Montessori-Elemente im Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache


Seminararbeit, 2015

25 Seiten, Note: 1,0

Laura Smith (Autor)


Leseprobe

Gliederung

1. DAZ als Herausforderung für den Unterricht in der heutigen Zeit

2. Montessori-Elemente im DAZ-Unterricht
2.1 Grundlagen der Montessoripädagogik
2.2.1 Maria Montessori
2.2.2 Pädagogische Aspekte
2.2.3 Methodik und Didaktik
2.3 Deutsch als Zweitsprache
2.3.1 Voraussetzungen für den Zweitspracherwerb
2.3.2 Sprache und Gehirn
2.3.3 Kompetenzen der Kinder
2.3.4 Kompetenzen der Lehrkräfte
2.3.5 Pädagogischer Blickwinkel
2.3.6 Didaktische Prinzipien
2.4 Unterrichtspraktische Überlegungen
2.4.1 Sandpapierbuchstaben
2.4.2 Hörmemory
2.4.3 Sprachspiele zur Wortschatzerweiterung
2.4.4 Lautzeichen im Wort zuordnen

3. Fazit

1. DAZ als Herausforderung für den Unterricht in der heutigen Zeit

Deutsch als Zweitsprache ist aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen immer mehr in den Vordergrund der Diskussion über Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung im Fach Deutsch geraten. Der neue Lehrplan PLUS sieht Deutsch als Zweitsprache sogar als eigenes Fach neben dem Deutschunterricht an.

Die bildungspolitische Relevanz dieses Thema lässt sich anhand verschiedener Statistiken und Forschungen ableiten. 60,9 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder mit Migrationshintergrund sprächen in der Familie vorrangig nicht Deutsch.1Dies bedeutet, dass diese Kinder diese wichtige Bildungsressource nicht in der Primärsozialisationsinstanz Familie erlernen und die Schule Fördermöglichkeiten zur Verfügung stellen muss.

Es stellt sich nun die Frage, wie solche Fördermöglichkeiten konkret aussehen sollen. Die Seminararbeit beschäftigt sich mit diesem Thema. Die konkrete Forschungsfrage lautet nämlich:

Gibt es Materialien aus der Montessori-Pädagogik, welche sich für den DaZ-Unterricht in der Grundschule eignen?

Zu Beginn der Arbeit wird in einem Theorieteil darauf eingeganen, was unter der Montessori-Pädagogik zu verstehen ist und es wird das Unterrichtsfach DaZ beschrieben. Im Anschluss daran folgt der Praxisteil der Arbeit. Zunächst werden verschiedene Montessori-Materialien vorgestellt, welche sich für den DaZ-Unterricht in der Grundschule eignen; diese werden im Anschluss in den Lehrplan eingeordnet, didaktisch reflektiert und begründet. Zusammenfassend werden die Chancen und Grenzen der Idee erörtert und ein Fazit gezogen.

2. Montessori-Elemente im DaZ-Unterricht

2.1 Grundlagen der Montessoripädagogik

„Hilf mir, es selbst zu tun“2, so lautet das Paradigma des Montessoriunterricht, welcher auch im 21. Jahrhundert nichts an seiner Aktualität verloren hat. In diesem Teil der Hausarbeit werden die Grundlagen der Montessoripädagogik aufgezeigt. Zu Beginn wird auf die Person Montessori eingegangen, im Anschluss auf ihre Pädagogik und auf die konkrete Methodik und Didaktik, welche im Schriftspracherwerb der Grundschule stattfinden kann.

2.2.1 Maria Montessori

„Maria Montessori ist viel komplizierter und interessanter als die Gipsheilige, zu der ihre ergebenen Anhänger sie gemacht haben. Unter all der fast mystischen Verehrung, der Heiligenlegende, die als Biografie ausgegeben wurde, steckt eine zähe und intelligente Frau, die zumindest in ihrer Jugend Dinge dachte und tat, die niemand vorher in den Sinn gekommen waren.“3

Anhand dieser Beschreibung durch das Zitat wird bereits deutlich, dass Maria Montessori eine besondere Frau war und somit auch ihre Biografie von Relevanz ist. Sie selbst hat keine Autobiographie geschrieben. Diesem kapitel liegen die biografischen Arbeiten von Rita Kramer zugrunde, welche bereits durch das einleitende Zitat erwähnt worden ist.

