(Dis-)Ability und Geschlecht. Intersektionalität als Möglichkeit zur Analyse sozialer Ungleichheit


Seminararbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Intersektionalität

1.1 (Struktur-)Kategorie (Dis-)Ability
1.2 (Struktur-)Kategorie Geschlecht
1.3 Geschlecht und (Dis-)Ability

Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das heute vorherrschende (Sozialisations-)System der (gerade westlichen) Gesellschaften, ist durch einen Rahmen der globalisierten Ökonomie bestimmt, welche primär den Menschen als Individuum und somit als eigenständig (zu) leistendes Subjekt definiert und somit der Selbstbestimmungsgedanke eine wesentliche Rolle innerhalb der sozialen Interaktion einnimmt (Waldschmidt, 2012). Hierbei wird eine bestimmte Art der Lebensführung in den Mittelpunkt gerückt, bei der davon ausgegangen wird, dass der Mensch sowohl autonom leben will als auch autonom handeln soll. Waldschmidt bezeichnet diesen Wandel der Lebenshaltung als Notwendigkeit, „um die Modernisierung der Produktionsverhältnisse voranzutreiben“ (ebd., S. 12). Wenngleich durch diese vorherrschende Situation Personen(gruppen) die Autonomie im Sinne von Selbstbestimmung zugesprochen und sogar als Verpflichtung proklamiert wird, gilt der Autonomiegedanke offensichtlich nicht für alle Individuen innerhalb dieses Gesellschaftssystems.

Zu dieser angesprochenen Gruppe ließen und lassen sich nicht zuletzt, von dem Medizin- und Gesundheitssektor ausgehend, über alle gesellschaftlichen Bereiche weiterführend, „psychisch verwirrte, geistig behinderte und schwerstbehinderte Menschen“ (ebd. S. 12, nach Singer (1984), Sass (1986) u.a.) zählen.

Hierbei wurde und wird also offensichtlich die Gesellschaft, wenn auch zu ungleichen Teilen, in zwei Gruppen unterteilt. Als Ursache fungiert innerhalb dieses Mechanismus die Differenzkategorie ‚Behinderung’, welche der Kategorie ‚Nichtbehinderung’ gegenübersteht. Diese zwei Kategorien, im weiteren Verlauf als „Ability“ und „Disability“ bezeichnet, stehen innerhalb des beschriebenen gesellschaftlichen Systems allerdings nicht alleinstehend und können somit auch nicht alleinstehend betrachtet beziehungsweise analysiert werden. Die vorliegende Arbeit orientiert sich an dem Vorgehen intersektionaler Ansätze, welche Differenz- und Ungleichheitskategorien wie (Dis-)Ability, Ethnizität, „Rasse“, Geschlecht oder Klasse interdependent begreifen und somit resultierende (je nach Ort und Situation möglicherweise variable) spezifische Formen von Diskriminierungen und Ungleichheiten sowie deren mögliche Entstehungsprozesse analysieren (Wollrad & Jacob & Köbsell, 2010). Hierbei ist es entscheidend, die Beziehung zwischen diesen Ungleichheitskategorien zu untersuchen und nicht von einer oftmals vermuteten Addition der Kategorien und einhergehender Benachteiligung auszugehen (Winker & Degele, 2009). Dieser Ansatz ermöglicht sowohl der Forschung, als auch der Praxis, neue Perspektiven zu erlangen, durch welche Ungleichheitsverhältnisse und damit einhergehende Diskriminierungen (und -erfahrungen) beleuchtet und (möglicherweise) entgegengewirkt werden können. Darüber hinaus dient er dazu auf einer Meta-Ebene aktuelle Macht- und Herrschaftsverhältnisse im Rahmen des eingangs erwähnten kapitalistischem und produktionssteigerungsorientiertem Systems zu analysieren und zu beschreiben (ebd.)

