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Zur Bedeutung der religiösen Bezüge in Goethes "Wahlverwandtschaften"

Titel: Zur Bedeutung der religiösen Bezüge in Goethes "Wahlverwandtschaften"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2015 , 20 Seiten , Note: 1.7

Autor:in: Philipp Seuthe (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zwischen 1808 und 1809 schrieb Johann Wolfgang von Goethe den Roman „Die Wahlverwandtschaften“. Dieses Werk gilt auch deshalb als äußerst „kunstvoll“ , weil es eine Vielzahl an Lesarten und Deutungsmöglichkeiten erlaubt. Eine dieser Lesarten soll im Folgenden untersucht werden.

Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage nach der Funktion der religiösen Bezüge in den Wahlverwandtschaften. Diese Frage setzt die Prämisse voraus, dass im betreffenden Werk solche Bezüge enthalten sind. Es gilt also zunächst die Existenz dieser Bezüge nachzuweisen und letztere anschließend zu deuten.

Diese Arbeit verwendet den Begriff „religiös“ bzw. „Religion“ in erster Linie im Sinne der deutschen Gegenwartssprache, sodass eine Eingrenzung und Definition mithilfe des Dudens vorgenommen werden kann. Hier wird Religion als „(meist von einer größeren Gemeinschaft angenommener) bestimmter, durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube und sein Bekenntnis“ bzw. „gläubig verehrende Anerkennung einer alles Seins bestimmenden göttlichen Macht“ bezeichnet. Beide Begriffserklärungen haben gemein, dass Religiosität auf Wissensinhalten basiert, die sich einer objektiven Beweiskraft weitestgehend entziehen. In dieser Arbeit findet die zweite der eben genannten Bedeutungsebenen eine häufigere Verwendung, da das erstgenannte Begriffsverständnis eher auf stärker institutionalisierte Gemeinschaften referiert, während die zweite Bedeutungsebene individuelle Ansichten mit einschließt.

Der Erkenntnisgewinn einer solchen Arbeit kann sich dadurch auszeichnen, dass die verschiedenen religiösen Anspielungen und Symbole im betreffenden Roman einem „gemeinsamen Nenner“ zugeordnet werden, der aus einer übergeordneten Funktion aller Bezüge besteht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Methodisches Vorgehen

3. Goethes religiöse Ansichten

3.1 Goethes Verhältnis zum Christentum

3.2 Goethes Verhältnis zum Pantheismus und zum Panentheismus

3.3 Das Dämonische

4. Die religiöse Dimension der „Wahlverwandtschaften“

4.1 Der Begriff des Symbols bei Goethe

4.2 Ottilie als „multiple Persönlichkeit“

4.3 Mittler als „multiple Persönlichkeit“

4.4 Die Ehe als misslungener Versuch der Selbstdisziplinierung

4.5 Das (Jesus-)Kind als Ausdruck der menschlichen Machtlosigkeit

5. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung religiöser Bezüge in Johann Wolfgang von Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern religiöse Anspielungen, Symbole und theologische Konzepte zur Deutung der Romanhandlung beitragen und ob sie als Ausdruck einer übergeordneten, möglicherweise kritischen Haltung des Autors gegenüber institutionalisierten Glaubensformen oder metaphysischen Weltanschauungen gelesen werden können.

  • Analyse von Goethes religiöser Weltanschauung (Pantheismus, Panentheismus, Das Dämonische)
  • Untersuchung der christlichen Symbolik in Bezug auf die Hauptfiguren Ottilie und Mittler
  • Diskussion der Ehe als misslungener Versuch der Selbstdisziplinierung
  • Deutung transzendentaler Zeichen wie der Geburt des Kindes
  • Kritische Reflexion der menschlichen Machtlosigkeit gegenüber Schicksalsmächten

Auszug aus dem Buch

4.2 Ottilie als „multiple Persönlichkeit“

Goethe verrät im X. Buch von „Dichtung und Wahrheit“, dass ihn die Legende der Heiligen Odilie hinsichtlich seiner Konzeption der Figur der Ottilie beeinflusst hat. Die heilige Odilie wird in ihrer Legende durch ihren Eintritt in den christlichen Glauben von ihrer angeborenen Blindheit geheilt. Eine Blindheit Ottilies ist im übertragenen Sinne auch in den „Wahlverwandtschaften“ aufzufinden. Nachdem Eduard und Ottilie sich ihre Liebe zwar nonverbal aber eindeutig gegenseitig offenbart haben, befindet sich Ottilie in einem vor Liebe blinden Zustand, der in der folgenden Textstelle vermittelt wird: „Ottilie getragen durch das Gefühl ihrer Unschuld, auf dem Wege zu dem erwünschtesten Glück, lebt nur für Eduard. Durch die Liebe zu ihm in allem Guten gestärkt [...]“. Ottilies Zustand lässt sich ferner als Blindheit im Sinne des Bibelverses „Wenn ihr blind wärt, würde euch keine Schuld angerechnet“ auffassen.

