Der Ortnit stellt für die Literaturwissenschaft selbst innerhalb seiner Kategorie der Heldenepik/Dietrichdichtung eine Ausnahme dar. Er entspricht nicht dem typischen, Schema eines Helden und auch nicht dem der Brautwerbung. Vielmehr handelt es sich um eine Dichtung mit eigenem Charakter, die in ihrem Schema sinnig ist.
Erzählt wird die Geschichte des König Ortnits, der auf seiner Mission der Brautwerbung diverse Herausforderungen bestehen muss und dank eines Helfers auch brenzlige Situationen besteht. Dabei überlebt der Held nicht. Er wird Opfer von Drachen, die zuerst sein Land verwüsten und ihn dann auf untypische Weise töten, während er sie heroisch bekämpfen will. Die Geschichte des Ortnits wurde gerade aufgrund seiner Nonkonformität gewählt. Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, zu zeigen, dass er trotz seiner schemauntypischen Laufbahn dem Leben eines Helden entspricht.
Im ersten Kapitel werden zunächst die Begriffe Heldenepos, Heldendichtung, Dietrichdichtung differenziert. Im zweiten Kapitel soll der Typus eines Helden näher dargestellt werden. Was sind die Merkmale eines solchen und wodurch zeichnet er sich aus? Die Beantwortung dieser Fragen findet im genannten Kapitel statt. Im dritten Kapitel werden zunächst die verschiedenen Fassungen des Ortnits differenziert, um danach begründet anhand des Ortnit AW fortzufahren. Im vierten Kapitel wird mittels Sekundärliteratur nicht nur die (Brautwerbungs-) Handlung des Ortnits detailliert beschrieben, sondern auch hinsichtlich Besonderheiten analysiert. Heldentypische Elemente sind dazu fett hervorgehoben. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der Rache des Brautvaters und dem damit zusammen hängenden Exitus des Protagonisten. Das Fazit schließt damit ab, die Ergebnisse kurz zusammen zufassen und zur Folgerung zu kommen, dass es sich bei der Hauptfigur um einen Helden handelt.
Die Literaturwissenschaft bietet eine weitreichende Auswahl zum Thema Ortnit. Angefangen mit generellen Genreinformationen von Millet, einer Einordnung ins Genre und spezifischen Merkmalen bei Wisniewski über eine umfassende Analyse des Ortnit AW (hinsichtlich der Brautwerbung) von Schmid-Cadalbert findet der Ortnit Relevanz. Nicht zu vergessen sind Dinkelackers „Ortnit-Studien“ in welchen die verschiedenen Fassungen vorgestellt und anhand ausgewählter Stellen miteinander verglichen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1: Literaturwissenschaftlicher Hintergrund
1.1 Heldensage
1.2 Heldendichtung
1.3 Dietrichdichtung
Kapitel 2: Definition Held
Kapitel 3: Der Ortnit
3.1 Im Kontext des Wolfdietrich Epos
3.2 Die Person Ortnit
3.3 Beginn
Kapitel 4: Brautwerbung
4.1 Organisation
4.2 Glücksbringer
4.3 Begegnung mit Zwerg Alberich
4.4 Ortnits Ritt nach Hause
4.5 Fahrt ins Feindesland
4.6 Station Muntabur
4.7 Erringung der Braut durch List
4.8 Flucht
Kapitel 5: Machorels Rache – Die Drachen
5.1 Heldenhafter Stolz verus Sorge der Ehefrau
5.2 Fahrlässigkeit und Tod
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die literarische Figur des König Ortnit im Kontext der mittelhochdeutschen Heldenepik und Dietrichdichtung. Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Ortnit trotz seiner bewussten Abweichungen vom klassischen heldischen Schema und seiner untypischen, letztlich tragischen Laufbahn, als legitimer Held betrachtet werden kann.
- Literarische Einordnung des Ortnit-Epos
- Analyse der heldentypischen Merkmale und deren Modifikation
- Die Rolle von Zwerg Alberich als Helfer und Listengeber
- Das Spannungsfeld zwischen Brautwerbung, Gewalt und christlicher Mission
- Die symbolische und narrative Bedeutung des Drachenkampfes
Auszug aus dem Buch
4.3 Begegnung mit Zwerg Alberich
Um sich die Zeit bis zum Aufbruch Richtung Braut zu verkürzen, entscheidet sich Ortnit auf Abenteuer auszureiten, von denen er bisher geträumt hat. Während dessen trifft er an der Linde auf ein kleines Wesen – Zwerg Alberich.
