Die Minne im 'Erec' und im Film 'King Arthur'. Ein intermedialer Vergleich


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition der minne

3. Minne im intermedialen Vergleich
3.1. Die minne im ‚Erec’
3.2. Die minne in King Arthur

4. Résumé

5. Literaurverzeichnis

1. Einleitung

„saget mir ieman, waz ist minne?“[1]

Wie dieses Zitat zeigt, stellte die Frage nach der minne ein wesentliches Thema für die höfischen Dichter dar.[2] In fast jeder mittelalterlichen Gattung, ob Epik, Lyrik oder Minnesang, häufig ist sie ein zentrales Thema gewesen. Heutzutage ist dieser Begriff jedoch nicht mehr so geläufig. Er klingt außerhalb der germanistischen Fachsprache eher fremd oder unnatürlich und man verbindet mit ihm oft die Vorstellung einer reglementierten Liebe, wie sie in der damaligen Gesellschaft Standard war.[3] Bereits im jungen Alter lernen die Kinder die Welt der Ritter kennen und lieben. Die starken Kämpfer, ihre schönen Frauen, die großen Burgen, all das fasziniert die jungen Menschen. Aber nicht nur bei den Dichtern, sondern auch bei den jungen Menschen, stehen die Liebesbeziehungen oft im Vordergrund. Die Kinder und Jugendliche lassen also ihrer Fantasie freien Lauf in ihrer Vorstellung, wie sich die Leute damals verhalten haben.

Dass die minne damals, wie heute so wichtig erscheint, ist der Grund, warum in der vorliegenden Hausarbeit die Frage nach dem Wesen der minne näher ergründet wird und ihre verschiedenen Aspekte erforscht werden. Wir werden somit sehen, ob die Kinder mit ihrer Fantasie richtig liegen, oder ob es doch Unterschiede gibt zwischen unserer Vorstellung und der Literatur des Mittelalters, was die höfische Liebe betrifft. Nachdem die Frage nach diesem wichtigen Thema geklärt wurde, wird ein Vergleich zwischen Hartmanns ‚Erec’ und dem Hollywoodstreifen King Arthur unter dem Blickpunkt der minne gemacht. Dieser intermediale Vergleich wird uns zeigen, auf welch unterschiedliche Art und Weise die höfische Liebe dargestellt wird und welche Differenzierungen es hinsichtlich der minne im Film und in der Literatur gibt. Hierzu ist es wichtig anzumerken, dass es bis dato keine wissenschaftlichen Arbeiten über den Film gibt und es sich somit bei den unten stehenden Interpretationen um meine eigenen handelt, welche jedoch immer mit einem entsprechenden Zitat belegt sind. Des Weiteren ist es wichtig zu wissen, dass es sich bei dieser Arbeit nicht um die mittelalterliche Realität handelt, sondern um die fiktionale Welt, welche in der mittelalterlichen Literatur dargestellt wurde.

2. Definition der minne

Die minne als einer der Leitbegriffe der Ritterkultur ist also von großer Bedeutung für die Mediävisten.[4] Sie steht im mittelhochdeutschen für Gedenken, Geschenk, Liebe, Freundschaft, Zuneigung, Geliebte usw.[5] Neben ihrer bereits oben genannten Bedeutung als Liebe oder ‚amor’, hat man mit ihr auch schon Begriffe wie ‚caritas’, ‚gratia’ oder auch noch ‚Geschenk’ verbunden. Diese Bezeichnungen haben sich jedoch nicht so sehr durchgesetzt wie Erstere.[6] In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts löste die minne den Begriff der Tapferkeit für eine moderne Lebensform ab. „Damit deutete sich eine Änderung im Sozialisationskonzept vom schwerpunktmäßig physischen zum schwerpunktmäßig psychischen Handeln an.“[7] Zu dieser Zeit war man der Auffassung, dass die minne im Herzen säße und somit auch den Geist beeinflusse. Demnach beherrschte sie das gesamte Handeln und Denken eines Menschen. Der Romanist Gaston Paris fasste in einem Aufsatz über Chrétien de Troyes Lancelot vier Merkmale über die höfische Liebe zusammen:

1. Sie folgt keinem Gesetz und ist daher auf Heimlichkeit angewiesen. Außerdem impliziert sie die volle körperliche Hingabe.
2. Der Mann unterwirft sich der Dame und dient ihr um ihre Wünsche zu erfüllen.
3. Die höfische Liebe verlangt vom Mann, vollkommener und besser zu werden, um seiner Dame würdig zu sein.
4. Höfische Liebe wird als Kunst und Wissenschaft mit eigenen Spielregeln angesehen, welche die Liebenden beherrschen müssen.[8]

Die höfische Liebe gab es in vielen verschiedenen Formen: Sie konnte erfüllt oder unerfüllt sein, sie konnte sich an eine Dame höheren Standes, aber auch an eine Frau geringeren Standes richten. Ebenso konnte die minne zu einer verheirateten Frau, zu der Eigenen und zwischen unverheirateten Paaren existieren. Außerdem forderte sie oftmals langes Dienen vonseiten des Mannes, wenngleich sie auch manchmal ohne Dienst des Mannes schnelle Erfüllung finden konnte.[9] Diesen Dienstgedanken haben vor allem die Minnesänger und Trobadors in den Vordergrund gerückt. Das bekannteste Merkmal der höfischen Liebe ist genau dieser Dienstgedanke. Hier begegnen Mann und Frau sich nicht als Partner, sondern die Frau steht als Herrin über dem Mann, der zu ihr hochblickt und ihr dient.[10] Für die Minnesänger prägend war sicherlich das Verfassen von Liedern zu Gunsten der Dame, in der Epik wurde der Dienst der Männer durch ritterliche Waffentat ausgedrückt. Wissenschaftler nehmen außerdem an, dass sich die höfische Liebe im Regelfall an eine Dame höheren Standes gerichtet hat.[11] Dies ist jedoch nicht immer der Fall in der Epik. Hier kommt es manchmal vor, dass die Frau nicht von höherem Rang stammt als der Mann (siehe Hartmanns Erec).[12]

Was die Gegenüberstellung von erfüllter und unerfüllter Liebe betrifft, wird oft angenommen, dass die höfische Liebe in ihrer höchsten Form nur unerfüllte Liebe sei. Diese Feststellung stammt von dem Gedanken, die minne würde ihre edle Form nur dann erhalten, wenn das Werben des Mannes nicht mit der körperlichen Erfüllung enden würde, genau so, wie es die Minnesänger in ihren Liedern beklagen.[13] In der erzählenden Dichtung jedoch führte die höfische Liebe immer zur körperlichen Vereinigung, unerfüllte Liebe kam hier nur selten vor.[14]

Des Weiteren unterschied man zwischen hoher und niederer minne. Sie war umso höher, je größer die Spannung zwischen dem Wunsch nach Triebhaftigkeit und der Unmöglichkeit ihrer Verwirklichung war. Die niedere minne sei eine Liebe, welche nur triebgeleitet sei.[15] Hier muss angemerkt werden, dass es sich bei dem Begriffspaar hoch/niedrig nicht um den sozialen Rang der Geliebten handelt.[16] Die mittelalterlichen Schriftsteller haben unterdessen zwischen der vernünftigen und der blinden Liebe unterschieden. „[...] von der tödlichen Liebesraserei der Königin Dido in Veldekes Eneit bis zur Minnetorheit des großen Philosophen Aristoteles, der aus blinder Leidenschaft für die schöne Phyllis als ihr Reittier im Garten herumtrabte und zum Gespött des ganzen Hofes wurde“, all das sind Beispiele für eine blinde, höfische Liebe.[17] Wolfram von Eschenbach stellt dieser blinden Liebe die wahre Liebe in seinem Parzival gegenüber:

reht minne ist wâriu triuwe.“[18]

Hier steht triuwe für die Aufrichtigkeit der gegenseitigen Bindung und für das Fehlen von Falschheit. Dieser Protest gegen eine blinde Liebe führt zu dem Gedanken, die richtige Liebe müsste von Vernunft beherrscht sein.[19]

