Beschwerden über fehlendes Interesse an Technik und den daraus entstehenden Nachwuchsmangel bestimmen aktuell die mediale Debatte über technische Berufe und Fachkräftemangel. Hinzu kommt, dass der Frauenanteil bei MINT-Berufen bei 14% nicht-Akademiker und 17% Akademiker liegt. Sowohl der Staat, als auch die Wirtschaft rufen Aktionen und Einrichtungen ins Leben, die versuchen, dem entgegenzuwirken. In Passau wurde beispielsweise die Wissenswerkstatt Passau gegründet, in welcher Kinder und Jugendliche durch Versuche und Projekte Phänomene aus Naturwissenschaften und Technik erleben können und auch an Vorführungen, Vorträgen und Betriebsbesichtigungen teilnehmen können. Das Kursangebot richtet sich auch an Schulklassen. Sachunterrichtlich-technische Lernprozesse können somit in der Wissenswerkstatt Passau initiiert und unterstützt werden.
Daher widme ich mich in meiner Seminararbeit dem Thema, ob die Wissenswerkstatt Passau dazu beitragen kann, das Interesse von Mädchen und Jungen für Technik zu fördern. Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich untersuchen, was Interesse ist, welche Rolle es für das Lernen der Kinder spielt und inwiefern hierbei das Geschlecht eine Rolle spielt. Im Zweiten Teil meiner Arbeit werde ich anhand empirischer Untersuchungen, die ich in der Wissenswerkstatt Passau durchgeführt habe untersuchen, ob die Wissenswerkstatt Passau zur Förderung des Interesses beiträgt.
Inhaltsverzeichnis
I. Das Interesse an Technik in der heutigen Gesellschaft
II. Theoretische Überlegungen
1. Der Begriff des Interesses und seine Bedeutung für das Lernen
1.1. Was ist Interesse?
1.2. Wie kann Interesse entstehen?
1.3. Relevanz von Interesse im Schulalltag
1.4. Wie kann das Interesse der Schüler gefördert werden?
2. Analyse von naturwissenschaftlich-technischem Interesse von Kindern anhand ihres Freizeitverhalten
3. Das Geschlecht – ein relevanter Unterschied?
3.1 Empirische Befunde
III. Hauptteil (Praxis)
1. Erkenntnisinteresse und Vorgehensweise bei der empirischen Studie
2. Grundlegende Informationenen zur Wissenswerkstatt Passau
3. Informationen zu den befragten Kindern
4. Ergebnisse der empirischen Studie
4.1 Das Umfeld der Kinder
4.2 Der Aspekt der Neugierde
4.3 Der Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und der Förderung des Interesses
4.4 Erfüllt die Wissenswerkstatt die Kriterien, die Interessenförderung ermöglichen?
4.5 Selbsteinschätzungen der Kinder über die Entwicklung ihres Interesses
4.6 Analyse des Interessensgegenstands
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht empirisch, ob der Besuch der Wissenswerkstatt Passau das Interesse von Mädchen und Jungen an Technik nachhaltig steigern kann, wobei die Differenzierung zwischen situationalem und individuellem Interesse sowie die Rolle des Geschlechts im Fokus stehen.
- Grundlagen der Interessenentwicklung und Bedeutung für das Lernen
- Einfluss des Geschlechts auf technisches Interesse und Selbstkonzept
- Handlungsorientierung in der Wissenswerkstatt Passau
- Empirische Analyse des kindlichen Freizeitverhaltens und Interessenumfelds
- Kriterien für eine erfolgreiche Interessenförderung im Sachunterricht
Auszug aus dem Buch
1.1 Was ist Interesse?
Interesse kann verstanden werden als „ […] persönliche Vorliebe, sich mit einem bestimmten Inhalt auf eine bestimmte Weise zu beschäftigen.“3 Interesse ist nach Krapp immer gegenstandsbezogen. Als Gegenstand des Interesses kann hierbei ein konkretes Objekt, thematische Bereiche oder auch gewisse Tätigkeiten bezeichnet werden. Dieser Wissensgegenstand kann zu einer Person auf kognitiver, emotionaler oder motivationaler Ebene in Beziehung stehen. Das Interesse ist beim Lernen insofern wichtig, da Interesse dazu führt, dass man über einen gewissen Themenbereich mehr erfahren möchte und sein Wissen darüber erweitern will.