Die Begegnung Ortnits und Alberichs kann in vier Phasen differenziert werden:
a) Begegnung und Kampf
Zunächst hält Ortnit den Zwerg für ein kleines Kind. Zwar ist er in Kampfeslaune, jedoch ist ihm die Schutzlosigkeit des kleinen Wesens zu offensichtlich. Als er das vermeintliche Kind mitnehmen will, kommt es zu einem Faustschlag: Nun darf er mit dem Zwerg kämpfen, der zu einem ernstzunehmenden Feind geworden ist. Schließlich zwingt der König ihn zu Boden. Als er ihn töten will, bittet Alberich via direkter Ansprache („<
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit erläutert die Besonderheit des Ortnit-Epos als Ausnahme innerhalb der Heldenepik und formuliert die These, dass die Figur trotz ihrer Nonkonformität dem Heldenideal entspricht.
Kapitel 1: Literaturwissenschaftlicher Hintergrund: Es werden die zentralen Begrifflichkeiten wie Heldensage, Heldendichtung und Dietrichdichtung definiert und in ihren theoretischen Kontext eingeordnet.
Kapitel 2: Definition Held: Dieses Kapitel erarbeitet die Merkmale eines Helden im mittelalterlichen Kontext, insbesondere die Stilisierung des Individuums zu einem Idealbild.
Kapitel 3: Der Ortnit: Es erfolgt eine Differenzierung der verschiedenen Fassungen des Epos mit Fokus auf den Ortnit AW sowie eine Charakterisierung der Person Ortnits.
Kapitel 4: Brautwerbung: Der Abschnitt analysiert detailliert die Brautwerbung, die Rolle Alberichs, die Listenelemente und die erste Bewährung des Helden.
Kapitel 5: Machorels Rache – Die Drachen: Dieses Kapitel behandelt das Scheitern des Helden im Kampf gegen die von Machorel gesandten Drachen und die damit verbundene tragische Wende des Epos.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Merkmale eines Helden im Ortnit auf eine ungewöhnliche Weise erfüllt werden, wobei die Charakterisierung des Protagonisten trotz des untypischen Todes bewahrt bleibt.
Schlüsselwörter
Ortnit, Heldenepik, Dietrichdichtung, Brautwerbung, Zwerg Alberich, Mittelalterliche Literatur, Heldenbegriff, Aventiure, Machorel, Drachenkampf, Literaturwissenschaft, Schemaliteratur, Wolfdietrich, Liste, Heldentum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das mittelhochdeutsche Epos um König Ortnit und untersucht dessen Stellung innerhalb der Heldenepik, insbesondere hinsichtlich der Abweichungen vom klassischen Brautwerbungsschema.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Definition des Heldenbegriffs im Mittelalter, die narrative Funktion des Zwergs Alberich, die Bedeutung von Listen als Helferinstrument und die Motivation hinter Ortnits Handlungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Protagonist Ortnit trotz seiner schemauntypischen Laufbahn und seines tragischen Endes alle notwendigen Charakterzüge aufweist, um als literarischer Held eingestuft zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, unter Einbeziehung und Auswertung einschlägiger Sekundärliteratur zu den Ortnit-Fassungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die spezifische Analyse der Brautwerbungsabenteuer, die Interaktion mit dem Vater Alberich sowie die tragische Entwicklung im Kampf gegen die Drachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Ortnit, Brautwerbung, Heldenepik, Dietrichdichtung und das Motiv der List.
Welche Rolle spielt Zwerg Alberich für den Protagonisten Ortnit?
Alberich fungiert nicht nur als hilfreicher Zwerg und Listengeber, sondern erweist sich im Verlauf des Epos auch als leiblicher Vater Ortnits, der den Helden durch seine übernatürlichen Fähigkeiten bei dessen Mission unterstützt.
Warum wird Ortnits Tod als untypisch für ein Heldenepos bewertet?
Im Gegensatz zu den üblichen heldischen Todesszenen im Kampf fällt Ortnit den Drachen nicht heldenhaft im Gefecht zum Opfer, sondern stirbt schlafend, was der Autor als symbolisches Zeichen für ein Versagen des Heldenstatus deutet.
- Arbeit zitieren
- Aaron Linnerth (Autor:in), 2011, Heldenepos am Beispiel des König Ortnits. Abenteuer auf dem Weg zur Braut und tragisches Ende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309966