BIO! Auf dem Weg vom Nischen- zum Massenmarkt

Positionierung und Kommunikation von Bioprodukten im Lebensmittelmarkt


Diploma Thesis, 2015
124 Pages, Grade: 1,3

Excerpt

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis ... 5

II. Abkürzungsverzeichnis ... 7

III. Einleitung ... 9

1. Bioprodukte im Lebensmittelmarkt ... 11
1.1 Begriffsbestimmung ... 11
1.2 Kennzeichnung und rechtliche Aspekte ... 15
1.2.1 EG-Öko-Verordnung: Allgemeine Richtlinien und Ziele ... 15
1.2.2 EU-Öko-Verordnung: Voraussetzungen zur Kennzeichnung ... 17
1.2.3 EU-Öko-Verordnung: Kennzeichnung von Lebensmitteln ... 17
1.2.4 EU-Öko-Verordnung: Kontrollverfahren ... 20
1.2.5 Kennzeichnung außerhalb der EU-Öko-Verordnung: Die Anbauverbände ... 20
1.3 Gegenüberstellung „Bio“ und „konventionell“ ... 23
1.3.1 Konventionelle Landwirtschaft ... 23
1.3.2 Bio Preise versus konventionelle Preise ... 26
1.4 Der Markt für Bio-Lebensmittel und seine Entwicklung ... 28
1.4.1 Entstehung und Entwicklung ... 28
1.4.2 Zahlen: Deutscher Biomarkt ... 28
1.4.3 Zahlen: Biomärkte weltweit ... 30
1.4.4 Eigene Messe für „Bio“ ... 30
1.4.5 „Bio-Skandale“ ... 30
1.4.6 Widrigkeiten der Bio-Branche ... 32

2. Marktteilnehmer und -kommunikation ... 33
2.1 Die Marktteilnehmer ... 33
2.1.1 Hersteller von Bioprodukten und ihre Marken ... 33
2.1.2 Vollsortimenter ... 34
2.1.3 Teilsortimenter ... 35
2.1.4 Bio-Pioniere ... 37
2.1.5 Der Bio-Großhandel ... 42
2.2 Die Zielgruppe ... 42
2.2.1 Bio-Käufer - deren Motive, Gründe, Kaufbarrieren und Kaufverhalten ... 42
2.3 Zielgruppen-Ansprache und Kommunikation ... 56
2.3.1 Positionierung von Biomarken ... 57
2.3.2 Kommunikation von Bioprodukten ... 61

3. Die Absatzkanäle und deren Besonderheiten ... 69
3.1 Die Absatzkanäle ... 69
3.1.1 Konventioneller LEH: Supermärkte und Discounter ... 73
3.1.2 Direktvermarktung ... 78
3.1.3 Der Fachhandel ... 79
3.1.4 Drogeriemärkte ... 88

4. Zukunftsstrategien ... 89
4.1 Vom Nischen- zum Massenmarkt? ... 89
4.2 Bio-Kommunikation der Zukunft ... 93
4.2.1 Gemeinschaftsmarketingmaßnahmen ... 93
4.2.2 Einzelmaßnahmen für Biomarken ... 95
4.3 Fazit ... 97

IV. Quellenverzeichnis ... 99

V. Glossar *... 107

VI. Anhang ... 112

Einleitung

Bio

Diese drei Buchstaben sind heute kaum mehr aus den Supermarktregalen wegzudenken. Für die einen ist Bio ein wichtiger Schritt in eine grüne Zukunft, für die anderen nur ein „vorübergehender Trend“ oder gar eine „Verkaufsmasche“.

Jeder von uns hat mindestens schon einmal zum Bioprodukt gegriffen – trotzdem macht der Biomarkt derzeit nur knappe 4% des gesamten Lebensmittelmarktes aus. Doch er wächst seit Jahren stetig. Sogar der konventionelle Einzelhandel kann es sich nicht mehr leisten, keine Bioprodukte in seinem Sortiment zu listen.

Den Menschen wird nach und nach bewusst, dass unser Konsum Auswirkungen auf Umwelt, Klima, Wasserverbrauch, Landnutzung, eigene Gesundheit und Welternährungslage hat. Weil jeder einzelne von uns im Laufe seines Lebens über 1.000 Tiere verspeist, ist der Mensch u.a. verantwortlich für die negativen Bilanzen der Klimagase. Pestizide und Chemikalien vergiften nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die Äcker der Landwirte. Und durch die immer radikaleren Maßnahmen der Industrie, eine möglichst perfekte Ernte zu erhalten, entstehen Lebensmittelkrisen am laufenden Band.1 Die Menschen werden unsicher, wenn Skandale wie z.B. „sehr hohe Pestizidbelastungen auf Zitrusfrüchten“ aufgedeckt werden. Sie möchten wieder Lebensmittel kaufen können, wie sie es früher einmal gab. Und diese sogenannten „Lebensmittel wie früher“ heißen heute „Bio“.

Nach der letzten Jahrhundertwende stieg die Nachfrage nach Bioprodukten immer weiter an. Somit nahm auch die politische Bedeutung des Öko-Landbaus zu. Als dann die BSE-Krise ausbrach, beschloss die damalige Bundesverbraucherministerin Renate Künast 2001 die Agrarwende.2 Das war der Startschuss für die staatliche Förderung ökologischer Landwirtschaft. Größere Anbaumengen, Preissenkungen und eine Ausweitung von Distribution und Sortiment von Bio-Lebensmitteln waren die Folge. In dieser Zeit wurde auch das staatliche, deutsche Bio-Siegel eingeführt. Seitdem diese „Zeichenvielfalt verringert“3 und die „Transparenz am Markt für Bioprodukte“3erhöht wurde, boomt Bio. Der deutsche Biomarkt wurde zum größten Europas.2

Die Mehrheit der Deutschen denkt und handelt heutzutage „grün“. Doch das grüne Handeln ist heute „mehr als ein Accessoire, mit dem man die ein oder andere Konsumentscheidung trifft“4. Der Bio-Trend wird immer stärker, die Wachstumsraten dieser Branche sind stark steigend und die „Ökologie ist auf dem besten Wege, zur großen Leitidee des Jahrhunderts zu werden, […] das alle Lebensbereiche umfasst.“4

