Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Chance oder Verwahrstätte?

Empirische Untersuchung des Regionalzentrums der Agentur für Arbeit


Bachelorarbeit, 2015

81 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Berufsvorbreitendende Bildungsmaßnahme
2.1 Grundsätze und Ziele
2.2 Zielgruppe, Maßnahmeort und Förderdauer
2.3 Allgemeine Grundsätze zur Durchführung
2.4 Rollenzuschreibungen der Bildungsbegleiter, Sozialpädagogen und Ausbilder

3 Problemstellungen und Perspektiven der Teilnehmer
3.1 Lernbeeinträchtigungen
3.2 Verhaltensauffälligkeiten
3.3 Persönlichkeitsentwicklung verzögert
3.4 Soziales Umfeld und sein Einfluss
3.5 Methoden zur Förderung

4 Theoretische Rahmung
4.1 Stand der Forschung & Theorie in der Praxis
4.2 Forschungsfrage
4.3 Hypothesen

5 Empirische Sozialforschung
5.1 Qualitative Sozialforschung
5.2 Experteninterview
5.3 Vorstellung der Interviewpartner
5.4 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

6 Auswertung der Interviews und Interpretation der

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

A Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: (Tabelle 1 Kategoriensystem - selbst erstellt)

Tabelle 2: (Tabelle 2 Interview 1 Auswertung - selbst erstellt)

Tabelle 3: (Tabelle 3 Interview 2 Auswertung - selbst erstellt)

Tabelle 4: (Tabelle 4 Interview 3 Auswertung - selbst erstellt)

Tabelle 5: (Tabelle 5 Interview 2. Reduktion - selbst erstellt)

1 Einleitung

Aus heutigem Gesichtspunkt ist unsere Gesellschaft beängstigend transito- risch, dennoch ist man bemüht sich permanent den Modifikationen unserer Zeit anzupassen. Es ist zu beobachten, dass es seit vielen Jahren immer we- niger Ausbildungsplätze für Mittelschulabgänger gibt. Aufgrund der veränder- ten Anforderungen sprechen viele Ausbildungsplätze eher Schüler von Real- schulen oder Gymnasien an. Trotz des Ausbildungspaktes verändert sich die Konstellation nur langsam. Die Folge ist, dass viele Jugendliche mit Mittel- schulabschluss oder ohne, nicht sofort im Anschluss an die Schule in einen Ausbildungsplatz im gesuchten Berufsfeld einmünden. Die aktuelle Studie vom 26.03.2015 „Kein Anschluss mit diesem Abschluss?“ - DGB-Expertise zu den Chancen von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss auf dem Ausbil- dungsmarkt - vom Deutschen Gewerkschaftsbund zeigt gut, dass nur ein Drit- tel aller Unternehmen Schüler mit Mittelabschluss ausbilden. Es hat sich leider bewahrheitet, dass jugendliche Bewerber mit höherem Schulabschluss einen einfacheren Zugang zu einen Ausbildungsplatz bekommen. Des Weiteren kla- gen seit geraumer Zeit immer mehr Arbeitgeber über die Heranwachsenden, da sie nicht die nötige Ausbildungsreife besitzen. Oft fehlt es den Jugendli- chen an angemessenem Sozialverhalten oder an bestimmten schulischen Fä- higkeiten, wie beispielsweise den Grundrechenarten oder der Rechtschrei- bung. Wie viel Wahrheitsgehalt in den Aussagen der Unternehmer enthalten ist sei dahin gestellt. Ein zentraler Faktor für die Auswahl der Bewerber durch die Unternehmen bildet hier auch die Auswahl der Besten. Die Unternehmen haben sich Jahrzehnte an die steigende Bewerberzahl und somit die Selektion gewöhnt, so dass Jugendlichen mit einem Mittelschulabschluss von vornher- ein schlechtere Entwicklungsmöglichkeiten haben. Genau hier ist es wichtig den Jugendlichen unter die Arme zu greifen und ihnen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten sowie ihre Interessen in Bezug auf einen mögli- chen Beruf zu prüfen und auch selbst einzuschätzen, um sich im Spektrum geeigneter Ausbildungsplätze zu orientieren und eine Berufswahl zu treffen.

Genau an dieser Stelle setzen berufsvorbereitende Maßnahmen an. In der eventuellen Wartezeit sollen die Teilnehmer ihre Qualifikationen erhöhen, an ihren Defiziten arbeiten, sowie aktiv an der Berufsfindung teilnehmen. Diese Maßnahme bietet auch Schulabgängern ohne Abschluss die Möglichkeit, den Mittelschulabschluss, sowohl Teilnehmern mit Mittelschulabschluss, den Quali- fizierenden Mittelschulabschluss zu absolvieren. Viele Schulabgänger wissen bis dato nicht, welche Berufe zur Auswahl stehen, beziehungsweise welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. In den berufsvorbereitenden Maßnahmen sollte man Praktika, sowie Unterricht in den verschiedensten Handlungsfel- dern wie Metall, Wirtschaft & Verwaltung, Lager & Handel oder Soziales durchlaufen, um die unterschiedlichsten Berufe auf Herz und Nieren prüfen zu können. Die Erprobung der verschiedenen Bereiche soll den Teilnehmern eine Hilfestellung bieten sich einfacher auf ein Gebiet zu vertiefen. Ein weiterer Vorteil ist die Berufsschulpflicht durch die Maßnahme abzuleisten, folglich kann man seine allgemeine Schulpflicht durch diese Maßnahme abschließen. Gerne würde ich in dieser Arbeit den kompletten Prozess der Maßnahme be- leuchten, jedoch würde dies den Rahmen der Bachelorarbeit sprengen. In meiner Bachelorarbeit möchte ich die Thematik der Berufsvorbereitenden Maßnahme aufgreifen und anhand von Experteninterviews herausfinden in wieweit die Art der Maßnahme für die Jugendlichen subsidiär ist. Im Kontext steht hierbei vor allem die Heterogenität der verschiedenen Teilnehmer, eben- so wie der Umgang und die Bewältigung derer Defizite im Bereich Sozialver- halten, Lernverhalten, Verhaltensauffälligkeiten, aber auch der verzögerten Persönlichkeitsentwicklung.