Bevor nun allerdings inhaltlich tiefer in die Materie eingestiegen wird, soll ein grober Rahmen über die Zielsetzung und den weiteren Verlauf dieser Arbeit gegeben werden. Um das Ziel dieses Beitrags zu definieren, erscheint es hierbei sinnvoll, zunächst die Aspekte auszuklammern, welche nicht erreicht werden sollen. Im Sinne des Intersektionalitätsgedankens wäre es unzureichend, die Ungleichheitskategorie (Dis-)Ability alleinstehend zu untersuchen. Ziel dieser Arbeit soll es daher nicht sein, eine generalisierende und eindimensionale Darstellung dieser Kategorie vorzunehmen. Weiterhin soll diese Arbeit auch nicht, wie Winker und Degele (2009) zu bedenken geben, als eine Verlagerung verschiedener Kategorie-Interdependenzen in eine Kategorie hinein gelesen werden. Der hohen Komplexität der Thematik und des innerhalb des deutschsprachigen Raums noch relativ jungen Fachdiskussion und resultierenden „offenen theoretischen Situation“ (ebd. S.30) bezüglich der Intersektionalitätsdiskussion geschuldet, wird im weiteren Verlauf zunächst der Versuch unternommen, die beiden Strukturkategorien (Dis-)Ability und Geschlecht aufzuzeigen und in einem weiteren Schritt Intersektionen und wechselseitige Beziehungen (nicht zwangsläufig Abhängigkeiten) innerhalb und zwischen ihnen näher zu beleuchten. Dieser Prozess soll einen Einblick in eine Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Ungleichheitsverhältnissen auf intersektionaler Ebene aufzeigen.

Hierzu wird vorab auf den Entstehungshintergrund und die Geschichte der Intersektionalitätsforschung und ihrer aktuellen Debatten gerade im deutschsprachigen Raum eingegangen. Mithilfe dieses einleitenden Teils, soll ein Überblick über die hohe Komplexität und eventuell auftauchende Risiken „des Modells“ der Intersektionalität gegeben werden, welche im weiteren Verlauf fortlaufend näher thematisiert werden sollen. In diesem Sinne werden abschließend im Rahmen eines Fazits die in der voran gegangenen Argumentationsstrukturen herausgestellte Grenzen und Defizite der Betrachtungsweise ausgeführt und gleichermaßen „Empfehlungen“ für eine weitergreifende und möglicherweise adäquatere (intersektionale) Analyse sozialer Ungleichheitsverhältnisse skizziert.

Intersektionalität

Der historische Ursprung der Intersektionalitätsdebatte lässt sich in den USA ansiedeln. Hier waren es zunächst Schwarze1 Frauen, welche sich durch die feministischen Aktivitäten weißer Akteur*innen nicht entsprechend repräsentiert sahen. Neben ihrer Diskriminierungserfahrung in der Rolle „Frau“ sahen sie sich des weiteren auch durch ihre Zugehörigkeit zur Schwarzen, und somit durch Rassismus betroffenen Gesellschaftsgruppierung „mehr“ beziehungsweise anders diskriminiert, als die Akteur*innen der weißen Mittelschicht (Winker & Degele, 2009; Combahee River Collective, 1981). Hieraus resultierte die Forderung, die verwobenen Auswüchse sozialer Ungleichheit zunächst einer erweiterten Analyse zu unterziehen, und die Beziehungen der Strukturkategorien race, class and gender herauszuarbeiten. Ziel sollte es in diesem Sinne nicht sein, sich auf eine Kategorie zu beschränken, sondern vielmehr Dimensionen von Ungleichheiten aufzuzeigen. Die US-amerikanische Juristin Kimberley Crenshaw prägte diese Debatte entscheident, indem sie in einigen Beiträgen den Begriff „intersectionality“ einbrachte (Crenshaw, 1989).

Anlass hierzu nahm sie aus der Analyse mehrerer Gerichtsfälle zwischen mehreren großen US-amerikanischen Firmen und entlassenen Mitarbeiterinnen, bei denen offensichtlich eine wechselseitige und systematische Ausgrenzung zumindest einer Ungleichheitskategorie stattfand. In einem Fall wurden Massenentlassungen von General Motors vorgenommen, von denen primär Schwarze Frauen betroffen waren. Die Gerichte gaben den Klägerinnen nicht Recht, da General Motors sowohl (weiße) Frauen, als auch Schwarze (Männer) nach den Entlassungen beschäftigte und somit auf jeweils beiden Strukturkategorien (einzeln betrachtet) keine Diskriminierung vorlag. Die Tatsache, dass die Betroffenen jedoch von beiden Strukturkategorien eingefasst wurden, wurde hierbei außer Acht gelassen. Ähnliche Urteile, mit der Nicht-Anerkennung oder aber Über-Anerkennung eines „eigenständigen“ Status von Schwarzen Frauen, wurden ebenfalls in den Gerichtsverfahren gegen Hughes Helicopters, Inc. und Travenol erzielt. (EBD, S. 41 ff.).

