Auswirkungen und Sinn einer Kreatin-Supplementierung bei Fußballern


Studienarbeit, 2015
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Stand der Diskussion um Kreatin und Eingangshypothese
1.2 Kernfragen und Vorgehensweise

2 Kreatin als energetische Substanz im Körper
2.1. Biologische Wirkungsweise von Kreatin
2.2. Kreatin als Supplement im Sport
2.3 Allgemeine Studien zur Wirksamkeit für Sportler
2.4 Einnahmeempfehlungen

3 Kreatin-Supplementierung im Fußball
3.1 Leistungsstruktur im Fußball
3.2 Studienlage mit Fußballern

4 Zwischenfazit - Sinn einer Kreatinzufuhr für Fußballer

5 Mögliche Nebenwirkungen und deren Konsequenzen

6 Kreatin als legales Dopingmittel?

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Effekt einer Kreatinsupplementierung auf das ATP-Niveau

Abb. 2. Faktoren der Leistungsfähigkeit des Fußballers

1 Einleitung

Kreatin ist mit das meisterforschte und gleichzeitig meist diskutierte potentiell leistungssteigernde Supplement im Breiten- und Spitzensport. Wurde es lange Zeit als physiologisch uninteressant angesehen, hat es heute den Status eines anerkannten und offiziellen Nahrungsergänzungsmittels (Wallimann, 2009). Es besitzt den Ruf, Muskelwachstum und Muskelkraft zu erhöhen, Schnellkraft zu verbessern und Regenerationszeiten zu verkürzen. Durch die Einnahme von Kreatin erhoffen sich seit den Neunzigerjahren auch Fußballer eine leistungssteigernde Wirkung, ähnlich wie bei Sportarten wie Gewichtheben, Leichtathletik und Skirennlauf, welche als Vorzeigemodell für die erfolgreiche Einnahme von Kreatin dienten (Wulzinger, 1999). Grund zur Einnahme für viele Sportler, darunter Fußballer, ist nicht allein der Erfolg anderer Sportler durch die sogenannten „Kuren“, sondern ebenso eine intensive jahrzehntelange Grundlagenforschung über die Wirkungen und Funktionen von Kreatin. Seitdem bekannt wurde, dass unter anderem Sprintolympiasieger von 1992, Linford Christie, regelmäßig Kreatin zu sich nahm, begann auch in anderen Sportarten die methodische Verabreichung von Kreatin an Sportler (vgl. Gröber, 2008, S. 199). So gelangten Berichte über Kreatinkuren von professionellen Fußballmannschaften an die Öffentlichkeit, welche zwar keinerlei wissenschaftlichen Wert aufweisen, jedoch einen Einblick in die Wahrnehmung von Sportlern zur Kreatineinnahme geben. Beispielsweise äußerte Paul Merson zur Kreatinkur seines Vereins Aston Villa:

„Du glaubst zu fliegen“ (Sussebach, 2000).

Neben solchen Formulierungen sorgen allerdings genauso viele Berichte über Nebenwirkungen und dem konsequenten Absetzen der Substanz für Aufmerksamkeit. Wissenschaftliche Studien über Kreatin beziehen sich größtenteils auf den Effekt auf Kraft-, Schnelligkeits- und Ausdauerleistungen und beziehen sich nur selten auf Fußballer. Zentrale Gegenstand dieser Arbeit ist somit die Sinnhaftigkeit einer Kreatin- Supplementierung für Fußballer. Dazu gilt es sich zunächst einmal mit der allgemeinen biologischen Funktion von Kreatin zu beschäftigen, um Ansatzpunkte für mögliche leistungssteigernde Wirkungen zu schaffen. Zudem erfolgt eine Zusammenfassung von Studien die sich auf ergogenen Wirkungen im Sport allgemein befassen. Doch auch mit positiven Beispielen von Studien ist eine direkte Übertragung auf die Sinnhaftigkeit für Fußballer nur bedingt möglich. Einerseits kann eine Analyse der Leistungsstruktur die Rolle des Kreatinstoffwechsels für den Fußballer aufschlüsseln, andererseits gibt es Studien, die sich direkt auf Fußballer oder auf sehr fußballnahe Leistungskomponenten in Verbindung mit Kreatinzufuhr beziehen. Letztendlich soll diese Arbeit eine

