Unser Kulturkreis ist von einem biomedizinischen Schmerzbild geprägt, welche das Schmerzerleben der an Schmerzen Leidenden vernachlässigt. Wichtige Fragen, z.B. wie der Schmerzleidende seinen Schmerz individuell deutet, mit welchen Gefühlen er ihn verbindet, welche Rolle er in seinem Leben spielt und wie diese und weitere Aspekte seinen Umgang mit dem Schmerz und der Schmerzbewältigung beeinflussen, werden nicht gestellt.
Schmerz ist immer subjektiv. Man kann zwar wissen, dass jemand an einer Krankheit leidet die mit Schmerzen verbunden ist – aber wie die Person den Schmerz wahrnimmt und was er für sie bedeutet weiß man dadurch nicht. Gerade die subjektive Schmerzwahrnehmung ist stark von der kulturellen Zugehörigkeit der Peson geprägt. Diesen Zusammenhang gilt es zu erkennen um kulturellen Verständigungsschwierigkeiten in der Pflege und Therapie der Schmerzkranken vorzubeugen und eine effektivere pflegerische und ärztliche Betreuung zu gewährleisten.
Gerade auch in Deutschland wird es aufgrund der zunehmenden Einwanderer immer wichtiger den Schmerz auch in einem interkulturellen Kontext zu sehen und die Bedeutungen, Einstellungen und Werte der anderen Kultur zu berücksichtigen. Hierzu ist es notwendig, erst den Umgang mit Schmerz in der eigenen Kultur zu reflektieren, damit man diesen in Bezug zu anderen kulturellen Gegebenheiten setzen kann.
Zuerst werden in dieser Hausarbeit Grundlagen zum Thema Schmerz, d.h. eine Definition und epidemiologische Daten gegeben. Danach folgen zwei Kapitel über den ärztlichen und pflegerischen Umgang mit dem Schmerz, um dieses Grundwissen in einem weiteren Schritt in einen interkulturellen Bezug zu setzen. Dabei wird zuerst kurz auf den kulturgeschichtlichen Hintergrund des Schmerzes in den christlich geprägten westlichen Industriestaaten eingegangen. Anschließend wird besonderes Augenmerk auf den Umgang mit Schmerz bei türkischen Migranten gelegt, da diese den größten Teil der Einwanderer in Deutschland einnehmen. Das letzte Kapitel stellt theoretische und praktische Möglichkeiten zur Verbesserung einer interkulturellen Pflege und Therapie bei Schmerzen dar.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Grundlagen zum Thema Schmerz
1.1 Definition des Begriffes Schmerz
1.2 Epidemiologische Daten des Schmerzes in Deutschland
2 Der Schmerz aus ärztlicher Sicht
2.1 Schmerzentstehung und Schmerzweiterleitung im menschlichen Körper
2.2 Darstellung der Schmerzarten
2.3 Medizinische Schmerzbewältigung
3 Der Schmerz aus pflegerischer Sicht
3.1 Pflegerischer Umgang mit chronischen Schmerzpatienten
3.2 Pflegerische Schmerzbewältigung
4 Der Schmerz in Bezug auf interkulturelle Pflege und Therapie
4.1 Die kulturgeschichtliche Bedeutung des Schmerzes
4.2 Schmerzwahrnehmung unter kulturellen Aspekten
4.3 Sprache und Schmerz
5 Schmerz bei Migranten aus der Türkei
5.1 Kulturelle Grundlage bei Migranten aus der Türkei
5.2 Umgang mit dem Schmerz bei türkischen Migranten
6 Verbesserung des interkulturellem Umgangs bei Schmerzen
6.1 Allgemeine Maßnahmen
6.2 Pflegetheorie für den interkulturellen Umgang mit Schmerz
7 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, das Verständnis für Schmerzempfinden und den Umgang mit Schmerzen im interkulturellen Kontext zu vertiefen, um eine effektivere pflegerische und ärztliche Betreuung von Migranten zu gewährleisten. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie kulturelle Faktoren das Schmerzerleben und die Schmerzbewältigung beeinflussen und welche Ansätze zur Optimierung der Versorgung, insbesondere bei türkischen Migranten, existieren.
- Grundlagen der Schmerzdefinition und Epidemiologie in Deutschland.
- Kulturgeschichtliche und subjektive Aspekte der Schmerzwahrnehmung.
- Herausforderungen in der interkulturellen Kommunikation und Pflege.
- Spezifische Bedürfnisse und Problematiken türkischer Migranten im Gesundheitssystem.
- Strategien zur Verbesserung der transkulturellen Pflegepraxis und Anwendung von Pflegetheorien.
Auszug aus dem Buch
Schmerzwahrnehmung unter kulturellen Aspekten
Schmerz ist, wie die Definition der IASP schon aussagt, etwas Individuelles. Er ist wie kaum eine andere Empfindung durch kulturellen Einfluss geprägt, welcher sich auf das Krankheitserleben, das Krankheitsverständnis und das Krankheitsverhalten auswirkt.
