Zu den Lernbedingungen in einer Schreibwerkstatt. Eine Untersuchung


Forschungsarbeit, 2015
13 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Zur Schreibwerkstatt

2. Zur Atmosphäre einer Schreibwerkstatt

3. Zur Rolle des Leiters einer Schreibwerkstatt

4. Kooperationskompetenz in der Schreibwerkstatt

5. Didaktische Prinzipien in der Schreibwerkstatt

Literatur

Abstract

Gegenstand vorliegender Untersuchung sind die Lernbedingungen in einer Schreibwerkstatt. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht ferner die Rolle des Leiters der Schreibwerkstatt. In dieser Arbeit sollen des Weiteren Kooperationskompetenz und didaktische Prinzipien in der Schreibwerkstatt dargestellt werden. Zur Betrachtung dieser Punkte werden theoretische Grundlagen in diesem Zusammenhang herangezogen. Die Arbeit solle ferner einen Einblick in die Arbeit in der Schreibwerksatt ermöglichen.

1. Zur Schreibwerkstatt

Im Folgenden wird zuerst auf theoretische Grundlagen zur Schreibwerkstatt eingegangen. Die Schreibwerkstatt ziele darauf, den Teilnehmern der Schreibwerkstatt die Freiheit zu geben, eigene Texte zu schreiben und auf andere Texte zu reagieren. Die Kreativität solle dabei gefördert werden. Für diesen Zweck sollen ferner die Textsortenkonventionen und feste Vorgaben dieser Kreativität nicht im Wege stehen. So POGNER (2010)[1]. Die Schreibwerkstatt bediene sich der Prozessdidaktik. Diese Didaktik beziehe sich nicht auf dem Endprodukt, sondern auf dem Prozess der Textproduktion mit den Komponenten Ideengenerierung, Planung, Umsetzung und Bearbeitung. Diese Komponenten verlaufen in den Modellen der Schreibforschung nicht linear, sondern rekursiv, d.h. es gebe keine Phasen, die aufeinander folgen (vgl. POGNER, 1994)[2].

Schwierigkeiten mit der Sprache, wie Wortschatz, Rechtschreibung und Grammatik werden in den Schreibwerkstätten behandelt. Schreibwerkstätten können nach kommunikativ-funktioneller Textproduktion vorgehen. BRINKER (1988, 6)[3] weist darauf hin, dass Texte seit der pragmatischen Wende als eine komplexe sprachliche Handlung betrachtet werden. Dabei werde angestrebt, eine kommunikative Beziehung zu den Lesern herzustellen. In diesem Fall werden die kommunikative Funktion von Texten und die Anpassung an die Leser in den Vordergrund gestellt. Das kommunikative Schreiben beziehe sich (vgl. POGNER 1999)[4] auf die Kreativität, d.h. die Lerner sollten eher keine Reproduktionen von Texten leisten, sondern vielmehr neue Texte produzieren. Die Leser sollten in individuellen oder kollektiven Textproduktionsprozessen mitmachen, indem sie für das nötige Feedback sorgen, um die Texte der Schreibwerkstattsteilnehmer zu verbessern.

Schreibwerkstätten können somit mit kommunikativ-funktioneller Textproduktion oder mit Prozessdidaktik arbeiten. Sie beziehen sich auf die Kreativität der Teilnehmer bei der Textproduktion. Ferner motivieren sie dazu, „[…] mit der Sprache zu experimentieren, um eine Idee auszudrücken oder die gleichen Ausdrücke in verschiedenen Kontexten zu verwenden“. So SWARBRIK (1994, 143)[5].

2. Zur Atmosphäre einer Schreibwerkstatt

Die Schreibwerkstatt ist eine Einrichtung, in der das Schreiben gelernt wird. Damit dies gut funktioniert, sollten Lernbedingungen geschaffen werden, die das Lernen vom Schreiben fördern. Für diesen Zweck sollte vielmehr eine Atmosphäre geschaffen werden. Nachfolgend wird auf diesen Aspekt näher eingegangen.

Im Folgenden werden die relevanten Aspekte, die die Atmosphäre in einer Schreibwerkstatt ausmachen, näher aufgearbeitet.

