Um Probleme im deutschen Gesundheitssystem zu untersuchen und Lösungsvorschläge zu entwickeln, wurde der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ (SVR-Gesundheit) ins Leben gerufen.
Fraglich ist jedoch, inwieweit die erarbeiteten Lösungsvorschläge auch tatsächlich in Reformvorhaben Berücksichtigung finden und gesetzlich normiert werden. Zunächst soll diese Fragestellung in der vorliegenden Arbeit näher untersucht werden. Während im zweiten Kapitel die Problematik der Über-, Unter-, und Fehlversorgung näher erläutert wird, befasst sich das dritte Kapitel mit der Struktur, den Aufgaben und den Zielen des SVR-Gesundheit. Im Anschluss daran werden die bereits erstellten Gutachten und Sondergutachten mit ihren Schwerpunkten komprimiert vorgestellt und mit der korrespondierenden beziehungsweise aktuellen Gesetzgebung hinsichtlich Gemeinsamkeiten verglichen. Nach einer zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse schließt die Arbeit mit einer kurzen Diskussion und einer Prognose für die Zukunft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methodik
3 Problematik der Über-, Unter- und Fehlversorgung
4 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
5 Vergleich der Gutachten seit 1995 mit der korrespondierenden Gesetzgebung
5.1 Sondergutachten 1995
5.2 Sondergutachten 1996
5.3 Sondergutachten 1997
5.4 Gutachten 2000/2001
5.5 Gutachten 2003
5.6 Gutachten 2005
5.7 Gutachten 2007
5.8 Sondergutachten 2009
5.9 Sondergutachten 2012
5.10 Gutachten 2014
6 Ergebnisse
7 Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR-Gesundheit) erarbeiteten Gutachten und Lösungsvorschläge tatsächlich Eingang in die deutsche Gesetzgebung gefunden haben. Ziel ist es, die Übereinstimmung zwischen den Empfehlungen des Gremiums und den gesundheitspolitischen Reformen der letzten 20 Jahre zu evaluieren.
- Strukturen, Aufgaben und Ziele des SVR-Gesundheit
- Analyse der Problematik von Über-, Unter- und Fehlversorgung
- Vergleich der Gutachten von 1995 bis 2014 mit korrespondierenden Reformen
- Evaluation des Einflusses wissenschaftlicher Expertise auf den Gesetzgebungsprozess
Auszug aus dem Buch
3 Problematik der Über-, Unter- und Fehlversorgung
Im deutschen Gesundheitssystem existieren Über-, Unter- und Fehlversorgung nebeneinander. Patienten werden schlechter versorgt, als es der Ressourceneinsatz im Gesundheitswesen ermöglichen würde. Laut SGB V hat der Versicherte Anspruch auf notwendige, ausreichende und zweckmäßige Leistungen, deren Qualität und Wirksamkeit dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse unter Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts entsprechen müssen. Hierbei ist jedoch auch zu beachten, dass die Leistungen nicht unwirtschaftlich sein dürfen (§ 12 Abs. 1 SGB V).
Eine Überversorgung herrscht erfahrungsgemäß in urbanen Regionen, in denen sich viele hochspezialisierte Behandlungseinrichtungen konzentrieren. Ansässige Patienten, mit vorwiegend hohem Durchschnittseinkommen, erhalten mehr medizinische Leistungen als für ihre Gesundheit nötig wäre. Neben den hohen Behandlungskosten steigt damit auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2011: 2). Der SVR-Gesundheit definiert Überversorgung wie folgt: „Eine Versorgung über die Bedarfsdeckung hinaus ist `Überversorgung´, d.h. eine Versorgung mit nicht-indizierten Leistungen, oder mit Leistungen ohne hinreichend gesichertem Netto-Nutzen (medizinische Überversorgung) oder mit Leistungen mit nur geringem Nutzen, der die Kosten nicht mehr rechtfertigt, oder in ineffizienter, also `unwirtschaftlicher´ Form erbracht werden (`ökonomische Überversorgung´).“ (SVR-Gesundheit 2000/2001: 31f)
Gerade die medizinische Überversorgung kann auch gleichzeitig eine Fehlversorgung sein, da nicht-indizierte Leistungen gesundheitsschädigend wirken können (Niehoff 2008: 67).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des deutschen Gesundheitssystems ein und erläutert die Aufgabenstellung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Methodik: Hier wird der methodische Ansatz beschrieben, der auf der Analyse von Kurzfassungen des SVR-Gesundheit und deren Abgleich mit der Gesetzgebung basiert.
