Cyber-Mobbing. Ethisches Thema im Religionsunterricht?


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 2,0

Mona Ullmann (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Internet – Ein alltägliches Medium

3. Der veränderte Religionsunterricht als Konsequenz

4. Cyber – Mobbing
4.1 Definition
4.2 Gefahren
4.3 Präventive Maßnahmen

5. Warum Mobbing im Religionsunterricht? Ethischer Hintergrund
5.1 Der Dekalog
5.2 Nächstenliebe
5.3 Die goldene Regel
5.4 Der kategorische Imperativ

6. Unterrichtsbeispiel
6.1 Einordnung in das Kerncurriculum
6.2 Grob- und Feinziele einer Unterrichtseinheit
6.3 Konkretisierung am Beispiel einer Unterrichtsdoppelstunde

7. Fazit

8. Anhang
8.1 Mögliche Konfliktsituationen (Einleitung)
8.2 Mögliche Lösungsvorschläge:
8.3 Bibelstelle Lukas 6,27-39 (Hauptteil): Von der Feindesliebe

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,, Die Nächstenliebe sieht in jedem, der ihr begegnet, einen Nächsten, den sie lieben kann. Sie erstreckt sich nicht nur auf sympathische Leute, oder solche, die ihr wohl gesonnen sind. Selbst Feinde kann man lieben.“[1]

Oft vergessen die Menschen gut zu ihren Mitmenschen zu sein. Sie diskriminieren oder beleidigen sie und denken nicht über mögliche Folgen nach, die dieses Verhalten mit sich bringen können. Das oben stehende Zitat aus dem Johannesevangelium sagt aus, dass die Menschen sich gegenseitig unterstützen und akzeptieren müssen. Selbst mit den Menschen, mit denen sie nicht harmonieren, soll ein friedliches Miteinander möglich sein.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema ,,Cyber-Mobbing – ethisches Thema im Religionsunterricht?“. Das Ziel dieser Arbeit soll es sein zu erklären, warum sich Religionsunterricht mit dem Thema Cyber-Mobbing beschäftigen muss. Es soll ein besonderer Fokus auf Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr liegen. Um auf das Thema Mobbing einzugehen, bedarf es einem Einblick in das alltägliche Leben jugendlicher Menschen. Dazu gehören Medien, wie das Internet: Gehört es zur Alltäglichkeit? Wozu nutzen Jugendliche dieses Medium?

Als Folge dieses Mediums möchte ich darauf eingehen, inwieweit diese den heutigen Religionsunterricht beeinflussen und wie sich die Thematiken des heutigen Religionsunterrichts angepasst haben.

Da speziell auf Cyber-Mobbing eingegangen wird, müssen einige Fakten erläutert werden: Was ist Cyber-Mobbing? Welche Gefahren stecken hinter dieser Thematik? Was können Schulen tun, um gegen dieses Thema vorzugehen?

Darauffolgend liegt der Fokus auf der ethischen Bedeutung von Cyber-Mobbing im Religionsunterricht. In diesem Abschnitt soll dargestellt werden, warum es wichtig ist, unangenehme Themen im Religionsunterricht anzusprechen und welchen religiösen Ansichten Cyber-Mobbing widerspricht. Im Vordergrund stehen biblische Normen, die gegen Gewalt und Unruhe sprechen und an die sich der christliche Mensch halten soll.

Letztlich soll diese Thematik anhand eines groben praktischen Unterrichtsbeispiels mit Angabe von Grob – und Feinzielen und einem Vergleich mit dem Kerncurriculum des Faches Religion für die Realschule Klasse 5-10 veranschaulicht werden.

Des Weiteren ist das Ziel dieser Hausarbeit, das oben genannte Zitat als Leitsatz zu übernehmen und erklären zu können, warum Cyber-Mobbing in Schulen verhindert werden muss, sodass Jugendliche in Zukunft mit gutem Beispiel voran gehen können.

