Die Gutachten des SVR Gesundheit und entsprechende Reformen im Gesundheitswesen seit 1995. Ein Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Methodik

3 Problematik der Über-, Unter- und Fehlversorgung

4 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen

5 Vergleich der Gutachten seit 1995 mit der korrespondierenden Gesetzgebung
5.1 Sondergutachten 1995
5.2 Sondergutachten 1996
5.3 Sondergutachten 1997
5.4 Gutachten 2000/2001
5.5 Gutachten 2003
5.6 Gutachten 2005
5.7 Gutachten 2007
5.8 Sondergutachten 2009
5.9 Sondergutachten 2012
5.10 Gutachten 2014

6 Ergebnisse

7 Diskussion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das deutsche Gesundheitssystem ist unter anderem durch Überversorgung bei gleichzeitigen Versorgungsdefiziten gekennzeichnet. Kurz zu nennen sind hier beispielsweise die Gefälle in der Versorgung in urbanen und in ländlichen Regionen. Um diese und weitere Problematiken im deutschen Gesundheitswesen zu untersuchen und Lösungsvorschläge zu entwickeln, wurde der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ (SVR-Gesundheit) ins Leben gerufen. Der Rat, der sich aus unterschiedlicher Fachexpertise aus dem Gesundheitswesen zusammensetzt, erstellt regelmäßig eigeninitiativ oder im Auftrag Gutachten, in denen diverse Aspekte untersucht und kritisch betrachtet sowie Empfehlungen für den Gesetzgeber ausgesprochen werden.

Fraglich ist jedoch, inwieweit die erarbeiteten Lösungsvorschläge auch tatsächlich in Reformvorhaben Berücksichtigung finden und gesetzlich normiert werden. Zunächst soll diese Fragestellung in der vorliegenden Arbeit näher untersucht werden. Während im zweiten Kapitel die Problematik der Über-, Unter-, und Fehlversorgung näher erläutert wird, befasst sich das dritte Kapitel mit der Struktur, den Aufgaben und den Zielen des SVR-Gesundheit. Im Anschluss daran werden die bereits erstellten Gutachten und Sondergutachten mit ihren Schwerpunkten komprimiert vorgestellt und mit der korrespondierenden beziehungsweise aktuellen Gesetzgebung hinsichtlich Gemeinsamkeiten verglichen. Nach einer zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse schließt die Arbeit mit einer kurzen Diskussion und einer Prognose für die Zukunft.

2 Methodik

Diese Arbeit basiert auf den vom SVR-Gesundheit herausgegebenen Kurzfassungen der erstellten Gutachten und Sondergutachten. Nach eingehender Bearbeitung der zur Verfügung gestellten Literatur werden die wichtigsten Themen und Aspekte der jeweiligen Gutachten – aufgrund des vorgegebenen Umfangs der Arbeit stark verdichtet – dargestellt. Auf eine tiefgreifende Analyse einzelner Gutachten wird zu Gunsten eines allgemeinen Überblicks bewusst verzichtet.

In einem ersten Schritt werden die zehn Gutachten und Sondergutachten, die in den letzten 20 Jahren publiziert worden sind, analysiert. Im nächsten Schritt werden die zeitlich korrespondierenden Reformen und die Gesetzgebung dahingehend untersucht, ob die Vorschläge und Ideen des SVR-Gesundheit aufgenommen und umgesetzt werden. Primär werden hier Reformen betrachtet, die sich auf das Sozialgesetzbuch V (SGB V) beziehen, gegebenenfalls wird aber auch weitere einschlägige Literatur in die Analyse mit einbezogen. In den Ergebnissen wird festgehalten, in welchem Ausmaß Vorschläge ganz oder teilweise in Reformen umgesetzt wurden.