Der Aufbau meiner Bachelorarbeit stellt sich wie folgt dar. Nach der Einleitung werde ich auf zuerst auf die Bildungsmaßnahme selbst eingehen, Ziele und Grundsätze benennen, sowie die Rollenbilder der Interviewpartner näher aus- führen. Im dritten Abschnitt thematisiere ich die Problematiken der teilnehmen- den Jugendlichen. Im vierten Bereich erkläre ich im Vorab einige Begrifflichkei- ten zur theoretischen Rahmung und spreche knapp den Stand der Forschung an, von dem ich dann zur Forschungsfrage und den Hypothesen überleite. Im fünften Teil erläutere ich ich kurz die empirische Sozialforschung sowie die qualitative Sozialforschung mittels derer ich meine Forschungsfrage überprü- fen möchte. Die Art der Befragung und die Interviewpartner werden näher be- schrieben, sowie die Auswertungsmethode erklärt und die Ergebnisse präsentiert. Im sechsten Teilbereich geht es ausschließlich um die Auswertung der gesammelten Ergebnisse und die Überprüfung der gestellten Fragen. Das Fazit und der Ausblick runden meine Arbeit ab.

2 Berufsvorbreitendende Bildungsmaßnahme

2.1 Grundsätze und Ziele

Der Anspruch auf Teilnahme an der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) beruht auf --51 ff SGB III. Träger dieses Kurses ist die Bundesagentur für Arbeit , hier in diesem Fall die Agentur für Arbeit. Die Förderungen von Menschen mit Behinderung richtet sich nach --112 ff SGB III.

Die BvB dient dazu, die Teilnehmer auf die Aufnahme in eine Ausbildung vor- zubereiten und sie möglichst nachhaltig in Ausbildung zu vermitteln. Sollte dies nicht möglich sein, ist nach Rücksprache mit der Agentur für Arbeit auch die Vermittlung in ein Beschäftigungsverhältnis möglich. Um diese Ziele zu er- reichen, sollen die Teilnehmer ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten und Interes- sen hinsichtlich möglicher Berufe prüfen, sich im Bandbreite der machbaren Berufe zu informieren. Eine passende Berufswahl sollte getroffen werden, alle für die Ausbildung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben . Die Querschnittsaufgabe stellt die Förderung der Schlüsselkompetenzen dar:

- Persönliche Kompetenzen

(z.B. Motivation, Leistungsfähigkeit, Selbsteinschätzung,...)

- Soziale Kompetenzen

(z.B. Kommunikation, Kooperation, Konfliktfähigkeit,...)

- Methodische Kompetenzen

(z.B. Problemlesefähigkeit, Lerntechniken, Arbeitsorganisation,..)

- Lebenspraktische Fertigkeiten

(z.B. Umgang mit Behörden, mit Geld, Selbstversorgung,...)

- Interkulturelle Fähigkeiten

(z.B. Toleranz und Verständnis für andere Kulturen, Traditionen,...)

- IT- und Medienkompetenz

(z.B. Printmedien, Nutzung und Anwendung von IT- Medien,...)

2. 2. Zielgruppe, Maßnahmeort und Förderdauer

Die Maßnahme richtet sich an junge Menschen, die ohne berufliche Erstaus- bildung sind, ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben und in der Regel das 25. Le- bensjahr noch nicht vollendet haben. Diese Teilnehmer verfügen in der Regel noch nicht über die benötigte Ausbildungsreife oder Berufseignung bzw. stimmt deren Bewerberprofil noch nicht mit dem beruflichen Anforderungsprofil überein. Hier soll durch die BvB die Vermittelbarkeit erhöht werden. Hierzu zählen jedoch auch Jugendliche mit einem komplexen Förderbedarf.

Der Maßnahmeort ist grundsätzlich wohnortnah. Bei behinderten jungen Men- schen kann wegen der Art oder Schwere eine Internatsunterbringung erforder- lich sein.

Die Förderdauer der Maßnahme ist sehr speziell angelegt und richtet sich nach dem individuellen Förderbedarf der Jugendlichen, sowie den jeweiligen Integrationsaussichten. Die Entscheidung hierüber trifft die Beratungsfachkraft der Agentur für Arbeit. Die maximale Förderdauer beträgt in der Regel 10 Mo- nate, bei jungen Menschen mit Behinderung bis maximal 18 Monate. Die Teil- nehmer die schon in die Übergangsqualifizierung (wird im Nachgang näher er- läutert) einsteigen maximal 9 Monate. Werden die Teilnehmer auf den Mittel- schulabschluss vorbereitet kann die Förderdauer maximal 12 Monate betra- gen. Auf Beispiele zur Einzelfallverlängerung verzichte ich im Rahmen dieser Arbeit, da dies für die Beantwortung meiner Forschungsfrage irrelevant ist.