Die höfische Liebe war allerdings nicht nur für das moralische Handeln der Menschen zuständig, sondern sollte auch die Regeln für das gesellschaftliche Verhalten bestimmen. So schrieb Gauvain, der für seine Höfischheit gelobt wurde, vor, die Männer müssten sich gut artikulieren können, allen Frauen dienen und sie ehren, eine vornehme Haltung besitzen und schöne Kleider und edlen Schmuck tragen. All das waren Forderungen an die Männer im Mittelalter. die minne wurde also zur Gesellschaftslehre.[20]

Meistens spielte der Konflikt zwischen Liebe und Ehe nur eine nebensächliche Rolle, interessanter waren die Beispiele wie Erec und Iwein, in denen es großer Anstrengung bedurfte, um Liebe und Ehe in ein gutes Verhältnis mit ihren ritterlichen Pflichten zu bringen. Solch eine Harmonie zwischen Liebe, Ehe und Herrschaft kann man als Kritik an der adligen Gesellschaft ansehen verstehen.[21]

All diese Gedanken zeigen uns, dass „ [...] die minne der tugende kuniginne.“ ist.[22] Schlussendlich muss noch angemerkt werden, dass „ höfische Liebe [...] eine Gesellschaftsutopie [...] war, die nur im poetischen Entwurf der Dichter existierte.“[23]

3. Minne im intermedialen Vergleich

Bevor wir mit dem Vergleich der minne an den zwei oben genannten Werken beginnen, wird zuerst der Begriff der Intermedialität erklärt.

Die Frage nach der Definition dieses Ausdruckes wird schon seit langer Zeit von den verschiedensten Autoren auf die unterschiedlichsten Weisen versucht zu beantworten.[24] Mit der Zeit haben sich zwei Forschungsstränge abgezeichnet: einmal im Bereich der Komparatistik und einmal Anfang des 20. Jahrhunderts im Bereich des damals neuen Medium des Films. Letztere konnte sich durchsetzen.[25] Festzuhalten bleibt eine allgemeine Definition: Intermedialität ist ein Hyperonym für die Gesamtheit aller „Mediengrenzen überschreitende Phänomene, die mindestens zwei konventionell als distinkt wahrgenommene Medien involvieren.“[26] Rajewsky unterscheidet in einem zweiten Schritt dann noch die Begriffe Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge miteinander, wobei nur Medienwechsel auf das vorliegende Hausarbeitsthema zutrifft: ein Wechsel vom Ausgangsmedium der Literatur in das Zielmedium des Films, also eine Literaturverfilmung.[27]

Kommen wir nun zu dem Vergleich zwischen Literatur und Film unter dem Blickpunkt der minne.

3.1. Die minne im ‚Erec’

Eine der Kardinalfragen der neuen ritterlichen Zeit war die Frage, wie Rittertum und minne zu vereinbaren sind. Sie bildet auch das zentrale Thema des ‚Erec`. In diesem Epos begegnet dem Leser die bekannte Struktur des Doppelweges: Erec heiratet Laudine und wird Herr über Karnant, doch anstatt seinen ritterlichen Aufgaben nach zu gehen minnet er ze sêre.[28] Daraufhin muss er eine Reihe von aventiuren bestreiten, um seine êre wieder herzustellen. Es findet sich hier somit ein Konflikt zwischen der minne einerseits, und der Ritterpflicht andererseits.[29]

Die höfische Liebe in der Epik wird anders dargestellt als in der Lyrik oder im Minnesang, wie die vorliegende Arbeit bereits beweisen konnte. Während bei den Dichtern vordergründig die Erwerbung der Frau mit dem Dienstgedanken im Blickpunkt steht, ist den Epikern die erfolgreiche Verbindung von Ehe und Herrschaft wichtig.[30] Genau dieser Punkt bildet die Grundlage für diesen Artusroman und führt zur Analyse der minne im ‚Erec`: Hier findet sich kein Werbungsmotiv, denn die Protagonisten sind von Beginn an ein Paar. Am Anfang sind sie ein Liebespaar, am Ende der Erzählung ein Herrscherpaar.[31]

