Die Bedeutung der Faszien und die Rolle des Faszientrainings in der Sporttherapie


Studienarbeit, 2015
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wissenschaftlicher Kontext
2.1. Geschichtlicher Überblick

3 Anatomisch-Physiologische Grundlagen
3.1 Definitionsversuche und Begriffsbestimmung
3.2 Unterteilung von Faszien
3.3 Bestandteile des Bindegewebes
3.4 Faszienketten und das „Tensigrity-Modell“

4 Funktionen von Faszien
4.1 Die Faszie Energiespeicher
4.2 Faszien als Informationssystem
4.3 Schützende Funktion und Immunabwehr
4.4 Verbindende Funktion

5 Störungen an der Faszie

6 Faszienbehandlung in der Sporttherapie
6.1 Myofasziales Release mit der Faszienrolle
6.2 Anwendung der Faszienrolle in der Sporttherapie

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Faszienbestandteile

Abbildung 2: Das Tensigrity-Modell

Abbildung 3: Oberflächliche Rückenlinie

1 Einleitung

Bei der Erforschung des menschlichen Körpers ging es sehr lange Zeit darum, Organe, Muskeln und Knochen des menschlichen Körpers zu erforschen, wobei den allesumgebenden Faszien kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde (Schwind, 2014). Sie wurden entfernt, da man der Auffassung war, es handle sich lediglich um eine muskelumschließende Bindegewebshülle (Hoffmann, 2013). Die Passivität des Fasziengewebes bei einem leblosen Menschen täuscht über die wichtige Rolle, die dieses Organ einnimmt und seine vielen Aufgaben hinweg. Es umhüllt nicht nur den gesamten Körper, sondern unterteilt darüber hinaus alle Strukturen, Organe, Muskeln und Knochen und verbindet diese aufwendig miteinander. Das Fasziennetz hat also kein Anfang und kein Ende. Das faserige, kollagene Bindegewebe, um welches sich handelt, geht nahtlos über in zahlreiche Beutel und Septen im Inneren eines jeden Muskels, in die tubenartigen Umhüllungen der Nervenbündel und Gefäße sowie die der inneren Organe. So entsteht ein funktionelles Zugspannungswerk, „bei dem sich die Ausrichtung der kollagenen Fasern je nach lokaler Belastungsdichte spezialisiert“, wodurch das Fasziensystem verschiedene Eigenschaften aufweist. Faszien spielen eine entscheidende Rolle in der muskulären Kraftübertragung, der eigenen Körperwahrnehmung, für die Schnelligkeit, Beweglichkeit und Kraftübertragung. Im negativen Sinne wird ein gestörtes Fasziensystem immer auch mit Schmerzen in Verbindung gebracht (vgl. Slomka, 2014, S. 8ff). Diese Arbeit bezieht sich auf die Bedeutung von Faszien und behandelt daran anknüpfend das Faszientraining mit der Rolle als beispielhafte Trainingsmethode in der Sporttherapie. Der Thema Faszien wurde besonders in den letzten Jahren sehr öffentlichkeitswirksam behandelt, so dass Faszien zurzeit eine große Aufmerksamkeit zukommt, was über viele Jahrzehnte hinweg nicht der Fall war.

Dabei gab es bereits im 19 Jahrhundert Menschen, denen Faszien bekannt waren und sich deren funktionellem Wert bewusst waren. Bereits 1899 nahm A.T. Still, Begründer der Osteopathie, vorweg:

„Beim Studium der Faszien werden sich mehr reichhaltige und goldene Einsichten auftun als bei irgendeinem anderen Aspekt des Körpers“ (ebd.).

Mit dieser Aussage sagte er das voraus, was sich erst im späten nächsten Jahrhundert bewahrheiten sollte. Heute kann man auf moderne Geräte zugreifen, mit denen es möglich ist, Aussagen über Faszien zu treffen, während man im 20. Jahrhundert nur subjektive Aussagen treffen konnte (Schwind, 2014).

