Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern sich Typologisierungen von Regimen, die politische Transformationen durchliefen, eignen, um einen Transformationsprozess zu analysieren. Des Weiteren liegt der Fokus darauf, wie diese Typologien zu ihren Einschätzungen, Analysen und Bewertungen gelangen sowie welche kausalen Zusammenhänge diese als relevant sehen. Diese Typologien sollen am Fallbeispiel Chile untersucht und kritisch reflektiert werden.
Von der Demokratisierungswelle der 1980er Jahre in Lateinamerika war auch Chile betroffen, das eine bemerkenswerte und interessante Entwicklung seit den 1970er Jahren durchgemacht hat. In Chile vollzogen sich in dieser Phase mehrere Regimewandel, weswegen das Land als ein interessantes Beispiel im politischen Transformationsprozess gilt.
Transformationsprozesse stellen ein aktuelles Phänomen dar, da diese Kontroversen der vergleichenden Transformationsforschung aufzeigen sowie in mehreren Weltregionen stattfinden, so z.B. in der Arabischen Welt durch den Arabischen Frühling. Bezüglich des Forschungsstandes sind insbesondere Juan Linz und Wolfgang Merkel zu nennen, die einen entscheidenden Beitrag zu der Transformationsforschung geleistet haben. Im Zuge dessen werden weitere Ansätze untersucht, um Stärken, Schwächen und die Eignung dieser zu prüfen.
Es werden zunächst einige Begriffe definiert, die in Transformationsprozessen eine relevante Rolle spielen, um eine klare analytische Differenzierung vorzunehmen sowie mit diesen zu arbeiten. Daraufhin sollen drei Typologien – ,,DD-Index“; ,,Pathways to Democracy“ sowie der Bertelsmann Transformationsindex (BTI) – vorgestellt werden. Diese sollen das theoretische Gerüst dieser Arbeit bilden und es soll gezeigt werden, wie die o.g. Typologien Transformationsphasen in Chile – insgesamt drei – bewerten und analysieren. Hierbei soll der Unterschied zwischen ordinal und nominalskalierten Indizes sowie die Differenzen zwischen empirischen, analytischen und institutionstheoretischen Ansätzen demonstriert werden.
Abschließend soll nach der Untersuchung zusammenfassend gezeigt werden, wie sich die Typologien im Falle Chiles gestalten, um dann im Fazit Stellung zu der eingangs genannten Fragestellung dieser Arbeit zu nehmen und aufzuzeigen, welche dieser drei Typologien den Transformationsprozess im Falle Chiles am geeignetsten fasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Regime
2.2 Transformation
3. Typologien
3.1 Cheibub, Gandhi, Vreeland: ,,DD-Index“
3.2 Hadenius, Teorell: ,,Pathways to Democracy“
3.3 Bertelsmann Transformationsindex
4. Die Entwicklung Chiles von 1970 bis heute
4.1 Erste Phase 1970 – 1973: Die Regierung Allende
4.2 Zweite Phase 1973 – 1988: Die Militärregierung unter Pinochet
4.3 Dritte Phase 1989 – heute: Der Demokratisierungsprozess
5. Kritische Würdigung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Eignung verschiedener Typologien von Regimen zur Analyse von politischen Transformationsprozessen am Beispiel Chiles. Dabei soll aufgezeigt werden, wie unterschiedliche methodische Ansätze – von minimalistischen bis hin zu maximalistischen Modellen – zu differierenden Einschätzungen und Bewertungen des chilenischen Regimewandels gelangen.
- Analyse politischer Transformationsprozesse
- Vergleich der Typologien DD-Index, Pathways to Democracy und Bertelsmann Transformationsindex
- Untersuchung der Regimewandel in Chile von 1970 bis heute
- Kritische Reflektion der gewählten methodischen Ansätze
- Identifikation kausaler Zusammenhänge in Transformationsphasen
Auszug aus dem Buch
4.2 Zweite Phase 1973 – 1988: Die Militärregierung unter Pinochet
Am 11. September 1973 kam es zum Militärputsch, als das Militär das Regierungsgebäude La Moneda bombardierte und stürmte. Das Militär erklärte daraufhin den Ausnahmezustand, so dass das Militär der einzige Machthaber zu diesem Zeitpunkt war. Des Weiteren wurde die Verfassung von 1925 abgeschafft, Parteien verboten und Medien zensiert (vgl. Gonzalez 2008, 24f.).
