Die Pflegeplanung ist zentrales Thema innerhalb der Pflegeausbildung und durch die Umstellung auf die Strukturierte Informationssammlung (SIS) im Umbruch. Horst Kolb identifiziert in seinem Resümee 10 Gebote, die für die Planung der Pflege gelten. Grundlage ist das 6-schrittige Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier. Hierin wird der Prozess des Clinical Reasoning eingearbeitet. Einen breiten Raum nehmen Zielvereinbarungen mit dem Pflegebedürftigen und der Nutzen gerichteten Denkens ein. Ein Fallbeispiel mit Darstellung nach ICF im PESR-Schema verfasst und unter Anwendung der Pflegediagnosen nach NANDA runden das Thema ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Ziel der Publikation
2 Pflegeprozess
3 Informationssammlung
3.1 Informationssammlung als Assessment
3.1.1 Datensammlung
3.1.2 Datenorganisation
3.1.3 Datenkategorisierung
3.1.4 Musterbildung / Clusterbildung
3.1.5 Datenbewertung und Datendokumentation
3.2 Assessment-Typen
3.3 Informationssammlung und Informationsauswertung im Clinical Reasoning
3.3.1 Pre-Assessment Image
3.3.2 Cue Acquisition
3.3.3 Hypothesis Generation
3.3.4 Cue Interpretation
3.3.5 Hypothesis Evaluation
3.3.6 Diagnosis
3.4 Förderliche Instrumente im Informationsgewinnungsprozess
3.4.1 Pattern Recognition
3.4.2 Illness-Script
3.4.3 Die 4 C des Clinical Reasoning
3.4.4 Die 6 L des Clinical Reasoning
3.4.5 CR-Web
4 Erkennen von Problemen und Ressourcen
4.1 Problembeschreibung
4.2 Problembeurteilung
4.3 Problemlösung
4.4 Ressourcen, Kompetenzen und Performanzen
5 Festlegung der Ziele
5.1 Zielvereinbarungen
5.2 Vorteil der Zielvereinbarung versus einer Zielvorgabe
5.3 Begriffsdefinition Ziel
5.4 Akzeptanz im Zielvereinbarungsprozess
5.5 Zielbeziehungen
5.6 Positive Auswirkungen einer Zielvereinbarung
5.6.1 Positive Auswirkungen auf die Motivation
5.6.2 Positive Auswirkungen auf die Sicherheit
5.6.3 Positive Auswirkungen auf allgemeine Aspekte
5.6.4 Chancen für Pflegekraft und Pflegeeinrichtung
5.7 Zielarten
5.7.1 Quantitative versus qualitative Ziele
5.7.2 Ziele in Abhängigkeit von Freiheitsgraden und Anforderungskomplexität
5.7.3 Ziele in Abhängigkeit vom Planungshorizont
5.7.4 Ziele in Abhängigkeit vom Abstraktionsniveau
5.7.5 Ziele in Abhängigkeit von der Verhaltensdimension
5.7.6 Ziele in Abhängigkeit von Kompetenz
5.7.7 Ziele in Abhängigkeit von der Nähe der Erreichbarkeit
5.7.8 Ziele in Abhängigkeit vom Zielbereich
5.7.9 Ziele in Abhängigkeit von der Personenanzahl
5.7.10 Ziele in Abhängigkeit von festgestelltem Mangel
5.7.11 Ziele in Abhängigkeit vom Status quo
5.7.12 Ziele in Abhängigkeit von Integration versus Autonomie
5.8 Wirkung der Ziele
5.9 Gütekriterien und Anforderungen
5.9.1 Zielformulierung SMART
5.9.2 Zielkriterien im 3-V-Modell
5.10 Messung des Zielerreichungsgrades
5.10.1 Prozentuale Messung
5.10.2 Skalierte Messung
5.10.3 Goal Attainment Scaling (GAS)
5.11 Fehler bei Zielvereinbarungen
5.11.1 Zielsetzung statt Zielvereinbarung
5.11.2 Verwechslung von Ziel und Indikatoren
5.11.3 Ziele ohne Zukunftsentwurf
5.11.4 Ziele ohne sinnvolle Begründung
5.11.5 Opferung sinnvoller Ziele für Messbarkeit
5.11.6 Fehlende Anknüpfung
5.11.7 Kumulierte Sicherheitspuffer
5.11.8 Bestehende Zielkonflikte
5.11.9 Zu lange Zielzeiträume
5.11.10 Geringschätzung konstruktiver Atmosphäre
6 Planung der Maßnahmen
7 Durchführung der Maßnahmen
8 Beurteilung der durchgeführten Pflege
9 Nutzung gerichteten Denkens zur Pflegeplanung
9.1 Denkweise versus Denkstrategie
9.2 Gerichtetheit des Denkens
9.3 Methoden und Formen des gerichteten Denkens
9.3.1 Divergentes und konvergentes Denken
9.3.2 Analytisches und synthetisches Denken
