Stresserleben im Studium. Bedeutung von Geschlecht und Resilienz auf das chronische Stressempfinden


Forschungsarbeit, 2014
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Ausgangslage und Problemstellung

2. Methode
2.1 Studienpopulation
2.2 Datenaufbereitung und Statistik
2.3 Chronischer Stress
2.4 Resilienz

3. Ergebnisse
3.1 Weibliche Studierende leiden stärker an chronischen Stressempfinden während ihres Studiums als ihre männlichen Kommilitonen
3.2 Je höher die individuelle Resilienz von Studierenden ist, desto weniger sind sie chronischem Stressempfinden ausgesetzt
3.3 Weibliche Studierende haben Defizite hinsichtlich ihrer Resilienz gegenüber ihren männlichen Kommilitonen

4. Diskussion
4.1 Zusammenfassung der zentralen Befunde
4.2 Diskussion und Ausblick
4.3 Limitationen der Studie & Implikationen für künftige Forschung

Abstract

Motivation dieses Forschungssettings ist unter anderem, das enorm gestiegene Interesse der Öffentlichkeit am Themenkomplex „Stress im Studium“. Angeheizt wurde diese Debatte vor allem durch die vielfach diskutierte Bologna Reform, die zu einschneidenden Veränderungen im Universitätsalltag führte, bzw. immer noch führt. Viele Studierende klagen seit dieser Umstellung über die hohe Arbeitsbelastung und die mangelnde Studierbarkeit (Hartwig, Sandfuchs 2012, 4). Zudem wird das gleichbleibend hohe Stressniveau immer wieder kritisiert. Ob nun alle Studierende gleichermaßen von chronischem Stress betroffen sind, soll mit Hilfe von ausgewählten Persönlichkeitsmerkmalen untersucht werden. Hierbei sollen das Geschlecht und die Resilienz Aufschluss darüber liefern, ob Unterschiede hinsichtlich des persönlichen Stressempfindens unter den Studierenden zu finden sind. In der Erhebung wurden anhand eines Fragebogens 147 Bachelor- und Masterstudierende der Universität Bamberg befragt. Bei der Mehrheit der Befragten handelt es sich um Studierende der Wirtschaftspädagogik. Im Auswertungsprozess wurden hauptsächlich Unterschieds- und Regressionsanalysen eingesetzt. In der vorliegenden Studie konnte kein Geschlechtsunterschied, weder in Bezug auf das chronische Stressempfinden, noch auf die Resilienz festgestellt werden. In einer Studie der DAK Gesundheit, wurde jedoch ein, zumindest für das chronische Stressempfinden, signifikanter Unterschied vorhergesagt (Iges Institut 2014, 4). Der individuellen Resilienz konnte, wie auch dem sehr verwandten Konstrukt der Selbstwirksamkeitserwartung (Frost, Mierke, 2013, 15ff), ein stressmindernder Einfluss eindeutig nachgewiesen werden. Für weitergehende Untersuchungen wäre es interessant, wie man die noch sehr verzahnten Konstrukte der Resilienz und Selbstwirksamkeitserwartung noch besser voneinander abgrenzt, um jeden Bereich zukünftig individueller fördern zu können.

Schlüsselwörter: Stresserleben, Studierende, Chronischer Stress, Resilienz

1. Ausgangslage und Problemstellung

Das Interesse der breiten Öffentlichkeit am Themenkomplex „Stress bei Studierenden“, wurde insbesondere durch die vielfach und kontrovers diskutierte Bologna Reform angeregt. Als eine Folge der bei vielen Experten in der Kritik stehenden Hochschulreform, fand eine tiefgreifende Veränderung in der gesamten Hochschullandschaft statt. Vorrangiges Ziel war die internationale Vereinheitlichung des Systems, um Abschlüsse an Hochschulen und Universitäten vergleichbar zu machen und zugleich deren Akzeptanz zu erhöhen (Hartwig, Sandfuchs 2012, 4).

