Liebe und Betrug im Nibelungenlied


Bachelorarbeit, 2015

27 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Konzept der minne
2.1.1 minne in der ritterlichen Kultur
2.1.1.1 Der Dienstgedanke
2.1.1.2 Erfüllte und unerfüllte Liebe
2.1.1.3 Hohe und niedere minne
2.1.2 minne in der höfischen Literatur
2.1.3 Zusammenfassung
2.2 Das Konzept „Betrug“

3 Liebe und Betrug im „Nibelungenlied“
3.1 Die Liebe im „Nibelungenlied“
3.2 Die einzelnen Betrugsfälle und ihre Folgen
3.3 Zusammenhang von Liebe und Betrug im „Nibelungenlied“

4 Schlusskommentar

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Das Nibelungenlied ist ein großes Gedicht über die Minne, vom Dienst zum Zerwürfnis, zum Mord, zur schrecklichen Rache, drei Teile eines Geschehens, das keimt, wächst und zerschellt. Der letzte Abschnitt, die Rache, muss die Ausmaße des Geschehens glaubwürdig machen; auch darum ist er der längste.“[1] Wie wir sehen, spielen die minne und die Rache eine wichtige Rolle im ‚Nibelungenlied’. Die minne ist seit jeher von großer Bedeutung gewesen, nicht nur in der höfischen Literatur, sondern auch in der Gesellschaft hat die Liebe immer eine wichtige Rolle gespielt. Kleine Mädchen träumen seit ihrer Kindheit von der perfekten Hochzeit mit ihrem Traumprinzen und auch in den verschiedenen Medien wird diese Thematik immer wieder aufgegriffen. Doch außerhalb der germanistischen Fachsprache klingt das Wort eher fremd, unnatürlich oder ironisch und man verbindet mit ihm schnell die Vorstellung einer komisch reglementierten ‚Liebe’, welche an eine vergangene Gesellschaftsform gebunden ist.[2] Ähnlich verhält es sich mit der Rache und dem Betrug, zwei weiteren, wichtigen Bestandteilen des ‚Nibelungenliedes’. Auch sie sind in der heutigen Gesellschaft leider von großer Bedeutung, begegnen uns regelmäßig in den Medien und bilden oft die Thematik von Filmen, Seifenopern oder Romanen. Doch erwartet uns im ‚Nibelungenlied’ eine andere Form von Betrug als die, die wir aus der modernen Gesellschaft kennen, oder hat sich der Begriff in den letzten Jahrhunderten überhaupt nicht verändert? Da die minne und der Betrug also zwei sehr wichtige Begriffe in der höfischen Dichtung sowie in der modernen Gesellschaft darstellen, erscheint es mir als angemessen, diese Thematik in meiner Bachelorarbeit zu behandeln. Nachdem zuerst die Grundlagen der minne und des Betrugs geschafft werden und sich herausstellen wird, ob die Liebe im Mittelalter wirklich so eigenartig reglementiert war, wird in der vorgelegten Arbeit näher erläutert werden, wie es überhaupt zu dieser Rache im ‚Nibelungenlied’ gekommen ist und welche Rolle die minne hierbei gespielt hat. Der begrenzten Seitenanzahl dieser Arbeit wegen werde ich mich vorrangig auf den ersten Teil des ‚Nibelungenliedes’ konzentrieren.

2 Theoretische Grundlagen

Wie in der Einleitung schon erläutert wurde, sind die Begriffe der minne und des Betrugs von großer Wichtigkeit für diese Arbeit. Was versteht man eigentlich unter minne, welche verschiedene Formen existieren und gibt es einen Unterschied zwischen höfischer Liebe in der Realität und in der Literatur? All diese Fragen werden in diesem Abschnitt beantwortet. Ähnlich wird es für den Betrug aussehen. Hier werden wir erforschen, wie Betrug überhaupt definiert werden kann und welche Formen er annehmen kann. Diese Grundlagen zu erschaffen ist wichtig, um den späteren Verlauf der Arbeit zu verstehen.