Ein funktionierendes Fasziengewebe bringt viele Eigenschaften mit, die sich sehr positiv auf die körperliche Leistungsfähigkeit, vor allem auf die Bewegungsökonomie auswirken, jedoch arbeitet dieses Gewebe nicht immer im optimalen Bereich und kann aufgrund dessen auch Schmerzen und Unwohlsein auslösen. Verspannungen und Verklebungen können mithilfe des sogenannten „Myofaszialen Release“ aufgelöst werden. „Faszienbereiche“ funktionieren niemals unabhängig voneinander. Es hat sich die Theorie von myofaszialen Leitlinien entlang von Muskelketten durchgesetzt, wodurch erklärt wird, weshalb myofasziales Release so wichtig ist (Hoffmann, 2013).
Diese Arbeit gibt einen Überblick über die neusten Erkenntnisse über die Beschaffenheit und die Funktion von Faszien und verknüpft diese Erkenntnisse mit dem Nutzen für die Sporttherapie. Es werden überblicksweise Techniken und Trainingsmethoden dargestellt, die die Funktionalität des Fasziensystems erhalten und optimieren können. Dabei wird exemplarisch die Behandlung mit der Faszienrolle vertieft und deren Nutzen für die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers dargestellt.

2 Wissenschaftlicher Kontext

Im Bereich der Sportwissenschaft sind in jedem Jahrzehnt Thematiken erkennbar, die Schwerpunktmäßig erforscht werden und entsprechend in der Öffentlichkeit stehen. In diesem Jahrzehnt steht das Thema der Faszienforschung im Fokus, was sich durch eine Reihe an Publikationen, Diskussionsplattformen, Kongressen und Studien bemerkbar macht. In diesem Teil der Arbeit wird ein kurzer Überblick darüber gegeben, wo die Faszienforschung ihren Ursprung hat, sich seitdem entwickelte und wie sie ihren Durchbruch schaffte. Aus dem langsamen Erkenntnisgewinn über Faszien entstanden letztendlich Behandlungstechniken, die heute diskutiert und im Bereich des Sports und der Therapie angewandt werden.

2.1. Geschichtlicher Überblick

Dass überhaupt ein wissenschaftlicher Überblick über das Thema der Faszienforschung und des Faszientrainings gegeben werden kann, ist nur dadurch möglich, weil in den letzten Jahren eine Vielzahl von Büchern und Studien veröffentlicht wurden, die das Thema in der Sportwissenschaft und bei Sporttrainern und -therapeuten populär machten. Begreift man die Faszienforschung als Teilwissenschaft, so müsste man von einer noch sehr jungen Wissenschaft sprechen.

Sie hat ihren Ursprung in der Begründung der Osteopathie durch Andrew Taylor Still, dessen Hauptidee es war, Störungen im menschlichen Körper aufzuspüren und zu behandeln. Wie das in der Einleitung aufgeführte Zitat von ihm deutlich macht, erahnte man schon damals die große Bedeutung des Bindegewebes für die körpereigenen Prozesse (Hoffman, 2013). Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Faszien den allerwenigsten Menschen bekannt. Allerdings gab es erste Studien, an denen sich auch Ida Pauline Rolf orientierte, die in jungen Jahren als Biochemikerin an einer amerikanischen Universität forschte. Bis heute gilt sie als Vorreiterin der Faszienbehandlung, da sie 1960 ihr eigenes Ausbildungsinstitut eröffnete, wo sie lehrte, das Bindegewebe als wichtigstes Organ der Struktur zu betrachten und Faszien von Kopf bis Fuß zu behandeln. Bis heute ist diese Methode als sogenanntes „Rolfing“ bekannt. (Schwind, 2014, S. 18 ff) Es wurde über mehrere Sitzungen die „strukturelle Integration angewandt“, welche vorsah, dass sich der Mensch bei manueller Behandlung der Faszien müheloser bewegen, freier Atmen und ohne künstliche Anspannung aufrecht gehen kann (Rolf, 1993).

