In dieser Bachelorarbeit geht es um ressourcenorientierte soziale Arbeit im Kontext aktivierender Sozialpolitik. Es wird eine kritische Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven, anhand eines Fallbeispiels aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit gegeben.
Eine, seit mehr als 30 Jahren etablierte, ja geradezu selbstverständlich gewordene und wenig hinterfragte Art der Hilfe, die häufig in der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in vielen anderen Feldern der Sozialen Arbeit als Allheilmittel – im Sinne von Achtsamkeit und Respekt den NutzerInnen gegenüber und als bloße Orientierung an dem Willen der NutzerInnen, beworben wird, wird in dieser Arbeit kritisch ,aus verschiedenen Perspektiven hinterfragt. Ressourcenorientierung wird in den Kontext struktureller, gesellschaftspolitischer und sozialer Entwicklung gesetzt, um das, nach Ansicht der Autorin, wichtigste Qualitätsmerkmal Sozialer Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren; nämlich die professionelle und ständige Hinterfragung von Handlungsmaximen, deren Wirkung und Sinnhaftigkeit sowie deren Einbindung in äußere Gegebenheiten. Der sozialpolitische Auftrag Sozialer Arbeit wird ebenso betont, wie die Notwendigkeit für infrastrukturelle Voraussetzungen zu sorgen, die Chancengleichheit ermöglicht und Missstände aufdeckt.
Mit der ressourcenorientierten Sozialen Arbeit hat sich ein Paradigmenwechsel in der Sozialen Arbeit vollzogen, der von der reinen Ursächlichkeit von Problemen weg zum lösungsorientierten Einbezug der Kräfte, Fähigkeiten und Stärken von Nutzerinnen und deren Umfeld wird.
Zunächst wird im ersten Teil der Arbeit, die Ressourcenorientierung dargestellt und anschließend ein Bezug zur aktivierenden Sozialpolitik in Deutschland, seit den 90er Jahren hergestellt. Im zweiten Teil der Arbeit, angelehnt an die Lebenswelten von Kindern- und Jugendlichen, wird an einem Beispiel aus der Praxis verdeutlicht, wie sehr die Handlungsweisen von Sozialarbeitern im täglichen Umgang mit den NutzerInnen automatisiert und unhinterfragt gestaltet sind. Durch die kritische Betrachtungsweise der ressourcenorientierten Sozialen Arbeit aus psychologischer-, pädagogischer-, gesellschaftlicher- und politischer Sicht, wird ein Blick auf die tägliche Praxis von SozialarbeiterInnen geworfen, an deren Profession verschiedenste Ansprüche gestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Darstellung der Ressourcenorientierung
1.1 Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit
1.2 Ressourcenorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe
2. Aktivierende Sozialpolitik in Deutschland seit den 90er Jahren
2.1 Machtverhältnisse
2.2 Entwicklung des deutschen Sozialstaats seit 1990
2.3 Gesellschaftliche Veränderungen in Bezug auf Aktivierung
2.4 Individualität und Selbstbestimmung im Kontext gesellschaftlicher Zwänge
3. Das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe
3.1 Offene Kinder- und Jugendarbeit
3.2 Lebensweltorientierung
3.3 Fallbeispiel aus dem Feld offenen Kinder- und Jugendarbeit
4. Ressourcenorientierte Soziale Arbeit kritisch betrachtet
4.1 Kritik aus sozialpolitischer Sicht
4.2 Kritik aus pädagogischer- und psychologischer Perspektive
4.3 Soziale Arbeit als Dienstleistung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den ressourcenorientierten Ansatz der Sozialen Arbeit kritisch vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Entwicklungen und staatlicher Aktivierungspolitik, wobei die Diskrepanz zwischen individuellem Anspruch und strukturellen Rahmenbedingungen im Fokus steht.
- Paradigmenwechsel in der Sozialen Arbeit durch Ressourcenorientierung
- Einfluss der aktivierenden Sozialpolitik in Deutschland seit den 90er Jahren
- Lebensweltorientierung und ihre Anwendung in der Kinder- und Jugendhilfe
- Kritische Analyse von Beratungsprozessen anhand eines Fallbeispiels
- Spannungsfeld zwischen pädagogischem Auftrag und strukturellen Zwängen
Auszug aus dem Buch
3.3 Fallbeispiel aus dem Feld offenen Kinder- und Jugendarbeit
Dieser Fall wurde als Lehrmittel zu einer Seminarreihe an der Universität Duisburg- Essen vorgestellt. Die zuständige Sozialarbeiterin handelt streng nach den Prinzipien der Ressourcenorientierung und bedient den grundsätzlichen Vorrang aktivierender Arbeit vor betreuender Tätigkeit, d. h. sie bietet lediglich Hilfe zur Selbsthilfe an. Ausgangspunkt jeglicher Handlungen soll der Wille der NutzerInnen sein. Gerade dort, in der unbedingten Orientierung am Willen der Kinder und Jugendlichen, liegt bei diesem Beispiel aus der Praxis ein Widerspruch bereits vor. Der Wille der Jugendlichen ist hier, wie später dargestellt wird, eine Aufforderung zu Hilfe und Unterstützung. Dieser Wille wird jedoch von der Sozialarbeiterin ignoriert und ordnet sich dem Handlungsprinzip der Aktivierung unter. Über die Auswirkung dieser Haltung auf Kinder- und Jugendliche geht die Autorin im pädagogischen Teil der kritischen Betrachtung ein.
