Wenn neue Technologien zum Scheitern großer Unternehmen führen. Erfolgsfaktoren und Fähigkeiten für innovatives Handeln


Seminararbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Theoretische Grundlagen
2.1.1. Abgrenzung und Definition des Innovationsbegriffs
2.1.2. Auslegung von Fähigkeiten in Bezug das Innovationspotenzial von Unternehmen
2.2. Voraussetzungen für ein erfolgreiches Innovationsmanagement
2.2.1. Bestimmung interner Einflussfaktoren auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen
2.2.2. Notwendige Fähigkeiten von Unternehmen um disruptive Innovationen zu entwickeln
2.3. Zusammenfassung und Beurteilung der Forschungsergebnisse

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verschiedene Definition des Innovationsbegriffes

Tabelle 2: Definitionen von Fähigkeiten und Ressourcen

1. Einleitung

Schon die Theorieansätze von Joseph Schumpeter von 1912 zur wirtschaftlichen Entwicklung thematisieren den strukturellen Wandel in der Unternehmenswelt. Unternehmerischer Wandel, der Untergang ganzer Industriezweige durch neue Technologien/ Prozesse ist schon lange Forschungsschwerpunkt in der Wirtschaftswissenschaft Mit der Veröffentlichung seiner Arbeiten „The innovator´s dilemma“ und „The innovator´s DNA“ leistete Christensen (2011) einen wertvollen Beitrag rund um die Diskussion zu diesem Thema. Aufbauend auf seinen Forschungsergebnissen und Thesen sollen in der vorliegenden Arbeit Merkmale herausgearbeitet werden, die unternehmerischen Wandel unterstützen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Erfolgsfaktoren und den Fähigkeiten, die größere Unternehmen besitzen bzw. etablieren müssen, um auf Veränderungen des Marktes reagieren zu können.

Der Aufbau der Arbeit ist in folgende Kapitel gegliedert. Im ersten Abschnitt werden die theoretischen Grundlagen behandelt. Hierbei geht es um die Abgrenzung und Definition des Innovationsbegriffs, sowie die Schaffung eines Begriffsverständnis für die Fähigkeiten eines Unternehmens. Im zweiten Teil werden aufbauend auf Christensen Arbeit „The innovator´s dilemma“ Erfolgsfaktoren beschrieben, die für unternehmerischen Wandel und die Etablierung von Innovationsfähigkeiten von Bedeutung sind. Anschließend werden spezifische Fähigkeiten in Bezug auf die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens beschrieben. Am Ende werden die erarbeiteten Ergebnisse kritisch hinterfragt und im Fazit zudem ein Ausblick in die Zukunft unternommen.

2. Hauptteil

2.1. Theoretische Grundlagen

2.1.1. Abgrenzung und Definition des Innovationsbegriffs

Der Terminus „Innovation“ kommt aus dem Kirchenlatein. Der Heilige Augustin (um 400 n. Chr.) verwendete diesen Begriff um meistens seiner Ansicht nach unbeliebten Neuerungen Ausdruck zu verleihen. Er assoziierte damit negative Ereignisse wie Umbrüche und Zerstörungen.

Während der Renaissance wurde der Begriff verstärkt in den Ländern Italien, Frankreich und England verwendet. In Deutschland dagegen fand der Innovationsbegriff erst 1911 mit „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ von Joseph Schumpeter Einzug in den deutschen Sprachgebrauch. (vgl. Trommsdorff/ Steinhoff, 2013, S. 23) Bevor eine tiefgehende Betrachtung des Innovationsbegriffs stattfinden kann, muss zuerst eine Abgrenzung zur Invention erfolgen. In der betriebswirtschaftlichen Praxis werden die beiden Begriffe „Invention“ und „Innovation“ häufig synonym verwendet (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 21). Die Invention ist der Innovation jedoch vorgelagert. Ohne den Prozess der Entwicklung bzw. Ideenfindung, ob zufällig oder gewollt, ist eine umsetzbare und verwertbare Innovation nicht möglich (vgl. Macharzina/ Wolf, 2012, S. 737). Eine Invention ist demzufolge die erstmalige Realisierung einer Idee. In Unternehmen wird eine Invention durch vorherige Forschung und Entwicklung forciert. (vgl. Burr, 2004, S. 25)

Eine Innovation hingegen ist als die erste wirtschaftliche Marktverwertung einer Invention zu verstehen. Der wesentliche Unterschied zwischen Invention und Innovation liegt somit in der wirtschaftlichen Umsetzung begründet. (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 21)

Für den Innovationsbegriff gibt es in der Fachliteratur keine allgemeingültige Definition. Das hängt damit zusammen, dass bis heute keine „Innovationstheorie“ existiert, die sowohl als umfassend als auch in sich geschlossenen ist. Die nachfolgende Tabelle 1 soll einen Eindruck darüber verschaffen, welche unterschiedlichen Auffassungen des Innovationsbegriffs in der Wissenschaft bestehen. (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 21)

Tabelle1: Verschiedene Auszüge von Definition des Innovationsbegriffes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Vahs/ Brem, 2015, S. 21 f.