Dennoch kam Rolf und ihren Schülern eher eine Außenseiterrolle in der Sportwissenschaft zu und die große Resonanz der Szene blieb aus, da die Mehrheit den Faszien keine große Bedeutung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit zusprach und es als Verpackungs- und Füllmaterial betrachtet wurde (Schwind, 2014; Slomka, 2014). In den nächsten Jahrzehnten wurde sich der Reihe nach schwerpunktmäßig mit Gesetzmäßigkeiten des Kraft- und Ausdauertrainings (70er- und 80er-Jahre), Dehnungstechniken (90er-Jahren) und „Core-Stability“ (2000er-Jahre) beschäftigt (Slomka, 2014). Für Fachleute der Anatomie und Medizin blieben die Faszien bis zur jüngsten Gegenwart ein wenig beachtetes Thema, bis schließlich eine Trendwende einsetzte.

2.2. Faszienforschung in der Gegenwart

1991 wurde die „European Rolfing Association“ gegründet, da das allgemeine Interesse an Faszien allmählich zunahm. Wesentlich zum Durchbruch der Faszienforschung beigetragen hat Robert Schleip, der zusammen mit Forschern und Therapeuten den ersten Faszienkongress weltweit organisiert hat, bei welchem sich im Jahre 2007 1300 Experten in Boston trafen. Es standen der Austausch von neuem Wissen und der Dialog zwischen verschiedenen Einrichtungen der Bindegewebsforschung im Vordergrund, bei dem Wissenschaftler, Ärzte und Praktiker zusammenkamen. (Fascia Reasearch Congress, 2007). Auch Serge Gracovetsky, ehemaliger Berater der medizinischen Abteilung der NASA war dabei und polarisierte mit der Aussage, „der menschliche Körper würde, falls die gängige Theorie, die sich nur an Muskeln orientiert und die Faszien nicht berücksichtigt, stichhaltig wäre, beim Anheben einer Last schlichtweg explodieren“ (Schwind, 2014).

Heut ist man bereits so weit, dass regelmäßig Forschungen publiziert werden, die belegen, dass Faszien eine wichtige Rolle innerhalb des Bewegungssystems spielen. Zudem fand 2012 ein weiterer, dritter Kongress statt in Vancouver statt. Ziel solcher Kongresse ist die interdisziplinäre Verknüpfung von Wissen, beispielsweise zwischen Faszienforschern und Vertretern der herkömmlichen Medizin. Heutzutage ist man sich darüber einig, dass gestörte Faszien häufig Ursache für Beschwerdebilder, wie Rückenschmerzen sind und es gibt zahlreiche Studien über myofasziale Strukturen als Schmerz verursachendes und leistungslimitierendes Gewebe.

Der Anwendungsbereich von Faszientraining erstreckte sich in den letzten Jahren vom Breitensport- und Fitnessbereich über den Leistungssportbereich bis hin zur Physiotherapie und den Gesundheitssport. Ein prominentes Beispiel für den Einsatz im Leistungssport ist die deutsche Fußballnationalmannschaft, welche ebenfalls auf das sogenannte „Self Myofascial Release“ zurückgreift (Hoffmann, 2013).

3 Anatomisch-Physiologische Grundlagen

In den folgenden Abschnitten soll geklärt werden, wobei es sich überhaupt um Faszien handelt, wie sie aufgebaut sind und wie sie eigentlich funktionieren, um solch einen hohen Wert für die Funktionalität unseres Bewegungssystems zu erreichen. Dies gestaltet sich insofern schwierig, da bereits schon bei der Definition unterschiedliche Auffassungen zu finden sind. Neben den anatomischen Eigenschaften soll dabei auch auf das sogenannte „Tensegrity-Modell“ eingegangen werden.

3.1 Definitionsversuche und Begriffsbestimmung

Der Begriff Faszie entstammt dem lateinischen Wort „fascis“ und bedeutet „Verbund“ oder „Bündel“. Dabei handelt es sich um ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk, welches den ganzen Körper durchdringt. Es besteht Einigkeit darin, dass es sich bei Faszien um bindegewebsartige Strukturen handelt, welche aus kollagenen und elastischen Fasern sowie der extrazellulären Matrix bestehen (Mohr, 2011).

Nichtsdestotrotz gibt es unterschiedliche Auffassungen, welche Gewebestrukturen neben den Müskelhüllen ebenfalls zu den Faszien gelten. In einer engeren Definition, beispielsweise nach de Marées (2002) gehören Faszien ausschließlich zum myofaszialen System, umhüllen also lediglich die Muskulatur. Mittlerweile besteht allerdings Einigkeit darüber, dass Faszien nicht nur Muskeln unterteilen und umhüllen, sondern alle Strukturen des menschlichen Körpers, wie Organe, Knochen oder Leitbahnen. Nach weitergefassten Definitionen, wie der von Barral und Paoletti gehören auch Aponeurosen, Retinacula und die viszeralen Strukturen zu den Faszien. Sie unterteilen somit nicht nur Muskeln, sondern auch knöcherne Strukturen, Nervenbahnen und Organe (Schwind, 2003). Seit dem Faszienkongress 2007 hat man sich schließlich auf den weiteren Faszienbegriff geeinigt, welcher im Grunde deckungsgleich mit dem ist, was unter dem Begriff „Bindegewebe“ verstanden wird. Zum Bindegewebe zählt der Mediziner jedoch auch Knorpel, Knochen, Lymphgewebe und Blut (Strunk, 2012).

3.2 Unterteilung von Faszien

In der Literatur tauchen oftmals die Begriffe “Oberflächenfaszie” und “tiefe Faszie” auf. Das „Federative International Committee of Anatomical Terminology“ (FICAT) hat sich darauf geeinigt, dass diese Unterteilung nicht zulässig ist. Aufbauend auf dem weiten Faszienbegriff des angesprochenen Internationalen Faszienkongresses im Jahre 2007, unterteilt das „Journal of the Canadian Chiropractic Association“ (2012) in „linking fasciae“, "fascicular fasciae“, „compression fasciae“ und „seperating fasciae“ . Die „linking fasciae“ (Verbindungsfaszie) besteht im Wesentlichen aus parallel angeordneten Kollagenfasern Typ 1. Muskeln, Sehnen, Organe, Haut und Neven sind über fasziale Strukturen mit den umliegenden Geweben verbunden (Slomka, 2014).

Die „fascicular fascia“ (faszikuläre Faszie) bildet anpassungsfähige Hüllen und Tunnel, die die Aufgabe haben, Gefäße innerhalb von Sehnen, Muskeln, Knochen und Nerven zu bündeln. So werden beispielsweise die Muskeln in ihre Unterstrukturen unterteilt.

Die „compression fascia“ (Kompressionsfaszie) hat eine wichtige Transportfunktion. Aufgrund ihrer Gewebestruktur kommt es zu einer Kompression, die Voraussetzung für die Funktion des venösen Gesäßsystems oder die Muskelkontraktion ist.

Die „seperating Fascia“ (Trennfaszie) besteht hauptsächlich aus lockerem Bindegewebe, vor allem aus elastischen Fasern, die dreidimensional angeordnet sind. Sie trennen verschiedenartige Gewebe voneinander und sorgen dafür, dass die Strukturen einwandfrei gleiten können. Speziell bei der Trennung von Muskelgewebe ist diese Faszienart für Dehnung und Entspannung entscheidend. Ist diese Art von Bindegewebe gestört, kommt es zu gestörten Bewegungsmustern und Verletzungen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Faszien und die Rolle des Faszientrainings in der Sporttherapie
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V310248
ISBN (eBook)
9783668090835
ISBN (Buch)
9783668090842
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faszien, Blackroll, Faszienrolle, MFL, myofascial release, Faszientraining, Faszienmassage, Bindegewebe, fascia, Rehabilitation, Rahabilitationssport, Physiotherapie, Sporttherapie
Arbeit zitieren
BA Johannes Boldt (Autor), 2015, Die Bedeutung der Faszien und die Rolle des Faszientrainings in der Sporttherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310248

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