Dass die 'minne' damals, wie in vergangenen Zeiten so wichtig erscheint, ist der Grund, warum in der vorliegenden Hausarbeit die Frage nach dem Wesen der minne näher ergründet wird und ihre verschiedenen Aspekte erforscht werden. Man wird somit sehen, ob die Kinder mit ihrer Fantasie richtig liegen, oder ob es doch Unterschiede gibt zwischen unserer Vorstellung und der Literatur des Mittelalters, was die höfische Liebe betrifft.
Nachdem die Frage nach diesem wichtigen Thema geklärt wurde, wird ein Vergleich zwischen Hartmanns 'Erec’ und dem Hollywoodstreifen 'King Arthur' unter dem Blickpunkt der minne gemacht. Dieser intermediale Vergleich wird uns zeigen, auf welch unterschiedliche Art und Weise die höfische Liebe dargestellt wird und welche Differenzierungen es hinsichtlich der minne im Film und in der Literatur gibt. Hierzu ist es wichtig anzumerken, dass es bis dato keine wissenschaftlichen Arbeiten über den Film gibt und es sich somit bei den unten stehenden Interpretationen um meine eigenen handelt, welche jedoch immer mit einem entsprechenden Zitat belegt sind. Des Weiteren ist es wichtig zu wissen, dass es sich bei dieser Arbeit nicht um die mittelalterliche Realität handelt, sondern um die fiktionale Welt, welche in der mittelalterlichen Literatur dargestellt wurde.
Gliederung
1. Einleitung
2. Definition der minne
3. Minne im intermedialen Vergleich
3.1. Die minne im ‚Erec’
3.2. Die minne in King Arthur
4. Résumé
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische und literarische Wesen des Minne-Begriffs und analysiert, wie sich das Konzept der höfischen Liebe durch einen intermedialen Vergleich zwischen Hartmann von Aues Epos „Erec“ und dem Hollywood-Film „King Arthur“ von 2004 differenziert darstellt.
- Historische Herleitung und Definition des Minne-Begriffs im Mittelalter.
- Untersuchung des Konflikts zwischen privater Liebe, Ehe und ritterlichen Pflichten.
- Analyse der narrativen Darstellung der Minne in der mittelalterlichen Epik.
- Intermedialer Vergleich: Transformation klassischer Motive im modernen Kinofilm.
- Diskussion des Rollenbilds der Frau und der Emanzipationsaspekte im Medium Film.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die minne im ‚Erec’
Eine der Kardinalfragen der neuen ritterlichen Zeit war die Frage, wie Rittertum und minne zu vereinbaren sind. Sie bildet auch das zentrale Thema des ‚Erec‘. In diesem Epos begegnet dem Leser die bekannte Struktur des Doppelweges: Erec heiratet Laudine und wird Herr über Karnant, doch anstatt seinen ritterlichen Aufgaben nach zu gehen minnet er ze sêre. Daraufhin muss er eine Reihe von aventiuren bestreiten, um seine êre wieder herzustellen. Es findet sich hier somit ein Konflikt zwischen der minne einerseits, und der Ritterpflicht andererseits.
Die höfische Liebe in der Epik wird anders dargestellt als in der Lyrik oder im Minnesang, wie die vorliegende Arbeit bereits beweisen konnte. Während bei den Dichtern vordergründig die Erwerbung der Frau mit dem Dienstgedanken im Blickpunkt steht, ist den Epikern die erfolgreiche Verbindung von Ehe und Herrschaft wichtig. Genau dieser Punkt bildet die Grundlage für diesen Artusroman und führt zur Analyse der minne im ‚Erec‘: Hier findet sich kein Werbungsmotiv, denn die Protagonisten sind von Beginn an ein Paar. Am Anfang sind sie ein Liebespaar, am Ende der Erzählung ein Herrscherpaar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob das Minne-Verständnis der mittelalterlichen Literatur auch heute noch Bestand hat und stellt den intermedialen Vergleich zum Film „King Arthur“ vor.
2. Definition der minne: Dieses Kapitel erläutert die vielfältigen Bedeutungen des Begriffs Minne im Mittelalter, inklusive der Dienstgedanken und des Wandels vom physischen zum psychischen Handeln.
3. Minne im intermedialen Vergleich: Der Hauptteil analysiert, wie das Minne-Konzept in Hartmanns „Erec“ als ethische Herausforderung und im Film „King Arthur“ als moderne Interpretation von Dreiecksbeziehungen dargestellt wird.
4. Résumé: Das Resümee fasst zusammen, dass sich das Minne-Bild im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat und sich heute den modernen gesellschaftlichen Anforderungen, wie der Emanzipation der Frau, unterwirft.
Schlüsselwörter
Minne, Höfische Liebe, Erec, King Arthur, Intermedialität, Rittertum, Ehe, Dienstgedanke, Aventiure, Hartmann von Aue, Literaturverfilmung, Geschlechterrollen, Mittelalter, Treue, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Wesen des mittelalterlichen Begriffs der „Minne“ und vergleicht dessen Darstellung in der Literatur des Mittelalters mit der Adaption in einem modernen Film.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind das Minne-Verständnis, der Konflikt zwischen individueller Liebe und gesellschaftlicher Pflicht sowie die Transformation dieser Motive durch intermediale Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede in der Darstellung der höfischen Liebe zwischen Hartmann von Aues Werk „Erec“ und dem Film „King Arthur“ herauszuarbeiten und zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparativen und intermedialen Ansatz, um Motive der Literaturwissenschaft auf ein modernes visuelles Medium anzuwenden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Minne-Begriffs sowie die detaillierte Analyse der jeweiligen Werke hinsichtlich ihrer spezifischen Minne-Dastellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Minne, Höfische Liebe, Intermedialität, Rittertum, Ehe und der Vergleich zwischen Epos und Film.
Wie unterscheidet sich die „Minne“ in Hartmanns „Erec“ vom Film „King Arthur“?
Während im „Erec“ der Dienstgedanke und die moralische Vereinbarkeit von Ehe und Herrschaft im Zentrum stehen, zeigt der Film eher eine moderne, von Emanzipation geprägte Dreiecksbeziehung.
Warum wird Guineveres Rolle im Film als abweichend vom klassischen Minne-Bild gedeutet?
Im Film agiert Guinevere aktiver und sucht selbstständig den Kontakt, was der klassischen Vorstellung einer passiven, höfischen Dame widerspricht und zeitgenössische Emanzipationsansätze widerspiegelt.
- Citation du texte
- Jil Hoeser (Auteur), 2015, Die Minne im 'Erec' und im Film 'King Arthur'. Ein intermedialer Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310825