Immer wieder hört man folgenden Satz: "Kinder sind unsere Zukunft." Diese Aussage trifft in vielen Bereichen zu, wie beispielsweise in Hinblick auf das Rentenversicherungssystem. Wie genau tragen Kinder nun aber zum Funktionieren des Systems bei?
Die Menschen in Deutschland werden immer älter und haben vergleichsweise weniger Kinder als früher. Im Jahr 2012 waren 21Prozent der Bevölkerung über 64 Jahre alt. Im selben Jahr wird eine Geburtenrate in Deutschland von 1,4 Kindern pro Frau verzeichnet. Deutschland zählt damit als das Land, in welchem weltweit die wenigsten Kinder geboren werden.
Ist unser derzeitiges Rentensystem in der Zeit des demographischen Wandels noch anwendbar? Können die Schultern der arbeitenden Bevölkerung die Rentenansprüche der Rentner erwirtschaften? Ist eine Umstellung vom umlagefinanzierten Rentensystem auf das kapitalgedeckte Rentensystem sinnvoller und vor allem: Wann sollte eine Umstellung erfolgen?
Mit diesen und weiteren Fragen bezüglich der Rente und des Wertes von Kindern für ebendiese beschäftigt sich diese Hausarbeit.
Das umlagefinanzierte Rentensystem war ein funktionales System. Bisher haben circa drei Arbeitnehmer die Rentenauszahlung für einen Rentner erwirtschaftet. Dieses System funktioniert aber nur, wenn genügend Arbeitnehmer im Staat beschäftigt werden. Für eine ausreichende Arbeitnehmerzahl ist auch eine ausreichende Zahl an Kindern notwendig, die später arbeiten gehen und somit in die Rentenversicherung und in das umlagefinanzierte System einzahlen.
Ich werde mich zunächst mit der Funktion eines Kindes als Beitragszahler beschäftigen. In diesem einführenden Kapitel wird vorrangig die Bedeutung von Kindern für das aktuelle Rentensystem untersucht.
Im weiteren Verlauf analysiere ich die fiskalische Bilanz eines Durchschnittskindes und nutze mathematische Formeln, um die theoretischen Grundlagen zu beweisen.
Zum Abschluss der Arbeit wird es einen Systemvergleich der beiden Rentensysteme geben. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Auskunft darüber geben, ob ein kapitalgedecktes Rentensystem mit den derzeitigen Problemen besser umgehen könnte, als das aktuelle umlagefinanzierte Rentensystem.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Wert von Kindern für das Rentensystem
2.1 Die Funktion eines Kindes als Beitragszahler
2.2. Die fiskalische Bilanz eines Kindes
3 Systemänderung in der Altersvorsorge
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
7 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Kindern für die Funktionsfähigkeit des umlagefinanzierten Rentensystems in Deutschland vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und analysiert, inwiefern eine Systemänderung hin zu einer kapitalgedeckten Altersvorsorge eine sinnvolle Ergänzung darstellen könnte.
- Demographischer Wandel und Alterung der Gesellschaft
- Rolle von Kindern als zukünftige Beitragszahler
- Fiskalische Bilanz eines Durchschnittskindes
- Systemvergleich: Umlageverfahren versus kapitalgedecktes System
- Ansätze für eine Teilkapitaldeckung in Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Funktion eines Kindes als Beitragszahler
Dass Kinder für unser Rentensystem enorm wichtig sind, wurde bereits einleitend erwähnt. Wie unser Rentensystem beeinflusst wird, wenn weniger Menschen in der jungen und arbeitenden Generation in dieses einzahlen, wird im folgenden Gliederungspunkt betrachtet.
Zunächst möchte ich aber mit Hilfe des Altersquotienten die Funktion eines Kindes als Beitragszahler verdeutlichen. Unter dem Altersquotienten versteht man die Anzahl an Personen, die 65 Jahre und älter sind und 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 64 Jahren gegenüberstehen. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat folgende Altersquotienten ermittelt: Im Jahr 2013 beträgt der Altersquotienten in Deutschland 31,3. Im Jahr 2030 werden 100 erwerbsfähige Menschen die Rentenansprüche von 47,2 Menschen im Ruhestand erwirtschaften müssen und im Jahr 2060, so schätzt man derzeit, wird sich der Altersquotient auf 59,9 erhöht haben.
Auch Hans-Werner Sinn (2001) erfasst in seiner Studie vergleichbare Zahlen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Altersquotient von 24 Prozent im Jahr 2000 auf einen Wert von 43 Prozent im Jahr 2040 ansteigen wird und sich somit fast verdoppelt.