9.3.3 Induktives und deduktives Denken
9.3.4 Deskriptives und normatives Denken
9.3.5 Kritisches Denken
9.3.5.1 Faktoren des kritischen Denkens
9.3.5.2 Kognitive Fähigkeiten
9.3.5.3 T.H.I.N.K.-Modell
9.3.6 Kreative Denkformen
9.3.6.1 Laterales und lineares Denken
9.3.6.2 Paradoxes Denken
9.3.6.3 Lautes Denken
9.3.6.4 Systemisches Denken
9.4 Denkstrategien nach Pesut & Herman
9.5 Denkstrategien nach De Bono
9.5.1 Six Thinking Frames
9.5.2 Six Thinking Hats
9.6 Einflussfaktoren auf das Denken
10 Fallbeispiel
11 Falldarstellung im ICF-Schema
12 Pflegeplanung unter Verwendung des Modells der fördernden Prozesspflege
12.1 Vorstellung des AEDL-Strukturmodells
12.2 Einbindung von Pflegediagnosen
12.2.1 Arten von Pflegediagnosen nach NANDA
12.2.2 PESR-Schema
13 Pflegeplanung für Frau M.
13.1 Beispiel aus dem Bereich Nahrungsaufnahme
13.2 Beispiel aus dem Bereich Körperpflege / Waschen
13.3 Beispiel aus dem Bereich Anziehen / Ausziehen / Kleiden
13.4 Zusammenschau zum Beispiel
14 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Anhang 1 AEDL-Strukturmodell
Anhang 2 Stoffsammlung Denkbegriffe
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der fundierten theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit der professionellen Pflegeplanung. Das zentrale Ziel ist es, Unsicherheiten in der Anwendung pflegerischer Planungskonzepte abzubauen, indem grundlegende Theorien erläutert und mit praktischen Denkstrategien verknüpft werden, um eine qualitativ hochwertige und nachvollziehbare pflegerische Versorgung sicherzustellen.
- Theoretische Grundlagen des Pflegeprozesses und deren Entwicklung.
- Methodische Ansätze zur Informationssammlung und Assessment-Durchführung.
- Konzepte des Clinical Reasoning zur Problemanalyse und Diagnosestellung.
- Strukturierung und Formulierung von Pflegezielen sowie deren Evaluation.
- Anwendung kognitiver Denkstrategien zur Entscheidungsfindung in der Pflegepraxis.
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Pattern Recognition
Unter Pattern Recognition (Mustererkennung) ist die Fähigkeit der Pflegekraft zu verstehen, in einer Menge von Daten (Beobachtungen, Beschreibungen, Aussagen des Pflegebedürftigen) Regelmäßigkeiten, Ähnlichkeiten, Gesetzmäßigkeiten, also Muster zu erkennen. Durch die Anwendung dieser Mustererkennung gelingt es der Pflegekraft in dem zunächst ungeordneten Datenstrom eine gewisse Ordnung zu sehen. „Die Mustererkennung [...] kann als eine komprimierte, vor allem zeitsparende Form des [...] Vorgehens angesehen werden.“ (Beushausen 2009:16)
Pattern Recognition wird vor allem von Pflegekräften mit Expertise angewandt, die nicht mehr jedes Detail aufsuchen sondern ähnlich einem Scanner das Muster der vorliegenden Erkrankung und den daraus resultierenden Pflegebedarf aufgrund der Pflegeprobleme erfassen.
Pattern Recognition kann dabei auf zwei Wegen erfolgen:
- Schablonenvergleich (Template Matching)
- Merkmalsanalyse (Feature Analysis)
Sowohl Klemme & Siegmann (2006), als auch Beushausen (2009), die sich auf McAllister und Lincoln (2005) beruft, gehen lediglich auf die Möglichkeit der Mustererkennung nach dem Prinzip des Schablonenvergleichs (Template Matching) ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung und Ziel der Publikation: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen bei der Erstellung von Pflegeplanungen in der Altenpflegeausbildung und skizziert die Zielsetzung der Arbeit zur theoretischen Klärung.
2 Pflegeprozess: Dieses Kapitel definiert den Pflegeprozess als methodischen Ablauf und verankert ihn in pflegewissenschaftlichen sowie systemtheoretischen Kontexten.