Obwohl die oben aufgeführten Definitionen sehr unterschiedlich sind, hat eine Innovation als grundlegendes Merkmal immer etwas „Neuartiges“ (vgl. Hauschildt/ Salomo, 2011, S. 3). An sich kann „Neuartiges“ von jedem Individuum und jeder Organisation unterschiedlich interpretiert werden. Wie bei den Definitionen von Innovation gibt es einige Differenzen in der Auslegung des Begriffs „Neuartig“. Obwohl ein neues Produkt1 zuvor bereits lanciert wurde, kann es für eine andere Person oder Institution subjektiv als Innovation bzw. als Neuartig empfunden werden (vgl. Burr, 2004, S. 21). In diesem Fall spricht man von einer Betriebsneuheit. Eine objektive Neuerung dagegen entspricht einer vollkommenen Neuheit, auch als Markt- oder Weltneuheit bezeichnet. (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 22) Neben der subjektiven und objektiven Auslegung von Innovationen gibt es weitere Kategorien, die eine breite Differenzierung des Innovationsbegriffs zu lassen.2 Für die weitere Bearbeitung liegt der Fokus aufgrund des beschränkten Umfangs der Arbeit vor allemauf einer Kategorie. Im Folgenden wird daher der zuvor angesprochene Neuigkeitsgrad sowie der mit ihm einhergehende Einfluss auf die Marktgegebenheiten näher untersucht.

In der Fachliteratur wird bei einer innovativen Produkteinführung häufig zwischen einer inkremental-evolutionären Veränderung oder einer radikal-revolutionären Neuerung unterschieden (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 23). Eine inkremental-evolutionäre Veränderung beschreibt dabei ein Produkt, das zwar eine kontinuierliche Verbesserung in bestimmten Attributen aufweist, jedoch die existierenden Grundprinzipen des Produkts unverändert lässt (vgl. Burr, 2004, S. 24). Im Gegensatz dazu stehen radikal-revolutionären Neurungen bzw. Innovationen für vollkommen neue Produkte oder Dienstleistungen auf neuen Märkten (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 23).

Dabei ist bei beiden Innovationsarten, wie zuvor bereits erläutert, eine klare Abgrenzung und Einordnung einer Innovation in eine der beiden Kategorien schwierig. Grund hierfür sind die fehlende allgemeingültige Definition und feste, objektive Regeln zur Auslegung von Innovationen (vgl. Burr, 2004, S. 24). Als Orientierungshilfe zur Bestimmung des Innovationsgrades werden einzelne, objektiv messbare Kennzahlen definiert. Dazu können Faktoren wie zum Beispiel Geschwindigkeit und Größe zählen, sowie Veränderungen in der Produktion, die zu einer Steigerung der Flexibilität und Produktivität führen. Auch Indikatoren wie die Minderung des Energieverbrauchs oder die Reduktion der Geräuschentwicklung können als Messwerte herangezogen werden. (vgl. Grupp, 1994, S. 177-182)

Neben diesen beiden Innovationskategorien besteht laut Christensen (2011a, S. 7) noch eine weitere Innovationsart, die ebenfalls eng mit dem Neuigkeitsgrad verknüpft ist. Hierbei handelt es sich um sogenannte disruptive Technologien/ Innovationen. Diese sind eng verbunden mit den radikal-revolutionären Neuerungen und werden in Wissenschaft und Praxis teils auch synonym verwendet (vgl. Schweikle, 2009, S. 201).

Eine klare Differenzierung erscheint schwierig, da die Merkmale sehr ähnlich sind. Eine Abgrenzung ist dennoch sinnvoll, da sich die Theorie der disruptiven Innovationen von der S-Kurven-Theorie unterscheidet. (vgl. Ruhnke, 2014, S. 144 f.) Bei der S-Kurven-Theorie erreicht eine Technologie am Ende eines Zyklus seine Leistungsfähigkeit. Mit der Einführung einer radikal-revolutionäreren Innovation wird ein Technologiesprung mit einem höheren Leistungsniveau beschrieben. Die neue Technologie ersetzt die alte Technik. (vgl. Vahs/ Brem, 2015, S. 126)

