Die Erfolgsgeschichte der modernen Stadtpolitik wird gemeinhin mit dem Begriff des Wachstums verbunden. Doch blickt man beispielsweise auf die Stadtentwicklung im Mittelalter zurück, so sind schrumpfende Städte durchaus kein neues Phänomen. (OZWAR (2008 )
Beispielsweise waren in der Zeit um 1800 viele deutsche Städte noch von den Folgen des Dreißigjährigen Kriegs durch rückläufige Bevölkerungszahlen und Brachlandschaften geprägt. Auch erreichten Städte wie Nürnberg und Magdeburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht die Einwohnerzahlen, die sie im Jahre 1618 aufwiesen. (BENKE (2008)
Die Städte waren somit keineswegs mit einem durchgängigen Prozess des Wachstums konfrontiert. Die Stadtgeschichte zeigt sich viel mehr als ein Prozess von "Expansionen, Stagnationen, Krisen und erfolgreichen oder gescheiterten Anpassungen an neue politische, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen." (BENKE 2004 : 7) Seit der Wiedervereinigung der Deutschen Demokratischen Re-publik mit der Bundesrepublik Deutschland waren besonders die Städte Ostdeutschlands mit Schrumpfungsprozessen konfrontiert, was ein Umdenken in der bisherigen stadtpolitischen Planung notwendig machte.
Welche Folgen resultieren aus den Schrumpfungsprozessen und welche Maßnahmen wurden getroffen, um diesen Entwicklungen entgegenzusteuern?
Um diese Fragen und weitere Fragen der städtischen Schrumpfungsprozesse in Ostdeutschland zu bearbeiten wurde zu Beginn der Arbeit vor allem auf die Ursachenforschung Wert gelegt. Anschließend sollen neben den sozialen Folgen auch die wirtschaftlichen und räumlichen Auswirkungen der Prozesse genauer untersucht werden.
Am Beispiel des Beschlusses der Bundesregierung im Jahr 2001 zum Programm "Stadtumbau Ost" sollen die Maßnahmen aufgezeigt werden, um den komplexen Schrumpfungsprozessen entgegenzusteuern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition
3 Ursachen für schrumpfende Städte in Ostdeutschland
3.1 Monostrukturierte Städte in der DDR
3.2 Deindustrialisierung
3.3 Demographischer Wandel
3.4 Abwanderung
3.4.1 Altersselektivität
4 Auswirkungen der Schrumpfungsprozesse
4.1 Räumliche Auswirkungen
4.1.1 Wohnungsleerstände
4.1.2 Perforierte Stadt
4.2 Soziale Auswirkungen
4.2.1 Arbeitslosigkeit
4.2.2 Segregation
4.2.3 Infrastruktur
4.3 Wirtschaftliche Auswirkungen
4.3.1 Kommunale Finanzen
5 Maßnahmen gegen die Schrumpfungsprozesse
5.1 Programm "Stadtumbau Ost"
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Auswirkungen städtischer Schrumpfungsprozesse in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung und analysiert die stadtpolitischen Gegenmaßnahmen am Beispiel des Programms "Stadtumbau Ost".
- Historische Genese und Ursachen der Schrumpfung
- Demographischer Wandel und Abwanderungstendenzen
- Räumliche und soziale Folgen in ostdeutschen Städten
- Wirtschaftliche Herausforderungen für Kommunen
- Effektivität des Programms "Stadtumbau Ost"
Auszug aus dem Buch
3.1 Monostrukturierte Städte in der DDR
Das Gesellschaftssystem in einem Land hat einen großen Einfluss darauf, wie sich Städte entwickeln. So sind ostdeutsche Städte immer noch geprägt von der Politik des Kommunismus der ehemaligen DDR und unterscheiden sich signifikant von den Städten Westdeutschlands, die unter dem Einfluss der Marktwirtschaft stehen.
