
2.1 Eine begriffliche Analyse
2.2 Die Vorstellung von Konzepten und Modellen
2.2.1. Das Drei-Ringe-Modell nach Renzulli
2.2.2. Das triadische Interdependenzmodell nach Mönks
2.2.3. Das Münchner Hochbegabungsmodell nach Heller
2.3 Zur mathematischen Hochbegabung
2.3.1. Merkmale und Charakteristika besonderer mathematischer Begabung
2.3.2. Das Stufenmodell zur Diagnose mathematisch begabter Kinder nach Käpnick
2.4 Besonderheiten und Probleme mathematisch hochbegabter Kinder
2.4.1. Eine Betrachtung von hochbegabten Kindern
2.4.2. Eine Betrachtung von extrem hochbegabten Kindern
3 Förderungsmaßnahmen der Hochbegabung
3.1 Förderung von Hochbegabten in der Schule
3.2 Anforderungen an den Lehrer
3.3 Maßnahmen zur Förderung
3.3.1 Einsatz heuristischer Hilfsmittel
3.3.2 Allgemeine Strategien des Lösens mathematischer Probleme
3.3.3 Logisches Denken
3.3.4 Argumentieren und Begründen
3.3.5 Beweisen
3.3.6 Muster und Strukturen erkennen, Verallgemeinern und Abstrahieren
3.3.7 Kreativ sein dürfen
3.3.8 Selbstständiges Erweitern und Variieren von Aufgaben
3.3.9 Räumliches Vorstellungsvermögen
3.4 Förderungsprogramme für mathematisch hochbegabte Schüler
3.4.1 Aufgabe des Monats – Förderung durch Eigeninitiative
3.4.2 Die Entdeckertag-Schule des Landes Rheinland-Pfalz
3.4.3 Das Hochbegabtenzentrum Rheinland in Brühl
3.5 Betrachtung eines Fallbeispiels
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Möglichkeiten zur gezielten Förderung mathematisch hochbegabter Kinder in der Grundschule, ausgehend von der theoretischen Fundierung bis hin zu praktischen Ansätzen im Unterricht und außerschulischen Projekten.
- Theoretische Modelle der Hochbegabung (Renzulli, Mönks, Heller).
- Diagnoseverfahren für mathematische Hochbegabung (insb. Käpnick).
- Förderstrategien im Mathematikunterricht (Enrichment, Akzeleration).
- Analyse von Fallbeispielen und Praxisprogrammen wie dem "Entdeckertag".
- Bedeutung der Lehrerrolle und Identifikation von Hochbegabten.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Einsatz heuristischer Hilfsmittel
Heuristische Vorgehensweisen helfen dem Schüler dabei, eine geeignete Strategie oder einen Plan innerhalb der problemlösenden Phase zu entwickeln. „Charakteristisch für Heurismen ist, dass sie von den konkreten Inhalten der zu lösenden mathematischen Probleme weitgehend unabhängig sind und den Problemlöser beim Generieren von Ansätzen und Ideen bei beliebigen Aufgaben unterstützen.“94
Damit Schüler mit heuristischen Mitteln zielgerichtet umgehen können, brauchen diese eine bewusste Thematisierung der theoretischen Grundlagen, die sie anschließend selbst durch Erproben praktisch umsetzen können.95 Folgende heuristische Hilfsmittel sind für die Förderung von hochbegabten Grundschulkindern bedeutsam:
1. Zweckmäßige Bezeichnungen einführen/Wortsprache in eine geeignete Symbolsprache überführen
Dieses heuristische Mittel hilft den Schülern dabei, eine Aufgabe zu verstehen und besser erfassen zu können. Eine mögliche Umsetzung wäre das Einsetzen von abkürzenden Bezeichnungen für wichtige Elemente der Aufgabe, beispielsweise das Verwenden der Anfangsbuchstaben von Namen oder Berufen. Auch das Ersetzten von unbekannten Zahlen/Größen durch Variable ist ein heuristisches Hilfsmittel, wodurch Schüler die in der Aufgabe vorkommenden Informationen in Gleichungen oder Ungleichungen setzten können und somit einen besseren Überblick über die Sachlage erlangen.96
2. Anlegen einer Tabelle
Tabellen helfen dem Schüler dabei Zusammenhänge zwischen Zahlen oder Größen zu erfassen und bieten eine Hilfestellung beim Erfassen aller möglichen Fälle. Zudem kann die Aufgabenstellung durch ein übersichtliches Festhalten der gegebenen und gesuchten Größen besser verfolgt und erfüllt werden und die Tabelle hilft dem Schüler beim Finden und Festhalten eines Lösungsplans.97