Zusammenfassung über das Potential konkreter Leistungssteigerungen von Kreatin für Fußballer geben und dieses ins Verhältnis mit Kontraargumenten gegen eine Kreatin- Supplementierung setzen. Eine Rolle dabei spielt auch die Problematik der Grenzziehung zwischen Doping und legaler Leistungssteigerung. Auf diese Weise wird abschließend differenziert dargelegt, inwiefern eine langfristige Kreatin-Supplementierung für die Zielgruppe der Fußballer Sinn ergibt. Faktisch fehlen derzeit verlässliche Berichte über Kreatin-Supplementierung im Profifußball. Hier gilt es die Frage zu klären, wieso dieses Thema trotz eindeutigen ergogenen Wirkungen von Kreatin so kontrovers diskutiert wird.

1.1 Stand der Diskussion um Kreatin und Eingangshypothese

Obwohl rund um das Thema Kreatin-Supplementierung kontroverse Diskussionen entstehen, gilt das Kreatin übereinstimmend als wichtigste legale leistungssteigernde Substanz für Sportler, wobei besonders eindeutig die Kraftzunahme bei intensiven, sich wiederholenden Belastungen hervorgehoben wird (Kleiner, 1998; Gröber, 2008; Friedrich, 2008). Somit ist eine Leistungssteigerung in Training und Wettkampf vor allem im Sprint-, Kraft- und Ausdauersport durch eine Erhöhung der intramuskulären Kreatin-Phosphat- Speicher zu erwarten. Dadurch wird Kreatin vor allem mit Kraftsportarten sowie Sprintsportarten und mit Mannschaftssportarten in Verbindung gebracht (Gröber, 2008). Zurzeit liegen etliche Studien vor, die in den letzten Jahrzehnten zum Thema Kreatin in Bezug auf verschiedene ergogene Faktoren durchgeführt wurden mit teils nicht eindeutigen und widersprüchlichen Ergebnissen. Eine klare Aussage hinsichtlich der tatsächlichen Wirkung von Kreatin auf einzelne Sportler ist nicht eindeutig möglich, da die Reaktionen verschiedener Organismen individuell ausfallen können und es beispielsweise auch sogenannte „Non-responder“ (Gröber, 2008; Klein, G. o.J.) gibt. Weiterhin bietet die Literatur zum Thema Kreatin-Supplementierung keinen einheitlichen Überblick über die genauen positiven Wirkungen für Fußballer, da keine Versuche unternommen wurden, eindeutige Beziehungen zwischen der Wirkungswiese von Kreatin im Körper und der Leistungsstruktur im Fußball herzustellen. Artikel über die praktische Durchführung von Kreatinkuren bei Profifußballern (u.a., Wulzinger, 1999; Sussebach, 2000) berichten in sehr kritischem Ton über teils aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochene Versuche, die Leistung durch eine Kreatinkur zu steigern. Die Kreatin-Supplementierung wird hierbei als „umstritten“ und als „Schattenbereich“ bezeichnet, ohne Bezug zu wissenschaftlichen Quellen zu nehmen. Die Mehrzahl an wissenschaftlichen Quellen beschreibt, dass eine Kreatin-Supplementierung bei den meisten Menschen einen leistungssteigernden Effekt in Verbindung mit sportlichem Training und entsprechender Regeneration hat. Aufgrund dessen lautet die zu überprüfende Eingangshypothese dieser Arbeit:

„Eine systematische Kreatin-Supplementierung ist für Fußballer grundsätzlich als sinnvoll zu betrachten und führt zu entsprechenden Leistungssteigerungen innerhalb des konditionellen Anforderungsprofils.“

