Grundlage für die Auseinandersetzung mit diesem Thema in meiner Bachelorarbeit sind meine politische und mathematische Affinität und mein persönliches Interesse: Wird die Einführung einer Frauenquote den gewünschten Erfolg zeigen und zur Integration der Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt beitragen? Diese Arbeit beschränkt sich im Bezug zu den empirischen Befunden zur Frauenquote und der wirtschaftspolitischen Bedeutung, auf eine Analyse der allgemeinen Marktsituation der Frauen in Deutschland.
Was will ich tun, wenn ich mit dem Studium fertig bin? Als ich jung war, konnte ich diese Frage einfach beantworten: Kinder, Familie und Arbeit. Als ich älter wurde, fragte ich mich, ob es für mich als Frau in der heutigen Zeit und langfristig gedacht, überhaupt möglich sein würde, Arbeit und Familie miteinander zu verbinden. Der Leistungsdruck und die Konkurrenz innerhalb der Gesellschaft wachsen, ebenso wie die Anforderungen der Unternehmen an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dem gegenüber steht mein Wunsch nach Familiengründung, Existenzsicherung und Unabhängigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Überblick
3 Soziale Marktwirtschaft in der BRD
4 Quotenregelung als Instrument der sozialen Marktwirtschaft
5 Allgemeine Arbeits(-markt)situation der Frauen in Deutschland
5.1 Gender Pay Gap
5.1.1 Branchenspezifische Aufteilungen
5.1.2 Berufliche Positionen und Einkommen
5.1.3 Fehlzeiten
5.2 Zwischenfazit
6 Theoretische Ansätze zur Erklärung der Arbeitsmarktdiskriminierung und Lohnlücke
6.1 Beckers Theorie
6.2 Humankapitaltheorie
7 Frauenquote in der Wirtschaft
8 Frauenquote in der Politik
9 Fazit
10 Eigene Meinung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Wirksamkeit der Einführung einer Frauenquote zur Integration von Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung wirtschaftspolitischer und rechtlicher Rahmenbedingungen. Das Ziel ist es zu analysieren, ob durch derartige Regulierungsmaßnahmen die ökonomische Chancengleichheit effektiv gefördert werden kann oder ob diese in das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft eingreifen.
- Historische Entwicklung der Rolle der Frau in Gesellschaft, Politik und Beruf
- Analyse des Gender Pay Gaps und der Ursachen für Lohnunterschiede
- Theoretische ökonomische Erklärungsmodelle zur Arbeitsmarktdiskriminierung
- Kritische Auseinandersetzung mit Quotenregelungen in Wirtschaft und Politik
Auszug aus dem Buch
6.1 Beckers Theorie
Gary S. Beckers Theorie geht davon aus, dass man alle menschlichen Beziehungen als Märkte bezeichnen kann: Alles menschliche Verhalten kann vielmehr so betrachtet werden, als habe man es mit Akteuren zu tun, die ihren Nutzen, bezogen auf ein stabiles Präferenzsystem, maximieren und sich in verschiedenen Märkten eine optimale Ausstattung an Informationen und anderen Faktoren schaffen. Trifft dieses Argument zu, dann bietet der ökonomische Ansatz einen einheitlichen Bezugsrahmen für die Analyse menschlichen Handelns [...] (Becker 1993, S. 15) (Maier 2004: S.10). Becker untersuchte die „Arbeitsmarktdiskriminierung“ hinsichtlich der Frauen, welche in die "Lohn-, die Beschäftigungs- und Firmendiskriminierung“ aufgeteilt ist. Sobald von zwei Personen - in diesem Fall Mann und Frau mit gleicher Qualifikation - eine Person schlechter behandelt/bezahlt wird und dies wegen Eigenschaften, welche in Unabhängigkeit zu dessen Produktivität stehen, geschieht, wird von Arbeitsmarktdiskriminierung gesprochen (s. vorheriges Kapitel, statistische Diskriminierung).
Lohndiskriminierung findet statt, wenn Frauen ausschließlich wegen des weiblichen Geschlechts weniger verdienen. Beschäftigungsdiskriminierung beschreibt außerdem den Zustand, dass Frauen keinen oder nur schwierig Einlass in bestimmte Branchen und Bereiche bekommen. Firmendiskriminierung benennt die geometrische Verteilung von Männer und Frauen in verschiedene Betriebe. Becker versucht mittels Korrekturen an der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie, anhaltende Diskriminierung zu erklären (Brunner 1994: S.1).