3 Informationssammlung: Es wird die Bedeutung des Assessments als Grundlage der Pflegeplanung detailliert dargelegt, inklusive spezieller Methoden wie Clinical Reasoning.
4 Erkennen von Problemen und Ressourcen: Fokus liegt hier auf der präzisen Problembeschreibung und der Identifikation von Ressourcen als wesentliche Pfeiler der professionellen Pflege.
5 Festlegung der Ziele: Dieses Kapitel behandelt ausführlich die zielorientierte Pflege, von der Zielvereinbarung bis hin zu messbaren Gütekriterien.
6 Planung der Maßnahmen: Erläutert die Notwendigkeit, aus den Pflegeproblemen und -zielen verbindliche Maßnahmen abzuleiten.
7 Durchführung der Maßnahmen: Beschreibt die praktische Umsetzung und die Relevanz von evidenzbasierter Pflege in diesem Prozessschritt.
8 Beurteilung der durchgeführten Pflege: Fokussiert auf die Evaluation als retrospektiven Prozess zur Überprüfung der Wirksamkeit der Pflegemaßnahmen.
9 Nutzung gerichteten Denkens zur Pflegeplanung: Erforscht verschiedene Denkmethoden und kognitive Strategien, die Pflegekräfte zur Optimierung ihres professionellen Urteilsvermögens einsetzen können.
10 Fallbeispiel: Stellt eine Fallbiografie vor, die als praktische Grundlage für die folgenden Kapitel dient.
11 Falldarstellung im ICF-Schema: Wendet das ICF-Klassifikationsmodell auf das gewählte Fallbeispiel zur strukturierten Erfassung an.
12 Pflegeplanung unter Verwendung des Modells der fördernden Prozesspflege: Verbindet die theoretischen Aspekte mit den Modellen der aktivitätenbezogenen Pflege und Pflegediagnosen.
13 Pflegeplanung für Frau M.: Bietet konkrete, beispielhafte Pflegeplanungen für das Fallbeispiel in verschiedenen Alltagsbereichen.
14 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Reflektiert den aktuellen Stand der Pflegeplanung und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen hin zur strukturierten digitalen Dokumentation.
Schlüsselwörter
Pflegeplanung, Pflegeprozess, Clinical Reasoning, Pflegediagnosen, Zielvereinbarung, Assessment, Mustererkennung, Pflegemaßnahmen, kritische Denken, AEDL-Strukturmodell, ICF, Pflegemanagement, Dokumentation, Ergebnisqualität, Zielformulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation bietet einen fundierten Einblick in die theoretischen Grundlagen und praktischen Methoden der professionellen Pflegeplanung, um die Anwendungssicherheit bei Pflegekräften zu erhöhen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Pflegeprozess, Methoden zur Informationsgewinnung (Assessment), pflegerische Entscheidungsfindung (Clinical Reasoning), Zielvereinbarungstechniken sowie kognitive Strategien für das pflegerische Denken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischen Anforderungen und praktischer Umsetzung der Pflegeplanung zu verringern und eine wissenschaftlich fundierte, methodische Vorgehensweise zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, die Einbettung etablierter Pflegemodelle (z.B. Krohwinkel, Fiechter & Meier) und die Anwendung kognitionspsychologischer Denkstrategien (z.B. De Bono, Clinical Reasoning Frameworks).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen des Pflegeprozesses (Assessment, Diagnostik, Zielsetzung, Planung, Umsetzung, Evaluation) und verknüpft diese mit spezifischen Instrumenten wie dem PESR-Schema und verschiedenen Denkmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Pflegeplanung, Clinical Reasoning, Pflegediagnosen, Zielvereinbarung, Assessment, Mustererkennung und Pflegemanagement.
Warum spielt das "Clinical Reasoning" eine so große Rolle in diesem Buch?
Clinical Reasoning ist essenziell, da es den Denkprozess der Pflegekraft strukturiert und hilft, komplexe Patientendaten in logische klinische Entscheidungen und pflegerische Interventionen zu übersetzen.
Wie unterstützt das Buch Pflegekräfte bei der Zielformulierung?
Das Buch bietet konkrete Anleitungen zur Anwendung der SMART-Formel und weiterer Kriterien, um sicherzustellen, dass Pflegeziele präzise, messbar und für den Patienten erreichbar sind.
Welchen Stellenwert nimmt die Falldarstellung ein?
Das Fallbeispiel dient als verbindendes Element, an dem die abstrakten theoretischen Konzepte wie ICF-Klassifikation und NANDA-Pflegediagnosen praxisnah demonstriert werden.
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- Horst Siegfried Kolb (Author), 2015, Pflegeplanung. Grundlagen und Theorie für Auszubildende in der Altenpflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311451