1.2 Kernfragen und Vorgehensweise

Um die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Kreatin in Bezug auf Fußballer des Profi- und Breitensports zu beantworten, muss zunächst einmal umfassend beschrieben werden, welche biologische Funktionen Kreatin im Körper erfüllt und was eine Anhebung des Kreatinspiegels bedeutet. Kreatin ist für den Fußballer nur dann sinnvoll, wenn die ergogene Wirkung in einem günstigen Verhältnis zu den zu erwartenden Nebenwirkungen steht und die Einnahme als solche moralisch vertretbar erscheint. Nach der Auseinandersetzung mit der energetischen Substanz an sich, soll also die Frage geklärt werden, welche genauen ergogenen Wirkungen wissenschaftlich abgesichert sind und vor allem welche dem Fußballer davon wirklich nutzen. Erhöht eine Kreatinkur nämlich beispielsweise ausschließlich die Muskelmasse, so wäre das für einen Fußballer kein ausschlaggebender positiver Effekt. Die Antwort auf die Frage, welche Leistungsstruktur im Fußball vorliegt, kann Aussage darüber treffen, welche Effekte eines erhöhten Kreatinspiegels nennenswerte Vorteile für Fußballer bringen. Ein zu hohes Risiko auf Nebenwirkungen könnte eine Kreatinzufuhr ebenso in Frage stellen, auch wenn leistungssteigernde Effekte bereits erwiesen wären. Deshalb soll diese Studienarbeit Studien und Berichte aus der Praxis gleichermaßen miteinbeziehen, um die Verhältnismäßigkeit einer Kreatin-Supplementierung beurteilen zu können.

2 Kreatin als energetische Substanz im Körper

Kreatinphosphat ist neben dem Adenosintriphosphat die wichtigste energiereiche Verbindung im menschlichen Körper und repräsentiert 70 % des hoch-energetischen Speichers im Muskel. Kreatinphosphat liegt erst dann vor, wenn Kreatin mit Hilfe des Enzyms Kreatinkinase zu Kreatinphosphat „aufgeladen“ wurde. Dann steht es als chemische Energie für zahlreiche lebensnotwendige Vorgänge in den Organen und Zellen zur Verfügung, beispielsweise zur Kontraktion von Skelett- und Herzmuskel oder der Aufrechterhaltung des Zellmilieus (Dieckmann, 2013; Klein, o.J.). Entdeckt wurde die Substanz Kreatin bereits 1834 von dem französischen Wissenschaftler als natürlicher Inhaltsstoff des Rindfleisches in der Fleischbrühe (Klein, G. o.J.; Gröber, 2008; Dieckmann, 2013).

„Kreatin ist eine körpereigene Substanz die z.T. im Körper selber gebildet oder über die Nahrung, vor allem mit Fleisch und Fisch, aufgenommen wird. Im Körper einer Person von 70 kg sind ungefähr 100-120 Gramm dieser Substanz vorhanden, vorwiegend in den Skelettmuskeln, dem Herzmuskel und im Gehirn“ (Dieckmann, 2013). Vegetarier haben meist einen niedrigeren Kreatinspiegel, begründet durch ausbleibenden Verzehr von Fleisch, dem Nahrungsmittel mit dem höchsten Kreatingehalt (Friedrich, 2008). Im Körper wird Kreatin aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und der essenziellen Aminosäure Methionin synthetisiert und schließlich mit einem natriumabhängigen Transporter in die Muskelzelle geschleust. Die Aktivität des Kreatintransporters wird durch Insulin verstärkt (Weineck, 2004). Kreatin liegt zu 95 % in der Skelettmuskulatur vor, davon zwei Drittel als Kreatinphosphat (KrP) (Gröber, 2008; Friedrich, 2008). Dies entsteht in der Mitochondrie über eine oxidative Phosphorylierung. Zwischen Zytisol und Mitochondrien findet ein permanenter Austausch des Kreatins statt („Phospho-Kreatin- Shuttle“). Allgemein sind das Kreatinphosphat zusammen mit den Makronährstoffen die zentralen Stoffe des Metabolismus, der zuständig für die Energielieferung bei körperlicher Arbeit und Sport ist“ (Klein, o.J.).

