Die Figur Jesus und die Christologie des Korans


Hausarbeit, 2014
11 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 WER IST DIESER JESUS?
2.1 NAMEN JESU IM KORAN
2.2 JESUS DER PROPHET
2.3 JESUS DER MENSCH

3 JESUS - MEHR ALS EIN PROPHET?
3.1 DIE GEBURT AUS DER JUNGFRAU MARIA
3.2 DIE WUNDER JESU

4 DER TOD JESU

5 ABSCHLUSS

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Jesus steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Aber nicht nur die Bibel, sondern auch der Koran berichtet von Jesus. Im christlichen Glauben offenbart Gott nicht nur seinen Willen in der Bibel, sondern er offenbart sich selbst in der Person Jesus Christus (Hebr 1,1-2). Muslime sehen den Koran als Gottes ewiges, direktes und unmittelbar gesprochenes Wort, welches Mohammed durch eine Offenbarung übermittelt wurde. Im Gegensatz zum Christentum ist bei den Moslems „Mohammed nicht selbst Offenbarer, sondern lediglich Bote, der von Gott gegebenen und durch den Engel Gabriel vermittelten Offenbarung.“1 Demnach sind die Ko- ranverse Offenbarungen Gottes über Jesus. Sie besitzen die höchste Autorität bei den Musli- men. Beschäftigt man mit Jesus im Islam, so ist zwischen der Christologie des Korans und der Christologie des Islams zu unterscheiden. Die Christologie des Korans orientiert sich aus- schließlich an den Textstellen des Korans. Die Christologie des Islams geht hingegen an eini- gen Punkten über das im Koran geschriebene hinaus und ergänzt oder vervollständigt, was im Koran nicht oder nur andeutungsweise berichtet wird (Sündlosigkeit, Entrückung und Wie- derkunft Jesu).2 Diese Ausarbeitung soll dazu dienen einen Überblick über das islamische Jesusverständnis zu bekommen. Jesus im Koran, wer ist das eigentlich? Ein normaler Mensch, Prophet oder gar der Sohn Gottes? Wie der Titel der Ausarbeitung zeigt, geht es in dieser Un- tersuchung nicht um die Christologie des Islams, sondern primär um die Christologie des Ko- rans.

2 Wer ist dieser Jesus?

Nach dem Zeugnis der Bibel war Jesus nicht nur ein besonderer Mensch, sondern der von Gott zur Erlösung aller Menschen gesandte Messias und Sohn Gottes. Aber wer ist Jesus nach dem Zeugnis des Korans? Neunzehn der insgesamt 114 Suren nehmen auf Jesus Bezug.

2.1 Namen Jesu im Koran

Im Gegensatz zu den neutestamentlichen Evangelien erwähnt der Koran kein Leben Jesu. Er würdigt die Gestalt und das Wirken Jesu vor allem durch verschiedene Namen und Titel. Nach Bauschke summiert sich das Jesusbild des Korans in den Ehrentitel Jesu.3 Dabei wird für Jesus vorzüglich das arabische Wort Isa verwendet (25mal). An sechzehn dieser Stellen wird Jesus zudem „Sohn Marias“ (Isa ibn Maryam) genannt. Elf Mal wird er als „der Messi- as“ (almasih) bezeichnet (Sure 3,45; 4,157.171.172; 5,17 [2x]; 5,72 [2x]; 5,75; 9,30+31). Zu- dem finden sich die Bezeichnungen „Wort von Gott“ und „Geist von Gott“. Die Bedeutung des Messiastitels im Koran weicht jedoch von dem biblischen Verständnis ab. Nach bibli- schem Verständnis ist der Messias der verheißene Gesandte und Erlöser Gottes für sein Volk Israel und die Welt4. Die Muslime deuten den Messiasbegriff in ganz anderer Weise.5 Bauschke beschreibt die vier häufigsten Deutungen des islamischen Messiasverständnisses:

1.) Der Wanderende: Ein Großteil der Kommentatoren geht davon aus, dass der Titel masih von saha (wandern, reisen) kommt und somit Jesus beschreibt, welcher der im- merzu Wandernde gewesen sei.
2.) Der Salbende: Bei dieser Bedeutung wird das Wort von masaha (berühren, streichen, salben) abgeleitet. Somit verweist der Ausdruck auf die Wundergeschichten Jesu, wel- cher beispielsweise Blinden über deren Augen gestrichen hat um sie zu heilen (Sure 3,49).
3.) Der - durch den Engel Gabriel - von jeglicher Sünde gereinigte: Dieser Titel bezieht sich auf Jesus als den sündlosen Gesandten Gottes.
4.) Der Gesegnete: Bei dieser Bedeutung wird Jesus als der besonders von Gott Gesegnete gesehen. „Und er hat mich gesegnet wo immer ich bin“ (Sure 19,31).

2.2 Jesus der Prophet

Nach dem Koran ist Jesus ein Prophet (nabi) und ein Gesandter Gottes (rasul).

