Die vorliegende Arbeit „Treffpunkt Leben“ umfaßt als Kernpunkt die (gemeinsam mit Sabine Krebs entwickelte) Entstehung, Planung und Durchführung eines Selbständigkeitstrainings für Menschen, die in einer vollstationären Einrichtung leben und in eine selbständige(re) Wohnform wechseln wollen. Die praktische Umsetzung erfolgte in der Einrichtung SIR (Sozialintegrative Rehabilitation) in Ascheberg.
Ich selbst bin in dieser Einrichtung als Betreuerin beschäftigt und bin vom Psychologen des Heimes angeregt worden, ein solches Selbständigkeitstraining zu entwickeln, durchzuführen und zu dokumentieren. Die Tatsache, dass ich auch außerhalb des Trainings täglichen Kontakt zu den TeilnehmerInnen habe, birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Ich werde auf diesen Punkt später genauer eingehen.
Wir haben dieses Training zu zweit durchgeführt. Sabine Krebs ist nicht im SIR beschäftigt.
Nach eingehender Beschäftigung mit verschiedenen Trainingsprogrammen, von denen ich in dieser Arbeit vier vorstellen werde, sind wir zu dem Entschluß gekommen, ein inhaltlich umfangreicheres Training als diese zu konzipieren.
Meine Diplomarbeit baut darauf auf. Zusätzlich war eine Umfrage von Sabine Krebs, die sich mit Menschen mit psychischen Erkrankungen beschäftigt, die den Wechsel aus einer vollstationären Einrichtung in die teilstationäre, bzw. in die eigene Wohnung vollzogen haben, Grundlage unseres Ansatzes. Weiterhin stützten wir uns auf das Empowerment-Modell von Knuf und Seibert (2000). Anhand der Recherchen und Ergebnisse, bzw. der Zusammenarbeit mit Sabine und aufgrund von eigenen Erfahrungen aus der praktischen Arbeit wurde das folgende Projekt geplant. Unsere Absicht war es, ein Selbständigkeitstraining zu entwickeln, welches nicht nur den Ansprüchen einer bestimmten Klientel gerecht wird, sondern auf ein sehr breites Spektrum von TeilnehmerInnen angewandt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Grundlegendes
1.2. Thematik
1.3. Zum Gang der Arbeit
2. Das Empowerment-Modell
3. Vorstellung anderer Trainingsprogramme
3.1. PTS (Psychoedukatives Training für schizophrene Patienten)
3.1.1. Ziel
3.1.2. Zielgruppe
3.1.3. Inhaltlicher Leitfaden/ Konzept
3.2. RET (Rational-Emotive Therapie) als Gruppentraining (RGT) gegen Stress
3.2.1. Ziel
3.2.2. Zielgruppe
3.2.3. Inhaltlicher Leitfaden/ Konzept
3.3. IPT (Integriertes psychologisches Therapieprogramm für schizophrene Patienten)
3.3.1. Zielgruppe
3.3.2. Inhaltlicher Leitfaden/ Konzept
3.3.3. Ziel
3.4. Das Psychose-Seminar
3.4.1. Ziel
3.4.2. Zielgruppe
3.4.3. Inhaltlicher Leitfaden/ Konzept
4. Rahmengrundlagen unseres Selbständigkeitstrainings
4.1. Methoden
4.2. Dokumentation
4.3. Organisation
5. Das Selbständigkeitstraining
6.1. Ziel
5.2. Zielgruppe
5.3. Inhaltlicher Leitfaden / Konzept
5.3.1. Vorbereitung
5.3.2. Einführung, Themensammlung
5.3.3. Haushaltsführung
5.3.4. Umgang mit Behörden u.ä.
5.3.5. Medikation und Ärzte
5.3.6. Tagesstruktur, Freizeitgestaltung, Kontakte oder die Frage: Was tut mir gut? Was mache ich, wenn es mir schlecht geht?
5.3.7. Hoffnungen und Ängste; Umgang mit Niederlagen
5.3.8. Abschluß
6. Das Selbständigkeitstraining im SIR Ascheberg
6.1. Vorstellung der Einrichtung SIR
6.1.1. Konzeptionelle Grundlagen
6.1.2. Arbeitsbereich/ MitarbeiterInnen
6.1.3. BewohnerInnen
6.2. Die TeilnehmerInnen
6.3. Der Verlauf
6.3.1. Vorbereitung
6.3.2. Einführung, Themensammlung
6.3.3. Haushaltsführung
6.3.4. Umgang mit Behörden u.ä.
6.3.5. Medikation und Ärzte
6.3.6. Tagesstruktur, Freizeitgestaltung, Kontakte oder die Frage: Was tut mir gut? Was mache ich, wenn es mir schlecht geht?
6.3.7. Hoffnungen und Ängste; Umgang mit Niederlagen
6.3.8. Abschluß
6.4. Auswertung - inhaltlich und persönlich
7. Das Selbständigkeitstraining in Abgrenzung und Vergleich zu anderen Trainingsprogrammen
8. Schluß und Ausblick (weitere Durchführung des Trainings in der Einrichtung, evtl. auch in anderen Einrichtungen?)
9. Begriffserklärungen
10. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit beschreibt die Entwicklung, Planung und Durchführung eines Selbständigkeitstrainings, das Menschen mit psychischen Erkrankungen bei dem Übergang von vollstationären Einrichtungen in eine teilstationäre Wohnform oder in die eigene Häuslichkeit unterstützen soll. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die praktische Umsetzbarkeit eines solchen Programms zur Förderung der Eigenständigkeit unter Einbeziehung des Empowerment-Modells.