Mit dem Ziel der gänzlichen politischen und administrativen Zentralisierung seit 1952 in der DDR wurde auf die Einbeziehung von privaten und gewerblichen Interessen weitestgehend verzichtet. Sowohl die Kommunen als auch die privaten Akteure hatten wenig bis keinen Einfluss auf die Stadtentwicklungsplanung, da diese Teil des öffentlichen Staatsapparates war. Sie war administrativ und vor allem finanziell von diesem abhängig. Durch das fehlende Privateigentum, das dem Volkseigentum wich, und dem fehlenden Wettbewerb bildeten sich keine bodenpreisorientierten, sondern politisch bedingte Zonierungen in den Städten. Dadurch kam es nicht wie in westdeutschen Städten zu einer Citybildung, sondern sogar zu Brachflächen in zentralster Lage. Auch die staatlich geförderten Großwohnsiedlungsprojekte, die bevorzugt an den Stadträndern errichtet wurden, trugen maßgeblich zum Verfall der Innenstädte bei. Diese finanziellen Fördermittel fehlten umgekehrt wieder den Sanierungs- und Renovierungsarbeiten der gründerzeitlichen Wohnviertel in den Zentren der Städte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die historischen Ursachen der städtischen Schrumpfung und definiert die Forschungsfragen bezüglich der Folgen und Gegenmaßnahmen.
2 Definition: Der Begriff der Schrumpfung wird als komplexer Prozess mit qualitativen und quantitativen Dimensionen sowie spezifischen Kriterien erläutert.
3 Ursachen für schrumpfende Städte in Ostdeutschland: Das Kapitel analysiert die systembedingte Monostruktur der DDR, die Deindustrialisierung nach 1990, demographische Defizite und die massive Abwanderung.
4 Auswirkungen der Schrumpfungsprozesse: Hier werden die räumlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen, wie Leerstände, Segregation und kommunale Finanznöte, detailliert untersucht.
5 Maßnahmen gegen die Schrumpfungsprozesse: Dieses Kapitel stellt das Programm "Stadtumbau Ost" als zentrales Instrument der Bundespolitik zur Bewältigung der städtebaulichen Krise vor.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Schrumpfung in komplexen historischen und strukturellen Bedingungen wurzelt und die politische Aufarbeitung noch vor großen Herausforderungen steht.
Schlüsselwörter
Schrumpfende Städte, Ostdeutschland, Stadtumbau Ost, Deindustrialisierung, Demographischer Wandel, Abwanderung, Wohnungsleerstand, Stadtplanung, DDR, Transformation, Infrastruktur, Segregation, Kommunale Finanzen, Bevölkerungsrückgang, Sozialistische Stadt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der städtebaulichen und sozioökonomischen Situation schrumpfender Städte in den neuen Bundesländern nach der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die industrielle Erbschaft der DDR, demographische Entwicklungen, soziale Segregationsprozesse sowie die finanzielle Belastung kommunaler Haushalte.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, welche Folgen aus der Schrumpfung resultieren und welche politischen Maßnahmen, insbesondere durch den "Stadtumbau Ost", zur Bewältigung dieser Krise getroffen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse basierend auf fachwissenschaftlicher Literatur, Berichten der Kommissionen und demografischen Datenanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Ursachenforschung (Wirtschaftssystem, Demografie), die Auswirkungen auf Stadtbild und Gesellschaft sowie die Vorstellung staatlicher Förderprogramme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Stadtumbau Ost, Schrumpfungsprozesse, ostdeutsche Städte, Deindustrialisierung und demographischer Wandel.
Wie unterscheidet sich die Stadtstruktur der DDR von der im Westen?
Aufgrund fehlenden Privateigentums und einer zentralistischen Planung entstanden politisch bedingte Zonierungen statt marktwirtschaftlicher Citybildungen, oft zulasten der historischen Innenstädte.
Warum wird der "Stadtumbau Ost" als notwendig erachtet?
Aufgrund des massiven Angebotsüberhangs an Wohnungen und der damit verbundenen finanziellen Überforderung der Kommunen war ein überregionales, staatlich gesteuertes Programm zum Rückbau und zur Aufwertung zwingend erforderlich.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2013, Abnehmende Bevölkerungszahl in ostdeutschen Städten. Ursachen und Auswirkungen der Schrumpfungsprozesse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310722