2.1 Das Konzept der minne

saget mir ieman, waz ist minne?[3]

Die Frage nach dem Wesen der minne war seit jeher ein zentrales Thema für die höfischen Dichter.[4] Sie war eine Quelle höchster Beseligung und die Dichter waren sich einig, dass die Liebe eine Sache größter Wichtigkeit war, wenn es darum ging, höfisches Wesen und höfische Vollkommenheit auszudrücken.[5] In der deutschen Sprachgeschichte ist nach Dorothea Wiercinski der Begriff minne als amor, caritas, fraternitas oder auch als Geschenk belegt.[6]

Der Begriff ‚höfische Liebe’ ist erst im 19. Jahrhundert geprägt worden und stammt von dem französischen Romanisten Gaston Paris, der in seinem Aufsatz über Lancelot vier Merkmale der höfischen Liebe herausgearbeitet hat:

1. Sie folgt keinem Gesetz und ist daher auf Heimlichkeit angewiesen. Außerdem impliziert sie die volle körperliche Hingabe.
2. Der Mann unterwirft sich der Dame und dient ihr, um ihre Wünsche zu erfüllen.
3. Die höfische Liebe verlangt vom Mann, vollkommener und besser zu werden, um seiner Dame würdig zu sein.
4. Höfische Liebe wird als Kunst und Wissenschaft mit eigenen Spielregeln angesehen, welche die Liebenden beherrschen müssen.[7]

Andreas Capellanus’ ‚Über die Liebe’ stellt ein bedeutendes Werk in der Diskussion um die höfische Liebe dar. Bei der Auseinandersetzung mit Capellanus’ Schriften stellten zahlreiche Autoren fest, dass seine Definition und Erklärungen nur auf einen kleinen Teil der höfischen Literatur anwendbar waren. Diese Tatsache verleitet zu der Frage, ob seine Forschungen ernst zu nehmen sind oder ob sie einen eher ironisch-doppelsinnigen Charakter besitzen.[8]

Aufgrund des großen Unterschiedes zwischen der minne in der Ritterkultur und in der höfischen Literatur, empfinde ich es als wichtig, im Folgenden beide Formen näher zu erläutern.

2.1.1 minne in der ritterlichen Kultur

In der ritterlichen Kultur löste die minne als Leitbegriff für eine moderne Lebensform in der Hälfte des 12. Jahrhunderts die Begriffe für Tapferkeit ab, welche eine Änderung im Sozialisationskonzept vom physischen zum psychischen Handeln andeutete.[9] „Nach der Auffassung der Zeit saß die minne im Herzen und beherrschte auf diese Weise die Affekte; mit ihnen der Geist, welcher den Körper beherrschte.“[10] Somit beeinflusste die minne das gesamte Denken und Handeln eines Menschen.[11] Durch ihre Schönheit erzeugte eine in den meisten Fällen verheiratete Frau die minne und stimulierte das gesamte Handeln und Denken eines Ritters.[12] Damals glaubte man, minne -geleitetes Leben bedeutete ein tendenziell affektfreies Denken und Handeln.[13] Je höher die minne, desto stärker war die Spannung zwischen dem Wunsch nach Trieberfüllung und der Unmöglichkeit ihrer Verwirklichung.[14] Mit dem Begriff der minne konkurrierte schnell auch das Wort liebe, welches anfänglich die Freude jeder Art bezeichnete. Anders war es bei der minne, welche eher mit ‚Gedenken’ und ‚Erinnerung’ in die Welt der Triebe und Gefühle gehörte.[15] Nach Matthias Lexer stand liebe für ‚Freude’, ‚Glücksgefühl’, ‚Lust’ oder ‚Liebe’, minne im Gegensatz dazu eher für ‚Geschenk’, ‚Andenken’ oder ‚Liebe zu Gott’.[16] Man kann also annehmen, dass um 1200 der Begriff der liebe noch stärker auf die Umsetzung der Affekte ausgerichtet war als die minne.[17] Es gab verschiedene Arten von höfischer Liebe: Sie konnte erfüllt oder unerfüllt sein und sie konnte sich an eine Dame höheren oder niedrigeren Ranges wenden. Auch der Dienstgedanke war von großer Wichtigkeit und die Wissenschaftler unterschieden zwischen hoher und niederer minne.[18] Die einzige Gemeinsamkeit war stets der höfische Charakter der minne und ihre Einbettung in die höfische Gesellschaft.[19] Im weiteren Verlauf werden wir kurz auf die einzelnen Formen der minne eingehen.