Maria Montessori wurde am 31.August 1870 in Chiaravalle geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie mit ihrer Familie in Rom. Nach der obligatorischen Schulausbildung besucht sie die technische Oberschule für Jungen und möchte Ingeneurin werden. Bei ihren emanzipatorischen Lebensentwurf, als Frau Karriere zu machen, wurde sie von ihrer Mutter unterstützt. Am Ende der Schulzeit will Montessori Medizin studieren und Ärztin werden. Mit 26 Jahren hat Montessori ihr studium der Medizin abgeschlossen und wird 1896 die erste Ärztin Italiens. Sie promovierte als Assistenzärztin an der Psychatrischen Universitätsklinik in Rom und betreibt eine private Arztpraxis. Bei der Arbeit an der Psychatrischen Universitätsklinik erkennt Montessori, dass die Kinder ein Bedürfnis nach geistiger Anregung besitzen.

Ihr sogenanntes „pädagogisches Urerlebnis“4hat Montessori, als sie ein kleines Mädchen beobachtet. Dieses beschäftigt sich intensiv mit einem Sinnesmaterial und lässt sich dabei von nichts stören. Es zeigt tiefe Zufriedenheit, als es die Aufgabe bewältigt hat. Wenn man Kindern geeignetes Material gibt, so arbeiten sie freiwillig, konzentriert und motiviert. Montessori widmet sich nun mehr der Erziehung von Kindern, als der Medizin. 1929 gründet sie einen internationalen Verein Associacion Montessori International. Nach Einschätzungen dieses Vereins existieren heute in 110 Ländern der Welt über 22000 Montessori-Einrichtungen. Rund 66000 Kinder und Jugendliche werden somit nach den pädagogischen Prinzipien Montessoris erzogen und unterrichtet. Die konkreten Leitgedanken Montessoris werden im folgenden Kapitel skizziert.

2.2.2 Pädagogische Aspekte

Montessori betont, dass die menschliche Entwicklung ein sukzessives Streben nach Unabhängigkeit darstellt. Dies beginnt bereits nach der Geburt und wird fortlaufend weiter erstrebt.5 Die Errungenschaften, welche als Fähigkeiten und Fertigkeiten bezeichnet werden können, erreichen die Kinder, weil sie einen inneren Antrieb besitzen, der sie zum Baumeister ihrer selbst macht.6Wichtig dabei ist, dass das Erziehungsziel hin zu einer eigenständigen Persönlichkeit erfüllt wird.7

Gelingende Entwicklung bedarf einer geeigneten Umgebung und der Möglichkeit nach freier Betätigung. Besonders in sensiblen Phasen sind die Kinder einem Lerngegenstand gegenüber besonders empfänglich und können sich produktiv damit auseinandersetzen.

Sensible Phasen sind definiert als

(Sensibilitäten), die sich durch erhöhte spezifische Lernbereitschaft auszeichnen“8. Die

Arbeit des Kindes in diesen Phasen ist geprägt von relativ mühelosem Erwerb des Lerngegenstandes. Die sensiblen Lernphasen weisen im Kinde eine intrinsische Motivation bei der Arbeit mit dem Lerngengenstand auf. Somit werden im Kinde schöpferische Energien freigesetzt.9 Nach den pädagogischen Grundsätzen, welche hier nur ausschnitthaft behandelt wurden, rücken nun didaktisch-methodische Aspekte in den Vordergrund.

2.2.3 Methodik und Didaktik

Eine weitere wichtige Erkenntnis Montessoris ist die Polarisation der Aufmerksamkeit. Dies bedeutet, dass die Kinder in eine tiefe Konzentration fallen, wenn sie sich in bestimmten Situationen befinden.10Aufgabe der Lehrkraft ist es nun, Bedingungen zu schaffen, welche das Entstehen einer derartigen Konzentration begünstigen.

Wichtig dabei ist die vorbereitete Lernumgebung, die als „Schlüssel zur Welt“11dienen soll. Es gilt, das Material richtig zu ordnen. Montessori unterteilt dabei das Material in fünf Bereiche: Sprachmaterial, Sinnesmaterial, Mathematikmaterial, Kosmisches Material und Übungen des täglichen Lebens.12 Für den DaZ-Unterricht sind eigentlich alle Materialbereiche geeinet, außer dem Mathematikmaterial. Dies kann als ein erstes Argument gesehen werden, dass es gemäß der Forschungsfrage möglich und sinnvoll sein kann, den DaZ-Unterricht anhand von Montessori-Material durchzuführen.