Die demographischen Veränderungen haben gravierende Auswirkungen für den Beitragssatz der jungen und arbeitenden Generation zur Rentenversicherung. Dabei ist vor allem das Verhältnis der Rentner und der Beitragszahler entscheidend. Dieses Verhältnis wird sich in den nächsten Jahrzehnten, wie es der Altersquotient voraussagt, erheblich verändern.
Die Funktion eines Kindes gewinnt demnach zunehmend an Bedeutung für das umlagefinanzierte Rentensystem Deutschlands, da wir in den letzten Jahren einen starken Geburtenrückgang verzeichnen mussten. Sinn und Übelmesser (2000) fügen diesem bestehenden Problem hinzu, dass die Lebenserwartung alle acht Jahre statistisch um ein Jahr ansteigen wird. Dies wiederum bedeutet, dass die ältere Generation nicht nur prozentual mehr wird, sondern auch länger lebt. Da aber der Beitragssatz, so sind sich Fachleute und viele Politiker einig, nicht weiter steigen kann, ist eine weitere Rentenkürzung erforderlich. Die immer weniger werdenden Menschen der jungen und arbeitenden Generation können die Rentenauszahlungen in der bis dahin gewohnten relativen Höhe nicht mehr erwirtschaften. (Sinn, Übelmesser 2000)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den demographischen Wandel in Deutschland und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Wert von Kindern für das umlagefinanzierte Rentensystem sowie die Sinnhaftigkeit einer Systemumstellung.
2 Der Wert von Kindern für das Rentensystem: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise des Umlagesystems, analysiert die Rolle des Kindes als Beitragszahler anhand des Altersquotienten und berechnet die fiskalische Bilanz eines Kindes im Steuer- und Sozialsystem.
3 Systemänderung in der Altersvorsorge: Es wird die Effizienz eines kapitalgedeckten Rentensystems untersucht, die Problematik eines reinen Übergangs diskutiert und ein Modell vorgeschlagen, das sich an der Kinderanzahl orientiert.
4 Fazit: Das Fazit resümiert, dass aufgrund der Krisensicherheit des Umlageverfahrens eine Teilkapitaldeckung als Kompromisslösung die beste Strategie darstellt, um die Altersvorsorge nachhaltig zu sichern.
Schlüsselwörter
Rentenversicherung, umlagefinanziertes System, demographischer Wandel, Altersvorsorge, Kinder, Beitragszahler, Altersquotient, fiskalische Bilanz, Kapitaldeckung, Teilkapitaldeckung, Rentenfinanzierung, Geburtenrate, Generationenvertrag, Hans-Werner Sinn, Sozialversicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle, die Kinder für das umlagefinanzierte Rentensystem in Deutschland spielen, und wie sich der demographische Wandel auf die Finanzierbarkeit der Renten auswirkt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der demographische Wandel, die fiskalische Bedeutung von Kindern für den Staatshaushalt, die Berechnung von Rentenanwartschaften und der Vergleich zwischen umlagefinanzierten und kapitalgedeckten Systemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie Kinder zum Funktionieren des Rentensystems beitragen und ob eine Umstellung auf oder eine Ergänzung durch ein kapitalgedecktes Rentensystem die aktuelle Rentenkrise lindern könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse ökonomischer Studien, insbesondere die Arbeit von Hans-Werner Sinn, sowie auf die Herleitung und Diskussion mathematischer Modelle zur fiskalischen Bewertung von Kindern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die demographische Entwicklung, die fiskalische Bilanz eines Kindes im Steuer- und Sozialsystem sowie die theoretischen Ansätze für ein Rentensystem, das sich an der Kinderanzahl orientiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rentenversicherung, demographischer Wandel, Umlagesystem, Kapitaldeckung und fiskalische Bilanz charakterisiert.
Warum hält der Autor das derzeitige Umlagesystem für "krisensicherer" als ein reines Kapitaldeckungsverfahren?
Der Autor argumentiert, dass beim Umlageverfahren laufend erwirtschaftetes Geld verteilt wird, während bei einem kapitalgedeckten System das Risiko besteht, dass Ersparnisse durch Krisen wie Inflation massiv an Wert verlieren.
Was schlägt der Autor als Lösung für die Rentenkrise vor?
Der Autor plädiert für eine Teilkapitaldeckung als gemischtes System, in dem insbesondere kinderlose Personen dazu animiert werden, privat für ihr Alter vorzusorgen, da sie keine Beiträge zur Kindererziehung leisten.
- Arbeit zitieren
- Tim Reukauf (Autor:in), 2014, Der Wert von Kindern für die Rentenversicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310636