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Die "Kindereuthanasie" im Nationalsozialismus aus der Perspektive der Krankenpflege

Titel: Die "Kindereuthanasie" im Nationalsozialismus aus der Perspektive der Krankenpflege

Bachelorarbeit , 2015 , 58 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: B. Sc. Andrea Frech (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der „Kindereuthanasie“ im Nationalsozialismus aus der Perspektive der Berufsgruppe der Krankenpflegenden. Es soll herausgearbeitet werden, wie es möglich war, diese Berufsgruppe für die gesundheitspolitischen und menschenverachtenden Zwecke der Nationalsozialisten zu instrumentalisieren, und welche Motive PflegerInnen zur Mitarbeit hatten. Weiter soll gefragt werden, ob sich die Tätigkeiten der PflegerInnen bei „Kindereuthanasie“ und „Erwachseneneuthanasie“ unterschieden, und ob es Widerstand gegen die Maßnahmen gab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung der Arbeit

1.2 Aufbau der Arbeit

1.3 Methode und Material

2 Forschungsstand

3 Euthanasie und Eugenik

3.1 Euthanasie und Eugenik im Nationalsozialismus

4 Die systematische Vernichtung „lebensunwerten Lebens“

4.1 „Reichsausschusskinder“

4.1.1 Kinderfachabteilungen

4.1.2 Tötungen

4.1.3 Versuche an Hilflosen zum vermeintlichen Zwecke des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns

4.2 Die „Aktion T4“

4.3 Phase der „wilden Euthanasie“

4.4 Organisation und Differenzierung von „Kindereuthanasie“ und der „Aktion T4“

5 Krankenpflege im Nationalsozialismus

5.1 Berufliche Lage und Rollenverständnis der Krankenpflege

5.2 Auswahl des Pflegepersonals

5.3 Aufgabenfelder des Pflegepersonals

5.3.1 Krankenpflege und „Kindereuthanasie“

5.4 Motive für die Mitarbeit

5.5 Widerstand gegen die Maßnahmen

5.6 Reumütige MitläuferInnen oder überzeugte TäterInnen? – Gerichtsurteile

6 Resümee

7 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhalten der Berufsgruppe der Krankenpflegenden im Nationalsozialismus im Kontext der „Kindereuthanasie“ sowie deren Motivation zur Mitarbeit. Dabei wird erforscht, wie die berufliche Sozialisation und die politischen Rahmenbedingungen genutzt wurden, um Pflegende für nationalsozialistische Zwecke zu instrumentalisieren, und inwiefern sich die Aufgaben im Vergleich zur „Erwachseneneuthanasie“ unterschieden.

  • Instrumentalisierung der Krankenpflege im Nationalsozialismus
  • Strukturen und Tötungsmethoden der „Kindereuthanasie“
  • Vergleich der „Kindereuthanasie“ mit der „Aktion T4“
  • Motivation und moralische Begründungen des Pflegepersonals
  • Formen des Widerstands und gerichtliche Aufarbeitung nach 1945

Auszug aus dem Buch

4.1.2 Tötungen

Da jede einzelne dieser „Kinderfachabteilungen“ ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Täter und ihre eigenen Opfer hatte, soll im folgenden Kapitel exemplarisch beschrieben werden, wie der letzte Weg der Kinder nach der Brandmarkung „lebensunwert“ bis zur Tötung in einer der „Kinderfachabteilungen“ verlief.

Bei bereits stationär untergebrachten Kindern, die also nicht aus dem häuslichen Umfeld direkt in eine „Kinderfachabteilung“ eingewiesen wurden, geschah die Überstellung in eine „Kinderfachabteilung“ durch einen Sammeltransport der GEKRAT oder mittels Reichsbahn (Orth 1989, S. 30). Dort angekommen, geschah die Ermordung der Kinder einzeln, meist mit Barbituraten wie Luminal. Diese wurden durch Injektionen, wahlweise je nach Anstalt, mittels Tabletten durchgeführt (siehe Kapitel 5.3.1). Da das Barbiturat in den meisten Fällen über mehrere Tage hinweg gegeben werden musste, trat der Tod nicht sofort ein, sondern das Sterben zog sich über mehrere Tage hin. Dieser dauerhafte Dämmerzustand, in dem sich die Kinder dadurch befanden, führte zu einer flacheren Atmung und folglich zu einer Minderbelüftung der Lunge. Die Konsequenz war eine Lungenentzündung. Der Tod muss qualvoll gewesen ein. Die Kinder liefen blau an und hatten Schaum vor dem Mund. Als Todesursache wurde dann ein „natürlicher“ Tod im Totenschein vermerkt, bevorzugt mit dem ergänzenden Zusatz: durch Lungenentzündung (Benzenhöfer 2000b, S. A2772; Burlon 2009; S. 89 ff., 240; Engelbracht 2014, S. 93 f.; Kinast 2014, S. 211 ff.). Eine weitere Tötungsart war die bewusste Reduktion der Zuführung von Nahrung, das akzeptierte und gewollte Verhungern der Kinder (Engelbracht 2014, S. 45 ff.; Janzowski 2001, S. 105; Kinast 2014, S. 46 ff.; Orth 1989, S. 37, 42; Rigele 2005, S. 23; Schmuhl 1991, S. 60). An die Eltern wurde, meist am Tag vor dem Tod des Kindes, ein Schreiben versendet, welches ihnen von der Verschlechterung des Zustandes berichtete. Ein Abschiednehmen war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr möglich. Es folgte die Todesmeldung mit der „offiziellen“ Todesursache (Rigele 2005, S. 21).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der nationalsozialistischen „Kindereuthanasie“ aus der Sicht der Krankenpflege und hinterfragt die ethische Verantwortung der Berufsgruppe.