Nicht nur die Gastronomie kocht bio, vegetarisch, vegan und „frei von“, auch die Autobranche denkt um und investiert in Elektro-Autos, die Energieversorger bestehen auf erneuerbare Energien, die Immobilienbranche entwickelt „Häuser der Zukunft“ mit Energieüberschuss, Städte setzen auf mehr Grünflächen und sogar die Börse bleibt nicht unverschont und handelt mit „grünen Aktien“. Die Ökologie der damaligen Trendbewegung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird Jahr für Jahr wichtiger für uns werden.5

Kann die Bio-Branche in Zukunft also im Wettkampf mit dem knallharten Lebensmitteleinzelhandel bestehen? In der vorliegenden Diplomarbeit möchte ich den Lesern das Thema „Bio“ näherbringen und zeige auf, wie aus einem kleinen Trend ein millionenschwerer Markt entstand. Die Grundlagen des Themas werden im ersten Kapitel erklärt.

Im zweiten Kapitel analysiere ich die Marktteilnehmer der Branche. Zu aller erst betrachte ich die unterschiedlichen Zielgruppen im Biomarkt: Was sind deren Wünsche, Verhaltensweisen und eventuelle Kaufbarrieren? Des Weiteren stelle ich verschiedene Bio-Hersteller und deren Marken vor. Ich untersuche ihre aktuelle Positionierung im Markt und schaue mir an, wie die Marken mit den Zielgruppen kommunizieren.

Um den Biomarkt noch besser verstehen zu können, wird in Kapitel 3 näher auf die Unterschiede der verschiedenen Absatzkanäle eingegangen, die Biounternehmen nutzen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu klären, ob der Biomarkt auf dem Weg vom Nischen- zu einem Massenmarkt ist – und was das für die Positionierung und Kommunikation der Biomarken heißen würde. In Kapitel 4 gebe ich Empfehlungen ab und stelle denkbare Lösungsansätze vor, wie die Unternehmen ihre Kommunikation verändern müssten, um auf einem Bio-Massenmarkt neben den konventionellen LEH-Marken überleben zu können.

1. Bioprodukte im Lebensmittelmarkt

1.1 Begriffsbestimmung

Jeder kennt den Begriff „Bio“ – doch wissen die Menschen, was Bio ist bzw. welche Richtlinien Lebensmittel einhalten müssen, um sich „Bio-Lebensmittel“ nennen zu dürfen? Eine eigene Umfrage, speziell durchgeführt für diese imk-Diplomarbeit, zeigt, was 100 Befragte im Alter von 18 bis 78 Jahren über „Bio“ denken (Kapitel 2.2.1, Frage 7):

Auf die in der Umfrage gestellte Frage „Was verstehen Sie unter dem Begriff „Bio“?“ waren die häufigsten Antworten folgende:

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Tabelle 1: Was verstehen Sie unter dem Begriff „Bio“? Auswertung der Umfrage und eigene Darstellung

Wie man sieht, kennen sich doch sehr viele Menschen mit dem Bio-Thema aus bzw. wissen zumindest, was dahinter steckt. Was außerdem auffällt ist, dass einige eine Abwehrhaltung gegenüber der Bio-Branche haben und dieser nicht wirklich vertrauen.

Kommen wir nun zur eigentlichen Definition.

Der Begriff „Bio“ kommt von „biologisch“ und ist mit dem Wort „ökologisch“ synonym. Auf Bio-Lebensmitteln werden oft auch die Begriffe „kontrolliert biologisch/ökologisch“ oder „biologischer/ ökologischer Landbau“ verwendet. Im weiteren Sinne meinen diese vier Begriffe alle das gleiche – und zwar, dass der Anbau und die Herstellung dieser Lebensmittel unter gewissen Voraussetzungen und Kontrollen erfolgt. Genaueres dazu auch unter 1.2.

Die oben genannten Begriffe sollte man allerdings nicht mit folgenden verwechseln6:

– naturnah
– kontrollierter Anbau
– umweltschonend
– unbehandelt
– integrierter Landbau
– aus kontrolliertem Vertragsanbau
– kontrolliert

Hersteller könnten mit solchen Bezeichnungen versuchen, uninformierte Käufer zum Kauf zu motivieren. Bio-Landwirtschaft kann nur durch die vier oben genannten Begriffe gekennzeichnet werden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erklärt ökologische Landwirtschaft wie folgt:

Die Grundidee ökologischer Landwirtschaft ist „ein Wirtschaften im Einklang mit der Natur“7 wobei der eigentliche Anbaubetrieb als „Organismus mit den Bestandteilen Mensch, Tier, Pflanze und Boden“7 gesehen wird. Die ökologische Landwirtschaft geht zurück in das Jahr 1942, als erstmals die ökologisch-dynamische Landwirtschaft eingeführt wurde.8 Der organisch-biologische oder der naturgemäße Landbau gehen sogar weit in das letzte Jahrhundert zurück.8

Man hat diese Anbauweise folglich schon immer geschätzt und verfolgt. In den letzten Jahren ist diese Landwirtschaftsform nun allmählich auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird mehr und mehr akzeptiert.

Ökologische Landwirtschaft8

…möchte einen „möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf erzielen“7. Das heißt Futter- und Düngemittel kommen aus dem eigenen Betrieb und werden nicht oder nur in geringen Mengen zugekauft.

…möchte die „Bodenfruchtbarkeit erhalten und mehren“7.

…möchte Tiere artgerecht halten und mit ökologisch einwandfreiem Futter, bestenfalls aus dem eigenen Nährstoffkreislauf, füttern.

…verzichtet auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel.

…verzichtet auf Farbstoffe, Aromastoffe und Geschmacksstoffe.

…verzichtet auf radioaktive Bestrahlung der Lebensmittel, um sie länger haltbar zu machen.