3 Problematik der Über-, Unter- und Fehlversorgung

Im deutschen Gesundheitssystem existieren Über-, Unter- und Fehlversorgung nebeneinander. Patienten werden schlechter versorgt, als es der Ressourceneinsatz im Gesundheitswesen ermöglichen würde. Laut SGB V hat der Versicherte Anspruch auf notwendige, ausreichende und zweckmäßige Leistungen, deren Qualität und Wirksamkeit dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse unter Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts entsprechen müssen. Hierbei ist jedoch auch zu beachten, dass die Leistungen nicht unwirtschaftlich sein dürfen (§ 12 Abs. 1 SGB V).

Eine Überversorgung herrscht erfahrungsgemäß in urbanen Regionen, in denen sich viele hochspezialisierte Behandlungseinrichtungen konzentrieren. Ansässige Patienten, mit vorwiegend hohem Durchschnittseinkommen, erhalten mehr medizinische Leistungen als für ihre Gesundheit nötig wäre. Neben den hohen Behandlungskosten steigt damit auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2011: 2). Der SVR-Gesundheit definiert Überversorgung wie folgt:

„Eine Versorgung über die Bedarfsdeckung hinaus ist `Überversorgung´, d.h. eine Versorgung mit nicht-indizierten Leistungen, oder mit Leistungen ohne hinreichend gesichertem Netto-Nutzen (medizinische Überversorgung) oder mit Leistungen mit nur geringem Nutzen, der die Kosten nicht mehr rechtfertigt, oder in ineffizienter, also `unwirtschaftlicher´ Form erbracht werden (`ökonomische Überversorgung´).“ (SVR-Gesundheit 2000/2001: 31f)

Gerade die medizinische Überversorgung kann auch gleichzeitig eine Fehlversorgung sein, da nicht-indizierte Leistungen gesundheitsschädigend wirken können (Niehoff 2008: 67).

In ländlichen oder strukturschwachen Regionen herrscht jedoch die Unterversorgung. Neben der Grundversorgung mangelt es vor allem an spezialisierten Fachärzten. Anfahrtswege und Wartezeiten sind lang, was zu Chronifizierung von Krankheiten und daraus resultierenden, unnötigen Folgekosten führt, ganz abgesehen von der schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung der Betroffenen (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2011: 2). Die SGB-V konforme Definition der Unterversorgung des SVR-Gesundheit lautet:

„Die teilweise oder gänzliche Verweigerung einer Versorgung trotz individuellen, professionell, wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkannten Bedarfs, obwohl an sich Leistungen mit hinreichend gesichertem Netto-Nutzen und – bei medizinisch gleichwertigen Leistungsalternativen – in effizienter Form, also i. e. S. `wirtschaftlich´, zur Verfügung stehen, ist eine `Unterversorgung´.“ (SVR-Gesundheit 2000/2001: 31)

Eine Fehlversorgung tritt immer dann auf, wenn Patienten nicht das Versorgungsangebot erhalten, welches sie benötigen. Gerade ein ungenügendes Schnittstellenmanagement zwischen der Entlassung aus dem Krankenhaus und dem Übergang in die ambulante Versorgung birgt die Gefahr von Versorgungslücken, die zur vermeidbaren Schädigung der Gesundheit des Patienten führen (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2011: 2). Der SVR-Gesundheit unterscheidet drei Unterfälle von Fehlversorgung:

- „Versorgung mit Leistungen, die an sich bedarfsgerecht sind, die aber durch ihre nicht fachgerechte Erbringung einen vermeidbaren Schaden bewirken;
- Versorgung mit nicht bedarfsgerechten Leistungen, die zu einem vermeidbaren Schaden führen;
- unterlassene oder nicht rechtzeitige Durchführung an sich bedarfsgerechter, indizierter Leistungen im Rahmen einer Behandlung.“ (SVR-Gesundheit 2000/2001: 32)

Die folgende Tabelle veranschaulicht noch einmal die unterschiedlichen Formen der Über-, Unter- und Fehlversorgung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Zur Definition von Über-, Unter- und Fehlversorgung[1]

(Quelle: SVR-Gesundheit 2000/2001: 33)

