Wie sind die Beziehungen zwischen der Türkei und Europa? Wäre der Beitritt der Türkei ein Vorteil für die EU? Würde er zur Unsicherheit der Union führen? Welche Bedeutung hat der EU-Beitritt für die Türkei? Welche Fortschritte sind bei den Beitrittsverhandlungen erreicht worden? Was sind die Probleme und die Schwierigkeiten, die eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei erschweren? Bildet die „privilegierte Partnerschaft“ eine Alternative zu einer Vollmitgliedschaft?
Es wird versucht, diese und andere Fragen in meiner Arbeit zu beantworten. Dabei habe ich auch verschiedene Ansichten von Politikern besonders berücksichtigt.
Die Frage des Beitritts der Türkei zur EU ist eine wichtige politische Frage. Sie wurde und wird immer noch in den EU-Staaten unterschiedlich und kontrovers diskutiert. Die Türkei versucht seit über 40 Jahren, die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union zu erlangen. Am 3. Oktober 2005 sind die Beitrittsverhandlungen begonnen. Die EU-Länder sehen noch heute, dass die Türkei nicht beitrittsfähig ist. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Türkei beitreten soll, führt zu vielen Diskussionen auf der politischen Ebene.
Die Türkei ist heutzutage ein demokratischer, laizistischer Staat, der sich bemüht, sich den europäischen Werten anzupassen. Für die Europäer sind die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht leicht. Das Land hat viele Defizite im Bereich der Menschenrechte und verfügt über eine unsichere politische, soziale und wirtschaftliche Lage. Die Europäer sind der Meinung, dass die Türkei keine geographische und kulturelle Bindung an die EU hat. Dies könnte die Stabilität und die Sicherheit der Europäischen Union bedrohen.Die Türkei hat bis heute keine klare Antwort auf ihre Frage bekommen, obwohl viele Befürworter des Beitritts die geostrategische Lage des Landes hervorheben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Beziehungen der Türkei zu Europa
2.1. Die Türkei in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht
2.1.1 Die wirtschaftliche Lage der Türkei und ihre Beziehungen zur EU
2.1.2 Die politische Situation der Türkei und die politische Bindung an Europa
2.1.3 Die kulturellen Beziehungen der Türkei zu Europa
2.2 Die Gründe für das Interesse der Türkei an einem Beitritt zur EU
2.2.1.Chancen und Vorteile für die EU
2.2.2 Die Bedeutung der EU für die Türkei
3. Der Weg der Türkei in die EU von 1999 bis 2011
3.1 Die Aufnahmekriterien einer EU-Mitgliedschaft
3.2 Die Fortschritte bei den Beitrittsverhandlungen
3.2.1 Der Bericht von 2002
3.2.2 Der Fortschrittsbericht vom 6. Oktober 2004
3.2.3 Der Bericht von 2005
3.2.4 Der Fortschrittsbericht der EU-Kommission von 2006
3.2.5 Der Fortschrittsbericht von 2010
3.2.6 Der Fortschrittsbericht vom 12. Oktober 2011
4. Die Probleme, die eine Vollmitgliedschaft der Türkei erschweren
4.1 Der Konflikt mit Armenien
4.1.1 Der Bergkarabach-Konflikt
4.1.2 Die Deportation der Armenier
4.2 Die Zypernfrage
4.3 Das Kurdenproblem
4.4 Die Macht des Militärs
4.5 Die Auswanderung türkischer Bürgerinnen
4.6 Die kulturellen Unterschiede
4.7 Geographische Hemmnisse
4.8 Die Problematik der Menschenrechte
4.8.1 Mangel an Demonstrationsfreiheit
4.8.2 Frauenrechte
4.9 Terrorismus
4.10 Wirtschaftliche Probleme
5. Die Meinungen der deutschen Parteien zum Beitritt der Türkei zur EU
5.1 Die Oppositionsparteien
5.1.1 Die Grünen/Bündnis 90
5.1.2 Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands
5.1.3 Die Linke
5.2 Die Regierungsparteien
5.2.1 Die CDU-CSU
5.2.2 Die Freie Demokratische Partei
6. Schlussbetrachtung:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Problematik des EU-Beitritts der Türkei. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren – ökonomische, politische und kulturelle – eine Vollmitgliedschaft erschweren und wie die Beziehungen zwischen der Türkei und Europa historisch sowie aktuell zu bewerten sind, unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Haltungen deutscher politischer Parteien.
- Historische und aktuelle Beziehungen der Türkei zur EU
- Kopenhagener Kriterien und der Fortschrittsprozess der Beitrittsverhandlungen
- Politische und soziale Hindernisse wie der Zypern-Konflikt, Menschenrechte und das Kurdenproblem
- Debatte um eine „privilegierte Partnerschaft“ versus Vollmitgliedschaft
- Positionen der deutschen Parteien zum Türkei-Beitritt
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Die Deportation der Armenier
Geschichtlich gesehen, waren die Beziehungen zwischen der Türkei und der Republik Armenien immer durch Konflikte gekennzeichnet. Die Armenier beklagen ihre unmenschliche Behandlung im Osmanischen Reich während des ersten Weltkrieges. Die Türkei wird beschuldigt, einen Völkermord gegen die Armenier begangen zu haben. “Laut UN-Völkermordkonvention kam es während des 1.Weltkrieges (zwischen 1915 und 1917) im Osmanischen Reich zur Vertreibung und Ermordung von bis zu 1.5 Millionen armenischen Menschen“105. Die türkische Republik hatte damals eine nationalistische und rassistische Ideologie, deshalb wurden auch viele armenische Menschen von ihren Gebieten vertrieben. Nach dem Jungtürkischen Komitee für Einheit und Fortschritt waren die Armenier schuldig. Es beschuldigte „die Armenier der militärischen Zersetzung und des Verrats und beschloss daraufhin deren Zwangsumsiedlung“106.