2.1. Biologische Wirkungsweise von Kreatin

Kreatin spielt vor allem für das anaerob alaktazide System eine wichtige Rolle. Die wichtigste und direkte Energiequelle für die Muskelleistung sowie zahlreiche andere Stoffwechselvorgänge ist Adenosintriphosphat (ATP). Bei körperlicher Belastung wird die mechanische Energie der Muskelkontraktion direkt durch die chemische Spaltung von ATP in Adenosindiphosphat (ADP) und Phosphorsäure bereitgestellt. Allerdings reicht die Energie des ATP aufgrund der sehr begrenzten Menge nur für 2-3 Sekunden aus und muss danach neu gebildet werden (vgl. Gröber, 2008, S. 193ff). Dies ist also theoretisch bereits beispielsweise nach einer Wiederholung Bankdrücken, nach ca. 20 Metern Sprint oder einem Zweikampf im Fußball der Fall. Die am schnellsten anaerob verfügbare Energiereserve ist das Kreatinphosphat, welches zur ATP-Resynthese gespeichert wird. Mithilfe von Kreatinphosphat wird ADP wieder zu ATP resynthetisiert, indem der Phosphatrest auf das ADP übertragen wird. Danach kehrt das dephospholysierte Kreatin ins Mitochondrium zurück. Hier spricht man von dem ATP-Kreatinphosphat-System oder auch vom anaerob alaktazidem System, weil bei diesem Vorgang kein Laktat anfällt (Biesalski et al., 2010). Gesteuert wird dieser Prozess der Übertragung der energiereichen Phosphatgruppe von dem Enzym Kreatinkinase (Gröber, 2008, S. 196). Ein Bedeutender Fakt ist, dass Kreatinphosphat im Gegensatz zu ATP im Muskel gespeichert werden kann und im Bruchteil einer Sekunde bereit steht, somit für die Phosphorylierung von ADP genutzt werden kann. Eine weitere wichtige Rolle von Kreatinphosphat spielt die ADP-Konzentration, welche niedrig gehalten wird. ADP wirkt hemmend auf sehr viele Vorgänge, die ATP-abhängig sind. (Klein, G. o.J.)

2.2. Kreatin als Supplement im Sport

Nicht nur im Fußball, sondern vor allem in anderen Sportarten, bei denen Maximalkraft, Schnellkraft, Ausdauer und Regeneration eine Rolle spielen wird Kreatin in Form von Kapseln oder Pulver eingenommen, um die Kreatinspeicher des Körpers möglichst optimal aufzufüllen. Sportler erhoffen sich dadurch eine erhöhte körperliche und mentale Leistungsfähigkeit durch eine Erhöhung der Muskelkraft, Muskelmasse und einer Verkürzung von Regenerationszeiten. Durch die Auffüllung der intrazellulären Speicher soll sich der Energiestatus der Zelle verbessern, was zu einer erhöhten anaerob alaktaziden Leistungsfähigkeit führt. Besonders hervorgehoben wird die positive Wirkung bei repetitiven Maximalkraftleistungen, beispielsweise bei Ausführung mehrerer Wiederholungen im Kraftsport- oder im Sprintbereich (Gröber, 2008; Friedrich, 2008; Wallimann, 2009; Kleiner 1998). Durch den erhöhten Kreatinspeicher kann eine hohe Belastung wie der Sprint aufrechterhalten werden, aufgrund dessen, dass die alaktazide Energiebereitstellung bis zu einigen Sekunden länger möglich ist. Bezugnehmend auf den vorangegangenen Absatz ist dies mit der länger anhaltenden Phosphorylierung von ADP zu ATP durch einen größeren Kreatinphosphat-Pool zu begründen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Effekt einer Kreatinsupplementierung auf das ATP-Niveau (Klein, o.J., S. 11)