2. Internet – Ein alltägliches Medium

In den letzten zehn Jahren wurde das Internet zu einem neuen Medium jugendlicher Alltäglichkeit und integrierter Bestandteil der jugendlichen Lebenswelt.[2] Bücher, wie z.B. Lexika, werden ersetzt durch eine schnelle konkrete Informationssuche via Internet, die das Suchen nach bestimmten Begrifflichkeiten durchaus erleichtert. Heutzutage ist es für viele kaum noch denkbar, ein Leben ohne Internet zu führen. Bekanntschaften und Freundschaften werden durch bestimmte Portale und soziale Netzwerke (Bsp.: Facebook, Twitter u.a.) gepflegt und Terminabsprachen sowie wichtige Themen besprochen. Die Jugendlichen isolieren sich immer weiter von einem ,,persönlichen“ Gespräch und wenden sich der Schriftsprache zu, sodass Gesprächsforen, ,,Newsgroups“ und ,,Chatten“ im Vordergrund stehen. ,,Laut aktueller JIM-Studie (JIM 2008) ist zum ersten Mal seit zehn Jahren der Anteil der Jugendlichen, die einen eigenen Computer besitzen, mit 71 Prozent deutliche höher als der Prozentsatz derjenigen mit einem eigenen Fernsehgerät (61 Prozent).“[3]. Diese Studie beweist deutlich, dass das Internet in vielen Haushalten zur Alltäglichkeit gehört und das Leben der Jugendlichen beeinflusst. Die elektronische Kommunikation bietet für sie eine Rückzugswelt, in der die Jugendlichen sich von der Realität isolieren können.

3. Der veränderte Religionsunterricht als Konsequenz

Aufgrund der Tatsache, dass die neuen Medien im Zeitalter der Globalisierung, vor allem das Internet, das Leben vieler Jugendlicher stark beeinflusst, muss auch der Religionsunterricht darauf reagieren und sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Die Religionspädagogik reagiert nach Jutta Siemann als praxisbezogene Wissenschaft auf neue Veränderungen, wie Individualisierung, Pluralität und Erlebnisorientierung mit neuen Konzepten. Sie steht für Zeitgemäßheit, Weltoffenheit, Erkenntniszugewinn und Praxis, sodass Probleme und Veränderungen von Jugendlichen im Vordergrund stehen und behandelt werden.[4] Im Vordergrund steht der Gegenwartsbezug, der für die Jugendlichen von großer Bedeutung ist. Sie können Religion nur verstehen, wenn sie einen aktuellen Bezug dazu herstellen können. Deshalb ist es notwendig, z.B. biblische Geschichten, die oft beim ersten Lesen nicht verstanden werden, mit aktuellen Themen zu verbinden und einen Bezug dazu herzustellen. Am besten eignet sich dafür die eigene Ausdrucksfähigkeit, Kreativität und Eigentätigkeit in den Blick zu nehmen, zu fördern und sich bestenfalls im Dialog auszuprobieren, sodass sich eine gesprächsfähige Identität entwickeln kann.[5] Der Religionsunterricht ist eine geistlich konzentrierte ,,Suchbewegung“, welche in der gegenwärtigen Lebens-, Welt- und Wortwirklichkeit Spuren des Geistes aufspüren und vermitteln will.[6] Ebenso betont Volker Pfeiffer, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren situativen und existentiellen Lebensproblemen Ausgang und Mittelpunkt des Religionsunterrichts sein sollten.[7]

4. Cyber – Mobbing

4.1 Definition

Mit Cyber-Mobbing, oder auch Cyber-Bullying genannt sind elektronische Belästigungen in Form von bestimmten Chatforen oder Portalen gemeint. Es bezieht sich hauptsächlich auf das alltägliche Medium ,,Internet“. Cyber-Mobbing Angriffe können in der elektronischen Welt sowohl direkt sein, wenn eine Person frontal von ihren Angreifern beleidigt wird, als auch indirekt, wenn eine Person nicht weiß, was über sie geschrieben wird, oder wer bestimmte Inhalte verfasst und verbreitet hat. Cyber-Mobbing kommt heutzutage seltener vor, als normales Mobbing, trotzdem darf es nicht unterschätzt werden, da immer mehr User das Internet benutzen. Es findet meistens außerhalb der Schule in Form von Textnachrichten, Telefonanrufen oder Videoaufnahmen statt.[8] Das Publikum kann sehr rasch eine ungeahnte Größe erreichen, wenn beleidigende Kommentare vor allem in sozialen Netzwerken verbreitet werden, sodass diese für jeden frei zugänglich sind. Außerdem können neben beleidigenden Kommentaren Fotos veröffentlicht und für andere sichtbar gemacht werden, die diese bei einer ,,herkömmlichen Mobbingattacke“ niemals zu sehen bekommen würden. Es herrscht ein enger Zusammenhang zwischen Cyber- und normalem Mobbing. Jugendliche, die über elektronische Medien belästigt werden, wurden häufig auch im traditionellen Sinn gemobbt. Die Wiederholung der Belästigungen findet über kürzere oder längere Zeiträume statt und wiederholt sich in der Regel nach etwa ein bis zwei Wochen. Es gibt jedoch auch Belästigungen, die jahrelang vollzogen werden. Eine Studie beweist, dass das Cyber-Mobbing häufig erst mit 15 Jahren beginnt, die jüngere Generation betrifft dies weniger.[9]

