Jesus steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Aber nicht nur die Bibel, sondern auch der Koran berichtet von Jesus. Im christlichen Glauben offenbart Gott nicht nur seinen Willen in der Bibel, sondern er offenbart sich selbst in der Person Jesus Christus (Hebr 1,1-2).
Muslime sehen den Koran als Gottes ewiges, direktes und unmittelbar gesprochenes Wort, welches Mohammed durch eine Offenbarung übermittelt wurde. Im Gegensatz zum Christentum ist bei den Moslems „Mohammed nicht selbst Offenbarer, sondern lediglich Bote, der von Gott gegebenen und durch den Engel Gabriel vermittelten Offenbarung.“ Demnach sind die Koranverse Offenbarungen Gottes über Jesus. Sie besitzen die höchste Autorität bei den Muslimen. Beschäftigt man mit Jesus im Islam, so ist zwischen der Christologie des Korans und der Christologie des Islams zu unterscheiden. Die Christologie des Korans orientiert sich ausschließlich an den Textstellen des Korans. Die Christologie des Islams geht hingegen an einigen Punkten über das im Koran geschriebene hinaus und ergänzt oder vervollständigt, was im Koran nicht oder nur andeutungsweise berichtet wird (Sündlosigkeit, Entrückung und Wiederkunft Jesu).
Diese Ausarbeitung soll dazu dienen einen Überblick über das islamische Jesusverständnis zu bekommen. Jesus im Koran, wer ist das eigentlich? Ein normaler Mensch, Prophet oder gar der Sohn Gottes? Wie der Titel der Ausarbeitung zeigt, geht es in dieser Untersuchung nicht um die Christologie des Islams, sondern primär um die Christologie des Korans.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WER IST DIESER JESUS?
2.1 NAMEN JESU IM KORAN
2.2 JESUS DER PROPHET
2.3 JESUS DER MENSCH
3 JESUS – MEHR ALS EIN PROPHET?
3.1 DIE GEBURT AUS DER JUNGFRAU MARIA
3.2 DIE WUNDER JESU
4 DER TOD JESU
5 ABSCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen fundierten Überblick über das islamische Jesusverständnis zu geben. Dabei liegt der Fokus primär auf der Christologie des Korans, um zu klären, welche Rolle Jesus in der islamischen Theologie einnimmt – ob er als bloßer Mensch, als Prophet oder in einer anderen Funktion verstanden wird.
- Die Darstellung und Bedeutung der Namen und Titel Jesu im Koran.
- Jesus in der Traditionslinie der Propheten und sein Sendeauftrag.
- Die koranische Perspektive auf die Jungfrauengeburt und die Wunder Jesu.
- Die theologische Deutung des Todes Jesu und der Vergleich mit dem christlichen Glaubensverständnis.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Geburt aus der Jungfrau Maria
Von der Ankündigung und Geburt Jesu wird in der dritten und neunzehnten Sure berichtet. Der zeitlich ältere Abschnitt findet sich in der mekkanischen Kindheitserzählung in Sure 19: „16 Und gedenke im Buch Maryams, als sie sich von ihren Angehörigen an einen östlichen Ort zurückzog. 17 Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir Unseren Geist zu ihr. Er stellte sich ihr als wohlgestaltetes menschliches Wesen dar. 18 Sie sagte: „Ich suche beim Allerbarmer Schutz vor dir, wenn du gottesfürchtig bist.“ 19 Er sagte: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.“ 20 Sie sagte: „Wie soll mir ein Junge gegeben werden, wo mich doch kein menschliches Wesen berührt hat und ich keine Hure bin.“ 21 Er sagte: „So wird es sein. Dein Herr sagt: ‚Das ist Mir ein leichtes, und damit Wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen‘. Und es ist eine beschlossene Angelegenheit.“ 22 So empfing sie ihn und zog sich mit ihm zu einem fernen Ort zurück.“ „23 Die Wehen ließen sie zum Palmenstamm gehen. Sie sagte: „O wäre ich doch zuvor gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!“ 24 Da rief er ihr von unten her zu: „Sei nicht traurig; dein Herr hat ja unter dir ein Bächlein geschaffen. 25 Und schüttle zu dir den Palmenstamm, so lässt er frische, reife Datteln auf dich herabfallen. 26 So iß und trink und sei frohen Mutes. Und wenn du nun jemanden von den Menschen sehen solltest, dann sag: Ich habe dem Allerbarmer Fasten gelobt, so werde ich heute mit keinem Menschenwesen sprechen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Themenstellung ein und erläutert die methodische Unterscheidung zwischen der Christologie des Korans und der Christologie des Islams.
2 WER IST DIESER JESUS?: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Namen, Titel und die Rolle Jesu als Prophet und Mensch aus koranischer Sicht.
3 JESUS – MEHR ALS EIN PROPHET?: Das Kapitel untersucht die Besonderheiten in der Darstellung Jesu im Koran, insbesondere die Berichte über seine Geburt und seine Wunder.
4 DER TOD JESU: Hier wird die koranische Sichtweise auf das Ende des irdischen Lebens Jesu sowie die explizite Ablehnung der Kreuzigung dargelegt.
5 ABSCHLUSS: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und einem tabellarischen Vergleich zwischen dem Jesusbild des Korans und dem der Bibel.
Schlüsselwörter
Jesus, Koran, Islam, Christologie, Prophet, Messias, Maria, Jungfrauengeburt, Wunder, Offenbarung, Bibel, Kreuzigung, Sohn Gottes, Gottesbild, Monotheismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Jesus im Koran dargestellt wird und wie sich dieses Bild von der christlichen Lehre unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die koranischen Bezeichnungen Jesu, sein Prophetenamt, seine Wunder, seine Geburt und der Umgang des Korans mit seinem Tod.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für das islamische Jesusverständnis zu entwickeln und die Christologie des Korans systematisch zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textbasierte, vergleichende Untersuchung, die sich primär auf die Analyse von Koranstellen und deren wissenschaftliche Auslegung stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Jesu Titeln, seiner Rolle als Prophet, seinen übernatürlichen Aspekten sowie der Ablehnung der Kreuzigung durch den Koran.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Islam, Koran, Jesus, Prophet, Christologie, Messias und der Vergleich zu biblischen Überlieferungen.
Wie deutet der Koran den Titel "Messias" für Jesus?
Der Koran nutzt den Begriff "al-masih", deutet ihn jedoch fundamental anders als das christliche Verständnis, etwa als "den Wandernden" oder durch Bezugnahme auf Jesu Wundertaten.
Warum lehnt der Koran die Vorstellung von Jesus als "Sohn Gottes" ab?
Der Islam betont strikt die Einzigartigkeit Gottes (Monotheismus); die Vorstellung einer Gottessohnschaft gilt als unvereinbar mit dem islamischen Gottesverständnis.
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- Simon Leutz (Autor), 2014, Die Figur Jesus und die Christologie des Korans, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311231