In der Seminararbeit „Postmortale Organspende – Ein Akt der Nächstenliebe oder ein Verstoß gegen christliche Glaubensvorstellungen?“ wird die Frage behandelt, ob postmortale Organspende speziell im Sinne der christlichen Nächstenliebe ethisch vertretbar oder sogar geboten ist oder ob christliche Ethik insgesamt gegen eine Organspende spricht.
In einem ersten Schritt werden hierzu die erforderlichen juristischen und medizinischen Grundlagen beleuchtet sowie ein kurzer Abriss über Geschichte und Sachstand der Organspende gegeben. Anschließend wird das Konzept des Hirntods aus ethisch-praktischer und christlicher Sicht diskutiert, da dies als wichtige Ausgangslage für die anschließende Diskussion der postmortalen Organspende dient. Im Hauptteil wird dann die postmortale Organspende aus Sicht christlicher Ethik diskutiert und dabei mit Verweis auf entsprechende Bibelstellen Argumente dafür und dagegen erläutert. Im Fazit wird ein Appell an den Leser gerichtet mit der Aufforderung, für sich selber eine Entscheidung zu finden, um Angehörigen diese schwere Last im Ernstfall abzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. ORGANSPENDE – ENTWICKLUNG UND SACHSTAND
2.1. HISTORIE UND HEUTIGER STAND
2.2. ARTEN DER ORGANSPENDE
2.3. TRANSPLANTATIONSGESETZ
2.4. MEDIZINISCHE DEFINITION DES HIRNTODS
2.5. ZUTEILUNG DER ORGANE DURCH EUROTRANSPLANT
3. DISKUSSION DES HIRNTODKRITERIUMS
3.1. BEWERTUNG AUS ETHISCH-PRAKTISCHER SICHT
3.1.1. KRITIKER DES HIRNTODKRITERIUMS
3.1.2. LOCKERUNG DES HIRNTODKRITERIUMS
3.1.3. DER HIRNTOD ALS VORAUSSETZUNG DER TRANSPLANTATIONSMEDIZIN
3.2. BEWERTUNG AUS CHRISTLICHER SICHT
3.2.1. BIBLISCHE ANSÄTZE ZU LEBEN UND TOD
3.2.2. BEWERTUNG DER BIBLISCHEN ANSÄTZE
4. DISKUSSION DER POSTMORTALEN ORGANSPENDE AUS CHRISTLICHER SICHT
4.1. STELLUNGNAHME DER CHRISTLICHEN KIRCHEN
4.2. POSTMORTALE ORGANSPENDE – EIN AKT DER NÄCHSTENLIEBE
4.2.1. NÄCHSTENLIEBE
4.2.2. ERFAHRUNGEN VON SUSANNE KRAHE – ERFÜLLUNG DES DOPPELGEBOTS DER LIEBE
4.2.3. ÄRZTE IN DER BIBEL
4.2.4. ERRETTEN VON LEBEN ALS ERSTE PRIORITÄT
4.3. POSTMORTALE ORGANSPENDE ALS EIN VERSTOß GEGEN CHRISTLICHE GLAUBENSVORSTELLUNGEN
4.3.1. DIE EBENBILDLICHKEIT DES MENSCHEN
4.3.2. DIE EINHEIT VON KÖRPER UND SEELE
4.3.3. WEITERE GÜLTIGKEIT ANDERER GEBOTE
4.3.4. ÜBERHEBLICHE KONZENTRATION AUF DAS DIESSEITS
4.4. UMSTRITTENE ASPEKTE CHRISTLICHER ETHIK - DIE LEIBLICHE AUFERSTEHUNG
5. NACHWORT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit der postmortalen Organspende aus christlicher Perspektive. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die Organspende als Akt gelebter christlicher Nächstenliebe verstanden werden kann oder ob sie im Widerspruch zu grundlegenden christlichen Glaubensvorstellungen, wie etwa der körperlichen Unversehrtheit oder der Ebenbildlichkeit des Menschen, steht.
- Medizinische und rechtliche Grundlagen der Organspende
- Diskussion des Hirntodkriteriums aus ethischer und theologischer Sicht
- Biblische Begründung diakonischen Handelns und Nächstenliebe
- Konfliktlinien zwischen moderner Transplantationsmedizin und christlicher Anthropologie
- Die Bedeutung der leiblichen Auferstehung in der ethischen Bewertung
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Nächstenliebe
„Ohne Taten bliebe das Wort leer, ohne Worte wären die Taten stumm.“ Dies ist eine einfache Regel, nach der Jesus sein ganzes Leben auf Erden handelte. Das gesamte Evangelium berichtet von Geschichten, in denen er Kranke heilt, Hungrige speist und Außenseiter unterstützt. Dies zeigt auf, dass Jesu Verkündigungen von der richtigen Lebensweise Hand in Hand gingen mit seinem Handeln. Es sind gerade seine Taten, die seine Größe, Herrschaft, ja gar Herrlichkeit aufzeigen und ihn damit zum Herrn über das Böse und zu einem Anwalt der Liebe machen.