3 Problematik der Über-, Unter- und Fehlversorgung: Dieses Kapitel definiert und analysiert die verschiedenen Formen der Fehlsteuerungen im deutschen Gesundheitssystem.
4 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Hier werden die Struktur, die Entstehungsgeschichte sowie die gesetzlichen Grundlagen und Arbeitsweise des Gremiums dargestellt.
5 Vergleich der Gutachten seit 1995 mit der korrespondierenden Gesetzgebung: Dieses Hauptkapitel bietet eine detaillierte Gegenüberstellung der einzelnen Gutachten mit den darauf folgenden gesundheitspolitischen Reformen.
6 Ergebnisse: Zusammenfassende Darstellung der Erkenntnisse, die zeigen, dass Vorschläge des SVR oft langfristig oder in weiterentwickelter Form in die Politik einfließen.
7 Diskussion und Ausblick: Eine kritische Würdigung der Arbeit des SVR sowie ein Ausblick auf die zukünftigen Anforderungen an das Gremium.
Schlüsselwörter
Gesundheitswesen, SVR-Gesundheit, Überversorgung, Unterversorgung, Fehlversorgung, Gesetzgebung, GKV, Gesundheitspolitik, Reformen, Qualitätssicherung, Sachverständigenrat, Bedarfsplanung, medizinischer Fortschritt, Selektivverträge, DRG-System.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das deutsche Gesundheitswesen und die Rolle des Sachverständigenrates als beratendes Gremium für den Gesetzgeber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Problematiken von Über-, Unter- und Fehlversorgung sowie deren Beeinflussung durch politische Reformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die wissenschaftlichen Empfehlungen des SVR-Gesundheit in tatsächliche gesetzliche Reformvorhaben integriert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine dokumentenbasierte Analyse der Kurzfassungen der SVR-Gutachten sowie einen Abgleich mit der einschlägigen Gesetzgebung und Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Versorgungsformen, eine Vorstellung des Sachverständigenrates und einen chronologischen Vergleich der Gutachten mit den entsprechenden Gesetzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere SVR-Gesundheit, Versorgungssteuerung, GKV-Reformen und das Spannungsfeld zwischen ökonomischen und medizinischen Aspekten.
Was unterscheidet Über- von Unterversorgung laut SVR-Definition?
Überversorgung beschreibt die Erbringung von Leistungen ohne notwendigen Netto-Nutzen oder in unwirtschaftlicher Form, während Unterversorgung die Verweigerung notwendiger, wirksamer Leistungen trotz Bedarfs darstellt.
Welche Rolle spielen DRGs in der historischen Analyse?
Das DRG-System wurde vom SVR bereits frühzeitig empfohlen und schließlich durch das Fallpauschalengesetz von 2003 in die stationäre Vergütung integriert.
Warum hinterfragt die Autorin die Struktur des Sachverständigenrates im Ausblick?
Aufgrund des steigenden Umfangs der Gutachten und der zunehmenden Komplexität der Themen stellt die Autorin die Frage, ob die aktuelle personelle und materielle Ausstattung des Gremiums für die Zukunft noch ausreicht.
- Quote paper
- Sarah Pinsdorf (Author), 2015, Die Gutachten des SVR Gesundheit und entsprechende Reformen im Gesundheitswesen seit 1995. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310940