Zur Bekämpfung dieser Problematiken muss die Versorgung konsequent am medizinischen Bedarf der Patienten ausgerichtet werden. Um dies zu garantieren muss die Morbidität der Bevölkerung möglichst genau erfasst werden. Auf dieser Basis könnte dann, unter Berücksichtigung räumlicher Gegebenheiten und sektorenübergreifender Kapazitätsplanungen, eine transparente und qualitativ hochwertige Versorgung gewährleistet werden. Benötigte Ressourcen können durch konsequenten Abbau ambulanter und stationärer Überversorgung freigesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist jedoch problematisch, dass unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. Ärzte lassen sich bevorzugt als hochspezialisierte Fachärzte in urbanen Regionen nieder, die, auch durch viele Privatabrechnungen, sehr lukrativ erscheinen. Allgemeinmediziner in einer strukturschwachen, ländlichen Region erscheint hingegen weitaus weniger attraktiv. Des Weiteren ist die Morbidität in den verschiedenen Regionen nicht so detailliert erfasst wie es nötig wäre, um eine realistische Bedarfsplanung durchzuführen. Die Inanspruchnahme von Leistungen muss meist vielmehr auf das Angebot als auf den tatsächlichen Bedarf zurückgeführt werden (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2011: 3).

4 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen

Die erstmalige Berufung des SVR-Gesundheit erfolgte am 19. Dezember 1985 durch den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, da zur damaligen Zeit der Gesundheitssektor noch in dieses Ressort fiel. Er trug zunächst den Namen „Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen“ und sollte der Unterstützung und Impulsgebung der Konzertierten Aktion dienen, einem Gremium, das sich aus Vertretern der an der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung Beteiligten zusammensetzte. Seit 1991 wird der interdisziplinär besetzte Rat durch den Bundesgesundheitsminister berufen. Die Konzertierte Aktion wurde mit Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes zum 1. Januar 2004 abgeschafft. Damit einher ging die Umbenennung des „Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen“ in „Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“. Der aktuelle Sachverständigenrat wurde nach Berufung durch den Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, am 19. Dezember 2014 offiziell ernannt (SVR-Gesundheit 2015). Das Gremium besteht aus sieben Mitgliedern, die in der Regel für vier Jahre ernannt werden (Bundesminister für Gesundheit 2011: 2). Voraussetzung für die Berufung sind besondere Kenntnisse und Erfahrungen der Mitglieder in medizinischen, wirtschaftlichen oder sozialen Bereichen (Bundesminister für Gesundheit 2011: 1). Um zu gewährleisten, dass die Ratsmitglieder unbefangen sind sowie unabhängig handeln und beraten können, gibt es einige Ausschlusskriterien. So dürfen die Mitglieder insbesondere keiner gesetzgebenden Körperschaft und nicht dem öffentlichen Dienst oder der Regierung angehören. Zugehörigkeit zu einer juristischen Person des öffentlichen Rechts ist nur als Hochschullehrer oder als Mitglied eines wissenschaftlichen Instituts erlaubt.

[...]


[1] Annahme: Leistung mit gesichertem gesundheitlichen Netto-Nutzen und angemessener Nutzen-Kosten Relation.

[2] Annahme: Es wird auch keine alternative Leistung erbracht.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Gutachten des SVR Gesundheit und entsprechende Reformen im Gesundheitswesen seit 1995. Ein Vergleich
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie)
Veranstaltung
Analyse von Reformvorhaben im Gesundheitswesen
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V310940
ISBN (eBook)
9783668097315
ISBN (Buch)
9783668097322
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SVR, Sachverständigenrat, Überversorgung, Unterversorgung, Fehlversorgung, Gesetzgebung, Gesundheitssystem, Gutachten, Sondergutachten, SVR-Gutachten
Arbeit zitieren
Sarah Pinsdorf (Autor), 2015, Die Gutachten des SVR Gesundheit und entsprechende Reformen im Gesundheitswesen seit 1995. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310940

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