„Die gesteigerte muskuläre Belastbarkeit und bessere Regenerationsfähigkeit sollen es dem Athleten in der Phase der Wettkampfvorbereitung zudem ermöglichen, auf einem höheren Leistungsniveau zu trainieren“ (Gröber, 2008, S. 201). Hinsichtlich verbesserter Ausdauerwerte durch die Einnahme von Kreatin gibt es kontroverse Ansichten. Laut Biesalski et al. (2010, S. 237) beispielsweise konnten bislang keine ergogenen Effekte von Kreatin auf die Ausdauerleistung nachgewiesen werden, während Bolz (2006, S. 119) postuliert, dass die Ausdauerleistung durch Kreatin sehr wohl verbessert werden kann. Gröber (2008, S. 202) gibt als potentiellen ergogenen Effekt außerdem eine geringere Bildung von Hypoxanthin, Ammoniak und Laktat unter körperlicher Belastung an, was folglich zu einer verbesserten ATP-Resynthese sowie zu einem verbesserten anaeroben Leistungspotenzial führt. Ein großer Unterschied von Kreatin zu anderen ergogenen Substanzen ist sein Status als absolut legales Nahrungsergänzungsmittel. Das Image des Kreatins als legales leistungssteigerndes Nahrungsergänzungsmittel sorgt für eine hohe Nachfrage bei Kraftsportlern, aber auch bei Spielsportlern im Profi- und Breitensport. Studien belegen zwar eine positive Wirkung von Kreatinkuren bei beispielsweise Muskel- und Alterskrankheiten sowie während Verletzungspausen, die optimale Wirkung wird dennoch nur in Verbindung mit sportlichem Training erzielt. Die von vielen Autoren hervorgehobene Wirkung einer Erhöhung der Muskelmasse ist neben den Wassereinlagerungen nämlich vor allem einem konsequenteren (Kraft-)Training geschuldet, das mit den bereits erläuterten physiologischen Wirkungsweisen einer Erhöhung des Kreatinspeichers erklärbar ist (Kleiner, 1998; Stierwald, 2010). Kreatin wird nach der oralen Einnahme im Magen-Darm-Trakt resorbiert. Dies geschieht am effektivsten durch eine zeitgleiche Aufnahme hochglykämischer Kohlenhydrate. Als bester Zeitpunkt zur Aufnahme des Kreatins wird der Zeitraum direkt nach dem Training angegeben. Zusammen mit Kohlenhydraten aufgenommen, kann auf diese Weise nicht nur die Kreatinspeicher gefüllt werden, sondern ebenfalls die Kohlenhydratspeicher über das Ausgangsniveau hinaus (Wallimann, 2009; Klein, o.J.; Stierwald, 2010). Dieser Effekt würde Leistungssteigerungen im Ausdauerbereich erklären, welcher auf erhöhte Glykogenspeicher zurückzuführen ist. Das Kreatin - meist in Form von Kreatinmonohydrat verabreicht - wird über einen spezifischen Kreatin-Transporter (Cr-T) durch die Zellmembran geschleust. Dieser Transporter ist Na+-abhängig, sodass das Kreatin Wasser in die Zelle mit sich nach zieht. Durch diesen Vorgang kommt es zu der Gewichtszunahme in den ersten Tagen der Kreatinkur (Klein, o.J.).

2.3 Allgemeine Studien zur Wirksamkeit für Sportler

Den Ruf als leistungssteigerndes Produkt hat das Kreatin längst inne. Nicht alle Quellen, die sich mit dem Thema befassen, beziehen sich dabei auf die Vielzahl an Studien, die in den letzten Jahrzehnten zu dem Thema publiziert wurden. Die Studien beziehen sich dabei jeweils auf einen oder mehrere potentiell leistungssteigernde Effekte von Kreatin. Einige Effekte sind größtenteils durch Studien belegt, zu anderen liegen widersprüchliche Ergebnisse vor. Zahlreiche Studien der letzten Jahre mit verschiedenen Untersuchungsgruppen lassen eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit bei wiederholten maximalen oder submaximalen Belastungen vermuten oder können diese sogar belegen. Die theoretische Überlegung, dass die Bereitstellung von Kreatinphosphat der limitierende Faktor für kurzzeitige hochintensive Belastungen ist, ergibt sich daraus, dass Kreatinphosphat eine ATP-Resynthese innerhalb der ersten fünf bis zehn Sekunden einer intensiven Belastung ermöglicht und die Kreatinphosphatspeicher nach etwa 4 bis 6 Minuten Erholungszeit wieder aufgefüllt sind.