2.3 Allgemeine Grundsätze zur Durchführung

Das Konzept der BvB wird getragen von verschiedenen Qualifizierungsebe- nen. Hier möchte ich die Ebenen kurz erklären, jedoch kann ich nur einen klei- nen Einblick in die Thematik der Maßnahme geben, da die Abläufe sehr kom- plex und umfassend sind. Jede Ebene beinhaltet wiederum ihre eigenen Ziele und hat Schritte zur Zielerreichung inne, die einer besonderen Umsetzung be- darf. Diesbezüglich werden individuelle Qualifizierungs- und Förderpläne er- stellt.

Der Eigangsanalyse - Dauer ca. 4 Wochen

Hier erfolgt eine realistische Einschätzung der Stärken und Schwächen der Teilnehmer unter Berücksichtigung der beruflichen Anforderungen. Entwicklungsmöglichkeiten bzw. Perspektiven werden herausgearbeitet und individuelle Handlungsbedarfe entwickelt.

Die Grundstufe - Dauer ca. 5 Monate

Das Kernelement bildet hier die Berufsorientierung bzw. die Berufswahl. Fer- tigkeiten und Fähigkeiten sollen herausgebildet werden, sowie die Motivation zur Aufnahme in ein Ausbildungsverhältnis gestärkt werden. Zudem können erste berufsbezogene Grundkenntnisse, in den Räumen des Auftragnehmers, in verschiedensten Berufsfeldern erworben werden und durch fachpraktischen Unterricht ergänzt werden.

Die Förderstufe - Dauer individuell

Kernaufgabe bilden hier die beruflichen Grundfertigkeiten und ihre individuelle Verbesserung. Zudem sollte in dieser Stufe vor allem die Förderung der Ausbildungsreife und Berufseignung im Vordergrund stehen, sowie betriebliche Lern- und Arbeitssituationen kennengelernt werden.

Die Übergangsqualifizierung - Dauer individuell

Die Teilnehmer sollen hier den Ausbildungsmarkt fixieren und ihre beruflichen Handlungskompetenzen verbessern, insbesondere durch ausbildungs- und ar- beitsbezogene Qualifikationen. Ebenso sollten Vermittlungshemmnisse abge- baut werden.

Unterstützt werden die verschiedenen Phasen durch Grundlagenqualifizierung im IT- Medienbereich, hier lernen die Teilnehmer die Medien gezielt einzusetzen. Arbeitsplatzbezogene Einarbeitung kann ebenso durch die Maßnahme erfolgen, sowie eine Sprachförderung falls erforderlich. Hilfestellung im Bereich Bewerbungstraining, Mobilitätstraining, Gendertraining, sowie interkulturelles Training runden die Fördermaßnahme ab.

Die allgemeinen Grundsätze der Maßnahme begründen hier vor allem die genannte Förderstruktur wie nachfolgend beschrieben:

Innerhalb einer Ebene dem Teilnehmer ein breit gefächertes Angebot vorhalten, dass sich an den Kompetenzen des Teilnehmers und dem regionalen Arbeitsmarkt orientiert.

Förderplanung

Aus der Einschätzung der fachlichen, methodischen, sozialen und persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie der individuellen Motivation wird ein individueller Förderplan erstellt.

Flexibilität/ Durchlässigkeit

Angebote sollen flexible Einstiege, zeitnahe Übergange in andere passgenaue Bildungsangebote ermöglichen.

Partizipation / Transparenz

Zielgruppengerechte Darstellung der Angebote und einfache Erläuterung der Strukturen der Maßnahme durch den Bildungsträger und die Agentur für Ar- beit.

Kontinuierliche Bildungsbegleitung

Begleitung durch den Bildungsbegleiter während der gesamten Dauer der Maßnahme.

Inhalte der Angebote orientieren sich an den Ausbildungsangeboten

Förder- und Qualifizierungssequenzen

Zeitlich und inhaltlich abgeschlossene Sequenzen sind die Basis der Qualifizierungsverläufe und somit ein Instrument der Binnendifferenzierung. Gezielte Vorbereitung auf die Berufsausbildung ist hierfür die Grundlage.

Wie schon in Punkt. 2.1 Grundsätze genannt, ist die Entwicklung und Förde- rung der oben genannten Schlüsselkompetenzen elementar, um die Jugendli- chen auf die wachsenden Anforderungen des Ausbildungsmarktes vorzuberei- ten. Hierbei steht als Hyperonym die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Schüler vorne an.

2.4. Rollenzuschreibungen der Bildungsbegleiter, Sozialpädagogen und Ausbilder

Das Personal der BvB teilt sich in drei große Bereiche auf, die Bildungsbeglei- ter, Sozialpädagogen sowie die Ausbilder bzw. Lehrkräfte. Ich möchte hier zum besseren Verständnis für die drei Interviews die im Anschluss ausgewer- tet werden, die Rollen und Aufgaben der drei Gruppen näher beschreiben.

Die Hauptaufgaben der Bildungsbegleiter sind die Planung, Förderung, Orga- nisation, Begleitung während der gesamten Förderdauer, sowie Dokumentati- on der individuellen Förderverläufe. Das Erstellen von Förderplänen, von Leis- tungs- und Verhaltensbeurteilungen, Zielvereinbarungen gehören ebenso zu den Aufgaben, wie ein Netzwerk von Akteuren zu erstellen. Praktikums- und Ausbildungsakquise gehören selbstverständlich genauso zu den Aufgaben wie die Sicherung von Bildungsgängen und die Dokumentation der Erfolge. Die Einleitung und Überwachung sowie Reflexion der sozialpädagogischen Be- gleitung runden die Aufgaben ab.