…verzichtet auf Gentechnik*9

…ist „auf Nachhaltigkeit ausgelegt“7 und achtet besonders auf „Boden-, Gewässer-, Arten- und Tierschutz“7,8

Ökologische Landwirtschaft und ökologische Produkte sind also eine gute Alternative zur konventionellen Landwirtschaft und zu konventionellen Produkten. Es wird von einem „ökologischen Produkt gesprochen, wenn es gegenüber einem konventionellen Produkt den gleichen Gebrauchsnutzen erfüllt, aber bei der Herstellung, Verwendung und Entsorgung geringere Umweltbelastungen hervorruft.“10

Doch Bio ist nicht gleich Bio. Zwar müssen alle Hersteller, die Bioprodukte herstellen und verkaufen möchten, laut EU-Öko-Verordnung nach dem ökologischen Landbau und nach deren Verfahrensweisen wirtschaften, es gibt jedoch Unterschiede in der Qualität. Zwischen den Anbauverbänden wie z.B. Demeter, Bioland oder Naturland und Bioprodukten aus dem Supermarkt besteht ein großer Unterschied. Bio in Supermärkten kann preiswerter sein als auf Biohöfen oder in -läden, da die Lebensmittel dort in viel größeren Mengen produziert werden. Was der große Unterschied zwischen den verschiedenen Bio-Absatzkanälen ist und wo der Kunde welche Produkte erhält, wird in Kapitel 3 erklärt.

Zu weiteren und spezifischeren Teilen der rechtlichen Aspekte von Bioprodukten und dem Öko-Landbau wird nun im folgenden Absatz genauer eingegangen.

1.2 Kennzeichnung und rechtliche Aspekte

1.2.1 EG-Öko-Verordnung: Allgemeine Richtlinien und Ziele

Die gesetzliche Grundlage für ökologische erzeugte Lebensmittel bildet die „VERORDNUNG (EG) Nr. 834/2007 DES RATES vom 28. Juni 2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91, ABl. Nr. L189 vom 20.07.2007, S. 1“11, kurz EG-Öko-Verordnung genannt. Sie wurde 1991 von der EU eingeführt. Diese Verordnung befasst sich mit den Zielen und Grundsätzen von ökologischen/biologischen Produkten, über Produktionsvorschriften, landwirtschaftlicher Erzeugung sowie der Herstellung von Futter- und Lebensmitteln bis hin zur Kennzeichnung, den Kontrollen und dem Handel mit Drittländern.12

In der Verordnung wird „genau definiert, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, erzeugt und hergestellt werden müssen. Sie knüpft an den Basisrichtlinien der "Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen" (IFOAM) an, in der rund 750 Verbände aus über 100 Nationen organisiert sind.“13

Die in der Verordnung stehenden Richtlinien sind „EU-einheitliche Mindestan-forderungen für die Erzeugung, Verarbeitung, Kennzeichnung und Kontrolle von Rohstoffen und Lebensmitteln“14. In den Geltungsbereich fallen alle „unverarbeiteten Agrarerzeugnisse einschließlich Fische und die für den menschlichen Verzehr bestimmten verarbeiteten Agrarerzeugnisse sowie Futtermittel, sofern diese Erzeugnisse mit Öko-Hinweisen vermarktet werden sollen. (siehe Art. 1 EG-Öko-VO Nr.834/2007).“14

Bio-Möbel oder Öko-Textilien beispielsweise fallen nicht in den Geltungsbereich dieser Verordnung.15

Im Anhang VI der EU-Öko-Verordnung ist die Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln geregelt. Für Bio-Lebensmittel gibt es auch in diesem Bereich strengere Richtlinien als für konventionelle Produkte. So sind bei der Verarbeitung vom Rohstoff bis hin zum eigentlichen Produkt nur wenige Zusatzstoffe zugelassen. Geschmacksverstärker, Süßstoffe, synthetische Aromen, Stabilisatoren sowie künstliche Farb- und Konservierungsstoffe sind für Biowaren nicht zulässig.15

Ziele der Verordnung sind der „Schutz der Konsumenten vor Täuschungs-versuchen“14 und/oder „Irreführung“16, Schutz der Bio-Anbieter, -Erzeuger, -Verarbeiter und -Händler vor „unlauterem Wettbewerb“14,16 und einer „nachhaltigen Profilierung und Stärkung des Öko-Sektors durch Transparenz aller Erzeugungs- und Verarbeitungsschritte“.16

Außerdem ist die Verordnung ein „Instrument zur Sicherung der Qualitätsstandards“14, denn je nach Erzeugung ergibt sich eine bestimmte Qualität der Produkte.15

1.2.2 EU-Öko-Verordnung: Voraussetzungen zur Kennzeichnung

Folgende Lebensmittel dürfen sich im Sinne der EU-Öko-Verordnung als „Bio“ bezeichnen:

– ein Bio-Erzeugnis muss landwirtschaftlichen Ursprungs sein;
– das Produkt selbst - oder mindestens 95% seiner Inhaltsstoffe - muss aus ökologischem Landbau stammen;
– Produkte mit einem Anteil von 70-90% Öko-Agrarzutaten dürfen auch noch als „bio“ oder „öko“ bezeichnet werden, die Nicht-Bio-Zutaten müssen jedoch in der Zutatenliste hervorgehoben werden;
– es sind nur konventionelle Agrarzutaten erlaubt, die in Anhang VIII der VO (EG) Nr. 889/2008 gelistet sind;
– nur Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe, die dem Anhang VIII der VO (EG) Nr. 889/2008 entsprechen, sind erlaubt;
– Erzeuger, Verarbeiter und Importeure müssen dem Kontrollverfahren nach Titel V der Basisverordnung unterstehen;
– genetisch veränderte Organismen oder auf deren Grundlage hergestellte Erzeugnisse sind untersagt;
– keine Behandlung mit ionisierenden Strahlen ist erlaubt.17

1.2.3 EU-Öko-Verordnung: Kennzeichnung von Lebensmitteln

Die Richtlinien zur Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln können gerade für den Käufer sehr hilfreich sein.

Erstens schafft die Verordnung Klarheit und Transparenz, indem sie die Begriffe „Öko(logisch)“, „Bio(logisch)“ sowie „kontrolliert ökologisch/biologisch(er Anbau)“ explizit schützt. Diese beiden Bezeichnungen geben dem Konsumenten einen sicheren Hinweis darauf, dass hier nach ökologischer Landwirtschaft gewirtschaftet wird. Diese Kennzeichnung ist europaweit festgelegt und „gilt für alle Mitgliedsländer der europäischen Gemeinschaft“18 (siehe Art. 1 EG-Öko-VO).19,20

Die Worte „Öko“ und „Bio“ werden synonym verwendet.

