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Freud und die pränatale Dimension des seelischen Erlebens

Titel: Freud und die pränatale Dimension  des seelischen Erlebens

Essay , 2015 , 17 Seiten , Note: keine Note

Autor:in: Ludwig Janus (Autor:in)

Psychologie - Entwicklungspsychologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die fast hundertjährige Erforschungsgeschichte der primären Entwicklung vor, während und nach der Geburt erlaubt jetzt einen klärenden Rückblick auf die Anfänge, wie sie von Freud und seiner Gruppe realisiert wurden, auf deren Möglichkeiten und auch die Begrenzungen.

Es geht mir im Folgenden um die Erfassung der Strukturen in den Theorien Freuds, die eine Einschränkung der Erkenntnismöglichkeiten bedeuteten. Das sind zum einen persönliche Bezüge und zum anderen gesellschaftliche Bezüge. Eine solche Erfassung ist deshalb bedeutsam, weil diese Strukturen der Theorien in den organisatorischen Strukturen der psychoanalytischen Gesellschaften gewissermaßen verewigt wurden. In ihrer erkenntnisbegrenzenden Wirkung konnten sie deshalb nicht reflektiert werden. Meine Überlegungen und Ausführungen sollen eine solche Reflexion anregen. Dies soll in einzelnen Abschnitten erfolgen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Abwehrbedeutung der Fokussierung auf die Sexualität

Die mythologischen Hilfskonstrukte in der Theorie Freuds

Die perinatale und pränatale Dimension in der Triebtheorie

Die prä- und perinatale Dimension im Konzept des Über-Ich

Die Abwehraspekte des Konzepts der Signalangst

Die Bedeutung der phobischen Strukturanteile bei Freud für die Theoriebildung der Psychoanalyse

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Psychoanalyse und analysiert kritisch, inwieweit die Theoriebildung Sigmund Freuds durch die Verleugnung pränataler und perinataler Erfahrungen geprägt ist. Ziel ist es, die erkenntnisbegrenzenden Strukturen in Freuds Werk aufzuzeigen, die bis heute in psychoanalytischen Gesellschaften fortwirken und die therapeutische Arbeit erschweren können.

  • Historischer Mentalitätswandel vom Autoritätserleben zum Selbsterleben.
  • Abwehrfunktion der Sexualität gegenüber traumatischen Geburtserfahrungen.
  • Kritische Analyse von Mythen (Ödipus, Narziss) als projektive Hilfskonstrukte.
  • Die Rolle der pränatalen Dimension in Triebtheorie und Über-Ich-Konzept.
  • Notwendigkeit der Integration früherer Lebenserfahrungen in das psychotherapeutische Setting.

Auszug aus dem Buch

Die Abwehrbedeutung der Fokussierung auf die Sexualität

Die positiven Aspekte einer Reflexion des sexuellen Erlebens im Sinne einer Erweiterung des Selbsterlebens sind als epochale Leistung Freuds vielfältig anerkannt und gewürdigt worden. Demgegenüber ist die Abwehrbedeutung einer Zentrierung auf die Sexualität bisher wenig reflektiert. In einem Gespräch mit Jung machte Freud diese Abwehrbedeutung explizit: „Mein lieber Jung, versprechen Sie mir, die Sexualtheorie nie aufzugeben, das ist das Allerwesentlichste. Sehen Sie, wir müssen daraus ein Dogma machen, ein unerschütterliches Bollwerk“. Jung fragte erstaunt: „Ein Bollwerk – wogegen?“ Worauf Freud antwortete: „Die schwarze Schlammflut des Okkultismus“ (Jung 1984, S. 154). Es ist nun nahe liegend, das Okkulte symbolisch mit dem Verborgenen, von dem Freud in „Das Unheimliche“, handelte, assoziativ zu verbinden. Hier lässt sich ein Zusammenhang zu der bedrohlichen Seite des Mutterleibes und des Geburtskanals herstellen, mit dem des „inter faeces nascimur“ der Geburt (schwarze Schlammflut) (DeMause 2005, S. 47ff.).

Wie konnte die Sexualität diese besondere Abwehrbedeutung gewinnen? Hier ist eine Aussage von Jung an der gleichen Stelle hilfreich: “Die Sexualität bedeutete ihm (Freud) ein Numinosum.“ Hier könnte eine geheime Kontamination mit einer positiven vorgeburtlichen Muttererfahrung wirksam sein, wie sie sich in mystischer Ergriffenheit spiegeln kann (Kafkalides 1995). In unserem Zusammenhang sind jedoch die Abwehrbedeutung und die damit verbundene Erkenntnisbegrenzung bedeutsam.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Autor beschreibt den historischen Mentalitätswandel der Psychoanalyse und die Herausbildung einer Theorie, die pränatale Erfahrungen ausblendet.