Das Kernaufgabengebiet des Sozialpädagogen umfasst das Herstellen einer individuellen Grundstabilität bei Problemen, sowie ein positives Lern- und Ar- beitsverhalten. Die sozialpädagogische Begleitung ist vor allem bedarfsorien- tiert und nach Aufforderung durch die Bildungsbegleitung einzusetzen. Struk- turen oder Netzwerke die für den Teilnehmer bereits bestehen sind fortzufüh- ren. Eventuelle Maßnahmeabbrüche gilt es frühzeitig zu erkennen und zu ver- meiden. Weitere Inhalte sind die Koordination von Unterstützungshilfen, All- tagshilfen, Trainings, Krisenintervention, Einzelfallhilfe, Elternarbeit, Verhal- tenstraining sowie die Zusammenarbeit mit anderen BvB- Mitarbeitern. Regel- mäßige Sprechstunden sollten angeboten werden.

Der Ausbilder in der BvB vermittelt den Schülern Kenntnisse und Fertigkeiten verschiedener Berufsfelder, trainiert soziale Kompetenzen und sorgt für ver- tiefte Einblicke in das Berufsleben bei divergenten Kooperationsbetrieben. Je- dem Teilnehmer ist dabei die Option gegeben, diverse Berufsfelder und Beruf- e kennenzulernen und seine Berufswahlentscheidung in aller Ruhe zu treffen. Es besteht zudem die Möglichkeit den Hauptschulabschluss zu erlangen. Der Anteil der Arbeitspädagogik prävalidiert dem der fachlichen Unterweisung zu- nehmend. Damit die heterogene Gruppe ihre Ziele erreicht, sollte der Ausbil- der eine Autoritätsperson, Vertrauensperson und Vorbild zugleich sein. Der Ausbilder sollte junge Menschen unter Einhaltung von Regeln sicher durch den Arbeitsalltag führen.

3 Problemstellungen und Perspektiven der

Die Teilnehmer der BvB sind in der Regel mit schulischen oder sozialen Pro- blematiken behaftet und brauchen Hilfe im Umgang mit ihren Lernbeeinträchti- gungen, aber auch mit ihren Verhaltensauffälligkeiten. Das soziale Umfeld der Teilnehmer spielt hier häufig eine Rolle. In der Maßnahme können die Teilneh- mer einen gezielten Umgang mit Kollegen trainieren, sowie gemeinschaftli- ches Miteinander einüben, um ihre lebenspraktischen Kompetenzen auszu- bauen. Die Defizite der Jugendlichen sind breit gefächert und die zu untersu- chende Gruppe ausgesprochen heterogen. Diese Schwierigkeiten beeinträch- tigen die Jugendlichen bei der Integration in den Ausbildungsmarkt und hem- men deren Motivation zum eigenständigen Handeln in Bezug auf ihren weite- ren beruflichen Werdegang.

3.1 Lernbeeinträchtigungen

Häufig sind es die schulischen Qualifikationen die einen erhöhten Förderbe- darf begründen. Oft sind es Mittel- oder Förderschüler die ein schlechtes Ab- schlusszeugnis mitbringen oder sogar die Schule abgebrochen haben. In ge- zielten Tests der Eignungsanalyse kann man feststellen in welchen Bereichen vor allem Defizite bestehen. Die Gruppe der BvB Teilnehmer ist so heterogen das lernbeeinträchtigte und lernbehinderte Schüler in einer Gruppe zusammen lernen. Auch die Thematik des Lernen Lernens wird geschult und geübt. Übungen und Tests zeigen das die Schüler oft nicht gelernt haben effektiv zu lernen (Bothmer H., von Fühlbier P., 202, S.504 ff.). Oft fehlt die richtige Lern- methodik oder die Motivation, da die Teilnehmer keine Perspektive sahen. In- dividuelle Förderung ist an Regelschulen leider die Ausnahme geworden und so im Schulalltag nicht umzusetzen. An den Anforderungen der Regelschulen gescheitert und demotiviert kommen die Schüler in die BvB, um an ihren Schwächen zu arbeiten und ihre Stärken herauszuarbeiten. Weitere Defizite können zudem auch Konzentrationsschwächen und verminderte Aufnahmefä- higkeit sein, diese gilt es zu trainieren (Freistaat Sachsen, 2009, S.22).