Eine weitere Orientierungshilfe für den Konsumenten ist die EG-Kontrollnummer. Jeder Bio-Betrieb hat eine eigene Öko-Kontrollstelle, welcher ein Code zugeordnet ist. Auf dem Etikett eines jeden verpackten Produktes muss also die EU-Kontrollstelle oder deren Code (z.B. DE-000-Öko-Kontrollstelle: DE = Länderkürzel Deutschland, 000 = Nummer der jeweiligen Kontrollbehörde) stehen. Die EG-Kontrollnummer garantiert die Herkunft aus ökologischer Landwirtschaft. Außerdem gibt sie dem Verbraucher Auskunft über Herkunft des Produktes und deren durchgeführte Kontrolle(n).21

Durch die Vielzahl an staatlichen, verbands- und unternehmenseigenen Kennzeichnungen für Bioprodukte hatten die Konsumenten vor der Einführung der ersten Kennzeichnungen einen enorm hohen Such- und Informations-aufwand, welcher dazu führte, dass man Biowaren nur schwer von Nicht-Biowaren unterscheiden konnte.

Deshalb wurde 2001 vom Verbraucherschutzministerium das staatliche Bio-Siegel in Deutschland eingeführt. Produkte mit Bio-Siegel garantieren, dass nach den EG-Öko-Richtlinien produziert wird und machen es dem Kunden somit leichter, Biowaren von anderen zu unterscheiden.21 Das deutsche Bio-Siegel war zwischen 2001 und 2010 neben den Anbauverbänden das einzige einheitliche Siegel für Biowaren in Deutschland. Im Gegensatz zum EU-Bio-Siegel wird das Deutschland-Bio-Siegel von den Erzeugern und Herstellern freiwillig genutzt.22

Das deutsche Bio-Siegel ist sechseckig mit schwarz-grüner Schrift auf weißem Grund (siehe Abbildung 1).

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 1: Deutsches Bio-Siegel, http://biodukte.de/app/webroot/img/uploads/siegels/Bio_Logo.png; Aufruf 03.08.15

Als man die EG-Öko-Verordnung in den Jahren 2007 und 2008 komplett revidiert hat, wurde festgelegt, dass alle in den Mitgliedstaaten der EU erzeugten oder verarbeiteten Bio-Lebensmittel ein verpflichtendes EU-Bio-Logo tragen müssen. Das Logo ist ein hellgrünes, liegendes Rechteck mit einer aus den EU-Sternen gebildeten Silhouette eines Blattes in Weiß (siehe Abbildung 2) und wurde 2010 offiziell eingeführt23. Das Siegel darf nur verwendet werden, wenn das Produkt aus 95% Öko-Zutaten besteht und weniger als 0,9% gentechnisch veränderter Stoffe enthält. Bei Nutzung des EU-Bio-Logos muss eine genaue geografische Herkunftsangabe der Zutaten gemacht werden. Alle Biolebensmittel mit diesem Siegel sind nach „hohen gesetzlich gesicherten Standards“24 produziert worden. Durch das EU-Bio-Siegel soll der „Markt gesichert und dem Verbraucher eine gleichbleibende Qualität garantiert“24 werden.25

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 2: EU-Bio-Siegel, http://biodukte.de/app/webroot/img/uploads/siegels/EU_Logo.png, Aufruf 03.08.15

1.2.4 EU-Öko-Verordnung: Kontrollverfahren

Am Bio-Kontrollsystem in Deutschland sind staatliche Überwachungsbehörden und private Kontrollstellen beteiligt. Jeder Betrieb, der nach der EU-Öko-Verordnung wirtschaften und das Bio-Siegel nutzen möchte, muss alle Auflagen erfüllen und mit mindestens einer jährlichen, angekündigten Kontrolle bzw. einer Betriebsinspektion rechnen. Außerdem werden stichprobenartig unangekündigte Kontrollen und Verdachtskontrollen durchgeführt. Bei den Kontrollen schauen die Bio-Kontrolleure, ob alle Richtlinien eingehalten werden und sich der Betrieb weiterhin „Bio“ nennen darf. Hierbei wird im Wesentlichen auf die Herstellung, die Verpackung und Importe in Drittländer geachtet.

Dabei schaut man sich beispielsweise die Lagerstätten für Betriebsmittel und Produkte an, die Kennzeichnung von Produkten im Lager und Verkauf, betriebliche Aufzeichnungen, Anbauflächen, Ställe und ähnliches. Die Biowaren werden außerdem regelmäßig auf Rückstände (z.B. Pestizide) kontrolliert. Die Kosten der Kontrolle übernehmen die jeweiligen Betriebe.

Verstöße können mit Geldbußen oder Freiheitsstrafen geahndet werden. Zu einer Gefängnisstrafe kann es kommen, wenn vorsätzlich konventionelle Lebensmittel als Bio vermarktet werden.26,27,28

1.2.5 Kennzeichnung außerhalb der EU-Öko-Verordnung: Die Anbauverbände

Neben der EU-Öko-Verordnung gibt es noch die acht deutschen Anbauverbände und deren Siegel, in die Konsumenten vertrauen. Viele ökologische Erzeuger haben sich, teilweise schon in Zeiten vor der EU-Öko-Verordnung, zu Anbauverbänden wie Bioland, Demeter, Naturland, Gäa e.V. oder Biopark zusammen geschlossen und deren eigene Richtlinien und Standards bezüglich ökologischen Landbaus festgelegt. Sie erfüllen die Richtlinien der EU-Öko-Verordnung und haben zusätzliche Bestimmungen und Kontrollen, die strenger sind als die Gesetzgebung der Europäischen Union. Auf Grund der hohen Standards werden die Anbauverbände oft auch als „Premium-Bio“ bezeichnet. Die Siegel der Anbauverbände werden von den gleichen Kontrolleuren überprüft, die auch die Einhaltung der Richtlinien des gesetzlichen Bio-Labels kontrollieren.29,30,31

Je nach Verband werden unterschiedliche Anbauweisen verfolgt und andere Schwerpunkte gesetzt. Man unterscheidet bspw. zwischen biologisch-dynamischen Landbau und organisch-biologischem Landbau.