Doch nicht nur seine Taten zeigen den Dienst Jesu, sondern insbesondere an seinem Leiden, seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung wird sein Dienst und seine Solidarität mit den Leidenden allen Menschen offenbart. Denn durch seinen Tod hat Jesus von Sünden befreit und sich zum Diener aller gemacht, die in Not sind. Jesus hat somit nach einem sehr wichtigen Gebot des christlichen Glaubens gehandelt: Dem Doppelgebot der Liebe: „Du sollst, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lk. 10,27). Dieses Gebot beinhaltet drei Aufforderungen: Man soll den einen Gott, seinen Nächsten und sich selber lieben.
Genau hier zeigt sich der Gesamtzusammenhang: Jesu Dienste basierten alle auf der Liebe und Barmherzigkeit Gottes und durch seine Hilfeleistungen auf Erden hat er seine Liebe zu den Mitmenschen gezeigt. Ein jeder soll Jesu Beispiel folgen und damit Gott, seinen Nächsten und sich selber von ganzem Herzen lieben. Dies beinhaltet sowohl die Verkündung der Gottesherrschaft als auch das Leisten praktischer Hilfe. Gottesliebe ohne Nächstenliebe gilt als Heuchelei und Nächstenliebe ohne Gottesliebe ist langfristig wertlos.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Einleitung in die Fragestellung der Arbeit bezüglich der ethischen Vertretbarkeit der Organspende aus christlicher Sicht und kurzer Überblick über das methodische Vorgehen.
2. ORGANSPENDE – ENTWICKLUNG UND SACHSTAND: Vermittlung notwendiger juristischer und medizinischer Grundlagen sowie eines historischen Abrisses zum Thema Organtransplantation.
3. DISKUSSION DES HIRNTODKRITERIUMS: Kritische Analyse des Hirntodkonzepts aus ethisch-praktischer sowie christlicher Perspektive als notwendige Voraussetzung für die weitere Debatte.
4. DISKUSSION DER POSTMORTALEN ORGANSPENDE AUS CHRISTLICHER SICHT: Hauptteil, der Argumente der christlichen Kirchen sowie biblische Bezüge für und gegen eine Organspende detailliert gegeneinander abwägt.
5. NACHWORT: Zusammenfassender Appell an den Leser, sich frühzeitig mit der eigenen Organspendebereitschaft auseinanderzusetzen und diese Kommunikation gegenüber Angehörigen zu suchen.
Schlüsselwörter
Organspende, Postmortale Organspende, Hirntod, Nächstenliebe, Christliche Ethik, Transplantationsgesetz, Eurotransplant, Doppelgebot der Liebe, Körper und Seele, Auferstehung, Biblische Ansätze, Medizinethik, Gottes Ebenbildlichkeit, Transplantationsmedizin, Diakonisches Handeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die postmortale Organspende vor dem Hintergrund christlicher Werte und stellt die Frage, ob Organspende als Akt christlicher Nächstenliebe oder als Verstoß gegen den Glauben zu werten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der medizinischen Definition des Hirntods, der biblischen Begründung von Nächstenliebe und der christlichen Anthropologie, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Körper, Seele und Auferstehung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, dem Leser eine fundierte Grundlage zu bieten, damit dieser eine informierte Entscheidung über seine eigene Bereitschaft zur Organspende treffen kann, um Angehörige zu entlasten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Es handelt sich um eine theologische und ethische Analyse unter Rückgriff auf Fachliteratur, theologische Fachzeitschriften, Bibelstellen sowie rechtliche Rahmenbedingungen wie das Transplantationsgesetz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion des Hirntodkriteriums und die differenzierte Betrachtung der Organspende als Akt der Nächstenliebe versus als Verstoß gegen christliche Glaubensvorstellungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Organspende, Hirntod, Nächstenliebe, Christliche Ethik, Doppelgebot der Liebe und biblische Auferstehungshoffnung.
Wie steht die Kirche zur Organspende?
Die großen Kirchen akzeptieren die Organspende grundsätzlich als Akt der Nächstenliebe, betrachten sie jedoch nicht als moralische Pflicht, da der Mensch das Recht zur freien Entscheidung über den eigenen Körper behält.
Gibt es biblische Argumente gegen eine Organspende?
Ja, Argumente gegen die Organspende stützen sich auf die Einheit von Körper und Seele, die Sorge um die körperliche Unversehrtheit als „Tempel des Heiligen Geistes“ und die Ablehnung einer Überheblichkeit, die in das göttliche Schöpfungswerk eingreift.
- Citation du texte
- Chiara Steffen (Auteur), 2015, Postmortale Organspende. Ein Akt der Nächstenliebe oder ein Verstoß gegen christliche Glaubensvorstellungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310221