2 Forschungsstand: Der aktuelle Stand der historischen Forschung wird aufgearbeitet, wobei der Fokus auf krankenpflegerischen Aspekten liegt, zu denen bisher wenig spezifische Literatur existierte.

3 Euthanasie und Eugenik: Es werden die begrifflichen Grundlagen sowie der ideologische Nährboden der Eugenik und des Sozialdarwinismus als Basis für die Vernichtungspolitik dargestellt.

4 Die systematische Vernichtung „lebensunwerten Lebens“: Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Phasen und Aktionen der Vernichtung, darunter das „Reichsausschussverfahren“ und die „Aktion T4“.

5 Krankenpflege im Nationalsozialismus: Hier wird die Rolle der Krankenpflegenden im System analysiert, einschließlich der Rekrutierung, der Aufgabenfelder und der Motive für die aktive oder passive Mitarbeit.

6 Resümee: Die Arbeit zieht Bilanz und betont die individuelle moralische Verantwortung jedes Menschen, unabhängig von historischen Systemzwängen.

Schlüsselwörter

Kindereuthanasie, Nationalsozialismus, Krankenpflege, Reichsausschuss, Aktion T4, Eugenik, Berufsethik, Mord, Täterprofil, Widerstand, Krankenpflegende, Medizinverbrechen, Zwangssterilisation, Pflichtbewusstsein, Patientenmord.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Beteiligung von Krankenpflegenden an der nationalsozialistischen „Kindereuthanasie“ und untersucht, wie die Berufsgruppe für diese Verbrechen instrumentalisiert wurde.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören die rassenideologischen Grundlagen, die Tötungsstrukturen („Kinderfachabteilungen“, „Aktion T4“), das Rollenverständnis der Pflege sowie die psychologischen und sozialen Motive der Täter.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Autorin fragt, wie es möglich war, Krankenpflegende für menschenverachtende Zwecke zu instrumentalisieren und welche Begründungen sie für ihre Teilnahme an der „Kindereuthanasie“ anführten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Rezeption und Aufarbeitung des Forschungsstandes unter Verwendung historischer Primärquellen und Sekundärliteratur sowie einer Textanalyse nach der historisch-kritischen Methode.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Phasen der Vernichtung, die berufliche Sozialisation der Pflege, die spezifischen Aufgaben bei Tötungshandlungen und die nach 1945 erfolgende juristische Aufarbeitung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kindereuthanasie, Krankenpflege, Nationalsozialismus, Täterprofil und moralische Verantwortung geprägt.

Warum unterschieden sich die Tötungen der „Kindereuthanasie“ kaum von der Erwachseneneuthanasie?

Trotz der bei Kindern zu erwartenden höheren moralischen Hemmschwelle waren die Tötungsprozesse, die Involvierung des Personals und die Ideologie in beiden Fällen nahezu identisch.

Wie reagierten die angeklagten Pflegekräfte in den Prozessen nach dem Krieg?

Die meisten angeklagten Pflegekräfte zeigten kaum Reue. Sie argumentierten häufig mit „Pflichterfüllung“, dem Befehl von Vorgesetzten oder dem Glauben an eine vermeintliche juristische Legitimation durch den Staat.

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Details

Titel
Die "Kindereuthanasie" im Nationalsozialismus aus der Perspektive der Krankenpflege
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Note
1,0
Autor
B. Sc. Andrea Frech (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
58
Katalognummer
V310234
ISBN (eBook)
9783668087293
ISBN (Buch)
9783668087309
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kindereuthanasie nationalsozialismus perspektive krankenpflege
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B. Sc. Andrea Frech (Autor:in), 2015, Die "Kindereuthanasie" im Nationalsozialismus aus der Perspektive der Krankenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310234
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Leseprobe aus  58  Seiten
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