Die bekanntesten Anbauverbände in Deutschland werden folgend kurz dargestellt.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 3: Demeter Logo, http://biodukte.de/app/webroot/img/uploads/siegels/Demeter_Logo.png, Aufruf 03.08.15

Demeter arbeitet seit 1928 nach den von Rudolf Steiner festgelegten Grundsätzen des biologisch-dynamischen Landbaus, das heißt „sie arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis. Die Erde verstehen sie als lebendigen Organismus geistigen Ursprungs.“32 Die Richtlinien von Demeter erlauben nur einige wenige Zusatzstoffe. In Deutschland gibt es etwa 1.400 Landwirte, die auf 68.000 Hektar Fläche nach Demeter-Richtlinien arbeiten. Demeter ist in 50 Ländern aktiv.33

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 4: Bioland Logo, http://biodukte.de/app/webroot/img/uploads/siegels/Bioland_Logo.png, Aufruf 03.08.15

Bioland wirtschaftet seit 1971 nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft, auch organisch-biologische Landwirtschaft bezeichnet, das heißt „was der Natur entnommen wird, soll ihr im Laufe des Produktionsprozesses auch wieder zurückgegeben werden – möglichst ohne Abfälle und Emission.“34

Dem Verband gehören mehr als 5.600 Biobauern und über 1.000 Lebensmittelhersteller wie Bäckereien, Metzgereien, Molkereien und andere Hersteller an. Jeder Bioland-Betrieb wird regelmäßig unabhängigen, staatlich zugelassenen Kontrollen unterzogen.33

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 5: Naturland Logo, http://biodukte.de/app/webroot/img/uploads/siegels/Naturland_Logo.png, Aufruf 03.08.15

Der Verband Naturland sollte den ökologischen Landbau „weltweit fördern“34, als er 1982 gegründet wurde. Naturland hat heute „weltweit über 53.000 Landwirte und verarbeitende Betriebe als Mitglieder, davon in Deutschland über 2.600 (mit einer Fläche von über 139.000 Hektar). Neben den strengen Vorschriften für ökologischen Landbau gibt Naturland auch soziale Richtlinien für den Umgang mit den Mitarbeitern vor. Der ganzheitliche Ansatz sieht ein nachhaltiges Wirtschaften, einen praktizierten Natur- und Klimaschutz, den Erhalt von Boden, Luft und Wasser sowie den Schutz des Verbrauchers vor.“32

Das Branchenmagazin „Schrot und Korn“ legte in der Ausgabe 05/2015 Daten des Öko-Landbaus in Deutschland 2014 vor, wobei die Daten der Erzeugerbetriebe EU-Bio nach BÖLW-Erhebungen geschätzt waren. Dabei wurden zwei Drittel der deutschen Öko-Fläche, und zwar 66,1%, von Verbandsbetrieben bewirtschaftet und es gehörten etwa die Hälfte, 51,9%, aller Bio-Landwirte einem Bio-Anbauverband wie Biokreis, Bioland, Demeter oder Naturland an.35

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 6: Darstellung Verhältnis Fläche und Betriebe EU- vs. Verbands-Bio
Vgl. o.V., Schrot und Korn 05/2015, S.9

Wie man sieht, sind die meisten deutschen Erzeugerbetriebe überzeugt von dem Wirtschaftsgedanken der Anbauverbände. Die Bauern, die Bioprodukte mit reinem Gewissen erzeugen möchten und von „Bio“ überzeugt sind, wollen auf höheren Standards arbeiten und nicht nur die Mindestanforderungen der EU erfüllen.

1.3 Gegenüberstellung „Bio“ und „konventionell“

Was der Unterschied zwischen Bio und konventionellen Produkten ist, welche Vor- und welche Nachteile Bio hat und was Kritiker darüber sagen, wird im folgenden Teil erläutert.

1.3.1 Konventionelle Landwirtschaft

Der Begriff „konventionell“ wird im Duden als „den gesellschaftlichen Konventionen entsprechend“ aber auch als „eingefahren“ oder „gängig“ erklärt. Konventionelle Lebensmittel sind also alle Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, Getreide, die nicht biologisch angebaut und nach den gängigen gesetzlichen Lebensmittelbestimmungen hergestellt werden dürfen, also „Produkte aus konventioneller Landwirtschaft“36. Demnach wirtschaften die meisten Betriebe in Deutschland konventionell. „Konventioneller Anbau setzt im Ackerbau einen Wechsel der Fruchtfolge sowie die von den Behörden zugelassenen Saatgutsorten, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel ein“37. Ziel von konventionellem Anbau ist eine „möglichst produktive Bewirtschaftung.“36

Die Kreislaufwirtschaft ist kein „betriebsintern geschlossenes System“.36 „Ackerbau und Viehzucht werden entkoppelt“38, das heißt, es werden Dünge- und Futtermittel zugekauft sowie Tiere, mehr als der eigentlichen Fläche entsprechend, gehalten, um eine erhöhte Produktivität zu erzielen. „Ist die konventionelle Landwirtschaft durch einen sehr hohen Grad an Intensität geprägt, wird auch von intensiver bzw. industrieller Landwirtschaft gesprochen.“36 Bei dieser Art der Landwirtschaft sind ein hoher Grad an Spezialisierung (Betrieb A spezialisiert sich auf die Erzeugung von Futtermittel, Betrieb B auf Tierhaltung), intensive Bodenbearbeitung, vollständige Entkopplung von Ackerbau und Viehzucht sowie intensive Massentierhaltung an der Tagesordnung.39

Das Gegenteil der industriellen Landwirtschaft ist der integrierte Landbau. Sein Ziel ist es „durch optimierte Produktionsmethoden befriedigende wirtschaftliche Erträge bei größtmöglicher Schonung der Umwelt zu erwirtschaften.“36 Es darf Kunstdünger verwendet werden, organischer Dünger hat jedoch Vorrang. Integrierter Landbau unterscheidet sich sehr durch seine Tierhaltung.