Die meisten Studien dazu sind placeboorientiert, es wird also eine Versuchsgruppe getestet, dessen Teilnehmer ein Placebo einnehmen und eine Versuchsgruppe, dessen Teilnehmer tatsächlich Kreatin in einer bestimmten Dosis über einen bestimmten Zeitraum einnehmen. Meistens liegt die Dauer der Supplementierung im Rahmen einer Ladephase von mehreren Tagen. Nebel et al. (2002) und Gröber (2008) berichten von einer Studie von Vandenberghe et al. (1997), die sich ausschließlich auf einen Kraftzuwachs bei 5 Sätzen a 30 Wiederholungen bei isokinetischer Arm- und Beinübungen am Dynamometer beziehen. Dabei wurde in einer placebokontrollierten Studie ein 20- bis 25-prozentiger Kraftzuwachs nach der viertägigen Einnahme von 20 g Kreatin gemessen. Allerdings bezieht sich diese Studie auf untrainierte bis durchschnittlich trainierte Frauen. Kreider et al. (1998) testete hingegen trainierte NCAA Devision Football Spieler, die täglich 15 g Kreatin erhielten und fand heraus, dass diese signifikant bessere Ergebnisse im Bankdrücken sowie in Bezug auf den totalen Arbeitsumsatz im Rahmen eines 6-Sekundensprints im Vergleich zur Placebogruppe aufwiesen, was einer signifikanten Verbesserung der Hebe- und Sprintleistung gleichkommt. Die Kreatin-Supplementierung erfolgte hierbei über 28 Tage. Fikenzer et al. (2007) berichtet über eine Studie von Ziegenfuß et al. (2000), die sich nicht nur auf sich wiederholende, hochintensive Belastungen bezieht, sondern ebenfalls auf eine mögliche Steigerung des Muskelvolumens. Die Ladephase wurde dabei auf lediglich drei Tage angesetzt. Vor und nach der Ladephase wurde ein Test von sechs Serien eines Zehn-Sekunden-Sprints angesetzt. Die Teilnehmer verbesserten sich dabei nicht nur signifikant, sondern ebenfalls erhöhte sich das Muskelvolumen. Erklärbar ist das am einfachsten durch eine bereits beschriebene Wassereinlagerung in der Muskulatur während der ersten Tage einer Kreatinkur. Sprintleistungen nach Kreatineinnahme wurden auch im Schwimmsport untersucht. Fikenzer nennt hier die Studie von Selsby et al. (2003) als Beispiel, welche signifikante Verbesserungen im Schwimmsprint über 50 und 100 Meter nach einer fünftägigen Ladephase und neuntägigen Erhaltungsphase aufzeigte. Darüber hinaus gibt es etliche andere Studien, die die Verbesserung der Leistung bei sich wiederholenden, hochintensiven Belastungen und Sprintleistungen mit unterschiedlichen Kollektiven belegen (Gröber, 2008; Nebel et al., 2002). Für Irritation sorgen jedoch auch Studien, die ein negatives Ergebnis in Bezug auf Kreatinstudien aufweisen. Eine offene Studie bei männlichen Studienteilnehmern, geleitet von Earnest et al. (1998), führte zu keinen positiven Erkenntnissen, weder in Bezug auf anaerobe Leistungsfähigkeit, noch auf Maximalkraft und Körperzusammensetzung nach einer 20-tägigen Ladephase. Fikenzer et al. (2003) berichtet zudem über verschiedene Studien mit Läufern und Schwimmern, die keine leistungssteigernde Wirkung im jeweiligen Sprintbereich der Sportart nachweisen. In den Studien wurden dabei jeweils die Versuchsgruppen, deren Teilnehmern Kreatin verabreicht wurde mit einer Placebo-Gruppe verglichen (Javierre et al., 1997; Redondo et al., 1996).