Studierende klagen insbesondere seit dieser Reform zunehmend über Stress im und rund ums Studium. Als Indikator für diese Entwicklung, kann zum Beispiel die enorm angestiegene Prüfungsangst herangezogen werden. Bis zu 50% wuchs diese laut studentischen Beratungsstellen im Beobachtungszeitraum an (Holm-Hadulla, Hofmann, Sperth & Funke 2009, 353). Ein eindeutiges Zeichen für Überbelastung und Stress. Diese Umstände können bzw. sind Auslöser für chronische Überbeanspruchung, die gravierende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. Ziel muss es demnach sein, eine Verbesserung bzw. eine komplette Neuentwicklung von stressreduzierenden Studienbedingungen zu initiieren. Neben diesen Änderungen wird es zukünftig auch notwendig sein, die persönliche Stressresistenz zu verbessern, um an dieser Stelle bereits präventiv vorbeugen zu können. Ein in diesem Zusammenhang noch relativ unbekanntes Wort im deutschen Sprachgebrauch, ist das der Resilienz. Doch das Thema an sich ist en vogue. Die individuelle „Widerstandsfähigkeit“ wird als die zentrale Voraussetzung angesehen, schwierige und fordernde Situationen bewältigen zu können, ohne dabei durch die aufkommende Stressbelastung Schäden zu nehmen (Wolter 2005, 299). Um die angesprochene Widerstandsfähigkeit bedarfsgerecht fördern zu können, ist es unter anderem wichtig zu wissen, ob Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Studierenden bestehen. Nur dann ist es möglich, Unterstützungsprogramme spezifisch anbieten zu können. In der vorliegenden Studie soll demnach der Frage nachgegangen werden, ob Unterschiede zwischen den Studierenden hinsichtlich ihrer chronischen Stressbelastung bestehen. Untersucht wird dabei der Einfluss des Geschlechts und der persönlichen Resilienz.

Heutzutage existiert eine große Anzahl an wissenschaftlichen Definitionen zum Stressbegriff, die sich inhaltlich vorrangig an spezifischen Theorien und Modellen anlehnen. Die in der Forschung weit verbreitete und allgemein akzeptierte theoretische Grundlage stellt die kognitiv-transaktionale Perspektive nach Lazarus dar (Lazarus 1999). Nach diesem Konzept entsteht Stress dadurch, dass die gestellten Anforderungen, die zur Verfügung stehenden Ressourcen der Person zu stark beanspruchen, oder im schlechtesten Fall sogar deutlich übersteigen. Ausschlaggebend ist hierbei, wie das Individuum die Situation bewertet und in welchem Ausmaß die Anforderungen, die mit dieser Situation in Verbindung stehen, mit den persönlichen Ressourcen in Bezug gesetzt werden (Frost, Mierke 2013, 13).

Sollten diese Kapazitäten dauerhaft durch intensive und häufig auftretende Stresssituationen überschritten werden, kann es zu einer anhaltenden Überbeanspruchung in Form von chronischem Stress kommen. Dieser kann zum Beispiel enormen Einfluss auf den Stoffwechsel oder das Immunsystem haben. Dauerstress birgt also hohe Risiken für chronische Veränderungen, die meist den gleichen Effekt haben, wie etwa eine vorzeitige Alterung (Bode, Busch, Maske, Scheidt-Nave, Schlack, Ulfert 2013, 749).

Ein Konzept, wie man trotz erheblicher und intensiver Stressbelastung bei physischer und psychischer Gesundheit bleiben kann, ist das der Resilienz. Wie bereits angesprochen, ist dieser Begriff noch ein sehr junges Wort und in vielen Wörterbüchern gar nicht erst aufgeführt, falls man jedoch eine Übersetzung anbieten möchte, ist das Wort der Widerstandsfähigkeit wohl am besten geeignet. Im Kern zeichnet sich dieses Konzept dadurch aus, dass man sich persönlich nicht von Krisen und herausfordernden Situationen aus der Balance bringen lässt. Immer dann, wenn das eigene Umfeld dazu neigt aus den Fugen zu geraten, muss man fähig sein, auf sich selbst achten zu können und den sprichwörtlich „klaren Kopf“ zu behalten (Hofer 2013, 2-3).

Wie bereits erwähnt, ist es unerlässlich Unterschiede hinsichtlich des Geschlechtes auszumachen, um bedarfsgerechte Unterstützung anbieten zu können. In einer repräsentativen Untersuchung der DAK Gesundheit, sind 2,7 Millionen Versicherte, die älter als 15 Jahre sind, (42 % Männer; 58% Frauen), zum Thema Stress befragt worden. Weibliche Studierende in der Altersgruppe von 25 – 40 Jahren, sind demnach stärker chronischen Stress, der durch das Trierer Inventar zur Erfassung chronischem Stresses (TICS) gemessen wurde, ausgesetzt als ihre männlichen Kommilitonen. Generell gilt, dass Studierende eine überproportionale Stressbelastung im Vergleich zur übrigen Bevölkerung aufweisen (Iges Institut 2014, 4).

