Versucht man Macht zu definieren oder zu deuten, muss man feststellen, dass es zahlreiche Theorien von Macht gibt, die von willkürlichen über effektive und kommunikative Interpretationen reichen. In dieser Hausarbeit soll versucht werden, das theoretische Machtkonzept von Hannah Arendt zu beschreiben und zu analysieren. Die Begriffe Macht, Gewalt und Revolution auf dem Verständnis von Arendt sollen definiert werden.
Ebenso stellt sich die Frage inwiefern Arendts Definitionen in Hinblick auf andere Theorien unterschieden und abgegrenzt werden können. Diese Frage ist insofern interessant, weil Hannah Arendt von einem produktiven und kommunikativen Machtbegriff ausgeht; Macht und Gewalt voneinander abgrenzt und damit gegen repressive, bereits existierende Machtbegriffe wie zum Beispiel die von Max Weber geht.
In der Hausarbeit sollen die theoretischen Erkenntnisse auf zwei reelle Beispiele aus dem aktuellen Konflikt in Ägypten (2011) angewendet werden. Hierbei kommt die interessante Frage auf, was passiert, wenn während einer Revolution Macht und Gewalt direkt aufeinandertreffen und sich der Herrschende durch Gewalt Macht verschaffen will?
Nach der Analyse sollen am Ende die Begriffe Macht und Gewalt erneut zusammengetragen werden und zeigen, ob Arendts Überlegungen zutreffen, Lücken vorhanden sind und Widersprüche gefunden werden können. Anschließend werden in einem Fazit alle zentralen Erkenntnisse zusammengefasst, Arendts Machtbegriff bewertet und noch offene Fragen aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Macht versus Gewalt gleich Revolution? Begrifflichkeiten nach Hannah Arendt
2.1 Macht – Alle gegen Einen oder Einer gegen Alle?
2.2 Gewalt – der Schlüssel einer erfolgreichen Herrschaft?
2.3 Revolutionen – ein Gefecht aus Macht und Gewalt?
3. Anwendung der Arendt’schen Theorie. Revolution in Ägypten
3.1 Wer hat hier welche Macht? Räumung des Tahrir-Platzes in Kairo
3.2 Welle der Gewalt- Ägypten am Abgrund? Blutbad auf dem Rabaa-Platz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Macht- und Gewaltverständnis von Hannah Arendt und wendet dieses auf die politischen Umbrüche in Ägypten (2011) an, um die Divergenz zwischen Macht als kollektivem Handeln und Gewalt als instrumenteller Zerstörung zu analysieren.
- Theoretische Fundierung von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
- Abgrenzung von Macht, Gewalt und Autorität
- Analyse der Ägyptischen Revolution unter Arendt'schen Gesichtspunkten
- Konfrontation von friedlichem Widerstand und staatlicher Gewalt
Auszug aus dem Buch
3.1 Wer hat hier welche Macht? Räumung des Tahrir-Platzes in Kairo
In Kairo ist es am 17.Dezember 2011 zu der gewaltsamen Auflösung des Tahrir-Platzes gekommen. Dabei haben die Soldaten „auf die Menschen ein[geschlagen] und setzten deren Zelte in Brand.“44 Zuvor haben sich die ägyptischen Revolutionäre gewehrt und Sicherheitskräfte angegriffen, sowie mit Steinen nach ihnen geworfen.45 Die Forderung der Demonstranten ist klar, sie wollen die Militärmachthaber stürzen und die Macht der Zivilregierung übergeben.46
„ […] Tahrir Square was the freest public space Egypt […].”47 Auf dem Tahrir-Platz, der als Versammlungsort der ägyptischen Revolutionäre gilt, ist laut Hannah Arendt Macht entstanden, da sich die Demonstranten freiwillig und friedlich zusammengeschlossen haben und gemeinsam das Ziel verfolgt haben, eine neue Ordnung in Ägypten zu schaffen. „They weren’t merely trying to overthrow a despicable regime; they were trying to invent a new kind of democracy that would improve on the existing models around the world. They were ambitious idealists. They wanted to take the best of what they saw in democracy around the world and combine it into a system that was fairer, freer, and more efficient.”48 Jedoch sind die Demonstranten durch körperliche Gewalt von dem Militär außer Kraft gesetzt worden. Das Militär hat die Versammlung niedergeschlagen und die „Macht des Volkes“ ist so der Gewalt unterworfen gewesen. „Macht kann natürlich immer durch bewaffnete Gewalt zerstört werden, und dies ist der Machtverlust, der z.B. in Zwangsherrschaften eintritt, wo die Gewalttätigkeit der Herrschaft die Macht der Vielen zerstört.“49
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Problemstellung ein, dass Macht und Gewalt oft fälschlicherweise gleichgesetzt werden, und erläutert Arendts Ansatz, diese Begriffe als strikt getrennte Phänomene zu behandeln.