Crenshaw erkennt an der systematischen Begründung und Urteilssprechung der Gerichte zweierlei Mechanismen, welche offensichtlich bei der Kategorisierung von und resultierender Sichtweise auf Schwarze/n Frauen zu tragen kommen:

„Black women sometimes experience discrimination in ways similar to white women’s experiencees; sometimes thy share very similar experiences with Black men. Yet often they experience double-discrimination – the combined effects of practices which discriminate on the basis of race, and on the basis of sex. And sometimes, they experience discrimination as Black women – not the sum of race and sex discrimination, but as black women.“ (1989, S.44)

Aus diesen Beobachtungen heraus konzeptualisiert Crenshaw den Begriff der „Intersection of race and sex“ (S.44) wobei sie hierzu das Modell der Straßenkreuzung aufbaut, um die einzigartige Ungleichheitsposition Schwarzer Frauen deutlich zu machen. Dabei sieht sie die Schnittstelle verschiedener Ungleichheitskategorien als den Moment, welcher eben diese Erfahrung und Position innerhalb des Gesellschaftssystems darstellt (vgl. Walgenbach, 2010, S. 249).

In der mittlerweile größer werdenden (unterschiedlichen) fachlichen Auseinandersetzung mit der Thematik der Intersektionalität wurde und wird dieses Modell vielfach diskutiert. Die Kritik geht im weitesten Sinne dahin, als dass das Modell der Straßenkreuzung die Existenz von Ungleichheitsdimensionen nahelegt, welche nebeneinander existieren und sich an ihren Schnittstellen überhaupt erst begegnen (Winker & Degele, 2009, S.12) Denn genau diese Sichtweise versucht der Intersektionalitätsgedanke (grundlegend) zu vermeiden: statt Ungleichheitsdimensionen als distinkt und allein existierend zu verstehen, sollen sie im Gegenteil als ineinander verwoben und wechselseitig betrachtet werden.

Hier zeichnet sich bereits ein erster Einblick in den aktuellen Diskurs um und über die Intersektionalitätsforschung ab, welcher im Folgenden kurz näher dargestellt werden soll. Alle bisherigen Herangehensweisen und Theoretiker*innen sind sich darüber einig, dass eine rein additive Perspektive auf die „Konnexion unterschiedlicher Kategorien zugunsten einer konstitutiven Betrachtung abzulehnen ist“ (Bührmann, 2009, S.32).

Dieser weitestgehend allgemeine Konsens wirkt auf den ersten Blick jedoch aussagekräftiger und für den Forschungs- und Diskursprozess grundlegender als er eigentlich ist. Denn aus diesem Grundsatz heraus ergeben sich weitere entscheidende Fragen, welche in einer permanenten Diskussion noch nicht endgültig geklärt zu sein scheinen. Angeführt wird dieser Pool von offenen Fragen nach Bührmann (2009) durch die Problematik eines allgemein anerkannten und gemeinsam geteilten „Gründungsnarrativs“ (S. 31). Wie eingangs erwähnt, wird der Ursprung der momentanen und aktuellen Auseinandersetzung mit dem Titel der Intersektionalität in den 1970er Jahren stattfindenden Protestbewegungen Schwarzer Feministinnen gegenüber weißen feministischen Ansichten und Vertretungen gesehen (ebd.; Baldin, 2014, Winker & Degele, 2009). Einige Forscher*innen sehen jedoch die Grundzüge einer intersektional anmutenden Auseinandersetzung mit Macht- und Ungleichheitsverhältnissen bereits vor den 1970er Jahren, weshalb Bührmann (2009) zu dem Schluss kommt, dass es eine offensichtliche Kontroverse über die „Herkunft oder den Ursprung der Forschung über und [der] Erforschung von Intersektionalität“ (S.38) gibt und keine Einigung darüber herrscht, ob die Disziplin der Intersektionalitätsforschung als eine „grundsätzliche, neue theoretische oder empirisch-praktische Perspektive handelt“ (S.32)