Der an der eben zitierten Textstelle aus den „Wahlverwandtschaften“ verwendete Begriff der „Unschuld“ lässt ebenso eine Interpretation der Ottilie als hl. Maria zu. In diesem Fall referiert der Begriff auf das Konzept der unbefleckten Empfängnis, welches besagt, dass Maria als Einzige von Geburt an von der Erbsünde befreit war. Da in vielen christlichen Auffassungen Sünde mit Schuld gleichgesetzt wird, handelt es sich bei diesem Konzept im christlichen Sinne um die Unschuld schlechthin. Dass Ottilie als Symbol für Maria fungieren kann, wird an weiteren Stellen des Romans deutlich. So wird hier beispielsweise auf die Jugendgeschichte der Maria, die u. a. in der Legenda aurea überliefert wurde, Bezug genommen. Sowohl Ottilie als auch Maria werden getrennt von ihren Eltern in einer Frauengemeinschaft innerhalb einer jeweiligen Institution erzogen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Fragestellung zur Funktion religiöser Bezüge in Goethes Roman unter Verwendung einer zeitgenössischen Begriffsdefinition.

2. Methodisches Vorgehen: Erläuterung der hermeneutischen und diskursanalytischen Herangehensweise, bei der der Autor als hypothetische Instanz zur Textdeutung herangezogen wird.

3. Goethes religiöse Ansichten: Untersuchung der heterogenen Privatreligion Goethes und seiner differenzierten Haltung zum Christentum sowie zu pantheistischen und dämonischen Konzepten.

4. Die religiöse Dimension der „Wahlverwandtschaften“: Vertiefende Analyse der symbolischen Bedeutung von Figuren und Handlungselementen vor dem Hintergrund religiöser Diskurse.

5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse, die die menschliche Machtlosigkeit gegenüber metaphysischen Mächten betont und das Christentum als ein mögliches Repräsentationssystem für Selbstdisziplinierung einordnet.

Schlüsselwörter

Wahlverwandtschaften, Johann Wolfgang von Goethe, Religion, Christentum, Pantheismus, Dämonisches, Symbol, Ottilie, Mittler, Resignation, Selbstdisziplinierung, Schicksal, Schuld, Erlösung, Metaphysik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion religiöser Bezüge in Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ und hinterfragt, inwiefern diese die Handlung beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf Goethes persönlichem religiösen Verständnis, der Analyse christlicher Symbolik innerhalb des Romans und der Rolle von Schicksal und menschlicher Eigenverantwortung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die religiösen Anspielungen im Roman zu identifizieren und zu deuten, um zu einer übergeordneten Lesart der Erzählstruktur zu gelangen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Untersuchung mit diskursanalytischen Zügen, wobei biografische Informationen und zeitgenössische metaphysische Diskurse einbezogen werden.

Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?

Im Hauptteil werden zentrale Figuren wie Ottilie und Mittler als Symbole analysiert sowie Konzepte wie die Ehe, die Selbstdisziplinierung und die dämonischen Mächte im Roman kritisch beleuchtet.

Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wahlverwandtschaften, Religion, Symbolik, Dämonisches, Resignation und Selbstdisziplinierung beschreiben.

Inwiefern wird Ottilie im Rahmen der religiösen Symbolik gedeutet?

Ottilie wird als mehrfaches Symbol interpretiert, das Anleihen bei den christlichen Figuren der heiligen Odilie, der Maria und der biblischen Eva nimmt.

Welche Rolle spielt die Figur des Mittlers für das religiöse Verständnis des Romans?

Mittler wird ambivalent als Repräsentant des Klerus und gleichzeitig als zerstörerische, mephistophelesartige Figur dargestellt, die die moralische Ordnung des Romans beeinflusst.

Wie wird der Tod des Kindes in der Arbeit bewertet?

Der Tod des Kindes wird als Ausdruck menschlicher Machtlosigkeit und als mögliche Folge des Dämonischen im Spannungsfeld zwischen christlichem Eheverständnis und fatalistischen Lebensereignissen gedeutet.

Kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass der Roman ein rein christliches Werk ist?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Christentum lediglich als ein mögliches System zur Selbstdisziplinierung fungiert, während der Roman primär von der Unmacht des Menschen gegenüber höheren Wirkungskräften handelt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Bedeutung der religiösen Bezüge in Goethes "Wahlverwandtschaften"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1.7
Autor
Philipp Seuthe (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V311170
ISBN (eBook)
9783668098466
ISBN (Buch)
9783668098473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung bezüge goethes wahlverwandtschaften
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Philipp Seuthe (Autor:in), 2015, Zur Bedeutung der religiösen Bezüge in Goethes "Wahlverwandtschaften", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311170
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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