Die Abwehrbedeutung der Fokussierung auf die Sexualität: Freud nutzte die Sexualtheorie als Bollwerk gegen die Auseinandersetzung mit traumatischen pränatalen und perinatalen Erinnerungen.

Die mythologischen Hilfskonstrukte in der Theorie Freuds: Mythen wie der Ödipuskomplex dienten Freud als projektive Hilfskonstrukte, um die tieferliegende Dynamik der Mutterindividuation zu verdecken.

Die perinatale und pränatale Dimension in der Triebtheorie: Die Triebtheorie, insbesondere der Todestrieb, wird als abstrahierende Imagination von geburtstraumatischen Nahtoderfahrungen gedeutet.

Die prä- und perinatale Dimension im Konzept des Über-Ich: Das Konzept des Über-Ichs verleugnet durch seine mythische Überhöhung des Vaters die Bedeutung der frühen Mutterbeziehung für die seelische Struktur.

Die Abwehraspekte des Konzepts der Signalangst: Die Signalangsttheorie wird als eine abwehrbedingte Verschleierung fundamentaler geburtstraumatischer Ängste interpretiert.

Die Bedeutung der phobischen Strukturanteile bei Freud für die Theoriebildung der Psychoanalyse: Freuds persönliche Ängste und Ohnmachten werden mit traumatischen Geburtserfahrungen in Verbindung gebracht, die unreflektiert in seine Theorie einflossen.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Freud, pränatale Dimension, Geburtstrauma, Sexualtheorie, Todestrieb, Mutterbeziehung, Über-Ich, Signalangst, Verleugnung, Theoriebildung, Entwicklungspsychologie, Narzissmus, Ödipuskomplex, Geburtsangst

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die psychoanalytische Theoriebildung Sigmund Freuds unter dem Aspekt, wie pränatale und perinatale Erfahrungen durch die Theorie verleugnet oder abgewehrt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abwehrbedeutung der Sexualität, die Rolle von Mythen als Hilfskonstrukte, die Entstehung von Ängsten und die kritische Würdigung der Trieb- und Strukturtheorie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die erkenntnisbegrenzenden Strukturen in Freuds Theorien aufzudecken, die aus seiner Zeitgebundenheit und seiner eigenen Biografie resultieren und bis heute die therapeutische Praxis beeinflussen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-kritische Analyse des psychoanalytischen Werks sowie aktuelle Erkenntnisse aus der pränatalen Psychologie und der Neurobiologie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie Freud zentrale Konzepte wie den Ödipuskomplex, das Über-Ich und den Todestrieb nutzte, um traumatische pränatale Erfahrungen zu disziplinieren und deren direkte Auseinandersetzung zu vermeiden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Psychoanalyse, pränatale Dimension, Geburtstrauma, Sexualtheorie, Todestrieb und die kritische Reflektion der Mutterbeziehung.

Warum wird Freud in der Arbeit so intensiv kritisiert?

Der Autor kritisiert nicht die Leistung Freuds an sich, sondern zeigt auf, dass bestimmte theoretische Begrenzungen Freuds durch dessen eigene biografische Traumatisierungen entstanden sind, die heute eine moderne therapeutische Arbeit behindern können.

Welche Rolle spielt Otto Rank in dieser Untersuchung?

Otto Rank wird als ein früher Kritiker hervorgehoben, der bereits die Bedeutung des Geburtstraumas explizit machte, was jedoch von Freud und der nachfolgenden Tradition weitgehend ausgeblendet wurde.

Wie kann das heute in der Therapie angewendet werden?

Der Autor fordert Therapeuten dazu auf, das aktuelle "Mindset" zu nutzen, um die früher verleugneten pränatalen Erfahrungen in das therapeutische Setting zu integrieren und Symptome mit Geburtsbezug besser behandeln zu können.

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Details

Titel
Freud und die pränatale Dimension des seelischen Erlebens
Note
keine Note
Autor
Ludwig Janus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V309969
ISBN (eBook)
9783668083417
ISBN (Buch)
9783668083424
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pränatal Geburt Schwangerschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ludwig Janus (Autor:in), 2015, Freud und die pränatale Dimension des seelischen Erlebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309969
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Leseprobe aus  17  Seiten
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