Die neoklassische Theorie geht von einem "vollkommenen Markt" aus. Das heißt, Angebot und Nachfrage bestimmen sowohl den Preis eines Gutes als auch die Höhe des Arbeitsentgeltbetrags. Die Arbeitsnachfrage hängt vom Grenzertrag des Faktors Arbeit ab. Jeder hat vollständigen Zutritt zum Arbeitsmarkt. Das klassische Modell setzt die Homogenität des Arbeitsangebotes, gleiche Leistungsfähigkeit, Produktivität und somit gleiche Bezahlung eines jeden Arbeitnehmers voraus (Eichhorst 2005: S.12). Becker ging von diesem Modell aus, unterstellte aber ein verändertes Maximierungsziel der Marktakteure. Sowohl die Unternehmen (vorher Gewinnmaximierung) als auch die Arbeitnehmer streben nach Nutzenmaximierung. Dadurch können auch nichtentgeltliche Größen als Entscheidungskriterien berücksichtigt werden (Brunner 1994: S.1). Laut Becker lässt sich die Diskriminierung der Unternehmen, Arbeitnehmerinnen oder Konsumentinnen darauf zurückführen, dass sie, aufgrund von spezifischen Merkmalen wie Rasse, Religion oder Geschlecht eine Gruppe [...] benachteiligen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung formuliert das Interesse der Autorin am Thema Frauenquote und skizziert den Aufbau der Untersuchung sowie die zentrale Fragestellung nach der Erfolgsaussicht der Quote.
2 Historischer Überblick: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der Frauenrolle und der Frauenbewegung vom 18. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung nach.
3 Soziale Marktwirtschaft in der BRD: Es wird das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft erläutert und kritisch hinterfragt, wie sich dieses mit der Einführung einer Frauenquote vereinbaren lässt.
4 Quotenregelung als Instrument der sozialen Marktwirtschaft: Das Kapitel definiert den Begriff der Quote und differenziert verschiedene Ausprägungen wie absolute und flexible Quoten.
5 Allgemeine Arbeits(-markt)situation der Frauen in Deutschland: Es wird die Ist-Situation am Arbeitsmarkt analysiert, wobei besonders der Gender Pay Gap, berufliche Segregation und Fehlzeiten beleuchtet werden.
6 Theoretische Ansätze zur Erklärung der Arbeitsmarktdiskriminierung und Lohnlücke: Hier werden ökonomische Theorien (Beckers Theorie, Humankapitaltheorie) zur Erklärung von Lohnunterschieden angeführt.
7 Frauenquote in der Wirtschaft: Eine Untersuchung des Frauenanteils in Führungspositionen börsennotierter Unternehmen unter Einbezug des Women-on-Board-Index.
8 Frauenquote in der Politik: Das Kapitel betrachtet die unterschiedlichen Herangehensweisen politischer Parteien bei der Einführung eigener Quotenregelungen.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Sinnhaftigkeit einer gesetzlichen Quotenregelung kritisch.
10 Eigene Meinung: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und nimmt eine persönliche Position gegen eine gesetzlich verordnete Frauenquote ein.
Schlüsselwörter
Frauenquote, Soziale Marktwirtschaft, Gender Pay Gap, Lohndiskriminierung, Humankapitaltheorie, Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Führungspositionen, Arbeitsmarkt, Erwerbstätigkeit, Berufswahl, Vertikale Segregation, Horizontale Segregation, Geschlechterrollen, Arbeitsmarktpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Wirksamkeit von Frauenquoten als politisches und wirtschaftliches Steuerungsinstrument zur Förderung von Frauen in Führungspositionen und zur Reduzierung des Gender Pay Gaps.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der historischen Entwicklung der Frauenbewegung bilden die sozio-ökonomische Analyse des Arbeitsmarktes, die theoretischen Hintergründe von Lohnunterschieden und die konkrete Umsetzung von Quoten in Wirtschaft und Politik die Schwerpunkte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu beantworten, ob die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote tatsächlich zum angestrebten Erfolg – der besseren Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt und Führungsebenen – führt oder ob andere Faktoren wie gesellschaftliche Prägungen dominieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung statistischer Daten des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit sowie der Diskussion theoretischer ökonomischer Erklärungsansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die ökonomische Betrachtung der Lohnlücke mittels verschiedener Theorien sowie eine detaillierte Auswertung des Frauenanteils in Führungsebenen deutscher Unternehmen und Parteien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Frauenquote, Soziale Marktwirtschaft, Gender Pay Gap, Lohndiskriminierung und Chancengleichheit.
Welche Rolle spielt die Humankapitaltheorie bei der Erklärung der Lohnlücke?
Die Humankapitaltheorie dient dazu, Lohnunterschiede durch Unterschiede in der Qualifikation und der Erwerbsbiografie zu erklären, wobei insbesondere Erwerbsunterbrechungen durch Kinderbetreuung als wesentliche Faktoren angeführt werden.
Wie unterscheidet sich die Frauenförderung zwischen Politik und Wirtschaft in der Argumentation der Autorin?
Die Autorin stellt fest, dass in der Politik durch das demokratische Teilhabeprinzip der Eintritt leichter ist, während in der Wirtschaft strukturelle und kulturelle Barrieren (wie die "gläserne Decke") den Aufstieg erschweren, weshalb Quoten in der Politik als eher "natürliche" Anregung wahrgenommen werden als in privatwirtschaftlichen Unternehmen.
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- Bachelor of Science Paulina Landschof (Autor), 2014, Empirische Befunde zur Frauenquote und deren wirtschaftspolitische Bedeutung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311890