“Die Religion der Zukunft wird Kino sein und in Hollywood produziert.”
Diese These des Filmkritikers Georg Seeßlen aus einem Artikel des Jahres 2000 lässt aufhorchen. Das Kino soll in Zukunft die Kirche ersetzen? Viele werden diese Behauptung als übertrieben abtun. Natürlich gibt es religiöse Aspekte im Kinofilm, das zeigt sich nicht zuletzt an den aktuellen Diskussionen über den spirituellen Charakter der Filmreihen „Der Herr der Ringe“ oder „Die Matrix“. Aber wird dadurch die traditionelle Religion verdrängt? Die meisten Theologen werden dies wahrscheinlich verneinen, da sie sich der traditionellen Verankerung ihres Glaubens sicher sind.
Hier bietet es sich an einen Blick nach England zu werfen. Dort stellte die jährliche Volkszählung im Jahr 2001 über 390.000 Einwohner fest, die sich zur „Religion“ der „Jedi Ritter“ bekannten. Die Idee dieser „Religion“ basiert auf dem sechsteiligen Science-Fiction-Epos „Star Wars“, das in Deutschland auch „Krieg der Sterne“ genannt wird. „Jedi-Ritter“ sind in dieser Filmreihe die, mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatteten, Krieger des Guten.
Die Geschichte der Filme stammt von dem amerikanischen Filmregisseur George Lucas. Die ersten drei Filme der Reihe liefen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre überaus erfolgreich in den Kinos. Ende der 90er Jahre kamen sie, an Grafik und Klang überarbeitet, erneut in die Lichtspielhäuser und bildeten den Auftakt für eine weitere Trilogie, die 1999 mit der ersten Episode startete und deren letzter Teil noch erwartet wird. Wie in den 70ern und 80ern wurden die Filme auch heute wieder zum Kinomagneten. Dieser erneute Boom war Auslöser für eine E-Mail, die im Internet kursierte und Engländer dazu aufforderte, auf ihrem Bogen zur Volkszählung den Begriff „Jedi Ritter“ an Stelle einer offiziellen Religion anzugeben. Laut dieser Mail seien 10.000 Unterschriften ausreichend, um diese Religion als staatlich akzeptiert durchzusetzen. Dem war nicht so , doch reichte es aus, um den Fragebogen der folgenden Volkszählung 2001 um die Position „Jedi Ritter“ bei den wählbaren Religionen zu ergänzen. Die Reaktion darauf war, wie schon genannt, eine 390.000fache Wahl dieser „Religion“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sinnsuche und Religiosität im Jugendalter
2.1 Die Lebensphase Jugend
2.1.1 Ziele und Dauer des Jugendalters
2.1.2 Einflussfaktoren in der Jugendphase
2.2 Sinnsuche und Religiosität als Aspekte jugendlicher Sozialisation
2.2.1 Sinnsuche und Religiosität im psychologischen Kontext
2.2.2 Sinnsuche und Religiosität im soziologischen Kontext
2.3 Jugendliche Religiosität
3. Die Star-Wars-Hexalogie
3.1 Wichtige Begriffe
3.1.1 Die Macht
3.1.2 Die Jedi-Ritter
3.1.3 Der Imperator
3.1.4 Der Todesstern
3.2 Figuren der Star-Wars-Hexalogie
3.2.1 Die Skywalker-Genealogie
3.2.2 Weitere Filmfiguren
3.3 Inhaltsangaben Episode I – Episode VI
3.3.1 Episode I - Die dunkle Bedrohung - 1999
3.3.2 Episode II – Angriff der Klonkrieger - 2002
3.3.3 Episode III – Titel noch unbekannt – ca. 2005
3.3.4 Episode IV – Eine neue Hoffnung - 1977
3.3.5 Episode V – Das Imperium schlägt zurück - 1980
3.3.6 Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter - 1983
4. Die konstruierte Sinnwelt der Star-Wars-Saga
4.1 Exkurs: Das Kino als spiritueller Kultort
4.2 Star-Wars als Heldenreise
4.2.1 Trennung
4.2.2 Inititiation
4.2.3 Rückkehr
4.2.4 Der Monomythos als Allegorie jugendlicher Entwicklung
4.3 Der dualistische Aufbau der Star-Wars-Hexalogie
4.3.1 Figurenpaare
4.3.2 Natur und Technik
4.3.3 Leib und Seele
4.3.4 Die „Macht“
4.3.5 Handlungsperspektiven in einer zweidimensionale Welt
4.4 Die bildliche Darstellung der Figuren
4.4.1 Figuren der dunklen Seite der Macht
4.4.2 Figuren der hellen Seite der Macht
4.4.3 Exkurs: Kritisierte Motivwahl
4.4.4 Die visuelle Informationsebene
4.5 Verwendung christlicher Motive
4.5.1 Der Erlöser
4.5.2 Die jungfräuliche Empfängnis
4.5.3 Die Wüste
4.5.4 Das Motiv des abgeschlagenen Arms
4.5.5 Tod und Auferstehung
4.5.6 Die Saga der gemischten Mythen
4.6 Eine Welt zum Staunen
5. Die mediale Herausforderung des Religionsunterrichts
5.1 Star Wars als Teil der Jugendkultur
5.2 Star Wars als Unterrichtsmaterial
5.2.1 Klasse 7/8: Nach Gott fragen – Gottesbilder
5.2.2 Klasse 9/10: Christsein in der pluralen Gesellschaft
5.2.3 Umfang des Einsatzes der Filmreihe
6. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der "Star Wars"-Filmreihe für Jugendliche in einer Phase der Sinn- und Religionssuche. Ziel ist es, die Wirkung dieser Filme im Kontext von jugendlicher Sozialisation und Medienkonsum zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob sie als sinnstiftende "Kinoreligion" fungieren oder die christliche Religionspädagogik vor neue Herausforderungen stellen.