Die erste Begegnung zwischen den beiden Protagonisten steht im Zeichen der Bedürftigkeit. Der Leser findet keine edle Dame vor und es gibt auch keinen Ritter, der um ihre Gunst wirbt. Bei Hartmann braucht Erec eine Dame, um überhaupt am Sperberkampf teilnehmen zu können, es ist ihm dabei jedoch scheinbar gleichgültig, wer seine Gemahlin sein wird. Wichtig für ihn ist einzig und allein die Teilnahme am Kampf um die verlorene êre wiederherstellen. Von seinem persönlichen Interesse an Enite ist keine Rede.[32] Seine Heiratsmotive haben also mit denen aus dem Mittelalter empfohlenen nichts zu tun.[33]

Erst als die beiden als Verlobte zum Artushof reiten, tauschen sie liebevolle Blicke, hier ergreifen Liebe und Treue Besitz von ihnen (vgl. V. 1492-1497). Ab diesem Moment werden die beiden von großem Liebesverlangen geplagt (vgl. V. 1870-1879). Bald nach der Ankunft in Karnant drehen sich Erecs Gedanken nur noch um Enite und um seine Liebe zu ihr (vgl. V. 2928-2930), die Liebenden verbringen einen Großteil ihrer Zeit nur noch im Bett und vernachlässigen das Gesellschaftsleben am Hof.[34] Hier kommt es nun zum verligen, da die minne in ihrer totalen Form Besitz von den beiden ergreift und die beiden nur noch unter sich sind.[35] „Die eheliche Liebe, die Erec und Enite in Karnant praktizieren, scheint fast eine Parodie auf die zeitgenössische Ehe-Theologie zu sein, der zufolge eins der höchsten ‚Güter`der Ehe ihre Wirkung als [...] ein ‚Heilmittel`gegen übermäßiges sexuelles Verlangen sein sollte.“[36] Dies ist jedoch alles andere als komisch, da sie als Herrscher dem Hof ein Vorbild sein sollten.[37] Obwohl Erec seinen Rittern noch erlaubt Turniere zu besuchen, beteiligt er sich selbst nicht mehr an ihnen, sodass niemand mehr Achtung vor ihm hat (vgl. V. 2968-2973). Die Schuld daran wird Enite und dem Fehlen ihrer erzieherischen Aufgabe zugewiesen (vgl. V. 2996-2998).[38] „Als Ehefrau und Königin hätte sie die Pflicht gehabt, ihren Mann auf die Gefahr, die ihm drohte, aufmerksam zu machen und ihn vor dem tiefen Sturz zu bewahren.“[39] Ihr Versagen liegt darin, dass sie es nicht gemacht hat, aus Angst Erec zu verlieren (vgl. V. 3012). Die gesellschaftliche Verantwortung wird nicht von Erec beachtet.[40] Somit muss die ritterliche Bewährung in der Öffentlichkeit durch männliche Heldentat wieder hergestellt werden.[41]

Als Enite von den Worten der Bewohner hört, lässt sie ihrem Kummer freien Lauf, als sie Erec für schlafend hält (vgl. V. 3029-3032). Dieser befiehlt ihr, sich mit ihm auf den Weg zur aventiuren -Fahrt zu machen, mit dem Gebot, während der gesamten Zeit vorauszureiten und zu schweigen (vgl. V. 3093-3102). Diese Fahrt stellt die Ehe und die Beziehung Enite und Erces auf die Probe und gilt als Prüfung der Treue und Liebe Enites.[42] +[43] Das geforderte Redeverbot wird ihr jedoch ohne jede Begründung aufgetragen.[44] Ihre Schweigepflicht steht für viele Wissenschaftler für die totale räumliche und akustische Trennung der beiden. Ihre Sinneinheit führte zur Katastrophe und die Trennung soll wieder zur Gutmachung führen.[45] In den ersten paar aventiuren bricht Enite mehrmals ihr Schweigegebot, jedoch mit gutem Grund: aus Angst um das Leben ihres Mannes. Obwohl sie mit dem Tod bestraft werden könnte, steht sie zu ihrer Entscheidung, da sein Leben ein höheres Gut ist als ihr eigenes (vgl. V. 3172-3173). Dies beweist nicht nur, dass Enite ihrem Mann treu ist, sondern dass sie ihn über Befehl und Gesetz hinaus liebt.[46] Ihr innerer Kampf steht bei der ersten aventiure im Mittelpunkt der Erzählung, er beweist ihre bedingungslose Liebe zu Erec, die auch das eigene Leben nicht schont.[47] Erec aber macht ihr schwere Vorwürfe und sieht in ihrem Verhalten die Unart des weiblichen Geschlechtes bestätigt und gibt ihr als Strafe Knechtdienst auf.[48] Diese und andere Strafen, die sie erleiden muss, lässt sie ohne Wiederrede über sich ergehen, was wiederum ihr vorbildliches Verhalten gegenüber ihrem Ehemann unterstreicht.[49] Sogar als ein anderer Mann ihr ein besseres Leben verspricht, bleibt Enite Erec treu, ihre Ehe mit ihm ist für sie das höchste Gut.[50] Nach der ersten Graf- aventiure zeigen sich zum ersten Mal auch Erecs Gefühle: Er beschleunigt seine Flucht aus der Stadt aus Sorge um seine Frau (vgl. V. 4116-4118). Seine Haltung gegenüber Enite ist also nicht nur durch Zorn, sondern auch durch Fürsorge bestimmt.[51]