3.2 Verhaltensauffälligkeiten

Die vorgenannten Defizite können ebenso durch Auffälligkeiten im Verhalten beeinflusst oder verstärkt werden. Die bekanntesten sind ADS oder ADHS so- genannte Stoffwechselerkrankungen, mit erheblichen Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Im Kindes- und Jugendalter sind die Symptome häufig sehr deutlich ausgeprägt: Betroffene Kinder haben beispielsweise einen überaus starken Bewegungsdrang, können nicht abwarten und nicht ausreichend lange bei einer Sache verweilen, reagieren öfters über und sind wesentlich schneller ablenkbarer als andere Kinder. Die Komponente der Straffälligkeit spielt bei ei- nigen Teilnehmern ebenso eine Rolle, oft als ein Attribut des Klientels zu nen- nen. Die Motivation zum Lernen ist ebenso ein Bestandteil der Auffälligkeiten, da diese Zielgruppe bedingt durch Negativerfahrungen aus der Schulzeit, sowie negativen Einflüssen der Peergruppe zu Demotivation neigt. Die Entscheidung die Maßnahmen durchzuhalten haben viele zwar getroffen, bei der Ausführung fehlt ihnen meist das Durchhaltevermögen zur kontinuierlichen Mitarbeit. Gleichgültigkeit, Verweigerung, Unpünktlichkeit, mangelhafte Sorgfalt sind ebenso Auffälligkeiten die ein Großteil der Jugendlichen mitbringen. Es fällt ihnen schwer sich den Sachwert der von ihnen zerstörten Ausstattung bewusst zu machen (Zielke D., Lemke I., Popp J., 1989, S. 15). Ein Aspekt der immer weiter in den Fordergrund tritt ist der Konsum von Dro- gen und Alkohol. Zum einen möchten die Teilnehmer ihre eigenen Erfahrun- gen machen und den Reiz des Verbotenen auskosten. Zum anderen ist der Einfluss der Eltern in der Pubertät nicht mehr entscheidend. Wichtiger ist nun, was die Peergruppe denkt und tut. Zigaretten und Alkohol sind für eine gewis- se Zeit vielleicht im Trend. Mit einer Zigarette in der Hand fühlen sich die Ju- gendlichen bereits erwachsen, bzw. erwachsen genug am Leben der Älteren teil zu nehmen. Die Eltern sollten hier natürlich ein positives Vorbild sein und selbst nicht rauchen. Ist man selbst Raucher oder trinkt häufiger Alkohol, ist die Hemmschwelle für die Kinder nicht mehr so hoch und sie probieren es selbst aus. Das konsumieren während der Schulzeit kann nach Absprache zum Ausschluss aus der Maßnahme führen.

3.3 Persönlichkeitsentwicklung verzögert

Bei der Persönlichkeitsentwicklung spielt die geistige Verzögerung eine ent- scheidende Rolle, da deren Über-Ich meist nicht voll ausgeprägt ist. Häufig eine Folge einer fehlenden Individualisierung. Ebenso stark beeinflusst sind die Teilnehmer von ihren Peergruppen bzw. ihren Freuden, sowie von fehlen- dem Selbstvertrauen. Sozialkompetenzen sind in der Regel bei allen Teilneh- mern ausbaufähig. Ob es der Umgang im gesellschaftlichen Bereich ist oder ob es gilt die eigene Meinung zu vertreten. Die objektive Einschätzung von verschiedensten Situationen fehlt ihnen ebenfalls, wie die Fähigkeit sachge- mäß zu Handeln. Oft wählen die Jugendlichen den Weg des geringsten Wider- standes, um Problematiken aus dem Weg zu gehen. Müssen sich die Teilneh- mer dann doch mal einer unangenehmen Situation stellen reagieren sie oft mit Resignation oder Aggression.

3.4 Soziales Umfeld und sein Einflu

Ein Großteil der der Teilnehmer ist eher in der Unterschicht unserer Gesell- schaft anzusiedeln (Zielke D., Lemke I., Popp J., 1989, S. 17). Die Konfrontati- on der Teilnehmer in so jungen Jahren mit Problematiken wie Arbeitslosigkeit, fehlenden Rückhalt der Familie, finanziellen Aspekten, Wohnraumproblematik- en, beeinflussen die Teilnehmer extrem in ihrer Entwicklung zu einem reifen Heranwachsenden. Schon früh werden sie durch solche angespannte Situa- tionen und Negativerfahrungen mit den Eltern geprägt. Die Eltern selbst über- fordert mit ihrer Lebenssituation, nehmen am Leben der Kinder kaum mehr teil. Einen Ausweg für die Jugendlichen sehen die Kinder im Rückhalt der Peergruppe, in der sie sich angenommen und unterstützt fühlen. Es müssen nicht immer die Eltern sein, die einen schlechten Einfluss auf die Kinder haben, dennoch sollte man als verantwortungsbewusste Eltern immer ein Auge offen haben um bei Bedarf zu reagieren.