ÄSagt: Wir glauben an Allah und an das, was zu uns (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, und an das, was zu Ibrāhīm, Ismāʿīl, Isḥāq, Yaʿqūb und den Stämmen herabgesandt wurde, und (an das,) was Mūsā und ʿĪsā gegeben wurde, und (an das,) was den Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir machen keinen Unterschied bei jemandem von ihnen, und wir sind Ihm ergeben.“ Sure 2,136

Laut Koran steht Jesus in einer langen Traditionslinie von Propheten, die Gott der Welt ge- sendet hat. Das Wesentliche am Propheten ist seine Botschaft. Alle Propheten im Koran ver- kündigen letztendlich, dass es nur einen Gott gibt und kämpfen gegen eine Vielgötterei. Sie verkündigen das zukünftige Gericht Gottes und lehren die Verrichtung des Gebetes und das Almosengeben.6 In Sure 3,30f. werden die wesentlichen Bestandteile des Prophetenamtes aufgezählt:

ÄEr sagte: ÄIch bin wahrlich Allahs Diener; Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht. Und gesegnet hat Er mich gemacht, wo immer ich bin, und angeordnet hat Er mir, das Gebet (zu verrichten) und die Abgabe (zu entrichten), solange ich lebe,“ Zu einem richtigen Propheten im islamischen Verständnis gehört zudem, dass ihm ein Buch von Gott geoffenbart wird. Mose wurde das Gesetz, Mohammed der Koran und Jesus das Evangelium gegeben. Nach dem islamischen Verständnis sendet Gott seine Propheten zu allen Stämmen. Der letzte Prophet Mohammed wurde zu den Arabern gesandt. Jesus hatte einen speziellen Sendeauftrag an Israel.

ÄUnd als ʿĪsā, der Sohn Maryams, sagte: ÄO Kinder Isrāʾīls, gewiß, ich bin Allahs Gesandter an euch … Ä Sure 61,6

2.3 Jesus der Mensch

ÄDie Juden sagen: ÄʿUzair ist Allahs Sohn“, und die Christen sagen: ÄAl-Masīḥ ist Allahs Sohn.“ Das sind ihre Worte aus ihren (eigenen) Mündern. Sie führen ähnliche Worte wie diejenigen, die zuvor ungläubig waren. Allah bekämpfe sie! Wie sie sich (doch) abwendig machen lassen!“ Sure 9,30

Es wurde ersichtlich, wie hoch Jesus bei den Moslems angesehen wird. Demnach richtet sich der Angriff des Korans nicht gegen Jesus, sondern gegen die Juden und Christen, welche nach dem Verständnis des Islams wieder in die Vielgötterei zurückgefallen sind. Im Koran wird Jesus als „Knecht“ bzw. „Diener Gottes“ bezeichnet.

ÄAl-Masīḥ (Christus) wird es nicht verschmähen, ein Diener Allahs zu sein, auch nicht die (Allah) nahegestellten Engel.“ Sure 4, 172

Zwar wird von Jesus gesagt, dass er Allah nahegestellt ist (Sure 3,45), dennoch bleibt er ein Mensch und Gott ist nicht sein Vater, sondern sein Herr. Der Islam ist leidenschaftlich davon überzeugt, dass es nur einen Gott gibt, somit ist die Gottheit Jesu für ihn nicht akzeptabel. Um die Aussagen des Korans über Jesus besser zu verstehen, sollte man sich die christlichen Lehrauseinandersetzungen des 5. Jahrhunderts betrachten. Seit dem 5. Jahrhundert befand sich das Christentum im Streit um die dogmatische Beschreibung der Natur(en) Jesu. Gegen- über der chalcedonischen Zweinaturenlehre7 (wurde 451 zum offiziellen Glaubensbekenntnis der Kirche) stand die Lehre von der einen Natur Christi (Monophysitismus8 ). Obwohl der Monophysitismus im Konzil von Chalcedon verworfen wurde, hielten weite Volkskreise im Orient an dieser Lehre fest. Es kam sogar zur Abspaltung einiger Sonderkirchen.9 So war die einseitige Betonung der Gottheit Jesu im Orient gebräuchlich und auch Maria wurde von den orientalischen Christen wie eine frühere Göttin verehrt (Marienkult). Diese Form des Chris- tentums fand Mohammed vor. Der Protest des Korans gegen das orientalische Christentum des 7. Jahrhunderts kann als Korrektur des „christlichen“ Glaubens, der sich von der Bibel entfernet hat aufgefasst werden.

[...]


1 Vgl. Leimgruber

2 Vgl. Bauschke (2001) 124

3 Vgl. Bauschke (2001) 9

4 Vgl. Parzany (1982)

5 Vgl. Bauschke (2001) 10

6 Vgl. Parzany (1982)

7 Die Zweinaturenlehre lehrt, dass die göttliche und menschliche Natur in der Person Jesu „unvermischt und ungetrennt“ da seien.

8 Der Monophysitismus meint, dass die göttliche Natur in Jesus die herrschendegewesen sei und die menschliche in sich verschlungen habe.

9 Parzany (1981)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Figur Jesus und die Christologie des Korans
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V311231
ISBN (eBook)
9783668098732
ISBN (Buch)
9783668098749
Dateigröße
846 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
figur, jesus, christologie, korans
Arbeit zitieren
Simon Leutz (Autor), 2014, Die Figur Jesus und die Christologie des Korans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311231

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Figur Jesus und die Christologie des Korans


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden