Kinder erzählen sich tagtäglich fantasiereiche und lebendige Geschichten über Dinge, die in ihrem Leben passiert sind oder welche sie als wichtig empfinden. Damit ist die Sprechfreudigkeit gemeint, die unter bestimmten Gesprächsregeln und einer gelenkten Thematik erscheint, wo Sprecher und Hörer in einem an-gemessenen Rahmen miteinander ihre Gedanken verbalisieren. Dadurch werden nicht nur affektive, soziale und kognitive Lernziele gefördert, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit, also die sogenannten „soft skills“ unserer Gesellschaft, werden geübt und bekommen einen hohen Stellenwert.
In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff des Erzählens, also das literarische Lernen im Deutschunterricht anhand des exemplarisch gewählten Beispiels des Märchens thematisiert. Zunächst wird der Begriff des Erzählens, der bisherige Forschungsstand, sowie ein ausgewähltes Modell zum Erwerb der narrativen Strukturen in der Sachanalyse erläutert. Im zweiten Schritt folgt eine fachwissenschaftliche Eingrenzung zu der Thematik des Märchens, woraufhin eine didaktische Analyse konzipiert wird, bei der die Lernziele hinsichtlich des niedersächsischen Lehrplans im Zusammenhang mit Erzählen und Zuhören und den Umgang mit Märchen näher analysiert werden.
Daraufhin folgt die Planung einer möglichen Unterrichtseinheit für die dritte Klasse einer Grundschule. Die Unterrichtseinheit umfasst die Auseinandersetzung mit der literarischen Gattung der Märchen. In dieser sollen die Kinder erstmals Märchen selbst erfinden und sie sich dann gegenseitig erzählen, sodass sie den charakteristischen Aufbau, sowie deren Merkmale und Strukturen bereits optimal erfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1 Zum Begriff des Erzählens
2.1 Erzählen und Zuhören
2.3 Forschungsstand zu der Entwicklung der kohäsiven Fähigkeiten
2.4 Erwerb von narrativen Strukturen
3. Fachwissenschaftliche Grundlagen zum Thema Märchen
3.1 Das Märchen: Unterscheidung in Volks- und Kunstmärchen
3.2 Besondere Merkmale von Märchen
3.3 Die Bedeutung von Märchen für Kinder
4. Didaktische Analyse
4.1 Allgemeines (Didaktische Reduktion, Einbettung der Stunde, Lerngruppe)
4.2 Lernziele laut Lehrplan der niedersächsischen Grundschule
4.3 Planung einer Unterrichtsstunde mit dem Thema „Mein Märchen – Dein Märchen“ (3. Klasse)
4.3.1 Grob- und Feinziele
4.3.2 Verlaufsplan
5. Reflexion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das literarische Lernen im Deutschunterricht am Beispiel des Märchens zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Kinder in der dritten Klasse durch die gezielte Auseinandersetzung mit narrativen Strukturen und die praktische Erfindung eigener Märchen in ihren Erzähl- und Kommunikationskompetenzen gefördert werden können.
- Grundlagen des Erzählbegriffs und dessen Bedeutung für den Spracherwerb
- Entwicklung narrativer Strukturen und kohäsiver Fähigkeiten bei Kindern
- Fachwissenschaftliche Differenzierung zwischen Volks- und Kunstmärchen
- Didaktische Konzepte zur Implementierung von Märchenerzählungen im Grundschulalltag
Auszug aus dem Buch
3.2 Besondere Merkmale von Märchen
Märchen als eine ganz besondere literarische Gattung haben sehr spezifische Merkmale und einen Aufbau, den es auch in der Grundschule zu erlernen gilt. Charakteristisch für Märchen ist eine grundsätzliche Polarisation mit einer deutlichen Trennung von z. B. Gut und Böse, Reich und Arm oder Faul und Fleißig. Ferner sind die Charaktere meist sehr einschichtig und kompromisslos gezeichnet. Im Mittelpunkt des Märchens steht ein Protagonist, mit dem sich der Rezipient identifizieren soll und um den herum alles Weitere konstruiert ist.
Dennoch ist die Hauptperson häufig allein und stark isoliert von Freunden und Verwandten. Doch gilt es eine schwierige Aufgabe zu bewältigen, erhält der Protagonist allerdings oft fremde, unerwartete Hilfe wie von Tieren und Feen. Oder er agiert dann mit Figuren, die verschiedene Funktionen haben, wie z. B. die Kontrastfigur als böse Stiefmutter oder als Gegner. Die mystische Zahl „Drei“ spielt in vielen Variationen eine Rolle. Die häufig vorkommende dreimalige Wiederholung einer Tätigkeit oder des Aufsagens einer Formel, bietet nicht nur Struktur und Rhythmus, sondern verleiht dem Märchen seine magische, geheimnisvolle Atmosphäre, die nicht nur Kinder in seinen Bann zieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Erzählens als literarisches Lernen im Deutschunterricht ein und skizziert das Vorhaben, dies exemplarisch am Märchen zu bearbeiten.
2. Sachanalyse: In diesem Kapitel werden der Begriff des Erzählens sowie der aktuelle Forschungsstand zur Entwicklung kohäsiver Fähigkeiten und narrativer Strukturen bei Kindern theoretisch fundiert.
3. Fachwissenschaftliche Grundlagen zum Thema Märchen: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über die Differenzierung von Märchenarten, deren charakteristische Merkmale und deren pädagogische Bedeutung für die kindliche Entwicklung.
4. Didaktische Analyse: Hier wird die Planung und Umsetzung einer Unterrichtseinheit in der dritten Klasse analysiert, unter Berücksichtigung didaktischer Reduktion und lehrplanspezifischer Lernziele.
5. Reflexion: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Erzählfähigkeiten im schulischen Kontext zielorientiert zu fördern.
Schlüsselwörter
Erzählen, Märchen, literarisches Lernen, narrative Strukturen, Grundschule, Spracherwerb, Didaktik, Kohäsion, Sprechfreudigkeit, Unterrichtsplanung, Volksmärchen, Kunstmärchen, Kompetenzbereich Sprechen und Zuhören.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung des Erzählens als literarisches Lernen im Deutschunterricht der Grundschule, fokussiert auf das Genre Märchen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Begriff des Erzählens, der Erwerb narrativer Fähigkeiten, fachwissenschaftliche Aspekte von Märchen sowie die didaktische Umsetzung im Unterricht.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie Schüler der dritten Klasse durch die systematische Auseinandersetzung mit Märchenstrukturen in ihrer narrativen Kompetenz und Sprechfreude gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung des Forschungsstandes sowie einer didaktischen Analyse und Planung einer exemplarischen Unterrichtsstunde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse linguistischer und entwicklungspsychologischer Grundlagen, eine fachwissenschaftliche Einordnung von Märchen sowie eine detaillierte didaktische Analyse für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Märchen, Erzählen, narrative Strukturen, Grundschuldidaktik, Kohäsion und kommunikative Kompetenz.
Warum sind Märchen laut der Arbeit besonders für Kinder geeignet?
Märchen bieten laut Autorin einen "unschätzbaren Wert", da sie die Phantasie des Kindes anregen und durch ihre klare Struktur und Symbolik eine Orientierungshilfe in der kindlichen Gedankenwelt darstellen.
Wie trägt die "Didaktische Reduktion" zum Unterrichtserfolg bei?
Sie verhindert eine Überforderung der Schüler, indem komplexe literaturwissenschaftliche Inhalte auf wesentliche Strukturmerkmale wie Anfang, Helfer und magische Gegenstände reduziert werden.
Welche Rolle spielen Erzählkarten in der Unterrichtsplanung?
Sie dienen als konkrete Hilfestellung, um den Schülern den kreativen Prozess des Märchenerfindens zu strukturieren und ihnen Sicherheit beim freien Erzählen zu geben.
- Arbeit zitieren
- Isabell Stock (Autor:in), 2014, Literarisches Lernen im Deutschunterricht durch Erzählen und Zuhören. Eine didaktische Analyse zum Thema Märchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310046