2.1.1.1 Der Dienstgedanke

Der Dienstgedanke war von großer Bedeutung im Mittelalter. Schon die Troubadours und die Minnesänger haben diesem Gedanken eine enorme Bedeutung zugeschrieben. Immer wenn es darum ging, das Wesen der höfischen Liebe zu erläutern, wurde vom Dienstgedanken gesprochen, er ist also das bekannteste und auffälligste Merkmal der höfischen Liebe. Hier begegnen sich Mann und Frau nicht als Partner, sondern die Frau erscheint als Herrin und der Mann muss zu ihr als Diener aufblicken.[20] Je mehr der Mann also seiner Angebeteten diente, desto höher war sein Ansehen bei ihr. Die Männer dienten ihren Frauen, indem sie für sie Lieder über ihren Ruhm verfassten oder, wie es in der Epik üblich war, indem sie ritterliche Waffentaten ausübten.[21] Oft ist auch die Rede davon, dass höfische Liebe nur an eine Dame höheren Standes gerichtet sein konnte, doch wenn die Sänger die erhöhte Position ihrer Dame beschrieben, handelte es sich nicht um den sozialen Rang, sondern um den höheren Grad an höfischer Tugendhaftigkeit. Die epische Dichtung bestätigt dies am Beispiel von Enite in Hartmanns ‚Erec’. Es gab aber auch die umgekehrte Version, wie zum Beispiel im ‚Iwein’, wo Laudine eine Königin war und Iwein nur einer von König Artus’ Ritter.[22] In einzelnen Fällen kam es sogar vor, dass der Minnedienst erfolglos war, sich die Männer in der Folge von ihrer Dame abwandten und sich sogleich eine neue Dame suchten. Nur selten wurde der Dienstgedanke überhaupt infrage gestellt.[23] Es gab aber auch Liebesverhältnisse, in denen der Dienstgedanke ohne große Bedeutung war oder überhaupt nicht vorkam, wie zum Beispiel bei Tristan und Isolde.[24]

2.1.1.2 Erfüllte und unerfüllte Liebe

Lange Zeit war man der Meinung, höfische Liebe sei gleichgesetzt mit unerfüllter Liebe. Dieser Gedanke entstand dadurch, dass sich die veredelnde Wirkung der Liebe nur dann entwickeln konnte, wenn das Liebesverlangen des Mannes ohne körperliche Erfüllung blieb. Die Klagelieder der Troubadours bestätigten diese Annahme.[25] Hauptsächlich wurde sich jedoch wieder auf Andreas Capellanus berufen, der in seinem Werk unerfüllte Liebe als ‚reine Liebe’ beschrieb und die niedrigere Form der Liebe als erfüllte Liebe definierte. Er sagte, die reine Liebe sei diejenige, welche in der Anschauung der Seele und dem Gefühl des Herzens bestehen würde und bis zum Kuss, zur Umarmung und zur keuschen Berührung der nackten Geliebten gehen würde, das letzte Vergnügen sei jedoch nicht erlaubt.[26] Eine solche Liebe, wie Capellanus sie beschreibt, kam in der höfischen Literatur jedoch nur selten vor.[27] In der höfischen Dichtung kam es fast immer zur körperlichen Vereinigung, unerfüllte Liebe begegnete man hier nur in Ausnahmefällen.[28]