Die Atmosphäre in einer Schreibwerksatt scheine von großer Bedeutung zu sein und zwar für die Teilnehmer und den Leiter der Schreibwerkstatt, denn sie beeinflusse die Arbeit in der Schreibwerkstatt. In diesem Zusammenhang führen POMMERIN, u.a. (1996)[6] aus, dass sie mit einer besonderen Einrichtung des Klassenzimmers, wie Stellwand, ein Gruppensitz, und Lernmaterialien wie Papier, Stifte und Wörterbücher ausgestattet sei. Hierin sollte eine lockere Atmosphäre herrschen, in der der Schreibprozess durchgeführt werde.

In der Schreibwerkstatt sollten keine Zensuren gegeben werden und es sollten keine strengeren Kontrollen durchgeführt werden, um eine lockere Stimmung für die Schreiber zu schaffen. Es gehe nämlich um die Intimsphäre der Teilnehmer. So VOPEL (1998, 14)[7]. Sie müssen sich ganz locker fühlen, indem sie über ihr Leben schreiben, d.h. wenn die Teilnehmer, wie zum Beispiel autobiographische Texte oder über ihre Privatsphäre schreiben, dürfen keine Angst vor der Reaktionen anderer Teilnehmer haben. Demzufolge sollte die Atmosphäre unbefangen sein, d.h. jeder Teilnehmer sollte die Gelegenheit haben, mit ihren eigenen Stil zu arbeiten.

Alle Teilnehmer und sogar, die unsicher und keine Motivation haben und einschließlich der Lehrende, sollten mitmachen und schreiben. Jeder Teilnehmer sollte aber auch die schriftlichen Arbeiten der anderen Teilnehmer respektieren. Die Schreibwerkstatt biete interessante Vorteile, indem sie die Lernenden dazu motivieren, ihre Erfahrungen und Gefühle, schriftlich auszudrücken. Ferner fördere sie die sprachliche Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Schreibwerkstatt. So VOPEL (1998, 14)[8]. Darin schreiben die Teilnehmer Leserbriefe, wo sie ihre Stellungsnahmen über einen Text machen, der von einem Mitglied verfasst worden sei. Dabei könnten auch Verbesserungsvorschläge hinsichtlich der Form oder des Textinhalts gemacht werden (Ebd.). Wichtig auch bei der Schreibwerkstatt seien ebenfalls die Arbeitsmittel. Die Teilnehmer sollten über eine Mappe verfügen, in der sie ihre schriftlichen Arbeiten, wie Texte, Skizzen, Notizen oder Fragmente aufbewahren. Diese Mappen seien als Archiv zu betrachten. Ab und zu können die Teilnehmer ihre alten Notizen oder Texte aus ihren Mappen abholen, um sie erneut zu überarbeiten und zu verbessern. Als Nächstes brauchen die Teilnehmer ein Notizbuch, das als Privateigentum gelte, d.h. die anderen Teilnehmer dürfen dieses persönliche Notizbuch nicht lesen. Dieses Notizbuch gelte auch als eine Art Miniatur- Schreibwerkstatt. Darin können Gedichte, interessante Beobachtungen, die eigenen Selbstgespräche, Ereignisse, Erinnerungen, Gedanken über das Schreiben oder Reaktionen geschrieben werden. Die bereitgestellten Materialien sollen die Teilnehmer dazu veranlassen, sich in vielfältigen Schreibaktivitäten zu begeben. Zu den Materialien[9] gehören:

- Arbeitsblätter zum Ausfüllen
- Übungen mit verschiedenen Selbstkontrollgeräten
- Hefte und Bücher zum Lesen und Anschauenden
- Bilder, Wortkarten, die zum Verschriften anregen
- Bastelmaterial
- Spiele wie z.B. Memory, Puzzle