Hier wird ein tierfreundliches Stallhaltungssystem mit ausreichenden Bewegungs-möglichkeiten für die Tiere garantiert. Man kann die integrierte Landwirtschaft also als „Kompromisslösung“36 zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft einstufen.39

Was ökologische Landwirtschaft ist, wurde schon in Teil 1.1 erläutert. Die Gründe für Bauern und Hersteller, biologisch zu arbeiten oder auf Bio umzustellen sowie für Kunden Bioprodukte zu kaufen, sind vielfältig und vor allem ethischer Natur.

Es kann viele Gründe geben, Bio unterstützen zu wollen bzw. gut zu finden: der Umweltaspekt, Nachhaltigkeit, die eigene Gesundheit, die Liebe zu Tieren und andere.

Eine Gegenüberstellung der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft angelehnt an das Schaubild von Rebecca Faltins40:

Biologischer Landbau vs. Konventioneller Landbau

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Tabelle 2: Gegenüberstellung ökologischer und konventioneller Landbau,
Vgl. Faltins, Rebecca, Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.24-28

Wie Tabelle 2 zeigt, erkennt man beim biologischen Landbau mehr Vorteile für die Natur, beim konventionellen mehr Vorteile für das Geschäft und den Profit. Gleichzeitig sind dadurch die Vorteile des konventionellen Landbaus die Nachteile des biologischen.

Durch die umwelt- und ressourcenschonende Anbauweise im Bio-Landbau hat der Biobauer höhere Verkaufspreise und einen höheren Flächenbedarf. Er hat teilweise eine geringere Produktivität, da Schädlingsbefall die Ernte vernichten könnten und im Allgemeinen auch weniger Tiere als Schlachtvieh zur Verfügung stehen als bei konventioneller Massentierhaltung.

1.3.2 Bio Preise versus konventionelle Preise

Biologisch angebaute Lebensmittel sind in der Regel teurer als konventionelle, da die Kosten für die Erzeugung, Verarbeitung und die Verteilung der Produkte höher sind. Auch regelmäßige Kontrollen oder die Servicekräfte im Laden selbst stellen Mehrkosten dar. Wenn man die Preise von Bio-Lebensmitteln aber mit konventionellen Premium-Marken vergleicht, ergeben sich keine allzu großen Unterschiede.41

Wie eine Studie des Freiburger Öko-Instituts herausgefunden hat, kostet gesundes Essen gerade einmal sieben Euro mehr im Monat, wenn man sich „mit ökologisch hergestellten und fair gehandelten Lebensmitteln eindeckt und sich außerdem an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientiert – also weniger Fleisch und dafür mehr Obst, Gemüse und Milchprodukte isst.“42 Außerdem warnt das Institut davor, dass die ganze Gesellschaft die Kosten für Kunstdünger, Massentierhaltung, Antibiotikaeinsatz, und demnach dann auch die Resistenzen und neuen Krankheiten, die konventionelle Landwirtschaft mit sich zieht, bezahlen muss. Auf Grund dessen kann man auch sagen, dass „die durchschnittliche Ernährung viel teurer ist als eine mit Bio-Lebensmitteln“.42,43

Es kommt in der Tat immer ganz darauf an, welche Vergleichsbasis man untersucht. Ein Forschungsprojekt der Pforzheimer Hochschule hat ergeben, dass Biowaren im Schnitt zwar ca. 70 Prozent teuer sind als deren konventionelles Pendant, „wer aber Bio-Lebensmittel im Preiseinstiegsbereich kaufe, gebe kaum mehr Geld aus als für konventionelle Produkte.“44 Außerdem unterscheiden sich die Preise demnach „ob Marken-Bio oder Nicht-Marken-Bio gekauft wird und ob es sich um Gemüse, Fleisch, Fisch, Molkereiprodukte oder Tabak handelt“.44 Die größten Unterschiede liegen bei Molkereiprodukten sowie Eiern, Süßwaren, Fisch, Mineralwasser und Säften. Der kleinste Preisunter-schied lag bei Tabakwaren.45

Mehrpreis bei Öko-Produkten

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Tabelle 3: Prozentualer Mehrpreis von Öko-Produkten gegenüber dem Durchschnitt,
o.V., Boelw.de, Themen, 16: Warum sind Öko-Lebensmittel teurer?, Öko-Lebensmittel sind ihren Preis wert, http://www.boelw.de/biofrage_16.html, Aufruf 13.07.2015

Auch hier kommt es wieder auf die in Bezug gesetzte Basis an. In Relation zu den 25% preisgünstigsten konventionellen Marken können sich Mehrpreise von +71% bis +354% ergeben. Wenn man die Waren jedoch auf die 25% teuersten konventionellen Marken bezieht, bewegt sich der Mehrpreis der Öko-Waren zwischen - 20% und + 29%. Verglichen mit konventionellen Premium-Marken sind dann sogar einige Bioprodukte wie Milch, Früchtemüsli, Spaghetti, Marmelade oder Apfelsaft preisgünstiger.46

Der Preis stellt im Bio-Bereich ein großes Kaufhemmnis dar. Vielen Kunden fehlt in Wahrheit aber die konkrete Preiskenntnis. Selbst Öko-Käufer verschätzen sich im Schnitt um 20% beim Preis von Bio-Lebensmitteln. Auf das Kaufhemmnis „Preis“ wird nochmals detaillierter in Kapitel 2.2.1.6 eingegangen.46

1.4 Der Markt für Bio-Lebensmittel und seine Entwicklung

1.4.1 Entstehung und Entwicklung

Ende der 70-er Jahre kam es in West-Deutschland zu einer starken und radikalen Umweltschutzbewegung, in den Großstädten entstand daraufhin eine Öko-Kultur: die sogenannten Hippies bzw. Ökos fuhren Fahrrad, lebten vom Flohmarkt, trugen Jute-Beutel und kauften ihr Essen im Öko-Laden ein. Diese Trendbewegung spaltete die Gesellschaft. Doch das „öko von damals“ war nicht annähernd vergleichbar mit dem „bio von heute“ – denn wenn die Karotte im Öko-Laden damals nicht verdreckt und schrumpelig war, galt sie nicht als „bio“. Grün zu leben „war Mühe und Askese, war Abkehr und Gegen-Entwurf, war ANTI-Zivilisation.“47 Das Gedankengut ist geblieben, doch die Gesellschaft hat sich verändert. Weg vom Reformhaus oder Öko-Laden, hin zum stylischen und hochklassigen Bio-Supermarkt.48

1.4.2 Zahlen: Deutscher Biomarkt

Laut Schätzungen des Arbeitskreises Biomarkt, konnte der deutsche Biomarkt im Jahr 2014 ein Wachstum von 4,8% auf 7,91 Milliarden Euro erzielen (Stand 2015).