Hieran anknüpfend ergibt sich ein weiterer Streitpunkt, nämlich welchen Status Intersektionalität innerhalb der Wissenschaft und Forschung bisher eigentlich einnimmt. Bührmann sieht den Intersektionalitätsansatz als vor-paradigmatisch an (S.30), indem sie den bereits erwähnten fehlenden allgemein anerkannten Ursprung des Forschungsfeldes, das Fehlen eines klar umrissenen Forschungsgegenstandes und das Fehlen einer methodisch-methodologisch einheitlichen Forschungsausrichtung kritisiert (S.31). Katharina Walgenbach (2012) kommt jedoch zu einer eindeutigen Klassifizierung von Intersektionalität als Paradigma, wobei sich beide auf Thomas Kuhn (1970/1973)2 und seine Definition von Paradigmen beziehen. Des weiteren sieht sie in der zwar als offenen und teilweise inkonsistenten anzusehenden Beschaffenheit der Disziplin (beziehungsweise des Paradigmas) der Intersektionalität ein großes Potential, welches alle kontextualen Betrachtungsweisen und Auslegungen letztendlich in einer Sache vereinen. Gemeinsam haben alle Ansätze die Ablehnung additiver Perspektiven auf Ungleichheitsverhältnisse sowie die Hinterfragung und Erforschung von wechselseitigen Verstärkungen, Abschwächungen und Veränderungen verschiedener Kategorien (S.9). Hinzu kommt der Konsens, dass innerhalb einer intersektionalen Betrachtungsweise und daraus resultierende Untersuchung von Ungleichheitsdimensionen, „sowohl die benachteiligenden wie auch die privilegierenden Effekte in den Blick zu nehmen sind“ (Lutz; Herrera Vivar; Supik, 2010, S.22) Fakt ist jedoch auch, nachdem nun der Begriff der Intersektionalität als (offenes) Paradigma eingeordnet wird, dass sie entsprechend des wissenschaftlichen Kontextes verschieden angewendet werden kann und es somit viele mögliche Zugänge zu intersektionalen Analysen gibt.

Primär rücken hier sowohl die Auswahl der Ebenen, als auch die Auswahl der Kategorien in den Vordergrund. Grundlegend ist bisher zu beobachten, dass eine Auseinandersetzung einer intersektionalen Analyse auf vier größeren Ebenen stattfinden kann. Baldin (2014) fasst hierbei die Aufteilung Bührmanns wie folgt zusammen:

„Auf der soziologischen Makroebene zu verortende Ansätze thematisieren insbesondere die Überlagerung sozialer Strukturkategorien und deren ungleichheitsrelevante Folgen (vgl. ebd., S. 33)3. Für auf der Mikroebene operierende Forscher_innen stehen hingegen Fragen der individuellen Identitätsbildung im Vordergrund ihres Erkenntnisinteresses. Sie gehen meist der Frage nach, wie unterschiedliche Ungleichheitskategorien aufeinander einwirken (vgl. ebd., S. 33 f.). In den letzten Jahren häuften sich die Forderungen, beide Perspektiven miteinander zu verbinden [...], also sowohl die Struktur-, als auch die Handlungsebene in die Analyse einzubeziehen. Bührmann (2009, S. 34) spricht in diesem Zusammenhang von „intermediären Ansätzen“. Der vierte Diskursstrang richtet den Fokus schließlich auf die Ebene der symbolischen Ordnung und versucht, individuelle und kollektive Deutungsmuster in ihrer Verwobenheit zu rekonstruieren (vgl. ebd., S. 34). Dabei ist stets zu berücksichtigen, dass die verschiedenen Ebenen ebenfalls in Wechselwirkung zueinander stehen“ (Baldin, 2014, S.55)

Die oben beschriebene Beschaffenheiten der fachinternen Diskussionen machen deutlich, in wie viele Verschiedene Richtungen Intersektionalität gedacht und untersucht werden kann, beziehungs- und notwendigerweise für eine adäquate und zielführende Auseinandersetzung gedacht werden muss. Der Zusatz der „ gegenseitigen Wechselwirkung zueinander “ (s.o.) relativiert jedoch die vorab geführte Aufteilung in verschiedene Analyseebenen und das sich damit aufdrängende Bild einer gewissen „ Auswahl.

Offensichtlich herrscht also keine Einigkeit darüber, auf welchen Ebenen Intersektionalität notwendigerweise untersucht werden muss. Zwar werden allen Ebenen gewisse Wichtigkeiten eingeräumt, die Verbindung dieser stellt sich jedoch in der theoretischen und empirischen Forschung als hoch komplex heraus. Oftmals werden somit lediglich eine oder aber maximal zwei Untersuchungsebenen betrachtet, wodurch zwar eine Trennschärfe der theoretischen Ansätze gegeben zu sein scheint, ein Anspruch auf eine ganzheitliche Betrachtungsweise jedoch nicht erhoben werden kann (Winker & Degele, 2009). Um diesem Dilemma zu entgehen, nehmen Winker und Degele (2009) eine Aufteilung in drei verschiedene Ebenen vor, welche im folgenden kurz dargestellt werden sollen. Diese Ebenen gilt es im Sinne der Autor*innen gleichwertig innerhalb einer intersektionalen Analyse sozialer Ungleichheiten zu bearbeiten. Auf der Meso- bzw. Makroebene wird beispielsweise die Kategorie Geschlecht als Strukturkategorie begriffen, welche soziale Interaktion und somit die Gesellschaft strukturiert und reguliert. Hierbei greifen insbesondere institutionelle Gegebenheiten wie die Auf- und Verteilung „gesamtgesellschaftlich notwendiger Arbeit“ (S. 19). Somit kann Geschlecht in Form einer Strukturkategorie als Prägung gesellschaftlicher sozialer Verhältnisse gesehen werden, wobei sich diese Verhältnisse nicht auf andere Ursachen zurückzuführen lassen.