4.2 Gefahren

Mobbing ist ein Thema, das nicht unterschätzt werden darf. Es ist ein Ventil für angestaute Aggressionen, die ihren Ursprung in einer konkreten Situation haben, z.B. wenn Freundschaften zerbrechen und sich eine Partei an der anderen rächen möchte, weil sie sich dadurch gekränkt fühlt. Oft werden die Mobbing Attacken für Machtdemonstrationen genutzt, mit dem Ziel den eigenen Status zu erhöhen. Die Gefahr besteht darin, dass der Täter aufgrund seiner Anonymität und teilweise verschiedenen Benutzernamen in unterschiedlichen Portalen, sich seiner Folgen an seinem Opfer oft nicht bewusst wird und die Schäden nicht einschätzen kann, da die Hemmschwellen leichter übertreten werden.[10] Die Opfer wissen oft nicht, wer sich unter dem Pseudonym versteckt und empfinden den Schaden dadurch umso größer, sodass sie schlimmstenfalls psychische und neurologische Krankheiten erleiden, wie z.B. eine Minderung des Selbstwertgefühls, Isolation und Einsamkeit.[11] Sie fühlen sich gedemütigt, da einmal angestaute Inhalte in bestimmten Netzwerken schwer gelöscht werden können und die Verbreitungsrate der hochgeladenen Inhalte immens ansteigt.

4.3 Präventive Maßnahmen

Um Cyber-Mobbing zu vermeiden ist es wichtig präventive Maßnahmen durchzuführen. Die Jugendlichen sollen erfahren, welche Folgen sie erwarten und wie sie sich selber in so einer Situation fühlen würden. Eine Möglichkeit ist es dieses Thema im Religionsunterricht zum Themenblock Ethik ,,Wie handle ich richtig?“ durchzuführen. Wie bereits in Punkt 3 erwähnt, muss der Religionsunterricht auf die neuen Gegebenheiten und Themen der Jugendlichen reagieren und sich neu orientieren. Wichtig bei solchen Themen ist die Verknüpfung von Bibeltexten mit einem Gegenwartsbezug. Ihnen muss demonstriert werden, woran sich christliche Menschen orientieren, wie sie ihr Leben mit Hilfe der Bibel führen sollen und wie sich dies mit den Alltagssituationen verknüpfen lässt. Selbstverständlich muss neben dem religiösen Aspekt der technische betrachtet werden. Die Lehrkräfte müssen unter anderem eine Einführung über die Seriosität des Internets durchführen. Es muss deutlich gemacht werden, dass die Seriosität vieler Portale einer Prüfung bedarf.[12] Außerdem müssen die Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden eine offene Stellungnahme zum Thema Mobbing durchzuführen, Hinschauen lernen und mögliche Attacken früh erkennen, über Mobbing sprechen und Stellung nehmen, als auch ihre Kompetenzen stärken.[13]

5. Warum Mobbing im Religionsunterricht? Ethischer Hintergrund

Heutzutage begegnen die Schüler Mobbing sehr häufig sowohl im Schulalltag, als auch im privaten außerschulischen Bereich. Multikulturelle Klassen mit unterschiedlicher Herkunft und sozialen Unterschieden verursachen bei einem Zusammentreffen des Öfteren Unstimmigkeiten und Streit zwischen den Mitschülern, sodass diese Situationen oft mit dramatischen Folgen enden. Für die Schule und die Lehrer ist es wichtig diese Konflikte auf besonders sensible Art und Weise zu lösen und bestenfalls dauerhaft zu beheben: ,,Dazu eignet sich wohl kaum ein Schulfach mehr so wie gut der Religionsunterricht.“[14]