2.1.1.3 Hohe und niedere minne

Wie diese Arbeit bereits zeigen konnte, sind die Wissenschaftler in ihren Überlegungen bisher immer von verschiedenen Arten höfischer Liebe ausgegangen, meistens von einer guten und einer schlechten Liebe. Schon die Kirche unterschied zwischen geistlicher und fleischlicher Liebe.[29] Es gab demnach zwei Arten von Liebe: die, die gut und rein ist und bewirkt, dass man die Weisheit und Tugend liebt; und die andere, welche unrein und schlecht ist und durch die der Mensch zum Laster verlockt wird.[30] Die höfischen Dichter haben die Ideen der Theologen übernommen, um ihre eigene Definition von höfischer Liebe zu gestalten. Für sie trat aber der Gegensatz von geistlicher und weltlicher Liebe in den Hintergrund.[31] Gute und schlechte Liebe wurde von den Dichtern als wahre und falsche Liebe, als vernünftige und blinde Liebe oder als hohe und niedere Liebe definiert. Was die vernünftige und blinde Liebe anging, wurde in der erzählenden Literatur des Mittelalters oft von der tödlichen Liebesraserei der Königin Dido in Veldekes ‚Eneit’ erzählt, was die blinde Liebe unterstrich und oft zur Zielscheibe bitterer Vorwürfe gegen die Liebe wurde.[32] Dieser Form von minne setzte Wolfram von Eschenbach die ‚wahre Liebe’ gegenüber, welche durch triuwe gekennzeichnet war. Triuwe bezeichnete hier das Fehlen von Falschheit und die Aufrichtigkeit der gegenseitigen Bindung. Daraus wuchs der Gedanke, richtige Liebe müsse durch Vernunft kontrolliert sein. Höfische Liebe wurde somit zur Wissenschaft und im 13. Jahrhundert wurde die Liebe in Frankreich in das System der Wissenschaften eingeordnet.[33] „Es blieb jedoch ein ungeklärter Rest, der mit rationalen Mitteln nicht aufzulösen war. Man musste anerkennen, dass der Liebe immer etwas Unvernünftiges anhaftete.“[34] Die Vernunftwidrigkeit der Liebe zeigte sich dadurch, dass ein einfaches Mädchen einen König oder ein armer Mann eine Königin lieben konnte. Die Dichter haben von hoher und niederer minne gesprochen, wenn sie die positive und negative Wirkung der Liebe beschreiben wollten.[35] Walther von der Vogelweide hat diese Begriffe anschaulich definiert:

„Niedere minne heißt die Liebe, die so erniedrigt, dass der Körper nach wertloser Freude strebt; diese Liebe schmerzt auf unrühmliche Weise. Hohe minne spornt an und bewirkt, dass der Sinn sich zu hohem Wert aufschwingt.“[36]

Auch hier gab es Forschungsdiskussionen darüber, wie die Begriffe ‚hoch’ und‚niedrig’ zu verstehen sind. Es wird jedoch schnell klar, dass sie nicht auf den sozialen Rang der Geliebten zielen, sondern auf die Werthaftigkeit der Liebe; hohe minne ist von ‚hohem Wert’ und niedere minne wirkt in schmachvoller Weise. Die eine Liebe zieht den Menschen hinauf, die andere zieht ihn hinab.[37]

2.1.2 minne in der höfischen Literatur

„Mehr und mehr verbreitet sich die Einsicht, dass die Schwierigkeiten, die einer Verständigung über den Begriff der höfischen Liebe entgegenstehen, hauptsächlich darin begründet sind, dass Liebe in der höfischen Literatur auf ganz verschiedene Weise dargestellt worden ist und dass dabei gattungsspezifische Besonderheiten eine entscheidende Rolle gespielt haben.“[38] 8 In der Literatur des Mittelalters wurde die Liebe also anders dargestellt, als sie in Wirklichkeit existierte. Hier prahlten adlige Männer mit ihren Ehefrauen voreinander und es wurden sogar Wetten darüber abgeschlossen, wer die beste Frau habe.[39] In der höfischen Epik gab es zwei verschiedene Handlungsstränge: Die einen Geschichten erzählten von einem Konflikt zwischen Liebe und Ehe, in den anderen verbanden sich Liebe und Ehe harmonisch miteinander.[40] „Größer aber war die Zahl der höfischen Romane und Erzählungen, die einen Konflikt zwischen Liebe und Ehe überhaupt nicht oder nur in Neben- und Hintergrundhandlungen kannten.“[41] Hier wurde dann meistens erzählt, wie die Liebe zwischen zwei Personen entstand und welche Hindernisse diese überwinden mussten, bis es überhaupt zur Eheschließung kam, welche dann den Abschluss der Geschichte bildete.[42] Interessanter sind jedoch die Romane, die von einer schnellen Heirat des Helden berichten und von einer Ehe, in der sich die Liebe erst bewähren muss, wie zum Beispiel im ‚Iwein’ von Hartmann von Aue, wo es große Anstrengungen vonseiten des Helden benötigte, um Liebe und Ehe in Einklang zu bringen.[43]

