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Einwanderungsland Deutschland. Die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik 1980-90

Title: Einwanderungsland Deutschland. Die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik 1980-90

Examination Thesis , 2015 , 102 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Mehmet Ermis (Author)

History of Germany - Modern History
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"Es war ein Fehler, so viele Ausländer ins Land zu holen.“ So lautete 1981 die Selbstkritik des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Niemand hätte sich wohl denken können, dass eines Tages ein deutscher Bundeskanzler eine solche Aussage treffen würde. Es war der ehemalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, der durch Abschluss des ersten Anwerbeabkommens 1955 die ,,Gastarbeiter“ ins Land holte. Sein Ziel war die hohe Arbeitskräftenachfrage der deutschen Wirtschaft zu decken. Als er die ersten Anwerbeabkommen abschloss, hätte er sich nie träumen lassen, dass eines Tages die Zahl der Ausländer in Deutschland um die vier Millionen Marke liegen würde. Für Erhard war dieser Schritt lediglich ein wirtschaftspolitischer Schritt, um den Mangel an Arbeitskräften im inländischen Markt auszugleichen. Etwa 25 Jahre später sollte dieser Schritt eines der größten Herausforderungen für die Politik in Deutschland werden. In der Bundesrepublik machte die Ausländerpolitik eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Insbesondere wird diese Entwicklung durch die veränderte Einstellung der politischen Kräfte gegenüber der Ausländerbeschäftigung deutlich. Die Bundesanstalt für Arbeit veröffentlichte 1955 ein Merkblatt, wodurch die ersten ausländischen Arbeitnehmer aus Italien herzlich empfangen wurden: ,,Sie werden in Deutschland als gute Arbeiter und europäische Mitbürger willkommen sein und dort zum eigenen Nutzen und zur Hilfe für die deutsche Wirtschaft tätig werden.“ Knapp 30 Jahre später hatte sich diese Einstellung maßgeblich verändert. ,,Die Zahl der ausländischen Mitbürger muß vermindert werden.“ Dieses Ziel verkündete der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik, Helmut Kohl, bei seiner Regierungserklärung 1982. Die beiden Stellungnahmen verdeutlichen den Wandel in der deutschen Ausländerpolitik. Das angekündigte Ziel von Helmut Kohl sollte die gesamten 1980er Jahre der deutschen Ausländerpolitik prägen. In den Anfangszeiten der Ausländerpolitik wurde der Aufenthalt der ausländischen Arbeitnehmer als eine vorübergehende Erscheinung wahrgenommen und ,,ausschließlich unter arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten betrachtet.“ Es herrschte allgemein die Auffassung, dass die Ausländer nur als vorübergehende Hilfskräfte für die deutsche Wirtschaft da waren. Das ist auch der Grund, weshalb die ersten ausländischen Arbeitnehmer als ,,Gastarbeiter“ bezeichnet wurden. Sie waren nämlich nur Gäste, die Deutschland wieder verlassen sollten. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Ausländerpolitik bis 1980

2.1. Die erste Phase 1955-73: ,,Gastarbeiter“- Anwerbephase

2.2. Die zweite Phase 1973-79: Konsolidierungsphase

2.3. Die dritte Phase 1979/80: Phase der Integrationskonzepte

3. Die vierte Phase 1980-90: Die Wende in der Ausländerpolitik

3.1. 1981/82: Beginn der Begrenzungspolitik

3.2. 1982/83: Förderung der Rückkehr

3.3. 1983/84: Eindämmung des weiteren Zustroms

3.4. 1984: Wirkungen der Begrenzungsmaßnahmen

3.5. 1985/86: Ausländerproblem wird zum ,,Türkenproblem“

3.6. 1987-90: Novellierung des Ausländergesetzes

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik im Jahrzehnt von 1980 bis 1990. Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern langfristiger Integrationsansätze und die Verschiebung hin zu einer restriktiven Begrenzungspolitik zu untersuchen sowie die Frage zu beantworten, weshalb dieses Jahrzehnt als „verloren“ für die Ausländerpolitik betrachtet werden kann.

  • Wandel von der Anwerbe- zur Begrenzungspolitik
  • Entwicklung und politische Debatten zum Ausländerrecht
  • Die Rolle der „Gastarbeiter“ und deren Entwicklung zu Einwanderern
  • Psychologische Wirkungen der Ausländerpolitik auf die deutsche Gesellschaft
  • Der Einfluss von Wahlerfolgen und öffentlichem Druck auf politische Entscheidungen

Auszug aus dem Buch

3.1. 1981/82: Beginn der Begrenzungspolitik

Den Übergang von der dritten in die vierte Phase der Ausländerpolitik beschrieb Meier-Braun folgendermaßen: ,,Aus einem kurzen Wettlauf um Integrationskonzepte wurde 1981 plötzlich ein Rennen um eine Begrenzungspolitik.“ Die Phase, bei der die Parteien die Integration der Ausländer in den Mittelpunkt der Ausländerpolitik gestellt hatten und zahlreiche Integrationsbemühungen vorhanden waren, war somit schnell vorüber.