Nach dieser Szene ist endgültig keine Rede mehr vom Redeverbot und von Enites Verletzung davon.[52] Nach dem Kampf gegen die Riesen kommt es zum Tiefpunkt für Erec und Enite: Durch das erneute Aufbrechen seiner Wunde wird Erec ohnmächtig und bleibt scheinbar tot am Boden liegen. Aus Verzweiflung und Schuldgefühlen will sie ihrem Leben ein Ende setzen (vgl. V. 6110-6114). Dies wird durch den Grafen Oringles verhindert, der sie danach im Schnellverfahren gegen ihren Willen zur Frau nimmt. Der scheintote Erec wird überdies mit zur Burg genommen und in einen Raum abgesetzt. Beim anstehenden Hochzeitsmahl klagt Enite so laut, dass der Graf sie schlägt, sie hält ihre Treue zu Erec selbst über den Tod hinaus.[53] Durch ihre Schreie und weitere Klagen erwacht Erec aus seiner Ohnmacht und kann seine Frau retten. „Sie gehören nun einander nicht in geschenkter, sondern in erworbener Gemeinsamkeit [...].“[54] Hier kommt der so bekannte Dienstgedanke des minne -Prinzips zur Geltung.[55] Hand in Hand verlassen die beiden die Stadt. Erec beendet daraufhin die schweren Prüfungen, gibt zu, dass er sie ihr ohne Grund auferlegt hat (vgl. V. 6774-6775) und bittet sie um Verzeihung (vgl. V. 6795-6797). Die anschließenden Küsse und Umarmungen bezeugen die Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft.[56] Erec hat sich gewandelt und hat eine neue Selbsterkenntnis erlangt.[57] Die Versöhnung der beiden Liebenden ist Voraussetzung für Erecs endgültige Wundenschließung, damit er als Geheilter das anstehende Abenteuer von joie de la curt bestehen kann.[58] In dieser Episode, welche übrigens die Einzige mit einem Titel ist, treffen die beiden Protagonisten auf Mabonagrin und seine Geliebte. Diese bilden das perfektionistische Gegenbild von Erec und Enite, was minne und ritterliche Tapferkeit betreffen. Diese beiden Werte sind jedoch nichtig, wenn sie nicht mit der Welt und der Gesellschaft geteilt werden. Zu dieser Erkenntnis ist auch Erec gekommen und erlöst das Paar.[59] Hier wird die wahre Schuld von Erec und Enite deutlich: Ihr verligen sonderte sie von der Welt ab und übertrugen somit die minne nicht auf die der vreude bedürftige Gesellschaft.[60]

Auf allen Stationen der aventiuren-Fahrt legt Erec ein verantwortungsvolles Herrscher-Handeln an den Tag und macht auch als Ehemann auf der Fahrt einen Lernprozess durch.[61] Doch auch Enite verändert im Laufe der Erzählung ihre Haltung zur Ehe und zu Erec: „Während sie zuerst in der körperlichen Hingabe Erfüllung findet, beweist sie später ihre Mitverantwortung für das Wohlergehen ihres Ehemannes.“[62]

Der Schluss bildet die Rückkehr nach Karnant, wo Erec seine Pflichten als guter Herrscher nachgeht und Frieden in sein Land bringt. Auch Enite wird wieder geehrt (vgl. V. 10107-10114). „Erec ist seiner Frau nun ergeben, nicht so wie früher, sondern so, wie es richtig ist (vgl. V. 10119-10129)“.[63]

[...]


