In der heutigen Zeit ist für den langfristigen, wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens in großem Maße die Marktakzeptanz seiner Produkte ausschlaggebend. Da diese maßgeblich durch den Preis und die Qualitäts- und Funktionsmerkmale der Produkte bestimmt wird, ist die Berücksichtigung und Umsetzung der Kundenwünsche im Zielmarkt, bereits in der Entwicklungsphase, für Unternehmen obligatorisch.
Einhergehend mit dem Fortschritt in Politik und Technik gleichermaßen, gewann auch die Materialwirtschaft in Unternehmen in den letzten drei Jahrzehnten stark an Bedeutung. Die branchenübergreifende Entwicklung, hin zu einem immer internationaler werdenden Wettbewerb, führte in allen Bereichen der Materialwirtschaft und Logistik zu einer starken Fokussierung auf die Kostenminimierung. Durch die sehr stark gestiegene Anzahl an Warenbewegungen unternehmensintern, innerhalb von Volkswirtschaften, aber auch über den gesamten Globus hinweg, wurden gerade in diesem Bereich enorme Einsparpotenziale erkannt. Im Zuge der Identifizierung dieser Einsparpotenziale ist es für Unternehmen unabdingbar, die eigenen Logistikprozesse laufend zu prüfen und Alternativen in Betracht zu ziehen. In diesem Zusammenhang ist die Auswahl der Paletten zur Abwicklung der Warenbewegungen, intern sowie extern, ein entscheidender Faktor der Materialwirtschaft eines Unternehmens.
Das Wellit Wellpappenwerk, ein Unternehmen der Smurfit Kappa Group, erwägt, zu dem bereits bestehenden Angebot an Paletten, eine weitere Alternative auf den Markt zu bringen, welche durch den Einsatz von vollständig recycelbarem Material den derzeit vielfach vorherrschenden Gedanken der Nachhaltigkeit trifft. Bevor mit der weiteren Planung und Entwicklung der Palette begonnen werden kann, müssen Marktpotenziale sowie die technischen und preislichen Anforderungen an ein solches Produkt identifiziert werden.
Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit liegt darin, das Konzept des Target Costing vorzustellen, und die Umsetzung dieses Konzeptes anhand eines neu zu entwickelnden Produktes darzustellen. In diesem Fall handelt es sich um das Produkt „Wellpapppalette“ des Smurfit Kappa Wellit Wellpappenwerkes in Delbrück. Die Seminararbeit hat außerdem das Ziel, den Target Costing Prozess in der Praxis zu begleiten und Schwierigkeiten sowie Verbesserungsansätze aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.3 Unternehmensportrait
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffliche Definitionen
2.2 Wesentliche Charakteristika
2.3 Der Target Costing Prozess
2.3.1 Zielkostenfestlegung
2.3.2 Zielkostenspaltung
2.3.3 Erreichung der Zielkosten
2.4 Organisatorische Ansätze zur Unterstützung des Target Costing
2.5 Target Costing und das Rechnungswesen
3 Praktische Umsetzung
3.1 Wirtschaftliche und logistische Bedeutung von Paletten
3.2 Die Idee der Wellpapppalette
3.3 Ermittlung der Kundenwünsche
3.4 Zielkostenbestimmung
3.5 Zielkostenspaltung und Zielkostenindex
3.6 Handlungsempfehlungen
4 Zusammenfassung
4.1 Kritische Reflexion der eigenen Ergebnisse
4.2 Fazit
4.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Kostenmanagementkonzept Target Costing theoretisch zu erläutern und dessen praktische Anwendung anhand der Entwicklung einer innovativen Wellpapppalette für das Unternehmen Smurfit Kappa Wellit zu demonstrieren. Dabei soll der Prozess von der Zielkostenfestlegung bis zur Identifizierung von Kostenanpassungspotenzialen begleitet werden.
- Grundlagen und Definitionen des Target Costing
- Prozess der markt- und kundenorientierten Zielkostenfestlegung
- Methodische Anwendung der Zielkostenspaltung mittels Zielkostenmatrix
- Analyse von Zielkostenindizes zur Effizienzsteigerung
- Praktische Implementierung bei einer Produktneuentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.4 Zielkostenbestimmung
Um eine erfolgreiche und den Marktbedingungen entsprechende Entwicklung des Produktes Wellpapppalette sicherzustellen, hat das Management beschlossen, die Entwicklungsaktivitäten unter Einsatz des Target Costing Konzeptes durchzuführen. Aufgrund der Tatsache, dass dieses System im Unternehmen zum ersten Mal angewendet wird, hat sich die Geschäftsführung, veranlasst durch die Literatur einiger Experten, dazu entschieden für das Pilotprojekt nicht die „ausgefeiltesten der in der Literatur genannten TC Methoden“ anzuwenden. Stattdessen wird das Projektteam versuchen, ausgehend vom Zielpreis, „unmittelbar an den Komponenten anzusetzen, deren Kundennutzen durch interne Expertenrunden oder Befragungen bei wenigen Schlüsselkunden ermittelt“ wurde.
Gemäß den Vorgaben des Target Costing Konzeptes legt das Projektteam schon zu Beginn der Entwicklungsphase den Zielpreis der Palette fest. Um diesen möglichst genau bestimmen zu können, bedient sich das Team an den Ergebnissen von Marktforschungen, Wettbewerbsanalysen und den Erkenntnissen aus der zuvor bereits geschilderten Kundenbefragung.
Bei der Ermittlung des Zielpreises ist ein wesentlicher Aspekt, den es zu beachten gilt, dass für die am häufigsten eingesetzte Palettenart, die Holzpalette, ein Poolsystem existiert, welches den Unternehmen das Palettenhandling stark vereinfacht. Nur zu Beginn entstehen Anschaffungskosten von etwa 10 € pro Holzpalette, welche sich aber in der Gesamtbetrachtung durch die Wiederverwendbarkeit im Nachhinein noch verringern.
Da die Euro-Holzpalette die im Zielkundengebiet mit Abstand am häufigsten eingesetzte Palette ist, konzentriert sich das Projektteam bei der Zielpreisfindung hauptsächlich darauf, ein konkurrenzfähiges Produkt zu dieser Palettenart zu entwickeln. Da aufgrund des vorhandenen Poolsystems für die Holzpalette nicht der Anschaffungspreis von 10 € zum Vergleich heran gezogen werden kann, bedient sich das Projektteam externer Quellen. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik führte im Jahre 2009 eine Studie mit dem Ziel durch, die Umlaufkosten für eine Euro-Holzpalette im EPAL Poolsystem zu berechnen. Laut dieser Studie ergeben sich pro Palette Umlaufkosten von 3,81 € bis 4,96 €. In dieser Berechnung sind die Kosten für Be-und Entladung, Verwaltung, Tausch, Miete und auch die Anschaffungskosten, herunter gerechnet auf die Wiederverwendbarkeit, enthalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Problemstellung der Marktakzeptanz in wettbewerbsintensiven Märkten und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Target Costing am Beispiel einer Wellpapppalette einzuführen.
2 Theoretische Grundlagen: Definiert den Begriff Target Costing als Kostenmanagementkonzept und erläutert marktorientierte Ansätze sowie den Prozess von der Zielkostenfestlegung bis zur Zielkostenerreichung.
3 Praktische Umsetzung: Dokumentiert die Anwendung des Target Costing auf die Produktentwicklung einer Wellpapppalette, inklusive Kundenbefragungen, Kostenstrukturanalysen und der Berechnung von Zielkostenindizes.
4 Zusammenfassung: Reflektiert die Ergebnisse der Arbeit kritisch, zieht ein Fazit über die Eignung des Konzepts für das Unternehmen und gibt einen Ausblick auf künftige Markterfolge.
Schlüsselwörter
Target Costing, Wellpapppalette, Kostenmanagement, Zielkostenfestlegung, Zielkostenspaltung, Zielkostenindex, Materialwirtschaft, Marktakzeptanz, Kostenminimierung, Kundenorientierung, Smurfit Kappa, Prozessoptimierung, Produktentwicklung, Ist-Kostenstruktur, Logistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Kostenmanagementkonzepts "Target Costing" zur markt- und kundenorientierten Produktentwicklung am Beispiel einer Wellpapppalette.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Kostenplanung nach Marktanforderungen, die Zerlegung von Produktfunktionen und -komponenten sowie die Optimierung von Herstellungskosten bei gegebener Qualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Konzept des Target Costing vorzustellen und dessen praktische Umsetzung bei der Entwicklung einer neuen Wellpapppalette zu begleiten, um ein marktgerechtes Produkt zu einem definierten Zielpreis zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das "Target Costing"-Verfahren angewendet, unterstützt durch die "Functional Area Method" nach Tanaka sowie die Berechnung von Zielkostenindizes zur Identifizierung von Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Kosten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen und die praktische Umsetzung, wobei insbesondere die Ermittlung von Kundenwünschen, die Festlegung von Zielpreisen basierend auf Wettbewerbsvergleichen und die mathematische Zielkostenspaltung erläutert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Target Costing, Wellpapppalette, Zielkostenindex, Kundenorientierung und Prozessoptimierung.
Warum wurde für die Wellpapppalette ein Zielpreis von 4,10 Euro festgelegt?
Dieser Wert basiert auf einer Studie des Fraunhofer-Instituts zu den Umlaufkosten von Euro-Holzpaletten, unter Berücksichtigung von Kostensteigerungen und dem Ziel, ein konkurrenzfähiges Angebot für den Markt zu schaffen.
Welche Bedeutung hat der Zielkostenindex für das Projektteam?
Der Zielkostenindex dient als mathematisches Maß für Abweichungen; ein Index ungleich 1 signalisiert, dass eine Komponente entweder zu teuer oder im Hinblick auf ihre Funktion zu schwach ausgelegt ist, was gezielte Optimierungsmaßnahmen ermöglicht.
Welche Rolle spielt die "Einstofflösung" bei der Entwicklung?
Die Einstofflösung wurde als zusätzliche Eigenschaft definiert, um die Palette ohne Exportbeschränkungen im internationalen Warenverkehr einsetzen zu können, was einen deutlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Holzpaletten bietet.
- Quote paper
- Johannes Lambert (Author), 2014, Konzeptionelle Entwicklung eines Target-Costing-Prozesses für das Produkt „Wellpapppalette“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310478