Der Ehebruch dagegen war ein heikles Thema, welches nur ganz vorsichtig behandelt wurde. Nach Aussagen aus der höfischen Zeit gab es die Ansicht, dass höfische Liebe in ihrer typischsten Form ehebrecherische Liebe war.[44] In der deutschen Minnelyrik wurde diese Thematik ganz ausgespart und nicht einmal in den Tageliedern, welche für die Heimlichkeit und Gefährlichkeit der Liebe bekannt waren, wurde der Ehebruch thematisiert.[45] In der erzählenden Literatur hatte er jedoch seinen festen Platz und tauchte vor allem da auf, wo in unernster Weise von der Liebe berichtet wurde, wie zum Beispiel in den Schwankerzählungen. In der ernsthafteren Literatur ist dagegen eine deutliche Zurückhaltung gegenüber dieser Thematik zu spüren.[46] Im höfischen Roman tauchte der Ehebruch zwar auf, war jedoch seltener und wurde meistens negativ bewertet. Immerhin kommt dieses Motiv in zwei der berühmtesten Epen des Mittelalters vor, dem Tristan- und dem Lancelotroman. Dass Letzterer das einzige Werk von Chrétien de Troyes ist, welches nicht ins Deutsche übersetzt wurde, könnte vielleicht mit der Ehebruchthematik zusammenhängen, bewiesen ist dies jedoch nicht.[47] Man könnte die Darstellung der ehebrecherischen Liebe auch mit einer Kritik an der feudalen Ehe verbinden.[48]

2.1.3 Zusammenfassung

Die Auffassung höfischer Liebe stand oft im Gegenzug zur theologischen Tradition, welche sich nicht mit der Meinung anfreunden konnte, dass höfische Liebe von Gott anerkannt werden sollte.[49] „Eine Liebe, die den Menschen tugendhafter und besser machte, konnte keine Sünde vor Gott sein.“[50] Hier treffen deutlich zwei verschiedene Denkweisen aufeinander. Nach Andreas Capellanus war höfische Liebe

„Ursprung und Ursache alles Guten“[51] und somit war Liebeslehre zugleich auch Tugendlehre.[52] „Die höfische Liebe sollte jedoch nicht nur das moralische Handeln der Menschen steuern, sondern sie sollte auch die Regeln für das gesellschaftliche Verhalten geben.“[53] Neben den allgemein bekannten Eigenschaften wie dem minne-Dienst oder der Notwendigkeit, ein guter Reiter zu sein, wurde außerdem vom Liebenden verlangt, er solle gut reden können, eine vornehme Haltung besitzen, schöne Kleider anziehen, sich und seinen Körper pflegen und oft in die Kirche gehen.[54] Des Weiteren sollte der edle Ritter niemanden verspotten, nicht lügen und keinen Streit suchen, wenn er als höfischer Liebender angesehen werden wollte.[55]

„Durch fünf Qualitäten konnte der Mann die Liebe einer Frau gewinnen: durch körperliche Schönheit, Feinheit der Sitten, Redegewandtheit, Reichtum und Freigebigkeit.“[56] All diese Begriffe stammten ursprünglich aus der Tugendliebe, doch im Hinblick auf die Liebe erhielten sie einen neuen Sinn, hier konnte Beständigkeit das Festhalten an einer heimlichen Beziehung bedeuten.[57] Es lässt sich also feststellen, dass die höfische Liebeslehre zur Gesellschaftslehre wurde, sie war ein gesellschaftlicher Wert.[58] „Höfische Liebe war eine Gesellschaftsutopie und stand als Kennwort für eine neue, bessere Gesellschaft, eine Gesellschaft, die es nicht gab und die es in der Wirklichkeit nicht geben konnte, die nur im poetischen Entwurf der Dichter existierte. Was die Gesellschaft der Liebe von der Wirklichkeit unterschied, war die utopische Annahme, dass alles Schlechte und Ungezogene ausgeschlossen sein sollte, wo die Liebe herrschte.“[59]

„Was höfische Liebe ist, scheint heute weniger sicher zu sein als vor hundert Jahren. Alle Einzelheiten und die ganze Konzeption sind umstritten. Man hat sogar die These vertreten, dass die höfische Liebe nur ein Hirngespinst der Forscher sei.“[60]

[...]