- Analyse der jugendlichen Lebensphase sowie der psychologischen und soziologischen Sinnsuche.
- Untersuchung der "Star Wars"-Saga hinsichtlich ihrer inhaltlichen Struktur und der Verwendung von Mythen.
- Erörterung der "cineastischen Spiritualität" und des Kinos als spiritueller Kultort.
- Kritische Beleuchtung der dualistischen Weltanschauung und christlicher Motive innerhalb der Filme.
- Entwicklung von didaktischen Ansätzen für den Religionsunterricht in den Klassen 7-10.
Auszug aus dem Buch
4.3.4 Die „Macht“
Der zentrale Dualismus der Filme ist die religiöse Größe: „Die Macht“. Lucas hat scheinbar gnostisches Gedankengut zugrunde gelegt. Die Macht in ihren zwei „Erscheinungsformen“ (gut und böse) teilt transzendent denen ihren Willen mit, die durch „Selbstüberwindung“ gelernt haben auf ihre „innere Stimme“ zu hören. Diese innere Stimme wird durch die Midi-Chlorianer repräsentiert, die jedem Wesen innewohnen und mit der Macht kommunizieren können, vielleicht sogar Teil der Macht sind. Speziell hier zeigt sich eindeutig gnostisches Gedankengut: „Unter Gnosis im engeren Sinne o. Gnostizismus (Gz.) versteht man eine [...] synkretistische Religionsbewegung der Spätantike [...], die ein elitäres ‚Wissen um göttl. Geheimnisse’ zum Mittelpunkt ihrer Lehre machte u. den geistigen Kern des Menschen (Pneuma) als einen Teil göttl. Substanz begriff, welcher einer schicksalhaften Verstrickung in die Materie zum Opfer fiel u. allein durch die Erkenntnis seiner wahren transmundanen Natur Erlösung finden kann.“
Die Midi-Chlorianer sind dementsprechend als geistiger Kern zu verstehen. Dadurch wird auch der „Leib-Seele-Dualismus“ der Menschen deutlich (siehe 4.3.3, S. 57). Der Geist ist höher einzustufen als der Körper. Er ist göttlicher Kern in menschlicher Hülle. Die Erlösung von den Problemen des menschlichen Daseins erfolgt allein durch die Erkenntnis der eigenen Teilhabe an einer höheren Ordnung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der These, ob das Kino in Zukunft die Kirche als Ort der Sinnstiftung ersetzen könnte.
2. Sinnsuche und Religiosität im Jugendalter: Theoretische Grundlegung zum Verständnis der Lebensphase Jugend und deren soziologischer sowie psychologischer Prägung.
3. Die Star-Wars-Hexalogie: Überblick über die Filmreihe, die zentralen Begriffe und die inhaltliche Zusammenfassung der Episoden I bis VI.
4. Die konstruierte Sinnwelt der Star-Wars-Saga: Analyse der mythologischen Strukturen, der dualistischen Weltsicht und der Verwendung christlicher Motive in den Filmen.
5. Die mediale Herausforderung des Religionsunterrichts: Reflexion über den Stellenwert der Filme im Religionsunterricht und konkrete didaktische Umsetzungsvorschläge.
6. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion des Autors über den Stellenwert von Unterhaltung gegenüber echter Sinnstiftung.
Schlüsselwörter
Jugendliche Religiosität, Star Wars, Sinnsuche, Kino, Religionsunterricht, Macht, Medienkompetenz, Heldenreise, Dualismus, christliche Motive, Sozialisation, Identitätsbildung, Gnostizismus, Jugendkultur, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die "Star Wars"-Filmreihe für Jugendliche eine Art Ersatzreligion darstellt und welche Herausforderungen dies für den Religionsunterricht mit sich bringt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der jugendlichen Entwicklungspsychologie, der Analyse mythologischer und religiöser Strukturen in "Star Wars" sowie der Didaktik im Religionsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie die "cineastische Spiritualität" von Jugendlichen wahrgenommen wird und ob sie eine reale Bedrohung für das christlich institutionalisierte Glaubensverständnis darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert hermeneutische Literaturanalyse (Soziologie, Religionswissenschaft) mit empirischen Daten aus Shell-Jugendstudien sowie einer strukturellen Filmanalyse nach Joseph Campbell.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den "Metazyklus" der Filme, die Rolle der "Macht" als gnostisches Element und den dualistischen Aufbau des Werte- und Weltbildes in der Saga.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Sinnsuche, Jugendkultur, Heldenreise, Macht, Medienkritik und Religionsdidaktik.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der "Macht" in "Star Wars"?
Die Autorin sieht in der "Macht" eine deterministische, dualistische Größe, die den Jugendlichen von Eigenverantwortung befreit und somit im Gegensatz zum christlichen Verständnis von Freiheit steht.
Welche didaktische Empfehlung gibt die Autorin für Lehrer?
Lehrer sollten "Star Wars" nicht ignorieren, sondern als Material für die Medienkritik nutzen, um die Distanz zwischen einer "cineastischen Spiritualität" und einem verantwortungsbewussten Christsein aufzuzeigen.
- Quote paper
- Astrid Dahlbüdding (Author), 2004, 'Möge die Macht mit Dir sein...'. Sinnsuche und jugendliche Religiosität am Beispiel der "Star Wars"-Filme - eine Herausforderung für den Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31059