3. Skizzen/informative Figuren
Skizzen und informative Figuren veranschaulichen die Problemstellung. In dem Prozess des Verstehen und Erfassens der Aufgabenstellung dienen Skizzen für eine bessere Übersicht über die Informationen von gegebenen und gesuchten Elementen. Bei dem anschließenden Überlegen eines Lösungsweges veranschaulichen Skizzen und informative Figuren mögliche Lösungen und helfen dem Schüler dabei, einen genauen Lösungsplan zu notieren.98
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitender Gedanke zur Hochbegabtenförderung: Einführung in die Thematik der Hochbegabung im deutschen Schulsystem mit Fokus auf die Notwendigkeit von Förderangeboten in der Grundschule.
2 Theoretische Auseinandersetzung zum Thema „Hochbegabung“: Darstellung verschiedener Begabungsmodelle und eine vertiefende Analyse mathematischer Hochbegabung sowie deren Diagnose.
3 Förderungsmaßnahmen der Hochbegabung: Vorstellung konkreter schulischer und außerschulischer Förderansätze sowie die Analyse eines Fallbeispiels zur Anwendung dieser Strategien.
4 Resümee: Kritische Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Identifikation und Förderung mathematisch begabter Grundschüler mit Ausblick auf notwendige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Hochbegabung, Mathematikunterricht, Grundschule, Begabungsmodelle, Käpnick, Enrichment, Akzeleration, Heuristik, Diagnose, Fallbeispiel, Förderungsprogramme, Begabtenförderung, mathematische Hochbegabung, Leistungsfähigkeit, Lernmotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation und Förderung von mathematisch hochbegabten Kindern in der Grundschule unter Berücksichtigung theoretischer Modelle und praktischer Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Hochbegabung, Diagnoseinstrumente für mathematische Begabungen, unterrichtliche Förderstrategien und außerschulische Projekte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch spezifische Fördermaßnahmen wie Enrichment oder Akzeleration hochbegabte Kinder individuell unterstützen können, um ihre kognitive Entwicklung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben der theoretischen Literaturanalyse nutzt der Autor eine qualitative Vorgehensweise in Form eines Fallbeispiels, in dem die Arbeit mit einem hochbegabten Kind über mehrere Wochen hinweg beobachtet und analysiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begabungsmodelle, Diagnosekriterien für Mathematik, eine detaillierte Auflistung von Fördermethoden (heuristische Strategien, logisches Denken, Beweisen etc.) und eine Untersuchung von Förderprogrammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind unter anderem Hochbegabung, mathematische Begabung, Grundschule, Enrichment, Akzeleration, Diagnoseverfahren und Begabungsmodelle nach Renzulli, Mönks und Heller.
Welche Rolle spielt das Stufenmodell nach Käpnick in der Arbeit?
Das Stufenmodell nach Käpnick dient als systematisches Diagnosewerkzeug für Lehrer, um in drei Stufen – von der Grobauswahl bis zur prozessbegleitenden Identifikation – hochbegabte Kinder sicher zu erkennen.
Welche Erkenntnisse liefert das Fallbeispiel des Schülers P.?
Das Fallbeispiel bestätigt, dass hochbegabte Kinder oft intuitive Lösungswege nutzen, sehr schnell rechnen, aber in der Schule nicht zwingend durch auffälliges Verhalten glänzen müssen, was die Bedeutung der Beobachtung durch eine erfahrene Lehrkraft unterstreicht.
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- Anonym (Autor), 2013, Förderung von mathematisch hochbegabten Schülern in der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309904