Die sozialen Netzwerke im Internet haben viele Bereiche des menschlichen Lebens verändert: entstanden sind neue Möglichkeiten zur Interaktion mit Menschen aus aller Welt. In Zeiten von sinkender Wahlbeteiligung (vgl. Stern, 2008, S. 176) wächst das Interesse daran, ob die sozialen Netzwerke – deren Verbreitung in den letzten Jahren stark zugenommen hat (vgl. Dijck, 2011, S. 4) – die Beziehung zwischen Bürgern und den Politikern verbessen können.
In den letzten Jahren hat sich oft die Frage gestellt, ob und wie die sozialen Netzwerke die Vermittlung von Politik ändern. Oft werden die Folgen für die politischen Kampagnen und den Wahlkampf diskutiert. In dieser Hausarbeit liegt jedoch der Fokus auf der Dimension der Reputation und des Images von Politikern in sozialen Netzwerken. Wichtig wird die Art, in der die Politiker vom Publikum – seien es andere Politiker, Journalisten, oder Bürger im Allgemeinen – wahrgenommen werden. Denn Politik ohne Kommunikation ist heute nicht denkbar. Politiker, als Kommunizierende, sind in der Pflicht, ihre Reputation zu bewahren.
Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist der Einfluss der sozialen Netzwerke (konkreter: der ihnen in dieser Arbeit zugeschriebenen Phänomene) auf die Stabilität der Reputation und des Images der Politiker. Die Antworten auf diese Frage hängen zweifellos von der Komplexität und „Multidimensionalität“ der Gegenstände des Interesses ab, aber diese Komplexität dient als Anreiz für die Entfaltung dieser und hoffentlich zukünftiger Arbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Image und Reputation von Politikern
2.1. Status quo in der Wissenschaft
2.2. Der Weg zum heutigen Stand: Medialisierung, Professionalisierung, Personifizierung und Beschleunigung.
3. Herausforderungen im Reputation-Management und Image-Building durch soziale Netzwerke.
3.1. Möglichkeiten für eine vielfältige Kommunikation.
3.2 Studien und Vergleiche
3.3. Schneller, aber auch instabiler? Kontrollverlust und „Shitstorm“.
4. Fazit und Diskussion.
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss sozialer Netzwerke auf die Stabilität der Reputation und des Images von Politikern. Ziel ist es, die Auswirkungen moderner Kommunikationsprozesse – wie Medialisierung und Personifizierung – zu analysieren und ein besseres Verständnis für die Risiken und Herausforderungen in der digitalen politischen Kommunikation zu entwickeln.
- Wandel der politischen Kommunikation durch soziale Netzwerke
- Differenzierung und Definition der Begriffe Image und Reputation
- Prozesse der Medialisierung, Professionalisierung und Personifizierung
- Chancen und Risiken digitaler Interaktion (u.a. Kontrollverlust und Shitstorms)
- Analyse aktueller Studien zur Online-Aktivität von Politikern
Auszug aus dem Buch
3.3. Schneller, aber auch instabiler? Kontrollverlust und „Shitstorm“.
Bisher wurden die Phänomene, die die Veränderung von Image und Reputation von Politikern in sozialen Netzwerken gestalten, in allgemeiner Form dargestellt. Die verschiedenen Studien liefern auch zahlreiche Erkenntnisse. In diesem Punkt ist es aber hilfreich, zwei konkrete Problematiken zu analysieren: den Kontrollverlust und den Shitstorm.
Im vorherigen Kapitel wurde die Beschleunigung als einer der Grundgedanken zur Analyse aktueller Politikvermittlungsaktivitäten beschrieben. Wie andere elektronische Medien, und auch wegen der starken, globalen Vernetzung, erhöhen soziale Netzwerke den Aktualitätsdruck auf die Politiker. Dieser Aktualitätsdruck lässt „die Tendenz zur Live-Berichterstattung“ (Jarren, 1998, S. 87) steigen. So müssen sich Politiker und politische Organisationen an dieses erhöhtes Tempo anpassen. Wie Dawn Gilpin - Professorin für PR-Kampagnen in Phoenix – beschreibt:
„The organization must be prepared to adjust its image flexibly and rapidly when working in highly interactive modes such as microblogging, where stakeholders have more power to drive the direction of the conversation” (Gilpin, 2010, S. 284).