Die Leidtragenden unter dieser Entwicklung waren zunächst die ausländischen Kinder, auf denen zuvor noch der Fokus gelegt wurde. 1981 erhielten die Länder 50% weniger staatliche Zuschüsse zur Förderung der Integration ausländischer Kinder. Das Jahr der Wende in der Ausländerpolitik war 1981. ,,Das Eröffnungsszenario dazu boten die Entdeckung der Einwanderungssituation bei wachsendem öffentlichen Unbehagen an der Konzeptionslosigkeit in der Ausländerpolitik, anhaltende Wirtschaftskrise, hohe, weiter steigende Arbeitslosigkeit, ein starker Anstieg der Zahl von asylsuchenden Flüchtlingen und eine zu Horrorvision verzerrte Asyldiskussion 1980/81.“

1981 erreichte die Ausländerzahl ihren Höhepunkt mit 4,63 Millionen, darunter 2,83 Millionen Ausländer aus den ehemaligen Anwerbestaaten. Unter den 4,6 Millionen Ausländern waren 59%, also 2,7 Millionen, Männer und 41%, also 1,9 Millionen, Frauen. 28% der Ausländer waren 1981 jünger als 18. Trotzdem erkannten die Parteien die faktische Einwanderung immer noch nicht an und setzten ihre Erkenntnisweigerung fort. ,,Die Ausländerpolitik in der Bundesrepublik war lange gekennzeichnet durch politisch Nichtakzeptanz von gesellschaftlichen Realitäten, durch parteiübergreifende defensive Erkenntnisverweigerung und allgemeine Konzeptionslosigkeit.“

Dadurch verschlossen sich die Parteien weiterhin gegenüber dieser Realität und das Dementi von Nicht-Einwanderungsland bestand fort. ,,Die Realitäten eines Einwanderungslandes wurden in weiten Teilen von Gesellschaft und Politik weiterhin nicht gesehen.“ In erster Linie sorgte die zunehmende Verschlechterung der Beschäftigungssituation in Deutschland für den Beginn von Begrenzungsmaßnahmen, die bis Ende der 1980er Jahre die Leitlinien der deutschen Ausländerpolitik bestimmten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel der deutschen Ausländerpolitik vom 1955 begonnenen Anwerbeabkommen hin zur restriktiven Politik der 1980er Jahre.

2. Die Entwicklung der Ausländerpolitik bis 1980: Dieses Kapitel skizziert die historischen Phasen der Gastarbeiteranwerbung, der Konsolidierung und der kurzzeitigen Phase der Integrationskonzepte.

3. Die vierte Phase 1980-90: Die Wende in der Ausländerpolitik: Der Hauptteil beschreibt den fundamentalen Kurswechsel hin zu Begrenzungsmaßnahmen, die zunehmende gesellschaftliche Ablehnung und die politischen Auseinandersetzungen um das Ausländerrecht.

4. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die politische Fiktion, Deutschland sei kein Einwanderungsland, die Entwicklung einer zukunftsorientierten Integrationspolitik verhinderte und das Jahrzehnt somit als verloren gilt.

Schlüsselwörter

Ausländerpolitik, Einwanderungsland, Gastarbeiter, Anwerbestopp, Integration, Rückkehrförderung, Begrenzungspolitik, Ausländergesetz, Familiennachzug, Bundesrepublik Deutschland, Arbeitsmarkt, 1980er Jahre, Identitätsfindung, Ausländerfeindlichkeit, politische Debatten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik im Zeitraum zwischen 1980 und 1990, einer Phase, die durch eine deutliche Wende von Integrationsbemühungen hin zu einer restriktiven Begrenzungspolitik geprägt war.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen der Status der ehemaligen Gastarbeiter als faktische Einwanderer, die politische Auseinandersetzung um Rückkehranreize, der Familiennachzug sowie die Versuche, ein neues Ausländerrecht zu novellieren.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit seiner Forschungsfrage?

Der Autor möchte ergründen, warum die Phase von 1980 bis 1990 rückblickend als ein „verlorenes Jahrzehnt“ für die deutsche Ausländerpolitik bezeichnet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?

Die Untersuchung basiert auf einer Analyse von Primärquellen, insbesondere Plenarprotokollen und Drucksachen des Deutschen Bundestages, sowie einer Auswertung relevanter Sekundärliteratur zu den Themen Migration und Ausländerpolitik.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil behandelt chronologisch die verschiedenen Phasen der Begrenzungspolitik, die Debatten innerhalb der Bundestagsparteien und das Ringen um die Novellierung des Ausländergesetzes bis zur Verabschiedung 1990.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Schlagworten gehören: Ausländerpolitik, Einwanderungsland, Begrenzungspolitik, Rückkehrförderung und Integration.

Welche Rolle spielte das "Kühn-Memorandum" in der Entwicklung der Integrationspolitik?

Das Kühn-Memorandum von 1979 stellte einen der wenigen ernsthaften Versuche dar, die faktische Einwanderung anzuerkennen und radikale Integrationsmaßnahmen zu fordern, fand jedoch in der politischen Praxis kaum Resonanz.

Wie wirkten sich die Rückkehrprämien von 1983 in der Praxis aus?

Obwohl die Bundesregierung das Gesetz als Erfolg feierte, zeigte sich in der Praxis eher ein Mitnahmeeffekt bei bereits ohnehin zur Rückkehr entschlossenen Personen, während das Gesetz psychologisch zur weiteren Ausgrenzung beitrug.

Warum wurde das Ausländerproblem vermehrt als "Türkenproblem" bezeichnet?

In den 1980er Jahren wurde insbesondere die türkische Minderheit aufgrund ihrer Größe und ihrer islamischen Prägung in der öffentlichen Debatte als schwer integrierbar stigmatisiert, was von einigen Politikern populistisch instrumentalisiert wurde.

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Details

Title
Einwanderungsland Deutschland. Die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik 1980-90
College
University of Tubingen
Grade
2,0
Author
Mehmet Ermis (Author)
Publication Year
2015
Pages
102
Catalog Number
V311936
ISBN (eBook)
9783668108622
ISBN (Book)
9783668108639
Language
German
Tags
einwanderungsland deutschland entwicklung ausländerpolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mehmet Ermis (Author), 2015, Einwanderungsland Deutschland. Die Entwicklung der deutschen Ausländerpolitik 1980-90, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311936
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