Dadurch entsteht für den Lerner eine Identifikation mit den Interessensgegenständen.4 Mit diesem Gegenstand beschäftig sich die Person freiwillig, weil sie es für wichtig, reizvoll oder wertvoll erachtet. Hartinger bezeichnet diesen Aspekt als Wertaspekt. Durch die Befassung mit dem Interessensgegenstand erlebt die Person Freude, da handeln aus Interesse von positiven emotionalen Erlebnissen begleitet wird. Dies wird als emotionaler Aspekt bezeichnet. Als drittes führt Hartinger noch den kognitiven Aspekt auf.5 Die Person besitzt ein Fachwissen über den Gegenstand ihres Interesses und ist bemüht, mehr zu erfahren und weitere Kompetenzen zu entwickeln. Sie beschäftigt sich somit erkenntnisorientiert.6
Zusammenfassung der Kapitel
I. Das Interesse an Technik in der heutigen Gesellschaft: Einführung in die aktuelle Debatte um den Fachkräftemangel im MINT-Bereich und Vorstellung der Wissenswerkstatt Passau als außerschulischer Lernort.
II. Theoretische Überlegungen: Erörterung der psychologischen Grundlagen des Interesses, der Bedeutung von Handlungsorientierung sowie der Relevanz geschlechtsspezifischer Unterschiede beim Lernen.
III. Hauptteil (Praxis): Empirische Untersuchung anhand von 40 Kindern, die mittels halbstandardisierter Fragebögen zu ihrem Interesse und ihren Erfahrungen in der Wissenswerkstatt befragt wurden.
IV. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Wissenswerkstatt Passau das Interesse an Technik fördern kann, wobei zwischen kurzfristigem situationalem Interesse und langfristigem individuellem Interesse zu unterscheiden ist.
Schlüsselwörter
Interesse, Technik, Wissenswerkstatt Passau, Interessenentwicklung, Handlungsorientierung, MINT, Grundschule, Mädchen, Jungen, empirische Studie, Neugierde, Sachunterricht, Motivation, Lernwerkstatt, Kompetenzentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob und wie der Besuch der Wissenswerkstatt Passau das Interesse von Kindern, speziell von Mädchen, an technischen Themen fördert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die psychologische Interessenforschung, die Bedeutung von handlungsorientiertem Unterricht sowie geschlechtsspezifische Aspekte in der technischen Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist festzustellen, ob außerschulische Lernorte wie die Wissenswerkstatt dazu beitragen können, bei Kindern ein langfristiges individuelles Interesse für Technik zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine empirische Studie durch, bei der 40 Kinder mittels halbstandardisierter Fragebögen während ihres Besuchs in der Wissenswerkstatt befragt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das familiäre Umfeld der Kinder, den Einfluss von Neugierde, geschlechtsspezifische Unterschiede bei der technischen Arbeit sowie die Erfüllung pädagogischer Kriterien durch die Einrichtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Interessenförderung, Technik, Handlungsorientierung, Wissenswerkstatt, MINT und empirische Bildungsforschung.
Warum spielt das "Knatterboot" eine Rolle in der Studie?
Das Knatterboot dient als zentrales Referenzbeispiel für die empirische Analyse, da viele der befragten Kinder dieses spezifische Gerät gebaut haben.
Können Mädchen genauso gut mit Technik umgehen wie Jungen?
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass geschlechtsrelevante Unterschiede vernachlässigbar sind; Betreuer berichten sogar, dass Mädchen häufig präzisere Produkte anfertigen.
Was ist der Unterschied zwischen situationalem und individuellem Interesse?
Situationales Interesse ist kurzfristig durch eine bestimmte Aktivität geweckt, während individuelles Interesse ein langfristig verankertes, von intrinsischer Motivation getriebenes Interesse ist.
- Arbeit zitieren
- Laura Smith (Autor:in), 2015, Technisches Interesse bei Mädchen. Eine empirische Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311613