[1] Von der Vogelweide, Walther 69,1.

[2] Vgl. Bumke, Joachim (1986): Höfische Kultur Bd. 2, S. 503.

[3] Vgl. Ehrismann, Otfrid&Ramge, Hans (1976) : Mittelhochdeutsch, S. 106.

[4] Vgl. Ehrismann, Otfrid (1976) : Mittelhochdeutsch, S. 108.

[5] Vgl. Lexer, Mathias : Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch.

[6] Vgl. Wiercinski, Dorothea (1964): Minne, S.34.

[7] Ehrismann, Otfrid (1976): Mittelhochdeutsch, S. 107.

[8] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur, Band 2, S. 504.

[9] Vgl. Ebd. S. 505.

[10] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur, Band 2, S. 507.

[11] Vgl. Ebd. S. 508.

[12] Vgl. Ebd. S. 509.

[13] Vgl. Ebd. S. 513.

[14] Vgl. Ebd. S. 515.

[15] Vgl. Ehrismann, Otfrid (1976) : Mittelhochdeutsch, S. 108.

[16] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur, Band 2, S. 521.

[17] Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur, Band 2, S. 519.

[18] Von Eschenbach, Wolfram: Parzival, 532,10.

[19] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur, Band 2, S. 520.

[20] Vgl. Ebd. S. 524 u. 525.

[21] Vgl. Ebd. S. 550.

[22] Der Stricker : Frauenehre, 1259-60.

[23] Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur, Band 2, S. 528.

[24] Vgl. Rajewsky, Irina (2002) : Intermedialität, S. 6.

[25] Vgl. Ebd. S. 8.

[26] Ebd. S. 12.

[27] Vgl. Rajewsky, Irina (2002) : Intermedialität, S. 16.

[28] Vgl. Stammler, Wolfgang (1933) : Deutsche Literatur des Mittelalters, Band 2, S. 202.

[29] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 52.

[30] Vgl. Stammler, Wolfgang (1933) : Deutsche Literatur des Mittelalters, Band 2, S. 207.

[31] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 104.

[32] Vgl. Ebd. S. 27.

[33] Vgl. Ebd. S. 105.

[34] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 34.

[35] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 52.

[36] Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 106.

[37] Vgl. Ebd. S. 106.

[38] Vgl. Ebd. S. 58.

[39] Ebd. S. 89.

[40] Vgl. Ebd. S. 37.

[41] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 53.

[42] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 107.

[43] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 58.

[44] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 38.

[45] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 53.

[46] Vgl. Ebd. S. 53.

[47] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 39.

[48] Vgl. Ebd. S. 38.

[49] Vgl. Ebd. S. 87 ff.

[50] Vgl. Ebd. S. 41.

[51] Vgl. Ebd. S. 42.

[52] Vgl. Ebd. S. 46.

[53] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 54.

[54] Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 54.

[55] Vgl. Ebd. S. 54.

[56] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 53.

[57] Vgl. Ebd. S. 54.

[58] Vgl. Wapnewski, Peter (1976) : Hartmann von Aue, S. 54.

[59] Vgl. Ebd. S. 56.

[60] Vgl. Ebd. S. 57.

[61] Vgl. Bumke, Joachim (2006) : Der Erec Hartmanns von Aue, S. 108.

[62] Ebd. S. 95.

[63] Ebd. S. 69.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Minne im 'Erec' und im Film 'King Arthur'. Ein intermedialer Vergleich
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V310825
ISBN (eBook)
9783668093126
ISBN (Buch)
9783668093133
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
minne, erec, film, king, arthur, vergleich, intermedialer Vergleich
Arbeit zitieren
Jil Hoeser (Autor), 2015, Die Minne im 'Erec' und im Film 'King Arthur'. Ein intermedialer Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310825

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