Die Lernmaterialien sollten für die freie Arbeit der Kinder bestimmte Eigenschaften aufweisen. Wichtig ist, dass eine Schwierigkeit bzw. Eigenschaft isoliert wird. Dies erleichtert es dem Kind, den Kern der Aufgabe zu verstehen und für das eigentliche Problem ein Bewusstsein zu erlangen. Wenn man hierbei verschiedene Aspekte vermischt, sind die Kinder überfordert. Für die Entwicklung des Schreibens gibt es beispielsweise verschiedene Übungen, welche entweder die Stifthaltung trainieren oder auch Einsicht in die Phonem-Graphem-Korrespondenz ermöglichen. Der Schreiblernvorgang wird somit in Teil-Lernschritte zerlegt, wobei einzelne Kompetenzen getrennt geübt werden können.13

Zudem betont Montessori, dass jedes Arbeitsmittel immer nur einmal im Raum vorhanden sein muss. Dies dient der Überschaubarkeit, damit die Kinder den Überblick in der Lernlandschaft nicht verlieren. Diese Begrenzung kann die Geduld, die Rücksichtnahme und die Kooperation untereinander fördern. Konkret kann das für den Unterricht bedeuten, dass jedes Lesekörbchen zu Lautverbindungen nur eine begrenzte Anzahl an Gegenständen und Wortkärtchen beinhaltet, damit die Kinder stets den Überblick behalten.14

Auch die Ästhetik und der Aufforderungscharakter des Materials sind von besonderer Bedeutung. So sind beispielsweise die Sandpapierbuchstaben auf große Holztafeln geklebt, die von den Kindern gerne in die Hand genommen werden.15

Ein weiteres wichtiges Merkmal für Montessori-Materialien ist die Aktivität. Aktives Tun ermöglicht konzentrierte Lernprozesse. Die Lernerfolge werden durch eigene Anstrengungen erreicht. Besonders bei abstrakten Vorgängen, Regeln oder Probleme ist es wichtig, den Lerngegenstand durch konkrete Handlungen sinnlich erfahrbar zu machen. Dies kann beispielsweise durch die Arbeit mit Wortsymbolen erfolgen. Anhand von unterschiedlich langen und komplexen Sätzen lässt sich variantenreich wiederholen und üben.16

Zudem ist die Selbstkontrolle wichtig, denn diese fördert die Selbstständigkeit und macht das Kind unabhängig von der Lehrkraft. Die Rückmeldung wird von der Sache selbst erfahren und nicht von einer Person. Fehler sind somit nicht mit einer persönlichen Rüge von der Lehrkraft mit Verweis auf die Defizite des Kindes verbunden, sondern können weiterhelfen und Hinweise auf nächste Lernschritte geben.

[...]


1Vgl. Statistisches Bundesamt, Statistik der Kinder und Jugendhilfe über Kinder in Kindertageseinrichtungen 2012, unter http://mediendienst-integration.de/integration/sprache.html (zuletzt gesichtet am 30.08.2015)

2Hedderich 2011, S.39.

3Kramer 1997, S.13.

4Hedderich 2011, S.15.

5Vgl. Oswald/Schulz-Benesch 2012, S.96.

6Vgl. Oswald/Schulz-Benesch 2012, S.59.

7Vgl. Hedderich 2011, S.48.

„Zeitabschnitte bestimmter Empfänglichkeiten

8Klein-Landeck/Pütz 2013, S.13.

9Vgl. ebd., S.15.

10Vgl. ebd., S.33.

11Hedderich 2011, S.45.

12Vgl. ebd.

13Vgl. Klein-Landeck/Pütz 2013, S.83.

14Vgl. ebd., S.84.

15Vgl. ebd.

16Vgl. ebd., S.85.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Montessori-Elemente im Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V311610
ISBN (eBook)
9783668104587
ISBN (Buch)
9783668104594
Dateigröße
902 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch als Zweitsprache, Montessori, DAF, DAZ, Zweitsprache, Deutschunterricht, Grundschule
Arbeit zitieren
Laura Smith (Autor), 2015, Montessori-Elemente im Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311610

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