3.5 Methoden zur Förderung

Durch die Teilnahme an der Maßnahme eröffnen sich den Schülern, viele neue Perspektiven für ihre Zukunft. Sei es einen Schulabschluss nachzuho- len, in ein Ausbildungsverhältnis zu münden oder auch in ein Arbeitsverhältnis zu wechseln. Durch Praktika in verschiedenen Unternehmen erhalten die Schüler bereits erste Einblicke in praktische Tätigkeiten der Branche und kön- nen erste Kontakte zu eventuellen Arbeitgebern knüpfen. Alle Teilnehmer der BvB werden individuell betreut und bekommen auch einen individuellen För- derplan, der genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Zielvereinbarungen zum erreichen der kleineren Teilschritte geben dem Qualifizierungsplan den nötigen Rahmen und den Teilnehmern eine feste Struktur. Hierbei werden vor allem bereits vorhandene Kompetenzen hervorgehoben, um so bei der Stabili- sierung zu sekundieren. Es bedarf vieler sozialpädagogischer Gespräche zur Erkennung der eigenen Defizite und zur Erarbeitung von Lösungswegen. Selbstständige Arbeitsweisen werden eingeübt, um die Entwicklung einer au- tonomen Persönlichkeit zu fördern. Der neu gebildete Sozialraum der Teilneh- mer gibt den Schülern oft einen neuen Blick auf die Dinge. Die Jugendlichen orientieren sich neu, probieren sich aus, entwickeln neue Kompetenzen, die wiederum förderlich sind um den Schüler in die berufliche Gesellschaft zu inte- grieren. Die lebe,nspraktische Förderung in der BvB zielt vor allem auf die Verbesserung und Förderung von Fähigkeiten des Teilnehmers ab, die gegenwärtige und zukünftige Lebenssituation zu verbessern, sich von Fremdhilfe unabhängig zu machen, aber auch Hilfe anzunehmen, wenn von Nöten. Sie zeigt aber auch Grenzen auf, will die individuelle und soziale Kompetenzebene ausbauen. Lebenspraxis steht für „Hilfe zur Selbsthilfe“. Was die Förderung der beruflichen Bereiche betrifft wird nach der Berufswahlentscheidung für jeden Teilnehmer eine Entwicklungsperspektive entwickelt. An den Praxistagen können die Schüler ihren Fähigkeiten nach, sich in den verschiedenen Grundfertigkeiten der Berufe ausprobieren und durch fachtheoretischen Unterricht bereits erste Grundkenntnisse erlangen. Hier kann der Teilnehmer das erste Mal die betriebliche Arbeitssituation wahrnehmen. Kinder und Jugendliche sind verschieden in Bezug auf Alter, Geschlecht, Interessen, Erwartungen, Motivation, ethnische, kulturelle und soziale Herkunft, soziale Kompetenz und psychische Entwicklung, sowie in Bezug auf ihre kognitive, emotionale und physische Leistungsfähigkeit. Alle Teilnehmer sind dem Anspruch nach gleich, weil sie alle das gleiche Recht auf optimale Realisierung und Betreuung haben. Dabei geht es sowohl um das Erkennen und Herausfordern aller Potenziale als auch um den Ausgleich, das Abschwächen und die Förderung bei Schwächen. Die Heterogenität der BvB- Klasse hat die unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Klasse variiert au sozial Schwachen, sozial gut gestellten, lernverzögerten, verhaltensauffälligen, unmotivierten, gehandicapten, vernachlässigten, aber auch durchschnittlichen Schülern. Die professionelle Interaktion mit der Heterogenität hat eine große Bedeutung für den beruflichen Erfolg der Teilnehmer. In der BvB Maßnahme geht man durchläuft man die Bereiche von der Selektion hin zur Integration und individuellen Förderung.

4 Theoretische Rahmung

4.1 Stand der Forschung & Theorie in der Praxi

Im Vordergrund stehen bei der Maßnahme der Berufsvorbereitung die Orien- tierung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, ebenso die Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen sowie Fördersequenzen. Fachkundiges Personal unterstützt bei persönlichen Anliegen und Problemen, um den Ju- gendlichen einen reibungslosen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Durch die langjährigen Erfahrungen der Mitarbeiter hat sich bereits ein umfangrei- ches Netzwerk von zu unterstützenden Institutionen entwickelt, auf das jeder Zeit zurückgegriffen werden kann. Zentraler pädagogischer Ansatz in den be- rufsvorbereitenden Maßnahmen ist unter anderem die Lockerung des Schulalltags und die damit verbundene Orientierung zum gesellschaftlichen Wandel. Dieser Umbruch steht für neue Inhalte, geeignete Lehr- bzw. Lernfor- men, angepasstere Aufgabenstellung, ebenso wie für soziale Beratung und Erwachsenenbildung. Man versucht so gut wie möglich, auf die Veränderun- gen der Gesellschaft zu reagieren und die Schüler anzuleiten, so kann stets eine Entwicklung stattfinden. Es ist besonders wichtig den Teilnehmern beizu- bringen sich, zeitnah auf gesellschaftlicher Veränderungen einstellen zu kön- nen. Die Integration einer bestimmten Ausgangslage, die Generierung eines Konzeptes mittels Integration aller Beteiligten am Bildungsprozess innerhalb der Bildungsinstitution, mittels Eltern, Lehrer und Schüler sind ein wesentli- ches Prinzip der sogenannten „Community Education.“ Community Education ist eine pädagogische und eine gesellschaftliche Strömung, die jetzt auch den Weg nach Deutschland gefunden hat. Aufgrund ihrer Diversität ebenso schwer definierbar und wird deshalb recht allgemein als ein Bildungs -und Erzie- hungskonzept erklärt, das als Basis lokale gesellschaftliche Grundvorausset- zung trägt. Es macht eine individuelle und kollektive Realisierung und Entfal- tung in kultureller, sozialer sowie in intellektueller Dimension möglich (Buhren, C.-G,1994, S. 12). Bildungsinstitutionen müssen sich mit den Ansprüchen des schulischen Umfeldes intensiv auseinandersetzen um erfolgreiche Arbeit zu leisten. Öffnung der Schule ist insofern auch ein unumgänglicher Bildungsauf- trag.

„Die Schule muss Lernwelten im Stadtteil aufgreifen, wo immer sie sich bieten. Die Schule muss Lernanlässe im Stadtteil ansiedeln, wo immer dies möglich ist. Die Schule kann die Inhalte schulischen Lernens nicht einfach aus vorgefertigten Büchern, Lehrgängen oder den Lehrplänen entnehmen, son- dern muss bemüht sein, sie aus dem Gespräch mit Kindern und dem Ereignis- sen aus dem Stadtteil zu gewinnen. Dazu ist es notwendig, dass ein Klima der Kommunikation zwischen Kindern und Erwachsenen entsteht, welches den Kindern erlaubt, ihre Fragen und Probleme in die unterrichtliche Auseinander- setzung einzubringen.“