Diese kulturellen Prägungen wirken sich auch auf die Schmerztoleranz aus. Es wurde z.B. in einem Experiment über Drucktoleranz herausgefunden, dass Orientalen über die geringste Schmerztoleranz in diesem Bereich verfügen. Prinzipiell gilt es aber, dass die Schmerzschwellen bei Menschen im großen und ganzen gleich sind, allerdings werden die Schmerzeinstellung und Schmerzverarbeitung, also die seelisch-geistigen Aspekte, durch soziale und kulturelle Gegebenheiten beeinflusst und können auch nur in diesem Kontext begriffen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Defizite einer rein biomedizinischen Schmerzbetrachtung und verdeutlicht die Notwendigkeit, den Schmerz im interkulturellen Kontext zu reflektieren.
Grundlagen zum Thema Schmerz: Dieses Kapitel liefert eine fachliche Definition des Schmerzbegriffs sowie epidemiologische Daten zur Relevanz chronischer Schmerzen in Deutschland.
Der Schmerz aus ärztlicher Sicht: Hier wird der biomedizinische Ansatz der Schmerzmedizin erläutert, inklusive der Schmerzentstehung und der konventionellen medikamentösen Schmerzbewältigung.
Der Schmerz aus pflegerischer Sicht: Es wird die pflegerische Perspektive beleuchtet, die neben der Versorgung auch die Förderung der Selbstbestimmung des Patienten betont.
Der Schmerz in Bezug auf interkulturelle Pflege und Therapie: Dieses Kapitel analysiert den kulturgeschichtlichen Hintergrund und den Einfluss kultureller Prägungen auf die Schmerzwahrnehmung und Kommunikation.
Schmerz bei Migranten aus der Türkei: Hier werden die spezifischen kulturellen Grundlagen, Lebenssituationen und der Umgang mit Schmerz bei dieser größten Migrantengruppe in Deutschland untersucht.
Verbesserung des interkulturellem Umgangs bei Schmerzen: Das Kapitel schlägt institutionelle Maßnahmen sowie pflegetheoretische Ansätze vor, um die interkulturelle Pflegepraxis zu optimieren.
Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass interkulturelle Pflegetheorien und eine kultursensible Ausbildung der Pflegeberufe essenzielle Schritte zu einer verbesserten Versorgung sind.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pflege, Schmerztherapie, türkische Migranten, Schmerzwahrnehmung, transkulturelle Kompetenz, Schmerzbewältigung, biomedizinisches Modell, Pflegetheorie, interkulturelle Kommunikation, Schmerzchronifizierung, transkulturelle Pflege, Krankheitsverständnis, interkulturelle Offenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik, dass Schmerz in der westlichen Medizin primär biomedizinisch betrachtet wird, wodurch kulturelle Einflüsse auf das Schmerzerleben bei Migranten oft vernachlässigt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die physiologischen Grundlagen des Schmerzes, die ärztliche und pflegerische Perspektive, der Einfluss kultureller Prägungen auf die Schmerzwahrnehmung sowie spezifische Herausforderungen in der Versorgung von türkischen Migranten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für interkulturelle Aspekte bei Schmerzen zu entwickeln, um Verständigungsschwierigkeiten in der Pflege zu reduzieren und eine effektivere, kultursensible Betreuung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Reflexion vorhandener Pflegetheorien, medizinischer Literatur sowie empirischer Erkenntnisse zum interkulturellen Schmerzverständnis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ärztlichen und pflegerischen Sicht, die Analyse von Kulturkonflikten bei Schmerzäußerungen, die spezielle Situation türkischer Migranten und konkrete Verbesserungsvorschläge für die Pflegepraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Pflege, Schmerztherapie, transkulturelle Kompetenz, türkische Migranten, Schmerzbewältigung und interkulturelle Kommunikation.
Welche Rolle spielen türkische Migranten in dieser Untersuchung?
Sie dienen als Fallbeispiel für eine große Migrantengruppe, bei der aufgrund von Sprachbarrieren, geringem Bildungsstatus und spezifischen Familienstrukturen eine kultursensible Anpassung der Pflege besonders notwendig ist.
Warum ist die biomedizinische Schmerztherapie bei dieser Zielgruppe oft wenig erfolgreich?
Da türkische Migranten Schmerz häufig durch Mimik, Gestik und psychosoziale Bedürfnisse äußern, greift eine rein medikamentöse Behandlung ohne Beachtung des kulturellen Kontextes oft zu kurz.
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- Dipl. Pflegewirt Daniel Fischer (Author), 2004, Der Schmerz und seine Bedeutung in der interkulturellen Pflege und Therapie - Unter besonderer Berücksichtigung von türkischen Migranten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31116