Der Prozess der Entstehung dieser Strukturkategorien hingegen wird auf einer Mikroebene beleuchtet. Hierbei wird insbesondere die Identitätsentstehung um Rahmen von Klassifizierung und Interaktion untersucht (S. 20). Gerade innerhalb der Geschlechterforschung

Ist hier das Konzept des ‚doing gender’ (West & Zimmermann, 1987) anzuführen, welches Geschlecht als Produkt sozialen Handelns deklariert (Winker & Degele, 2009, S.20). Hierbei wird nicht das Resultat dieser Interaktion oder der Grund für dieses untersucht, sondern lediglich der Entstehungsprozess an sich. Es wird also gefragt, inwiefern Identitäten im Rahmen von kategorialem Denken von Geschlecht, Sexualität etc. hergestellt werden (ebd.).

Die vorangestellten Frage nach dem „Resultat“ im Rahmen einer Aufrechterhaltung und Reproduktion von gesellschaftlichen Normen und Werten sowie die Verknüpfung dieser mit den untersuchten Phänomenen, wird letztendlich auf der Ebene der symbolischen Repräsentation aufgetan. Hierbei spielen dekonstruistische und poststrukturalisitische Ansätze eine entscheidende Rolle, welche letztendlich die Reproduktion bestimmter (zum Teil als naturgegeben angesehener) Kategoriezugehörigkeiten aufgrund von Normierungen und Zuschreibungspraktiken beleuchten und auf ihre eigentliche Konstruktion und vor allem Aufrechterhaltung im Rahmen sozialer Interaktion und gesellschaftlicher Mechanismen hinweisen (Butler, 1991; Winker & Degele, 2009, S.21).

Der Grund für die teilweise bisherige ‚einseitige’ Handhabung einer jeweiligen Ebene ist insbesondere auf die jeweilige disziplinäre Zugehörigkeit der einzelnen Akteur*innen und Theoretiker*innen zurückzuführen, welche sowohl verschieden methodische Kompetenzen als auch theoretische Hintergründe mit sich bringen. Insofern werden zwar relevante Aspekte einer intersektionalen Analyse abgedeckt, eine Verbindung der drei Ebenen und somit auch eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Einnahme einer intersektionalen Perspektive wird innerhalb dieser Herangehensweisen jedoch unzureichend gewährleistet. Auch die Ausführungen von beispielsweise Walby (2007) oder Acker (2006) als strukturelle Ansätze oder Butler (1990) und Bredström (2006) lassen zumindest eine der genannten Ebenen in den Hintergrund fallen (Winker & Degele, 2009, S. 23). Somit scheint das von Winker und Degele aufgestellte Konzept von der Kombination dreier Untersuchungsebenen ein vielversprechender Versuch zu sein, die theoretische Grundlage für eine umfassende Analysemethode zu legen.

[...]


1 Im Folgenden wird „Schwarz“ immer groß geschrieben, wobei hier auf keine biologische, sondern vielmehr politische Realität und Identität hinweisen soll. Des weiteren handelt es sich bei der Großschreibuung von „Schwarz“ um eine selbstgewählte Bezeichnung von People of Color. Da „weiß“ aus keiner Widerstandssituation entstanden ist und gleichermaßen keine politische Selbstbezeichnung darstellt, wird dieses Wort im weiteren als Adjektiv verwendet und klein geschrieben (Sow, 2009, S. 10)

2 Walgenbach und Bührmann verwenden zwar verschiedene Auflagen des Werkes, wobei elementare Abweichungen der jeweiligen Grundaussagen ausgeschlossen werden können.

3 Die aufgeführten Literaturangaben stimmen mit denen dieser Arbeit überein

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
(Dis-)Ability und Geschlecht. Intersektionalität als Möglichkeit zur Analyse sozialer Ungleichheit
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Fakultät 12 Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie)
Veranstaltung
Männlichkeit(en) und familiale Figurationen
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V310603
ISBN (eBook)
9783668093201
ISBN (Buch)
9783668093218
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Behinderung, Geschlecht, Intersektionalität, soziale Ungleichheit
Arbeit zitieren
Bastian Capelle (Autor), 2015, (Dis-)Ability und Geschlecht. Intersektionalität als Möglichkeit zur Analyse sozialer Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310603

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