In einer Schreibwerkstatt gelten einige Regeln, die die Teilnehmer einhalten sollen. Sie sollen das verwendete Material wieder ordentlich an seinen Platz räumen, nachdem sie ihre Arbeit erledigt haben. Sie sollen darüber hinaus für Sauberkeit sorgen und vor allem, nachdem sie gebastelt oder Papiere geschnitten haben. Ferner können die durchgeführten Spiele und sogar die Arbeit zu zweit oder in Gruppen Störungen für andere Teilnehmer werden. In diesem Fall greife der Leiter der Schreibwerkstatt ein, indem er ein Zeichen durch eine Glocke oder Rassel gebe, damit die Lerner leise arbeiten. Wenn die Zeit der Sitzung zu Ende gehe, erklinge eine Musik, damit die Teilnehmer damit anfangen, ihre Materialien aufzuräumen. Im Anschluss daran setzen sich die Teilnehmer mit dem Leiter in einem Kreis und besprechen sie ihre Aktivitäten im Verlaufe der Sitzung, die wiederum vom Leiter bewertet werden solle, d.h. welche Arbeiten seien gelungen und welche zu verbessern sind. BRÄUER (2000)[10] ist der Auffassung, dass die Schreibwerkstatt als eine permanente Einrichtung im Klassenzimmer betrachtet werden müsste. In dieser Einrichtung sollte das Schreiben durch folgende Bestandteile hauptsächlich angeregt werden; Schreibmaterialien, Utensilien zum bildnerischen Gestalten, Stempel- oder Setzkästen, Computer, Zeitungen, Fachzeitschriften, Nachschlagwerke, Fachbücher, Bilder und Texte von Schülern, Ausstellflächen für längerfristige Projekte, individuelle Aufgaben, gemeinsame Arbeiten. Diese Bestandteile seien nur im Allgemeinen dargestellt und sie könnten sich je nach Besonderheit des Faches oder anderen spezifischen Voraussetzungen variieren.

[...]


[1] POGNER, K.-H. (2010): Kreatives Schreiben und Schreibwerkstatt, [in:] Krumm, Hans-Jürgen, u.a. [Hrgs.] Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Ein internationales Handbuch. 2. Halbband, Berlin, De Gruyter Mouton, 1583-1587

[2] POGNER, K.-H. (1994): Texting: Toward a didactics of (second language) writing. In: Karl-Heinz Pogner (Hg.), More about Writing,115-139 (OWPLC 6.) Odense: Odense University.

[3] BRINKER, K. (1988): Bedingungen der Textualität. Der Deutschunterricht 3. 6-18.

[4] POGNER, K.-H. (1999): Schreiben im Beruf als Handeln im Fach. Tübingen, Narr.

[5] SWARBRIK, A. (1994): A la recherche du stylo perdu. In: Ann Swarbrik (Hg.), Teaching Modern Languages,16-150. London/New York, NY: Routledge.

[6] POMMERIN, G. u.a. (1996) : Kreatives Schreiben, Handbuch für den deutschen und interkulturellen Sprachunterricht in den Klassen 1-10. Beltz Verlag. Weinheim und Basel.

[7] VOPEL, K. (1998): Schreibwerkstatt Band 1: eine Anleitung zum kreativen Schreiben für Schüler, Lehrer und Autoren. Salzhausen. Iskopress.

[8] VOPEL, K. (1998): Schreibwerkstatt Band 1: eine Anleitung zum kreativen Schreiben für Schüler, Lehrer und Autoren. Salzhausen. Iskopress.

[9] SCHORCH (2005): Grundschulpädagogik und- Didaktik. (Hrg.) In: Unser erstes Werkstatt-Angebot für den Schriftspracherwerb. In: Studententexte. Bad Heilbrunn/ Obb., G. Verlag Juliius Klinkhardt.

[10] BRÄUER, G. (2000): Schreiben als reflexive Praxis. Fillibach Verlag. Freiburg im Breisgau.

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Details

Titel
Zu den Lernbedingungen in einer Schreibwerkstatt. Eine Untersuchung
Hochschule
University of Oran  (Fremdsprachen)
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V311279
ISBN (eBook)
9783668099074
ISBN (Buch)
9783668099081
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lernbedingungen, schreibwerkstatt, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Mag. Mohamed Chaabani (Autor), 2015, Zu den Lernbedingungen in einer Schreibwerkstatt. Eine Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311279

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