Die treibenden Kräfte waren dabei sowohl Biofachhandel sowie Vollsortimenter im Lebensmitteleinzelhandel. Die Fachhändler legten um 9% zu, der allgemeine Lebensmitteleinzelhandel inklusive Drogeriemärkte um 3,6%. Handwerk (Fleischerei, Bäckerei), Onlinehandel und Reformhäuser stagnierten.49

Der Biofachhandel konnte seinen Marktanteil somit von 32 auf 33% steigern, der Lebensmitteleinzelhandel bleibt mit 53% Marktanteil unverändert und bündelt mehr als die Hälfte der Umsätze mit Bio-Lebensmitteln. Im Vergleich zu den gesamten Lebensmittelumsätzen (Gesamtmarkt) beträgt der Anteil des Bio-Lebensmittel-Umsatzes ca. 3,8 bis 4,0%.49

Man sieht also: Auch wenn es von Seiten der Konsumenten mehr und mehr Zuspruch gibt, ist der Biomarkt bis heute ein Nischenmarkt.49,50

Welche Produkte sich in biologischer Form am besten verkaufen, zeigt Abbildung 7.

Fast 10% der verkauften Eier in 2014 waren ökologischer Herkunft, danach folgten mit fast 6% Bio-Frischgemüse. Geflügel und Fleisch/Wurstwaren schnitten mit knapp 1% am schlechtesten ab.51

Bio-Anteile am jeweiligen Gesamtmarkt im Bereich Lebensmittel

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]
Abbildung 7: Bio-Anteile am jeweiligen Gesamtmarkt im Bereich Lebensmittel
Quelle: o.V., Schrot und Korn, 04/2015, Seite 9, Lebensmittel: Bio-Anteile am jeweiligen Gesamtmarkt

[...]


1 Vgl. Dr. oec. troph. Keller, Markus, Schrot und Korn 11/2014, „Warum Essen nicht Privatsache ist“, S. 46-49

2 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.11

3 Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.11

4 E. Wenzel, A. Kirig, C. Rauch, Greenomics – Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert, Auflage 2012, Redline Verlag, Seite 9-10

5 Vgl. E. Wenzel, A. Kirig, C. Rauch, Greenomics – Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert, Auflage 2012, Redline Verlag, Seite 9-10

6 Vgl. o.V., natur-ratgeber.de, „Ökolandbau: Unterschied zwischen bio und öko?“ http://natur-ratgeber.de/oekolandbau-unterschied-zwischen-bio-und-oeko/ vom 10. Oktober 2014, Aufruf 09.06.15

7 o.V., Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Ökologischer Landbau in Deutschland, 1. Was ist ökologischer Landbau, http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/OekologischerLandbau/OekolandbauDeutschland.pdf?__blob=publicationFile, Stand: Januar 2015, Aufruf 09.06.15

8 Vgl. o.V., Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Ökologischer Landbau in Deutschland, 1. Was ist ökologischer Landbau, http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/OekologischerLandbau/
OekolandbauDeutschland.pdf?__blob=publicationFile, Stand: Januar 2015, Aufruf 09.06.15

9 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.21

10 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.21

11 o.V., EG-Öko-Basisverordnung (EG) Nr. 834/2007, http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/
OekologischerLandbau/834_2007_EG_Oeko-Basis-VO.pdf?__blob=publicationFile, Aufruf 09.06.15

12 Vgl. o.V., EG-Öko-Basisverordnung (EG) Nr. 834/2007, http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/
OekologischerLandbau/834_2007_EG_Oeko-Basis-VO.pdf?__blob=publicationFile, Aufruf 09.06.15

13 o.V., Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Ökologischer Landbau in Deutschland 3. EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, Stand Januar 2015, http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/
OekologischerLandbau/OekolandbauDeutschland.pdf?__blob=publicationFile, Aufruf 09.06.15

14 Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

15 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

16 Vgl. o.V., Kontrollverein Ökologischer Landbau, Interessenten: EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen-Landbau, http://www.kontrollverein.de/interessenten/eu-oeko-verordnung/, Aufruf 09.06.15

17 Vgl. o.V., Kontrollverein Ökologischer Landbau, Interessenten: EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen-Landbau, http://www.kontrollverein.de/interessenten/eu-oeko-verordnung/, Aufruf 09.06.15

18 Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

19 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

20 Marx, Jörg, regionalkauf.de, Shopping/Aktuelles, 12.12.13, https://www.regionalkauf.com/shopping/aktuelles/augen-auf-beim-bio-kauf, https://www.regionalkauf.com/shopping/aktuelles/premium-bio, Aufruf 10.06.15

21 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

22 Vgl. o.V., Biodukte.de, Biosiegel, Bio-Siegel Katalog und Übersicht, Deutsches Bio-Siegel, http://biodukte.de/biosiegel, Aufruf 03.08.15

23 Vgl. o.V., dennree GmbH, biomarkt.de, Wer wir sind: Bio-Verbände, http://www.biomarkt.de/6176_Bio_Verbaende.html sowie http://www.biomarkt.de/file/13176_BM_2012_KW_05_06_kompetenz_v05d.pdf , Aufruf 09.06.15

24 o.V., Biodukte.de, Biosiegel, Bio-Siegel Katalog und Übersicht, Deutsches Bio-Siegel, http://biodukte.de/biosiegel, Aufruf 03.08.15

25 Vgl. o.V., Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V., Nachgefragt:: 28 Antworten zum Stand des Wissens rund um Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel, 04 Woran erkennt man Bio Produkte?, Oktober 2012, http://www.boelw.de/uploads/media/pdf/Themen/
Argumentationsleitfaden/Bio-Argumente_BOELW_Auflage4_2012_02.pdf , S.8, Aufruf 09.06.15

26 Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

27 Vgl. Faltins, Rebecca: Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg, 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.33

28 Vgl. o.V., Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-
Westfalen, EG-Verordnung Ökologischer Landbau, Kontrolle, Importe, 2003, http://www.plattsalat.de/Verordnung-Einfuehrung.pdf, Aufruf 09.06.15

29 Vgl. o.V., Kontrollverein Ökologischer Landbau, Interessenten: EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen-Landbau, http://www.kontrollverein.de/interessenten/eu-oeko-verordnung/, Aufruf 09.06.15

30 Marx, Jörg, regionalkauf.de, Shopping/Aktuelles, 12.12.13, https://www.regionalkauf.com/shopping/aktuelles/augen-auf-beim-bio-kauf, https://www.regionalkauf.com/shopping/aktuelles/premium-bio, Aufruf 10.06.15

31 Vgl. o.V., dennree GmbH, biomarkt.de, Wer wir sind: Bio-Verbände, http://www.biomarkt.de/6176_Bio_Verbaende.html sowie http://www.biomarkt.de/file/13176_BM_2012_KW_05_06_kompetenz_v05d.pdf , Aufruf 09.06.15

32 o.V., Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Die Bio-Branche 2015, Schrot und Korn, Ausgabe 05/2015, S.9

33 Vgl. o.V., dennree GmbH, biomarkt.de, Wer wir sind: Bio-Verbände, http://www.biomarkt.de/6176_Bio_Verbaende.html sowie http://www.biomarkt.de/file/13176_BM_2012_KW_05_06_kompetenz_v05d.pdf, Aufruf 09.06.15

34 o.V., dennree GmbH, biomarkt.de, Wer wir sind: Bio-Verbände, http://www.biomarkt.de/6176_Bio_Verbaende.html sowie http://www.biomarkt.de/file/13176_BM_2012_KW_05_06_kompetenz_v05d.pdf, Aufruf 09.06.15

35 Vgl. o.V., Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Die Bio-Branche 2015, Schrot und Korn, Ausgabe 05/2015, S.9

36 Faltins, Rebecca, Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.24-28

37 o.V., Max-Rubner-Institut Detmold und Universität Bielefeld, Ökologisch angebaut? Etablierung von Nachweismethoden für die Anbauart von Getreide , http://web.biologie.uni-bielefeld.de/plantday12/images/poster/MRI-UniBi-1_Niehaus.pdf, Aufruf 10.06.15

38 o.V., Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Die Bio-Branche 2015, Schrot und Korn, Ausgabe 05/2015, S.9

39 Vgl. Faltins, Rebecca, Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.24-28

40 Vgl. Faltins, Rebecca, Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.24-28

41 Vgl. o.V., Boelw.de, Themen, 16: Warum sind Öko-Lebensmittel teurer?, Öko-Lebensmittel sind ihren Preis wert, http://www.boelw.de/biofrage_16.html, Aufruf 13.07.15

42 o.V., Freiburger Öko-Institut, Studie „Bio ist nicht teurer“, Kochbuch „Nachhaltig kochen!“ oder Schrot und Korn, Ausgabe 11/2014, S.14

43 Vgl. o.V., Freiburger Öko-Institut, Studie „Bio ist nicht teurer“, Kochbuch „Nachhaltig kochen!“ oder Schrot und Korn, Ausgabe 11/2014, S.14

44 o.V., agrarheute.com, deutscher Landwirtschaftsverlag, Hochschule Pforzheim, Nachrichten für die Landwirtschaft » Bio » Bio-Lebensmittel sind 70 Prozent teurer, 25.03.2015, http://www.agrarheute.com/bio-lebensmittel-sind-70-prozent-teurer, Aufruf 16.06.15

45 Vgl. o.V., agrarheute.com, deutscher Landwirtschaftsverlag, Hochschule Pforzheim, Nachrichten für die Landwirtschaft » Bio » Bio-Lebensmittel sind 70 Prozent teurer, 25.03.2015, http://www.agrarheute.com/bio-lebensmittel-sind-70-prozent-teurer, Aufruf 16.06.15

46 Vgl. o.V., Boelw.de, Themen, 16: Warum sind Öko-Lebensmittel teurer?, Öko-Lebensmittel sind ihren Preis wert, http://www.boelw.de/biofrage_16.html, Aufruf 13.07.15

47 E. Wenzel, A. Kirig, C. Rauch, Greenomics – Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert, Auflage 2012, Redline Verlag, Seite 9 – 10

48 Vgl. E. Wenzel, A. Kirig, C. Rauch, Greenomics – Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert, Auflage 2012, Redline Verlag, Seite 9 -10

49 Vgl. Karsten Runge, BIOWelt, 04/2015, Seite 28-29, Markt, Marktentwicklung, Artikel „Moderates Wachstum“

50 Vgl. Faltins, Rebecca, Bio-Lebensmittel in Deutschland. Kaufbarrieren und Vermarktung, Hamburg 2010, Diplomica Verlag GmbH, S.11

51 Vgl. o.V., Schrot und Korn, 04/2015, Seite 9, Lebensmittel: Bio-Anteile am jeweiligen Gesamtmarkt

Excerpt out of 124 pages

Details

Title
BIO! Auf dem Weg vom Nischen- zum Massenmarkt
Subtitle
Positionierung und Kommunikation von Bioprodukten im Lebensmittelmarkt
Grade
1,3
Author
Year
2015
Pages
124
Catalog Number
V310607
ISBN (eBook)
9783946458012
ISBN (Book)
9783946458104
File size
1882 KB
Language
German
Tags
Bio;, Biobranche;, Bioprodukte;, Biomarken;, Bio-Marketing;, Marketing;, Werbung;, Bio-Trend, Bio-Branche;, Kommunikation
Quote paper
Stefanie Medvesek (Author), 2015, BIO! Auf dem Weg vom Nischen- zum Massenmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310607

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