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Kants Auffassung vom Schönen in der 'Kritik der Urteilskraft' im Vergleich zur 'Anthropologie in pragmatischer Hinsicht'

Title: Kants Auffassung vom Schönen in der 'Kritik der Urteilskraft' im Vergleich zur 'Anthropologie in pragmatischer Hinsicht'

Seminar Paper , 2002 , 14 Pages , Grade: Gut

Autor:in: Björn Germek (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Einleitung

Auf die Frage nach der Funktion des Schönen läßt sich mit dem Gefühl beim Anblick desselben antworten: Lust. Lust trägt dazu bei, sich mit etwas zu unterhalten. Wenn ein Gegenstand oder eine Beschäftigung keine Lust entstehen läßt, legt man diesen für gewöhnlich zur Seite und beschäftigt sich mit unterhaltenden Dingen. Je mehr etwas gefällt, desto kürzer wird die Zeit, in der man sich damit befaßt und umgekehrt. Man darf demnach, ganz im Sinne von Kants ‘Anthropologie’, davon ausgehen, daß der Zweck von Schönheit die Verkürzung der Zeit aber auch die Vergemeinschaftung ist. Denn Kant zielt ja in seiner ‘Anthropologie in pragmatischer Hinsicht’ in erster Linie nicht darauf ab, Schönheit zu definieren sondern klarzustellen, wohin die schöne, fortschreitende Kultur die Menschheit führen soll: die Menschen sollen, als „vernünftige Wesen” das Übel, daß sie sich selber antun, spüren und erkennen, daß sie „den Privatsinn (einzelner) dem Gemeinsinn (aller vereinigt)” opfern müssen.1 Die Schönheit, insbesondere die schöne Kunst, hat in dieser Philosophie eindeutig einen ganz bestimmten Zweck.
Allerdings ist die ‘Anthropologie’ bekanntermaßen nicht Kants einzige Abhandlung über das Thema Schönheit. Hält man die ‘Kritik der Urteilskraft’ entgegen, so stellt man fest, daß hier ganz entscheidende Unterschiede auftreten: an der Schönheit darf kein Interesse bestehen, und außerdem darf die Schönheit keinen konkreten Zweck erfüllen, man darf diesen Zweck nur ahnen: „Geschmack ist ein Beurteilungsvermögen eines Gegenstandes oder Vorstellungsart durch ein Wohlgefallen oder Mißfallen ohne alles Interesse. Der Gegenstand eines solchen Wohlgefallens heißt schön” und „Schönheit ist die Form der Zweckmäßigkeit eines Gegenstandes, sofern sie ohne Vorstellung eines Zwecks an ihm wahrgenommen wird.”2
Der folgende Text erläutert die Folgen dieses Unterschiedes Interesse/Zweck - Interesselosigkeit/Zwecklosigkeit auf das weitgefächerte Thema der Unterhaltung mit Künsten.
[...]
_____
1.Oelmüller, Willi: Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798). In: Grundkurs philosophische Anthropologie. München (Fink) 1996; S. 114
2. Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft [im folgenden: KdU].
Herausgegeben von Karl Vorländer. 6. Auflage, Reprint von 1924
(Philosophische Bibliothek, Band 39a). Hamburg (Meiner) 1959; S. 48 u. 77

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Sinn und die Vernunft

3. Die Frage nach dem unterschiedlichen Geschmack

4. Die andere Bedeutung von Langeweile

5. Zusammenfassung

6. Literatur

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Kants ästhetischer Theorie in der „Kritik der Urteilskraft“ im Vergleich zu seinen anthropologischen Betrachtungen in der „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“. Dabei wird analysiert, wie Schönheit, Zweckmäßigkeit und Langeweile die Unterhaltung mit Künsten beeinflussen und welche Rolle das menschliche Empfinden in diesem Kontext spielt.

  • Kants unterschiedliche Ansätze zur Definition des Schönen
  • Die Funktion und Zweckhaftigkeit von Kunst in der Anthropologie
  • Die psychologische Bedeutung von Langeweile im Alltag
  • Der Einfluss von Medienkonsum und Zeitgefühl auf die Wahrnehmung von Kunst

Auszug aus dem Buch

2. Der Sinn und die Vernunft

Schon hierbei sieht man einen Unterschied des Ansatzes: während auf der einen Seite „das Geschmacksurtheil sowohl ein ästhetisches, als ein Verstandesurtheil, aber in beider Vereinigung” ist, haben auf der anderen Seite das durch die Vernunft gegebene Gute und das durch den Sinn gegebene Angenehme „beide eine Beziehung auf das Begehrungsvermögen”. Daß die Bedeutung von Vernunft kaum von der des Verstandes abweicht, braucht nicht extra bewiesen zu werden. Kant widerspricht sich demnach in diesem Punkt, da er ja in der Anthropologie auf die Seelengüte als „die reine Form, unter der alle Zwecke sich vereinigen lassen müssen” hinauswill. Die Seelengüte ist für ihn Inbegriff der schönen Seele, die auf der einen Seite intuitiv gemeinschaftlich handelt, andererseits die freie Wahl hat, so zu handeln. Das Intuitive hat ihren Ursprung im Sinn, die freie Wahl in der Vernunft: „diese Seelengüte ist doch der Mittelpunkt, um welchen das Geschmacksurtheil alle seine Urtheile der mit der Freiheit des Verstandes vereinbaren sinnlichen Lust versammelt.” Das Interesse, daß hier die Vernunft und der Sinn haben, ist das „Vergnügen” und das „Schätzen”.