- Theoretische Fundierung durch das Empowerment-Modell
- Vergleichende Analyse bestehender Trainingsprogramme (PTS, RET, IPT, Psychose-Seminar)
- Methodische Gestaltung von Gruppenprozessen und Alltagstrainings
- Strukturierung von Haushaltsführung, Behördenkontakten und medizinischem Management
- Dokumentation und Auswertung eines konkreten Trainingsverlaufs
Auszug aus dem Buch
PTS (Psychoedukatives Training für schizophrene Patienten)
Psychoedukative Gruppen sind in der Regel ausgerichtet auf das Informieren über die Schizophrenie und Neuroleptika und auf Krisenbewältigung bei Erkennen von Frühwarnsymptomen. Wobei der Schwerpunkt mehr bei der theoretischen Vermittlung und weniger bei der Konfliktlösung liegt (vgl. Kieserg, Hornung, 1996, S.10).
Das PTS versucht, „..., eine Auseinandersetzung mit der Medikation zu ermöglichen, die eingebettet ist in den Rahmen weiterer Maßnahmen der Krankheitsbewältigung und Belastungsregulation.“ (Kieserg, Hornung, 1996, S.10). Krisenmanagement und Belastungsbewältigung sollen erlernt werden.
Es geht also in erster Linie um Rückfallprophylaxe und Medikamentencompliance (s.9. „Begriffserklärungen“) durch Verbesserung des Wissens über die Erkrankung und Erlernen von konkreten Bewältigungsstrategien (vgl. ebenda, S.11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehung des Selbständigkeitstrainings "Treffpunkt Leben" aus der Praxis der vollstationären Einrichtung und benennt die zentralen Empowerment-Ansätze.
2. Das Empowerment-Modell: Dieses Kapitel stellt das Empowerment-Modell von Knuf und Seibert als theoretisches Fundament vor, um Defizitorientierung durch Ressourcenorientierung zu ersetzen.
3. Vorstellung anderer Trainingsprogramme: Es werden vier etablierte Programme (PTS, RET, IPT, Psychose-Seminar) analysiert, um deren Eignung für das geplante Selbständigkeitstraining zu bewerten.
4. Rahmengrundlagen unseres Selbständigkeitstrainings: Hier werden die methodischen Ansätze wie Gruppendynamik, Brainstorming und Beratung dargelegt, die den Kern des praktischen Trainings bilden.
5. Das Selbständigkeitstraining: Dieses Kernkapitel definiert Zielgruppe und Ziele und skizziert den Leitfaden von der Haushaltsführung bis hin zum Umgang mit Behörden und Medikamenten.
6. Das Selbständigkeitstraining im SIR Ascheberg: Das Kapitel bietet einen Einblick in die konkrete Einrichtung und dokumentiert den detaillierten Verlauf des Trainings inklusive der inhaltlichen und persönlichen Auswertung.
7. Das Selbständigkeitstraining in Abgrenzung und Vergleich zu anderen Trainingsprogrammen: Hier wird das eigene Programm kritisch zu den zuvor vorgestellten Modellen abgegrenzt und der Alleinstellungsgrad hervorgehoben.
8. Schluß und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wichtigsten Erfahrungen zusammen und diskutiert Möglichkeiten der Weiterverwendung des Trainings.
Schlüsselwörter
Selbständigkeitstraining, Psychische Erkrankungen, Empowerment-Modell, Vollstationäre Einrichtung, Rückfallprophylaxe, Alltagsbewältigung, Soziale Integration, Gruppenarbeit, Psychiatrie, Eigenverantwortung, Sozialintegrative Rehabilitation, Krisenmanagement, Selbsthilfe, Wohnformwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Erprobung eines Trainingsprogramms, das Menschen mit psychischen Erkrankungen den Wechsel von einer vollstationären Einrichtung in eine selbständigere Wohnform erleichtern soll.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Haushaltsführung (Finanzen, Verpflegung), den Umgang mit Behörden, das Management der Medikation sowie die psychologische Stärkung durch Tagesstruktur und den Austausch über Hoffnungen und Ängste.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Förderung der Eigenständigkeit der Klienten durch Vermittlung von alltagsrelevanten Kompetenzen und die Stärkung der Eigenverantwortung unter Anwendung des Empowerment-Modells.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für das Training verwendet?
Das Training nutzt einen integrativen Ansatz, der Elemente der psychoedukativen Arbeit, der kognitiven Verhaltenstherapie und der systemischen Beratung kombiniert und stark auf den Austausch innerhalb der Gruppe setzt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Im Hauptteil steht der detaillierte Leitfaden für das Selbständigkeitstraining sowie die praktische Dokumentation des Trainingsverlaufs in der Einrichtung "SIR Ascheberg" im Zentrum.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Selbständigkeitstraining, Empowerment, soziale Integration, Rückfallprophylaxe und Alltagsbewältigung charakterisieren.
Wie wurde die Dokumentation des Trainings im SIR Ascheberg gelöst, um den Datenschutz zu wahren?
Die Anonymität wurde durch das Weglassen der Namen der Teilnehmer, die Verfremdung von persönlichen Daten sowie das Verschlüsseln der Einrichtungsbezeichnung und der zeitlichen Details gewährleistet.
Warum ist eine Begleitung bei der Ausgliederung in eine eigene Wohnung so wichtig?
Da Bewohner vollstationärer Einrichtungen oft eine hohe Überversorgung erfahren, müssen sie erst wieder an die eigenständige Bewältigung des Alltags herangeführt werden, um das Scheitern aus Überforderung oder Rückfälle zu vermeiden.
- Quote paper
- Gesche Roth (Author), 2003, Treffpunkt Leben - Der Wechsel aus einer vollstationären Einrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen in eine teilstationäre Einrichtung oder in die eigene Wohnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30998