Von 1973 bis 1977 versuchte die Militärregierung ihre Macht zu stärken, indem sie die Gesellschaft depolitisierte, Institutionen zerstörte, Vereinigungen und Parteien verbot bzw. als aufgelöst erklärte (vgl. Oppenheim 1999, 114). Auch wurde die Geheimpolizei – DINA – ab 1974 eingesetzt, um jegliche sozialistische bzw. kommunistische Tendenzen in der Gesellschaft zu eliminieren. Infolgedessen wurden viele Menschen entführt, getötet oder mussten fliehen. Von den 2.279 Toten unter der Militärregierung waren 17,8% Anhänger der sozialistischen Partei UP, 16,9% waren Mitglieder der MIR (Movement of the Revolutionary Left) und 15,5% Militante der kommunistischen Partei (vgl. Oppenheim 1999, 119). Zwischen 1973 und 1976 flüchteten etwa 20.000 Chilenen ins Exil nach Europa oder Lateinamerika (vgl. Gonzalez 2008, 28).
Das Militärregime hatte mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, denn 1975 erreichte die Wirtschaft eine Hyperinflation von 343% (vgl. Gonzalez 2008, 26). Um wirtschaftlichen Problemen entgegenzuwirken, sollten die Chicago Boys, amerikanische Technokraten, eine liberal wirtschaftliche Transformation vornehmen. Infolgedessen wurden 1975 27% der Staatsausgaben gekürzt, Steuern und Preise erhöht, Löhne gesenkt und staatliche Unternehmen privatisiert, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten, damit es nicht zu Protesten gegen die Militärregierung kommt (vgl. Gonzalez 2008, 28f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die demokratische Entwicklung Chiles seit den 1970er Jahren ein und stellt das Ziel der Untersuchung vor, verschiedene Typologien zur Regimetransformation zu vergleichen.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Konzepte wie Regime und Transformation definiert, um eine klare analytische Basis für die nachfolgenden Analysen zu schaffen.
3. Typologien: Es werden drei zentrale Ansätze – der DD-Index, Pathways to Democracy sowie der Bertelsmann Transformationsindex – vorgestellt, die zur Messung und Einordnung von Regimetypen dienen.
4. Die Entwicklung Chiles von 1970 bis heute: Der empirische Teil analysiert den chilenischen Transformationsprozess unterteilt in die Regierungszeit Allendes, die Militärdiktatur unter Pinochet und den anschließenden Demokratisierungsprozess.
5. Kritische Würdigung: Die Typologien werden in Bezug auf ihre methodischen Ansätze und ihre Eignung zur Erfassung des Falls Chile einer kritischen Bewertung unterzogen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit der untersuchten Typologien, wobei der maximalistische Ansatz des BTI als besonders geeignet für eine systematische Analyse hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Chile, Transformation, Regimewandel, Demokratisierung, Militärdiktatur, Politische Transformation, DD-Index, Pathways to Democracy, Bertelsmann Transformationsindex, Allende, Pinochet, Systemtransformation, Institutioneller Wandel, Politische Regime, Lateinamerika
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem politischen Wandel in Chile von 1970 bis zur Gegenwart und analysiert diesen Prozess anhand verschiedener politikwissenschaftlicher Typologien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Transitionsforschung, die vergleichende Analyse von Regimetypen sowie die spezifische historische und politische Entwicklung Chiles im Kontext autoritärer und demokratischer Regierungsformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit etablierte Typologien geeignet sind, den komplexen Transformationsprozess Chiles zu erfassen und wissenschaftlich fundiert einzuordnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der verschiedene theoretische Ansätze und Indizes auf das Fallbeispiel Chile angewendet und deren Stärken sowie Schwächen kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung theoretischer Typologien sowie die historische Aufarbeitung der drei chilenischen Transformationsphasen (Allende, Pinochet, Demokratisierung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Chile, Transformation, Regimewandel, Demokratisierung, Militärdiktatur, DD-Index, Pathways to Democracy und der Bertelsmann Transformationsindex.
Welche Bedeutung kommt dem Plebiszit von 1988 im chilenischen Kontext zu?
Das Plebiszit von 1988 markiert einen entscheidenden Wendepunkt im Transformationsprozess, da es den Weg für das Ende der Militärdiktatur unter Pinochet und die anschließende Rückkehr zur Demokratie ebnete.
Warum wird der Bertelsmann Transformationsindex im Fazit als besonders geeignet hervorgehoben?
Der Autor argumentiert, dass der maximalistische Ansatz des BTI durch seine Vielzahl an Indikatoren das Land systematischer und differenzierter erfassen kann als rein minimalistische Modelle, die sich fast ausschließlich auf Wahlen fokussieren.
- Quote paper
- Mehmet Mutlu Atci (Author), 2015, Typologisierungen von politischen Transformationen. Chile von 1970 bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310236