[1] Mackensen, Lutz (1984): Die Nibelungen, S. 151.

[2] Vgl. Ehrismann/Ramge (1976): Mittelhochdeutsch, S. 106.

[3] Walther von der Vogelweide: saget mir ieman, waz ist minne? L. 69,1 (nach Karl Lachmannscher Zählung).

[4] Vgl. Bumke, Joachim (1986): Höfische Kultur, Band 2, S. 503.

[5] Vgl. Ebd., S. 504.

[6] Vgl. Wiercinski, Dorothea (1964): minne, S. 34ff.

[7] Vgl. Gaston Paris : Aufsatz über Lancelot. In : Bumke, Joachim (1986): Höfische Kultur, Band 2, S. 504.

[8] Vgl. Bumke, Joachim (1986): Höfische Kultur, Band 2, S. 506.

[9] Vgl. Ehrismann/Ramge (1976): Mittelhochdeutsch, S. 107.

[10] Ebd. S. 107.

[11] Vgl. Ebd. S. 107.

[12] Vgl. Ebd. S. 107.

[13] Vgl. Ebd. S. 107.

[14] Vgl. Ebd. S. 107.

[15] Vgl. Ebd. S. 108.

[16] Vgl. Lexer, Matthias (1992) : Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch.

[17] Vgl. Ehrismann/Ramge (1976): Mittelhochdeutsch, S. 108.

[18] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 505.

[19] Vgl. Ebd. S. 505.

[20] Vgl. Ebd. S. 507.

[21] Vgl. Ebd. S. 508.

[22] Vgl. Ebd. S. 509.

[23] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 510.

[24] Vgl. Ebd. S. 511.

[25] Vgl. Ebd. S. 513.

[26] Vgl. Ebd. S. 513.

[27] Vgl. Ebd. S. 514.

[28] Vgl. Ebd. S. 515.

[29] Vgl. Ebd. S. 516.

[30] Vgl. Ebd. S. 517.

[31] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 518.

[32] Vgl. Ebd. S. 519.

[33] Vgl. Ebd. S. 520.

[34] Ebd. S. 520.

[35] Vgl. Ebd. S. 521.

[36] Walther von der Vogelweide : Lied an Frau mâze, 46, 31.

[37] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 521ff.

[38] Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 504.

[39] Vgl. Ebd. S. 547.

[40] Vgl. Ebd. S. 548.

[41] Ebd. S. 549.

[42] Vgl. Ebd. S. 549.

[43] Vgl. Ebd. S. 549ff.

[44] Vgl. Ebd. S. 553.

[45] Vgl. Ebd. S. 555.

[46] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 556.

[47] Vgl. Ebd. S. 557.

[48] Vgl. Ebd. S. 558.

[49] Vgl. Ebd. S. 523.

[50] Ebd. S. 523.

[51] Capellanus, Andreas (1180-1190) : De amore, S.29.

[52] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 524.

[53] Ebd. S. 524.

[54] Vgl. Ebd. S. 524ff.

[55] Vgl. Ebd. S. 526.

[56] Bumke, Joachim (1986) : Höfische Kultur Band 2, S. 527.

[57] Vgl. Bumke, Joachim (1986) : Höfischen Kultur Band 2, S. 527ff.

[58] Vgl. Ebd. S. 525.

[59] Ebd. S. 528.

[60] Ebd. S. 504.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Liebe und Betrug im Nibelungenlied
Hochschule
Universität Trier
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V310888
ISBN (eBook)
9783668095786
ISBN (Buch)
9783668095793
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
liebe, betrug, nibelungenlied, ÄdPh, Literatur
Arbeit zitieren
Jil Hoeser (Autor), 2015, Liebe und Betrug im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310888

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