So formulierte es schon der Univ.-Prof. Dr. Jörg Ramseger, und zeigte uns auch damit, dass die Gestaltung der Schule als Lebens- und Erfahrungswelt keineswegs eine neues pädagogisches Erfordernis darstellt. Ähnliche Ideen entdecken wir bereits bei John Dewey, der in Chicago seine Versuchsschule von ihm benannt als seine „school-as-a-social-centre“ etablieren konnte. Ge- staltet als eine „Gesellschaft im Kleinen“, die mit ihren Kindern kooperative Le- bensarrangements einübt. Darüber hinaus setzten auch die Reformpädago- gen der „Lernschule“ Konzepte entgegen, in deren Zentrum das Erleben und Erlernen von Demokratie, die Selbstbestimmung und die gesellschaftliche Ver- änderung oder die Möglichkeiten des zwischenmenschlichen Lernens, die An- eignung eigener Verantwortung und die Umsetzung zu selbständigen und sou- veränen Persönlichkeiten standen. Die Konzeptionen dieser Reformpädago- gen sind im Vergleich zum Konzept der Community Education pädagogische Konzepte.

Das Konzept der Versuchsschule in Kombination mit dem Konzept der Com- munity Education leisten einen entscheidenden Beitrag zur qualitativen Ver- wirklichung der berufsvorbereitenden Maßnahme. Schule als „Ort des be- wussten Erlebens“ ist darüber hinaus auch geeignet, um einen positiven Ein- fluss auf das Lernverhalten von Schülern auszuüben, sowie das Lernklima zu verändern. Die Vermittlung einer umfassenden Allgemeinbildung, von spezifi- schen Detailkenntnissen, der Entwicklung von ausbildungsrelevanten Basis- kenntnissen, die Wissenschaftsorientierung oder die Stärkung der Ausbil- dungsreife, sowie Leistungsbereitschaft, sind Kernelemente der Community Eduaction. Wie bereits erwähnt ist eine Begriffserklärung von Community Edu- cation diffizil, so muss es in den verschiedenen Ansätzen gemeinsame Ele- mente geben, die das Begreifen vereinfachen und einen gemeinsamen Nen- ner visualisieren.

„Improve the quality of life“. Diese Metapher bahnt sich ihren Weg durch die verschiedensten Konzepte. Wir können annehmen, dass die Optimierung von Lebensqualität den meisten pädagogischen Prinzipien in irgendeiner Form in- newohnt. Der Begriff Community entwickelt damit auch einen spezifischen ge- sellschaftlichen Anspruch, wie beispielsweise Demokratisierung, sowie Auto- nomisierung. Ein weiterer Knotenpunkt ist die Beziehung zwischen den agie- renden Personen, somit kann Community Education als einen kollektiver Vor- gang beschrieben werden. Ein dritter Gesichtspunkt, der in der Regel in Be- griffsbestimmung immer wieder zu finden ist, kann mit dem Begriff „develop- ment“ benannt werden, somit umfasst Community Education auch Entwick- lungsbläufe, die auf die Community abzielen.

Für eine klare umfassende Beschreibung von Community Education wenden wir uns vorläufig schon einmal dem Herkunftsland der Community Education, England, zu. „For those in the first group, the aim of community education was to provide a service which would improve the qualitiy of life in the community by opening up access to a wide range of facilities which education had to offer. For those in the second group, community education seemed necessarily to

involve a new approach and a style of working quite different from that con- ventionally adopted by professional educa-tors. For them, the prime task was to effect a change in the community, a change in relationships and attitudes which enable peoble themselves to improve their qualitiy of life and create op- portunities and demands which an education service would then meet.“(Nisbet J. ,1980, S. 5)

Klaus Rinhardt beschreibt den Ansatz der in Deutschland angepassten Community Eduaction in sieben Punkten:

- Netzwerk von Schule und Umwelt
- Schule als soziokulturelles und multifunktionales Zentrum
- Lerninhalte an soziales und kulturelles Umfeld anpassen
- Kooperation zwischen Eltern und Schule
- Lernorte auch außerschulisch, Erfahrungsräume schaffen
- Einsatz von Laienpädagogen und schulfremden Personal mit spezifi- schen Kompetenzen
- Schule und Sozialpädagogik kooperieren Klaus R.(1992), S. 34

In diesem Zusammenhang darf man durchaus erwähnen das Community Eduaction auch als Konzeption für die „Schule der Zukunft“ repräsentabel ist. Der Bezugsrahmen der Community Education gibt uns John Dewey durch seine Versuchsschule. Er ist sozusagen der Vater der Community Education. 1896 etablierte er als Professor an der Universität von Chicago eine sogenannte Versuchsschule, in seinen Worten: „Laboratory School.“ Das Fundament für seine Vermutung bilden daher nicht nur theoretische Inspirationen, sondern auch das Know- How aus seinen Schulen.