Heute anerkennt die türkische Regierung die brutale Vernichtung der Armenier (während des 1.Weltkrieges im Osmanischen Reich) nicht. Sie hat die historische Wirklichkeit verfälscht. Sie ist der Meinung, dass diese Maßnahmen gegen die Armenier gerecht waren.“ Die Deportation der Armenier ist eine legitime Maßnahme. Die Hundertausenden Armenier, die den Tod gefunden haben, werden von der türkischen Regierung noch heute geleugnet, allenfalls als Tragödie bezeichnet“107.
Man sieht die Behandlung dieses Problems durch die türkische Regierung als Skandal an. Die Türkei versucht, öffentlich zu zeigen, dass sie nicht verantwortlich für die Armenier ist. Sie sieht diese Auseinandersetzung nicht als Völkermord an. In der Homepage der türkischen Botschaft in Berlin veröffentlichte die Türkei die Nachricht, dass sie keinen Völkermord gegen die Armenier geführt hatte. Dies sei nur eine Umsiedlung und sie behauptet, dass die Armenier die Verantwortung tragen und sich ihr Schicksal selbst gewählt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik des Türkei-Beitritts zur EU und stellt die zentralen Forschungsfragen zur geostrategischen Lage sowie zu den politischen Hindernissen auf.
2. Die Beziehungen der Türkei zu Europa: Dieses Kapitel beleuchtet die vielschichtigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bindungen zwischen der Türkei und Europa sowie die beiderseitigen Interessen an einer Annäherung.
3. Der Weg der Türkei in die EU von 1999 bis 2011: Hier wird der Prozess der Beitrittsverhandlungen analysiert, basierend auf den Kopenhagener Kriterien und den jährlichen Fortschrittsberichten der EU-Kommission.
4. Die Probleme, die eine Vollmitgliedschaft der Türkei erschweren: Dieses Hauptkapitel untersucht kritische Hindernisse, darunter den Konflikt mit Armenien, die Zypern-Frage, Menschenrechtsdefizite und die Rolle des Militärs.
5. Die Meinungen der deutschen Parteien zum Beitritt der Türkei zur EU: Dieses Kapitel stellt die kontroversen Standpunkte der deutschen politischen Parteien dar, insbesondere im Hinblick auf das Modell der „privilegierten Partnerschaft“.
6. Schlussbetrachtung:: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten eines EU-Beitritts der Türkei sowie die möglichen Folgen einer Ablehnung.
Schlüsselwörter
Türkei, Europäische Union, Beitrittsverhandlungen, Kopenhagener Kriterien, Vollmitgliedschaft, privilegierte Partnerschaft, Menschenrechte, Demokratie, Zypernfrage, Kurdenproblem, Armenien-Konflikt, deutsch-türkische Beziehungen, Außenpolitik, Religion, Laizismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Vielschichtigkeit der Debatte um den EU-Beitritt der Türkei, wobei sowohl die politischen Integrationsversuche als auch die damit verbundenen Herausforderungen beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Entwicklung der Beziehungen, die Erfüllung der EU-Aufnahmekriterien, sowie spezifische politische Konfliktherde wie Menschenrechtsfragen, die Zypern-Problematik und das Kurdenproblem.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Schwierigkeiten und Hindernisse zu identifizieren, die einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU im Wege stehen, und dabei die unterschiedlichen politischen Positionen, insbesondere in Deutschland, zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung offizieller Berichte der EU-Kommission sowie der Untersuchung politischer Stellungnahmen und Debatten im Zeitraum 1999 bis 2011.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Analyse der Beitrittskriterien (Kopenhagener Kriterien), der Chronologie der Fortschrittsberichte sowie einer kritischen Untersuchung der politischen Hindernisse, die eine Mitgliedschaft erschweren.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kopenhagener Kriterien, Vollmitgliedschaft, privilegierte Partnerschaft, Menschenrechte, Demokratiedefizite und geopolitische Brückenfunktion charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der deutschen Politik in der Türkei-Debatte?
Die Arbeit stellt dar, wie unterschiedliche deutsche Parteien, etwa die Grünen/SPD im Gegensatz zur Union (CDU/CSU), die Beitrittsfrage bewerten und zeigt auf, dass diese Debatte stark von innenpolitischen Erwägungen und kulturellen Vorbehalten beeinflusst wird.
Welchen Stellenwert nimmt die Zypernfrage ein?
Die Zypernfrage wird als eines der zentralen Hindernisse identifiziert, da sie sowohl die diplomatischen Beziehungen der Türkei zur EU direkt betrifft als auch als ständiger Zankapfel im Verhandlungsprozess fungiert.
- Citation du texte
- Tlija Bchira (Auteur), 2012, Die Problematik der Aufnahme der Türkei in die Europäische Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310050