Nun wird zunächst der Fall vorgestellt: In einer ländlichen Gemeinde mit ca. 6000 Einwohnern, am Rand des Ruhrgebietes, wird die für Jugendarbeit zuständige Sozialarbeiterin von vier Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren angesprochen. Diese fordern die Sozialarbeiterin auf, sie zu einem Treffpunkt zu begleiten, an dem sich jeden Abend eine Gruppe von Jugendlichen zusammen findet. Die Sozialarbeiterin kommt der Bitte nach und begleitet die Jugendlichen zu einem Treffpunkt zwischen Bahngleisen und einer Hauptstraße. Dort warten weitere sechs Jugendliche, darunter auch Timo.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Darstellung der Ressourcenorientierung: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund des ressourcenorientierten Ansatzes und den damit verbundenen Paradigmenwechsel in der Sozialen Arbeit hin zur lösungsorientierten Selbstbefähigung.
2. Aktivierende Sozialpolitik in Deutschland seit den 90er Jahren: Hier wird die historische Entwicklung des deutschen Sozialstaats seit den 90er Jahren beleuchtet und der Zusammenhang zwischen aktivierender Politik und der zunehmenden Individualisierung der Problemlösung aufgezeigt.
3. Das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe: Dieses Kapitel verknüpft die rechtlichen Grundlagen und Konzepte wie Lebensweltorientierung mit einem konkreten Fallbeispiel aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
4. Ressourcenorientierte Soziale Arbeit kritisch betrachtet: Das abschließende Hauptkapitel führt eine interdisziplinäre Kritik der Ressourcenorientierung aus sozialpolitischer, pädagogischer und psychologischer Sicht durch und hinterfragt das Konzept der Soziale Arbeit als Dienstleistung.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Ressourcenorientierung, Aktivierungspolitik, Kinder- und Jugendhilfe, Lebensweltorientierung, Dienstleistung, Empowerment, Selbstbefähigung, Strukturprobleme, Identitätsbildung, Sozialstaat, Eigenverantwortung, Fallbeispiel, Soziale Gerechtigkeit, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse des ressourcenorientierten Ansatzes in der Sozialen Arbeit und hinterfragt, inwiefern dieser Ansatz den komplexen Anforderungen der Praxis und den Bedürfnissen der NutzerInnen tatsächlich gerecht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Paradigmenwechsel in der Sozialen Arbeit, die Auswirkungen der aktivierenden Sozialpolitik in Deutschland, das Konzept der Lebensweltorientierung und die kritische Reflektion professionellen Handelns.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ressourcenorientierte Ansätze Gefahr laufen, strukturelle Probleme zu verschleiern, indem sie Verantwortung einseitig auf das Individuum übertragen, und wie professionelle Soziale Arbeit stattdessen als Anwaltschaft für NutzerInnen agieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur, die durch die Analyse eines praxisbezogenen Fallbeispiels ergänzt wird, um die abstrakten Konzepte an konkreten Handlungsweisen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen, die Einbettung in den sozialpolitischen Kontext der Agenda 2010, die Spezifizierung auf die Kinder- und Jugendhilfe sowie die interdisziplinäre Kritik aus pädagogischer und psychologischer Perspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Ressourcenorientierung, Aktivierung, Lebenswelt, Empowerment und der kritische Blick auf das Dienstleistungsmodell in der Sozialen Arbeit.
Was ist der Kernkonflikt in dem präsentierten Fallbeispiel?
Der Kernkonflikt besteht darin, dass die Sozialarbeiterin dem Willen der Jugendlichen nach Unterstützung durch starres Festhalten an aktivierenden Handlungsprinzipien zunächst nicht nachkommt, was zu einer Enttäuschung bei den Betroffenen führt.
Wie bewertet die Autorin die "Ressourcenorientierung"?
Die Autorin warnt davor, Ressourcenorientierung als bloßes Mittel zur Einsparung oder zur Übertragung der Verantwortung für gesellschaftliche Missstände auf das Individuum zu verwenden, anstatt die NutzerInnen tatsächlich durch strukturelle Unterstützung zu stärken.
- Citation du texte
- Marion Grimm (Auteur), 2015, Ressourcenorientierte Soziale Arbeit im Kontext aktivierender Sozialpolitik. Kritische Betrachtung mit Fallbeispiel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310574