„Das Lernen innerhalb der Schule sollte in stetigem Zusammenhang mit dem außerhalb der Schule stehen. Zwischen der Konzeption Schule und Leben sollte ein freies Wechselspiel bestehen. Dies ist aber nur möglich, wenn zahl- reiche Berührungspunkte zwischen den sozialen Interessen der Schule und denen des Lebens vorhanden sind.“ ... Diese Trennung der Schule vom Leben aber ist es, die das Schulwissen für das Leben unbrauchbar und damit unfruchtbar macht.“

Für John Dewey setzt die Trennung von Leben und Schule eine Verminderung der schulischen Sinne in Gang, die mittels der Öffnung von Schule behoben werden kann (Dewey, J.,1994, S. 458). John Dewey steht für praxisorientiertes Lernen, das auch in der berufsvorbereitendenen Maßnahme die Basis bildet. Durch Versuchsstationen in den verschiedensten Handlungsfeldern können die Jugendlichen durch Erprobung herausfiltern, welche Tätigkeiten ihnen für die Zukunft gefallen und taugen und welche auf keinen Fall in Betracht gezo- gen werden können. Neben der Erfahrungs- bzw. Erlebnisorientierung des Konzeptes, weist unsere Institution noch weitere konstituierende und be- schreibende Besonderheiten der reformpädagogischen Bildungskonzepte auf. Beispielsweise in der Gestaltung einer anregenden Lernlandschaft, im fächer- übergreifenden Unterricht, in weitreichenden Mitbestimmungsmöglichkeiten des Schülers, im Angebot sogenannter Entwicklungsmaterialien, in einer indi- viduellen Leistungs- und Verhaltensbeurteilung, individuelle Förderpläne und in einer essentiellen Intonation auf Eigenaktivität. Derzeit können ca. 2000 Schulen in Europa - das entspricht ungefähr 8% aller Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe gezählt werden, die sich ausdrücklich in eine re- formpädagogische Richtung entwickeln. Es geht auch hervor, dass die re- formpädagogische Entwicklung nicht nur in der Umpolung der Kritik an der „al- ten“ Schule ihren Vorteil fand, viel mehr anfangs „neue“ pädagogische Model- le und „neue“ Schulen geschaffen wurden (Skiera, Ehrenhard / Klaßen, Theo /Wächter, Bernd, 1990.) Angrenzend an schon genannten pädagogische Strömungen sind hier sicher noch die dänischen Nachschulen (Efterskolen), sowie die unter dem komplexen Begriff -Alternativschulen- genannten Schulen zu erwähnen. Die intensivste Streuung der reformpädagogischen Schulen ist gewiss in Nord-und Mitteleuropa zu finden. In Deutschland, Holland, Däne- mark, Frankreich und in Schweden. Die reformpädagogischen Schulen beka- men schnell eine hohe öffentliche Beachtung und hatten auf die Gestaltung der Regelschule einen großen Einfluss. Aus der Sicht des Bildungswissen- schaftlers reicht es jedoch nicht aus, dass ein Unterricht zum „offenen“ oder zum „lebendigen“ Unterricht determiniert wird. Beide Begrifflichkeiten sind marginal in Relation auf die didaktisch-methodische Basis des Unterrichts und geben weiter keinerlei Indikatoren auf die Wertorientierung sowie auf das Menschenbild des Unterrichts und auf die erzieherische Konzeption. Ich be- trachte die Reformpädagogik als obligatorisches Fundament einer sorgfälti- gen und pädagogisch tiefgründigen Neuausrichtung des Schul- und Erzie- hungskonzeptes.

Jede Umgestaltung bedarf der Besinnung auf ihre Wurzeln bzw. ohne Medita- tion auf die pädagogische Vergangenheit wird nur sehr schwer eine fundierte pädagogische Zukunft erschaffen werden können. Das Buch der Ellen Key „Das Jahrhundert des Kindes“ phantasiert, dass in einer „Schule der Zukunft“ die Selbsttätigkeit des Kindes, welches das gleiche Recht der anderen auf Selbsttätigkeit prävalieren wird (Key E., 1926). Sie hoffte ebenfalls, dass die- ses Buch eine einschneidende Auswirkung auf die Lehrer haben möge, dass dem Schüler das Recht auf Selbsttätigkeit eingeräumt werden wird. In der Tat begann mit dieser Lektüre eine immer noch fortdauernde pädagogische Ent- faltung.

Man kann nun erkennen das die Konzeption einer Versuchsschule, sowie das Prinzip der Community Education sich durch die ganze Maßnahme zieht. Be- gonnen von den Praxisfeldern mittels derer Erfahrungen gesammelt und re- flektiert werden sollen, bis hin zur Arbeit mit regionalen Netzwerkpartnern wie Berufsschulen, Schulen, Eltern, Vernetzung mit Kammern, Jobcentern, regio- nalen Akteuren / Betrieben und migrationsspezifischen Netzwerkpartnern.

Unterstützt werden die beiden Konzepte in der Berufsvorbereitenden Bil- dungsmaßnahme, kurz BVB vom Gender Mainstreaming. Der Ansatz ermög- licht die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und zyklisch zu berücksichtigen, um der Gleichstel- lung von Männern und Frauen näher zu kommen. Gender als Beschreibung des gesellschaftlich, sozial und kulturell beeinflussten Geschlechterrollen von Frauen und Männern. Anders als das biologische Geschlecht - erlernt, kultu- rell beeinflusst und somit auch wandelbar. Sowie Mainstreaming mit dem Hin- tergrund Denken und Handeln im „Mainstream“ - also dem sogenannten Hauptstrom, in die Politik und Verwaltung, bzw.

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Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Chance oder Verwahrstätte?
Untertitel
Empirische Untersuchung des Regionalzentrums der Agentur für Arbeit
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Abschlussprüfung
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
81
Katalognummer
V310028
ISBN (eBook)
9783668086234
ISBN (Buch)
9783668086241
Dateigröße
794 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empirische Sozialforschung, Interviews, Bildungswissenschaft, Berufsvorbereitende Maßnahme, Experteninterview, Inhaltsanalyse Mayring, Sozialforschung, Empirie, Untersuchung
Arbeit zitieren
Marina Zuber (Autor), 2015, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Chance oder Verwahrstätte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310028

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