Da die Parteien immer mehr und immer schneller kommunizieren müssen und ihre Kandidaten und gewählten Politiker in sozialen Netzwerken tätig sind, fürchten viele um einen Kontrollverlust. Diesen Gedanken teilt auch die Autorin Simone Unger. Laut ihr öffnen sich die Parteien dem Online-Medium nicht gern. Das hat mit der Angst vor Kontrollverlust über die Inhalte, die Kommunikation oder Partizipation zu tun (vgl. Unger, 2012, S. 192). Die nicht kontrollierte, personifizierte Kommunikation stellt daher ein Risiko für die Parteien dar, ist aber dagegen auch eine Chance für die Politiker, ihre Rolle als Kommunikator eigenständiger zu bestimmen und damit glaubwürdiger zu erscheinen, was eventuell positive Effekte auf ihr Image und Reputation haben könnte. Kritisch betrachtet, bietet der Kontrollverlust neue Möglichkeiten zur einer direkteren Kommunikation – ob sie erwünscht ist, lässt sich im Rahmen dieser Arbeit nicht beantworten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz sozialer Netzwerke für die politische Kommunikation ein und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Auswirkungen auf Politiker-Image und Reputation.
2. Image und Reputation von Politikern: Dieses Kapitel erläutert die wissenschaftlichen Grundlagen der Begriffe Image und Reputation sowie die treibenden Prozesse wie Medialisierung, Professionalisierung, Personifizierung und Beschleunigung.
3. Herausforderungen im Reputation-Management und Image-Building durch soziale Netzwerke.: Der Hauptteil analysiert durch Literaturvergleiche und Studien die konkreten Chancen, Risiken wie Kontrollverlust und das Phänomen des Shitstorms in sozialen Medien.
4. Fazit und Diskussion.: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert, wie die untersuchten Tendenzen die Stabilität politischer Akteure in digitalen Umgebungen beeinflussen.
Schlüsselwörter
Politische Kommunikation, Soziale Netzwerke, Reputation, Image, Digitaler Wandel, Personifizierung, Medialisierung, Kontrollverlust, Shitstorm, Online-Wahlkampf, Professionalisierung, Twitter, Facebook, Politische Identität, Internet
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert, wie soziale Netzwerke die Art und Weise verändern, in der Politiker ihre Reputation und ihr Image aufbauen, pflegen und gegen Instabilitäten schützen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit adressiert?
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Kommunikation im Web 2.0, dem Wandel von Wahlkampfstrategien und den Risiken, die durch die hohe Geschwindigkeit und Interaktivität sozialer Medien entstehen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, welchen Einfluss soziale Netzwerke und die damit verbundenen Phänomene auf die Stabilität der Reputation und des Images von Politikern haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Die Arbeit basiert auf einem Literaturvergleich, bei dem verschiedene theoretische Ansätze und empirische Studien zur politischen Kommunikation in sozialen Netzwerken ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Rahmenbedingungen wie Medialisierung und Personifizierung sowie mit konkreten Herausforderungen wie dem Kontrollverlust über Inhalte und dem Auftreten von Shitstorms.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Politische Kommunikation, Reputation, Image, Soziale Netzwerke, Personifizierung und Shitstorm.
Wie unterscheidet sich laut Arbeit das Image von der Reputation?
Während Images als individuelle Konstrukte auf einer persönlichen Ebene verortet werden, wird Reputation als öffentliches Ansehen auf einer kollektiven Ebene verstanden.
Warum stellt ein "Shitstorm" laut Autor ein spezifisches Problem für Politiker dar?
Shitstorms zeichnen sich durch eine schnelle, oft unsachliche Multiplikation von Kritik aus, die aufgrund der globalen Vernetzung und des hohen Aktualitätsdrucks schwer zu steuern ist und die Reputation nachhaltig beschädigen kann.
- Quote paper
- Juan Francisco Alvarez Moreno (Author), 2014, Politiker, Image und Reputation in sozialen Netzwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310544