2. Macht versus Gewalt gleich Revolution? Begrifflichkeiten nach Hannah Arendt: Das Kapitel definiert Arendts Machtbegriff als kollektives Handeln und grenzt diesen von instrumentellen Gewalttheorien ab, wobei auch die Rolle der Revolution als Konfrontationspunkt beider Phänomene beleuchtet wird.
2.1 Macht – Alle gegen Einen oder Einer gegen Alle?: Hier wird Macht als kooperatives und gemeinschaftliches Handeln der Bürger herausgearbeitet, das niemals einem Einzelnen allein zustehen kann.
2.2 Gewalt – der Schlüssel einer erfolgreichen Herrschaft?: Dieses Kapitel untersucht die Instrumentalisierung von Gewalt als Mittel der Herrschaftssicherung und arbeitet heraus, warum Gewalt laut Arendt niemals legitim sein kann.
2.3 Revolutionen – ein Gefecht aus Macht und Gewalt?: Die Analyse fokussiert auf die Dynamik zwischen politischem Aufbruch und der Zerstörungskraft von Gewalt in revolutionären Prozessen.
3. Anwendung der Arendt’schen Theorie. Revolution in Ägypten: Dieses Kapitel überträgt die abstrakten theoretischen Erkenntnisse Arendts auf die konkreten Geschehnisse der ägyptischen Revolution ab 2011.
3.1 Wer hat hier welche Macht? Räumung des Tahrir-Platzes in Kairo: Anhand der Räumung des Tahrir-Platzes wird verdeutlicht, wie staatliche Gewalt gegen die kollektive Macht der Demonstranten eingesetzt wurde.
3.2 Welle der Gewalt- Ägypten am Abgrund? Blutbad auf dem Rabaa-Platz: Die Ereignisse auf dem Rabaa-Platz dienen als Beispiel für die eskalierende Gewaltspirale und die Versuche des Staates, durch Repression eine Scheinmacht aufrechtzuerhalten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit von Arendts Theorie auf die aktuelle politische Instabilität in Ägypten.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Macht, Gewalt, Revolution, Ägypten, Tahrir-Platz, Legitimität, Kollektives Handeln, Politische Theorie, Herrschaft, Staatsapparat, Gewaltmittel, Politische Philosophie, Freiheit, Rabaa-Platz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Differenzierung der Begriffe Macht und Gewalt nach Hannah Arendt und untersucht deren Zusammenspiel im Kontext politischer Umbrüche.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen Arendts Definitionen von Macht als menschlichem Zusammenwirken, Gewalt als instrumentellem Zwang sowie die Anwendung dieser Konzepte auf die ägyptische Revolution.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit Hannah Arendts Theorie der Macht und Gewalt dazu geeignet ist, die politischen Ereignisse in Ägypten ab 2011 und das Scheitern oder Gelingen von revolutionären Prozessen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Primärliteratur von Hannah Arendt und führt diese mit einer Fallstudienanalyse der aktuellen politischen Situation in Ägypten zusammen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung nach Arendt und die empirische Anwendung auf die Räumung des Tahrir-Platzes sowie das Blutbad auf dem Rabaa-Platz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe umfassen Macht als Kollektivphänomen, Gewalt als Zerstörungskraft, legitime Herrschaft sowie der Freiheitsbegriff im Kontext von Revolutionen.
Wie unterscheidet Arendt nach der Autorin zwischen Macht und Gewalt?
Für Arendt ist Macht ein kollektives, auf Einvernehmen basierendes Handeln von Menschen, während Gewalt ein instrumenteller Akt ist, der menschliche Stärke durch technische Mittel ersetzt und letztlich Macht zerstört.
Welches Fazit zieht die Arbeit in Bezug auf Ägypten?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Ägypten unter dem militärischen Einfluss bisher keine stabile demokratische Ordnung etablieren konnte und dass die Anwendung von Gewalt die notwendige kollektive Machtentwicklung behindert.
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- Kristin Kuhn (Author), 2015, Macht und Gewalt. Anwendung der Theorie Hannah Arendts auf die Revolution in Ägypten 2011, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311912