Kritisch ist hierbei zu hinterfragen, inwiefern die Ergebnisse vergleichbar sind, wenn die Supplementierung qualitativ und quantitativ unterschiedlich erfolgt und die Testgruppen jeweils andere Merkmale aufweisen. Zudem fehlen Langzeitstudien, die sich auf mittel- und langfristiges Training in Verbindung mit Kreatinkuren beziehen. Viele publizierte Studien weisen nur sehr kurze Ladephasen auf und orientieren sich damit nicht an der regulären Dauer einer Kur, die sich je nach Empfehlung über Monate erstreckt. Gerade im Bereich der Untersuchung von Effekten auf die Ausdauerfähigkeit weisen die Studien sehr unterschiedliche Ergebnisse auf. Der theoretische Gedanke zu einem positiven Effekt auf die Ausdauerfähigkeit nach einer Kreatinzufuhr basiert darauf, dass die Kreatinaufnahme mit hochglykämischen Lebensmitteln nach dem Training aufgenommen werden kann. Wie bereits erläutert, soll dies zu einer erhöhten Glykogenspeicherung über das Ausgangsniveau hinaus führen. Erhöhte Glykogenspeicher sind eine Voraussetzung für eine gesteigerte Ausdauerfähigkeit durch eine längere Energiebereitstellung durch Glycolyse. Nebel et al. (2002) berichtet von einer doppelblinden Studie, in der gut trainierte Crossläufer 20 g Kreatin täglich über 6 Tage erhielten. Für ein 6 km langes Rennen benötigten die Probanden aber sogar längere Zeiten für die Absolvierung als die anderen Läufer, die kein Kreatin erhielten. Erklärbar sei das zumindest teilweise durch das erhöhte Körpergewicht. Eine Studie von Balsom et al. (1993) zeigt jedoch signifikante Leistungsverbesserungen beim Waldlauf auf. Gemessen wurde eine Strecke von 2,6 km nach 6 Tagen der Einnahme von 20 g Kreatin in Verbindung mit 1 g Glucose (Gröber, 2008). In einer neueren Studie von Fikenzer et al. (2007) wurde die Wirksamkeit einer Kreatin-Supplementierung an 6 gesunden sportiven Männern mittels eines Spiroergometers überprüft. Neben der Feststellung, dass keine Wirksamkeit vorliegt, zeigten sich bei zwei Probanden Wadenkrämpfe. Die Ursache der Wadenkrämpfe kann nicht genau bestimmt werden, allerdings berichtet auch Wallimann et al. (1997) über das Auftreten von Wadenkrämpfen mit dem damit verbundenen Abbruch der Belastung.

Eine angeblich positive Wirkung mit der häufig für Kreatin geworben wird ist die einer verbesserten Regenerationsfähigkeit. Auch hierzu gibt es Studien. Stierwald (2010) berichtet von einer Studie von Cooke et al. (2009), der den Effekt von erhöhten Kreatinspeichern auf die Regeneration beschädigter Proteinstrukturen nach exzentrischem Krafttraining untersuchte. Dazu wurden nach einer einwöchigen Ladephase 3 Sätze mit 10 Wiederholungen mit 120 Prozent des konzentrischen Kraftmaximums durchgeführt. Dieser Test wurde innerhalb von zwei Wochen 6 Mal wiederholt. Während dieser zwei Wochen wurde weiterhin Kreatin in Verbindung mit Kohlenhydraten nach dem Training zugeführt, die Kontrollgruppe nahm nach dem Training kein Kreatin zusätzlich zu den Kohlehydraten ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen und Sinn einer Kreatin-Supplementierung bei Fußballern
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V310238
ISBN (eBook)
9783668091030
ISBN (Buch)
9783668091047
Dateigröße
829 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreatin, Creatin, Kreatinsupplementierung, Supplementierung, Fußball, Nahrungsergänzung, Leistungssteigerung, Kreatinphosphat, Kreatinmonohydrat
Arbeit zitieren
Johannes Boldt (Autor), 2015, Auswirkungen und Sinn einer Kreatin-Supplementierung bei Fußballern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310238

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Auswirkungen und Sinn einer Kreatin-Supplementierung bei Fußballern


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden