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Über die Darstellung des Alkoholismus im sowjetischen Plakat in den Anfangsjahren des ersten Fünfjahresplans

„Genossen, trinkt nicht!“

Titel: Über die Darstellung des Alkoholismus im sowjetischen Plakat in den Anfangsjahren des ersten Fünfjahresplans

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2015 , 19 Seiten , Note: 14

Autor:in: Dennis Müller (Autor:in)

Geschichte Europas - Zeitalter Weltkriege
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Russland und der Alkohol. Schon seit Jahrhunderten gab es hier eine Wechselvolle Beziehung. Zum einen profitierte der russische und später der sowjetische Staat von dem Verkauf alkoholischer Getränke. Die Steuereinnahmen, die daraus generiert wurden, erhöhten die Kassen des Landes. Zum anderen kannte man die Gefahr und die zerstörerische Wirkung, die ein maßloser Konsum auf die Bevölkerung hat. Im ersten Weltkrieg wurde dann dem Wodka der Kampf angesagt. Zar Nikolaus II. verbat den Verkauf alkoholischer Getränke und schloss die Läden, die diesen vertrieben hatten. Der Hintergrund hierfür war die Befürchtung, die Soldaten würden auf dem Weg zur Front in Trinkgelage verfallen und das Land verwüsten. Was zu Beginn nur für die Zeit der Truppenaushebung gelten sollte, wurde auf die gesamte Kriegszeit ausgeweitet. Alkohol blieb verboten!

Nach der erfolgreichen Oktoberrevolution in Russland gab es einen Machtwechsel in Russland. Die neue sozialistische Regierung erbte dabei dieses "trockene Gesetzt" und führte es fort. In der Ideologie der Sozialisten war der Alkohol ein Feind der Klasse der Arbeiter und Bauern. Dahinter stand die Idee, dass der Konsum alkoholischer Getränke durch die Unterschicht bewusst von der herrschenden Elite vorangetrieben wurde, um sie so an revolutionären Handlungen zu hindern. Nach dem Motto "Wer trinkt, begehrt nicht auf" sei man vorgegangen. So nahm dieses Motiv auch Einzug in die Anti-Alkoholkampagne, die im ersten Fünf-Jahresplan vorangetrieben wurde.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Motive der Antialkoholpropaganda anhand von Plakaten zu analysieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

1.1) Gegenstand

1.2) Materiallage:

1.3) Methodischer Zugang:

2) Aufbau der Industrie

2.1) Plakatanalyse

2.2) Einordnung

3) Alkohol in der Familie

3.1) Plakatanalyse

3.2) Einordnung

4) Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die propagandistische Darstellung des Alkoholismus im sowjetischen Plakat während der frühen Phase des ersten Fünfjahresplans, mit einem besonderen Fokus darauf, wie dieses Medium zur Mobilisierung der Bevölkerung und zur Förderung der industriellen Transformation eingesetzt wurde.

  • Rolle der sowjetischen Plakatkunst als Propagandainstrument
  • Konstruktion von Freund-Feind-Bildern in der sozialistischen Ideologie
  • Verknüpfung von Alkoholverzicht mit der Industrialisierung des Landes
  • Darstellung und Instrumentalisierung der Familie in der Antialkoholkampagne
  • Erschaffung des „neuen Menschen“ (Homo Sovieticus) durch Nüchternheit

Auszug aus dem Buch

2.1) Plakatanalyse

Im folgendem soll nun auf die Plakate zum Thema des Alkoholismus und der Industrie eingegangen werden:

Das Erste stammt aus dem Jahr 1929 und trägt den Titel: „Iz rabochej gushhi vygonim p’jushhih“22. Der Hintergrund dieses Plakats ist schwarz und im Vordergrund ist im Zentrum das Gesicht eines Mannes zu sehen, zu dem zwei Hände gehören, die jedoch nicht mit dem Körper verbunden sind. Diese Person blickt ausdruckslos auf den Betrachter des Plakates. Seine Nase ist rot, die Haare durcheinander und ein Spucktropfen fällt gerade aus seinem Mund zu Boden. Er hält ein kleines Schnapsglas (Rumka) in der einen Hand und schenkt sich gerade mit der Anderen eine Flüssigkeit aus einer Flasche, die er mit der anderen hält, ein und verschüttet dabei eine größere Menge. Diese fließt zum unteren Teil des Plakates, wo sich ein Gebäudekomplex befindet, und überschwemmt diesen. Im linken unteren Rand steht mit weißer Schrift auf blauen Grund: „Ein kleines Glas, wie dieses hier, kann eine ganze Fabrik ertränken.“ Darunter zieht sich ein roter Hintergrund mit der Aufschrift „Aus betrieblichen Gründen werfen wir betrunkene raus!“ Beide Texte bilden im russischen einen Reim.

In diesem Plakat wird der Gedanke an das Kollektiv deutlich. Der Mann blickt, scheinbar auf Grund seines Alkoholpegels, ohne jeden Ausdruck direkt auf den Betrachter. Er schafft es in seinem Zustand nicht mehr, sich ein Glas Schnaps einzuschränken und „ertränkt“ damit den gesamten Betrieb, womit er die Produktion des gesamten Kollektivs stört. Damit erzeugt das Plakat zum einen die Aussage, dass der Konsum von Alkohol für die ganze Firma (die für diese Argumentation auch stellvertretend für die gesamte Sowjetunion gesehen werden kann) verehrend wirke und zum anderen der eigene Arbeitsplatz durch den Konsum gefährdet wird. Diese Drohung wird durch die Aufschrift „aus betrieblichen Gründen, verjagen wir betrunkene!“ direkt an den Rezipienten gerichtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Alkoholkonsums in Russland sowie die staatlichen Maßnahmen und ideologischen Ansätze der Bolschewiki zur Bekämpfung des Alkoholismus.

2) Aufbau der Industrie: Dieses Kapitel analysiert anhand von Plakaten, wie der Alkoholkonsum als Störfaktor für die industrielle Produktion dargestellt und der Arbeiter als "neuer Mensch" zur Nüchternheit ermahnt wurde.

3) Alkohol in der Familie: Das Kapitel untersucht die Darstellung der familiären Auswirkungen von Alkoholismus und die Einbindung von Kindern sowie Frauen als Adressaten der Antialkoholpropaganda.

4) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Plakate den Alkoholismus als das zentrale Hindernis für den industriellen Aufbau und die sozialistische Entwicklung definierten, wobei absolute Freund-Feind-Schemata genutzt wurden.

Schlüsselwörter

Sowjetunion, Fünfjahresplan, Alkoholismus, Plakat, Propaganda, Industrialisierung, Homo Sovieticus, Arbeiter, Kollektiv, Nüchternheit, Sozialismus, Freund-Feind-Bild, Propaganda-Sprache, Familienwerte, Bolschewiki

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der propagandistischen Aufarbeitung des Alkoholismus in der sowjetischen Gesellschaft während des ersten Fünfjahresplans anhand von Plakatkunst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Aufbau der sowjetischen Industrie, die Rolle der Familie im Sozialismus sowie die ideologische Instrumentalisierung von Nüchternheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Wirkungsabsicht und die Darstellungsmuster in Antialkohol-Plakaten zu analysieren und deren Bezug zum gesellschaftspolitischen Ziel des industriellen Wandels aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Plakatanalyse angewandt, bei der Bildmotive, Ikonografien, Bildgestaltungen und Textinhalte in ihrem historischen Kontext interpretiert werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei Bereiche: Die Darstellung des alkoholkonsumierenden Arbeiters als Gefahr für die Industrie und die Darstellung des Alkoholismus als Zerstörer der Familienstruktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie sowjetische Propaganda, Fünfjahresplan, Industrialisierung und sozialistische Ideologie beschreiben.

Warum wurde gerade das Medium Plakat gewählt?

Plakate waren aufgrund der hohen Analphabetenquote in der Sowjetunion ein effektives Mittel, um durch visuelle Darstellungen mit geringem Textanteil große Bevölkerungsteile ideologisch zu erreichen.

Wie wurde die Rolle der Frau in diesem Kontext bewertet?

Frauen wurden in der Propaganda indirekt angesprochen, indem ihnen die erzieherische Aufgabe zugewiesen wurde, ihre Männer zur Nüchternheit zu bewegen, um so die Familie und die sozialistische Ordnung zu schützen.

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Details

Titel
Über die Darstellung des Alkoholismus im sowjetischen Plakat in den Anfangsjahren des ersten Fünfjahresplans
Untertitel
„Genossen, trinkt nicht!“
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Osteuropäische Geschichte)
Note
14
Autor
Dennis Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V310507
ISBN (eBook)
9783668092143
ISBN (Buch)
9783668092150
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über darstellung alkoholismus plakat anfangsjahren fünfjahresplans genossen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dennis Müller (Autor:in), 2015, Über die Darstellung des Alkoholismus im sowjetischen Plakat in den Anfangsjahren des ersten Fünfjahresplans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310507
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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