Soviel erst einmal zur schönen Seele, denn in diesem Aufsatz soll es gar nicht so sehr auf das Endziel von Kants Anthropologie ankommen sondern nur auf den Bezug zur Unterhaltung mit schönen Künsten. Verläßt man vorerst den Punkt der schönen Seele und sucht eine Kunstform, die, entsprechend der Anforderungen der KdU ohne Begriff, ohne Interesse und ohne Zweck schön ist, und bei der man kein Vergnügen empfinden und sie nicht schätzen darf, so stellt man fest, daß gar nicht mehr so viele Kunstformen übrig bleiben: nämlich nur die bildende Kunst und die Musik, letztere aber ohne Gesang, denn in einem gesungenen oder gesprochenen Text wird etwas ausgesagt, daß man nur nach der Reflexion darüber als schön - und dann auch nicht als allgemein schön - befinden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, inwiefern Schönheit als Mittel zur Unterhaltung und Vergemeinschaftung dient und wo sich die „Kritik der Urteilskraft“ von der „Anthropologie“ unterscheidet.

2. Der Sinn und die Vernunft: Hier wird der Kontrast zwischen der ästhetischen Urteilskraft und der pragmatischen Vernunft sowie deren Auswirkung auf die Beurteilung von Kunstformen wie Musik und Malerei analysiert.

3. Die Frage nach dem unterschiedlichen Geschmack: Dieses Kapitel beleuchtet, warum Musikgeschmack generationenabhängig ist und ob Schönheit als absolute Wahrheit oder als individuelle Präferenz begriffen werden muss.

4. Die andere Bedeutung von Langeweile: Hier wird Langeweile als Ausbleiben notwendiger Schmerzphasen definiert und das Leseverhalten eines Buches mit dem schnellen Konsum von Filmen verglichen.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit fasst zusammen, dass sich beide Werke Kants gegenseitig ergänzen, wobei der Schmerz als notwendiger Störfaktor für die Unterhaltung in der Kunst eine zentrale Rolle spielt.

6. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der Argumentation.

Schlüsselwörter

Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, Schönheit, Geschmack, Ästhetik, Vernunft, Langeweile, Kunst, Unterhaltung, Zweckmäßigkeit, Vergnügen, Schmerz, Medienkonsum, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen Kants „Kritik der Urteilskraft“ und seiner „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ in Bezug auf das Verständnis von Schönheit und Unterhaltung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Begriffe der „schönen Seele“, die Rolle der Vernunft, die Entstehung von Langeweile durch fehlende Herausforderungen und die Funktion von Kunstwerken in der heutigen Mediengesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche philosophische Definitionen von Schönheit das menschliche Erleben von Kunst beeinflussen und warum Unterhaltung oft einen gewissen „Störfaktor“ benötigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Textanalyse der zentralen Schriften Kants sowie auf die Einbeziehung zeitgenössischer philosophischer Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil untersucht unter anderem den Einfluss von Musik und Film auf den Menschen, den Begriff der Langeweile als Zustand der Reizlosigkeit und die Widersprüche zwischen ästhetischem Urteil und persönlichem Geschmack.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ästhetik, Zweckmäßigkeit, Interesselosigkeit, das Schöne, der Geschmack sowie die Differenz zwischen dem rein Verstandesmäßigen und dem pragmatisch-anthropologischen Ansatz.

Wie unterscheidet der Autor zwischen der Unterhaltung durch Bücher und durch Filme?

Der Autor argumentiert, dass Bücher eine größere Konzentration und Zeitinvestition erfordern, was sie eher der Bildung zuordnet, während das Fernsehen primär als passive Unterhaltungsquelle dient, die zur Langeweile neigt.

Welche Bedeutung hat das Beispiel des „Kosovo-Krieges“ für die Argumentation des Autors?

Das Beispiel dient dazu, Kants Konzept der „schönen Seele“ zu verdeutlichen, indem gezeigt wird, wie ein universell negativ empfundenes Ereignis Menschen durch ein gemeinsames Geschmacksurteil zusammenführen kann.

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Details

Title
Kants Auffassung vom Schönen in der 'Kritik der Urteilskraft' im Vergleich zur 'Anthropologie in pragmatischer Hinsicht'
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Course
Proseminar
Grade
Gut
Author
Björn Germek (Author)
Publication Year
2002
Pages
14
Catalog Number
V3106
ISBN (eBook)
9783638118767
Language
German
Tags
Kants Auffassung Schönen Kritik Urteilskraft Vergleich Anthropologie Hinsicht Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Björn Germek (Author), 2002, Kants Auffassung vom Schönen in der 'Kritik der Urteilskraft' im Vergleich zur 'Anthropologie in pragmatischer Hinsicht', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3106
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