Im Vergleich dazu stellen disruptive Innovationen erst einmal eine Verschlechterung des Produktes dar. Das Leistungsniveau ist niedriger als bei der etablierten Technologie und erfüllt ein anderes Kundennutzen. Die anfangs relativ kleine Kundengruppe bedient sich dieser neuen Technologien aufgrund bestimmter Qualitäten. Produkte, die auf disruptiven Technologien aufbauen, sind häufig billiger, einfacher konstruiert oder bequemer zu bedienen (vgl. Christensen, 2011a, S. 7). Etablierte Unternehmen sehen häufig keinen Vorteil in der Vermarktung von disruptiven Technologien, da auch ihre Stammkunden ebenfalls anfangs keine Verwendung für diese Produkte finden. Daraus folgt, dass die Unternehmen sich zu Beginn mit disruptiven Technologien eher auf Nischenmärkte konzentrieren auf denen große, etablierte Unternehmen nicht vertreten sind. Erst mit der Weiterentwicklung und dem Einholen des Mainstream-Produktes in puncto Leistungsfähigkeit werden die etablierten Unternehmen verdrängt und die bis dahin führende Technologie ersetzt (vgl. Tellis, 2006, S.34). Als Beispiele sind folgende Technologien genannt: Transistoren (im Vergleich zu Röhren), mp3 ersetzt CDs oder die Digitalfotografie (Christensen, 2011a, S. 7).

Zusammenfassend kann der Unterschied zu den radikal-revolutionären Neurungen damit begründet werden, dass kein Technologiesprung vorherrscht und das alte Produkt nicht in einem relativ kurzen Zeitraum ersetzt wird. Hinzukommt, dass nach Ansicht von Christensen (2011a, S. 7), vor allem disruptive Innovationen dafür verantwortlich sind, dass große, etablierte Unternehmen vom Markt ausscheiden oder verdrängt werden.

2.1.2. Auslegung von Fähigkeiten in Bezug das Innovationspotenzial von Unternehmen

In diesem Kapitel werden verschiedene Ansätze thematisiert, in denen vor allem die Fähigkeiten und Unfähigkeiten von Unternehmen im Zusammenhang mit der optimalen Ressourcenausnutzung erläutert werden. Die Begriffsbestimmung und Betrachtung der Theorieansätze dient im weiteren Verlauf der Arbeit dazu spezifische Fähigkeiten herauszufiltern, die Unternehmen benötigen um selbst disruptive Innovationen hervorzubringen bzw. diese frühzeitig zu erkennen. Eine tiefergehende Untersuchung von Ressourcen findet aufgrund der Fokussierung auf Fähigkeiten nicht statt. Auch von einer Differenzierung von Fähigkeiten und Kompetenzen wird abgesehen und beide Begriffe synonym verwendet.3

Nach dem klassischen Ressourcenansatz, dem sogenannten „Ressource-based View“, werden neben Ressourcen auch Fähigkeiten dem Ressourcenbegriff zugeordnet (vgl. Sammerl, 2006, S.134). Dies liegt darin begründet, dass der Resource-based View eine rein statisch-deskriptive Fokussierung auf bestimmte Ressourcen-Eigenschaften vornimmt. Dabei werden weder Kombination oder Verwendung noch Ansammlung von Ressourcen genauer untersucht (vgl. Sammerl, 2006, S.136). Eine Abgrenzung zum Ressourcenbegriff und Definition kann somit nicht stattfinden. Ein erster Versuch der Abgrenzung gelingt, wenn Ressourcen ausschließlich als Produktionsfaktoren ausgelegt werden und mithilfe eines Umwandlungsprozesses in Produkte übergehen (vgl. Amit/ Schoemakers, 1993, S.35). Die folgende Tabelle 2 verdeutlicht dabei nochmals die Differenzierung der beiden Begriffe nach Amit und Schoemaker (1993, S.35).

Tabelle2: Definitionen von Fähigkeiten und Ressourcen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Seeger, 2014, S. 52

Die Definitionen grenzen die beiden Begriffe deutlich voneinander ab und widersprechen somit auch dem Ansatz des „Resource-based View“. Einer Gleichsetzung von Fähigkeiten mit

[...]


1 In dieser Ausarbeitung wird der Begriff Produkt stellvertretend für Güter, Prozesse, Dienstleistungen oder Marketing-Methoden verwendet.

2 Eine Übersicht der verschiedenen Kategorien geben in Trommsdorff/ Steinhoff (2013).

3 Für eine ausführliche Erklärung siehe Freiling, 2001, S. 24.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wenn neue Technologien zum Scheitern großer Unternehmen führen. Erfolgsfaktoren und Fähigkeiten für innovatives Handeln
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus  (Lerhstuhl für ABWL)
Veranstaltung
Oberseminar Planung und Innovationsmanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V310663
ISBN (eBook)
9783668098237
ISBN (Buch)
9783668098244
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innovator's Dilemma, Innovators Dilemma, Innovationsfähigkeit, Innovation, innovatives Handeln, Fähigkeiten, Clayton Christensen, The Innovator's DNA
Arbeit zitieren
Guido Maiwald (Autor), 2015, Wenn neue Technologien zum Scheitern großer Unternehmen führen. Erfolgsfaktoren und Fähigkeiten für innovatives Handeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310663

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