Religion setzt sich mit Werten, Normen und Kompetenzen wie z.B. miteinander leben, Fairness, Toleranz und Hilfsbereitschaft, auseinander, die an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben und vom Religionslehrer gelehrt werden, damit sie die Möglichkeit bekommen, das Gelernte auf ihren weiteren Lebensweg mitzunehmen und zu entscheiden, ob sie in Zukunft nach diesen Werten handeln möchten. Natürlich beginnt Vermittlung verschiedener Werte nicht erst in der Realschule, sondern bereits, dargestellt in vereinfachter Form, in der Grundschule. Im Folgenden werden einige Regeln aufgeführt und erläutert, die gegen ein Mobbingverhalten sprechen, dafür für ein moralisch richtiges Handeln.

[...]


[1] Vgl. Vgl. BISCHÖFE: Die Bibel. Einheitsübersetzung Altes und Neues Testament, Stuttgart: Herder, 1980. Joh 4,9.

[2] Vgl. ALSAKER, Francoise D.: Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule, Bern: Hans Huber, 2012. S.37.

[3] Vgl. JANNAN, Mustafa: Das Anti-Mobbing Buch. Gewalt an der Schule . Vorbeugen, erkennen und handeln. 3. Auflage, Weinheim und Basel:Beltz, 2010. S.81.

[4] Vgl. SIEMANN, Jutta: Jugend und Religion im Zeitalter der Globalisierung. Computer/Internet als Thema für Religion(sunterricht). Band 45, Münster: Lit, 2002. S.8.

[5] Vgl. SIEMANN, Jutta: Jugend und Religion im Zeitalter der Globalisierung. Computer/Internet als Thema für Religion(sunterricht). Band 45, Münster: Lit, 2002. S.9-11.

[6] Vgl. SIEMANN, Jutta: Jugend und Religion im Zeitalter der Globalisierung. Computer/Internet als Thema für Religion(sunterricht). Band 45, Münster: Lit, 2002. S.12.

[7] Vgl. PFEIFFER, Volker: Didaktik des Ethikunterrichts. Bausteine einer integrativen Wertevermittlung. 2. Aufl., Stuttgart: W.Kohlhammer, 2009. S.28.

[8] Vgl. ALSAKER, Francoise D.: Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule, Bern: Hans Huber, 2012. S.37.

[9] Vgl. ALSAKER, Francoise D.: Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule, Bern: Hans Huber, 2012. S.37.

[10] Vgl. BELKACEM, Iméne: Cyber-Mobbing. Der virtuelle Raum als Schauplatz für Mobbing unter Kindern und Jugendlichen. Problemlagen und Handlungsmöglichkeiten, Hamburg: Diplomica, 2012. S.69.

[11] Vgl. ALSAKER, Francoise D.: Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule, Bern: Hans Huber, 2012. S.38.

[12] Vgl. SIEMANN, Jutta: Jugend und Religion im Zeitalter der Globalisierung. Computer/Internet als Thema für Religion(sunterricht). Band 45, Münster: Lit, 2002. S.59.

[13] Vgl. ALSAKER, Francoise D.: Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule, Bern: Hans Huber, 2012. S.230.

[14] Vgl. TRÄGER, Claudia: Bachelorarbeit zum Thema: ,,Mobbing in der Schule“ – Konfliktlösung im Religionsunterricht der Primarstufe am Beispiel der Themenbereiche ,,Nächstenliebe“ und ,,Miteinander Leben“, Hildesheim, 2010. S.25.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Cyber-Mobbing. Ethisches Thema im Religionsunterricht?
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V310014
ISBN (eBook)
9783668083974
ISBN (Buch)
9783668083981
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nächstenliebe, diskriminierung, mobbing, cyber-mobbing, schule
Arbeit zitieren
Mona Ullmann (Autor), 2014, Cyber-Mobbing. Ethisches Thema im Religionsunterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310014

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