Definiert man Resilienz, wie in dieser Studie als Persönlichkeitsmerkmal, im Sinne einer individuellen Ressource, die die Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und riskanten Lebenssituationen beschreibt, fällt die Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie beispielsweise das der Selbstwirksamkeit schwer (Brähler, Gunzelmann, Leppert, Schumacher, Strauß, 2004, 4). Zu diesem Konzept wurden in der Studie von Bettina Frost und Katja Mierke, 1014 Studierende hinsichtlich ihres Stresserlebens und ihrer Nutzung von Bewältigungsstrategien befragt. Zur Erfassung der Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden wurde die Allgemeine Selbstwirksamkeit Kurzskala verwendet. Festgestellt wurde, dass männliche Studierende hinsichtlich ihrer Selbstwirksamkeitserwartung ein höheres Niveau als ihre weiblichen Kommilitonen aufweisen und dadurch besser mit Stressbelastungen im Studium umgehen können. (Frost, Mierke, 2013, 15ff)

Unbestritten sind die Belastungen im Studium in den letzten Jahren angestiegen. Durch die Bologna Reform ist es zu einschneidenden Umstellungen in den Studienbedingungen gekommen. Schon alleine die Tatsache, dass immer mehr junge Menschen, die sich in einem Studium befinden, psychologischen Beistand suchen, bestätigt diesen Umstand. Studierende und Menschen im Allgemeinen, können sehr verschieden auf aufkommende Belastungsszenarien reagieren. Interessant ist es daher zu erforschen, welche Strategien es ermöglichen, das Studium stressfreier und damit auch gesünder meistern zu können. In dieser Studie werden dafür zunächst Eigenschaften von Studierenden untersucht, die eventuell entscheidend für das chronische Stressempfinden während des Studiums sein können. Interessant sind hierbei das Geschlecht und die individuelle Resilienz. Besonders spannend dabei ist, ob die Resilienz die gleichen Effekte hat wie das oben beschriebene, verwandte Konstrukt der Selbstwirksamkeitserwartung.

- H1: Weibliche Studierende leiden stärker an chronischem Stressempfinden während ihres Studiums als ihre männlichen Kommilitonen.

- H2: Je höher die individuelle Resilienz von Studierenden ist, desto weniger sind sie chronischem Stressempfinden ausgesetzt.

- H3: Weibliche Studierende haben Defizite hinsichtlich ihrer Resilienz gegenüber ihren männlichen Kommilitonen.

Um die aufgeworfenen Hypothesen prüfen zu können, wurde eine Querschnittsbefragung von 147 Bachelor- und Masterstudierenden der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, unter Verwendung standardisierter Fragebogeninstrumente durchgeführt.

Im Folgenden werden zunächst die Methode beziehungsweise die Eckdaten der Studie vorgestellt, um darauf aufbauend die Ergebnisse vorstellen zu können. Weiterführend werden die Ergebnisse diskutiert und in einem letzten Schritt Limitationen der zugrundeliegenden Studie herausgearbeitet und dargestellt.

2. Methode

Im zweiten Kapitel werden die verwendeten Erhebungsinstrumente vorgestellt, sowie die Stichprobe und die Datenaufbereitung beschrieben.

2.1 Studienpopulation

Die Studie „Stress im Studium“ zielt auf Studierende im Bachelor oder Masterstudiengang ab. Zu diesem Zweck wurde eine Querschnittserhebung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg durchgeführt. Zielpopulation war die in Deutschland lebende Bevölkerung, die im Master bzw. Bachelorprogramm ihr Studium absolviert. Insgesamt wurden in der Studie 147 Studierende befragt. Das Durchschnittsalter der 97 weiblichen und 50 männlichen Testkandidaten betrug 24,82 Jahre, wobei der jüngste Teilnehmer 19 und der älteste 35 Jahre alt war. Studienschwerpunkt war mit 96,6 % die Wirtschaftspädagogik, wobei sich 28 Personen im Bachelor und 72 im Masterstudiengang befanden.

2.2 Datenaufbereitung und Statistik

Um die Datenkonsistenz zu sichern, wurde zu Beginn der Analyse eine Datenaufbereitung durchgeführt. Alle fehlenden Werte, die eine spätere Auswertung verfälschen könnten, wurden gekennzeichnet und von der Analyse ausgeschlossen. Zudem wurden die für die Hypothesen wichtigen Konstrukte gebildet und mit Hilfe von Cronbachs Alpha eine Reliabilitätsanalyse durchgeführt (siehe weiter unten). Unterschiede werden in dieser Studie als signifikant deklariert, wenn sich die jeweiligen 95%-Konfidenzintervalle nicht überschneiden.

2.3 Chronischer Stress

Zur Messung der chronischen Stressbelastung wurde die Screening-Skala des Trierer Inventars zum chronischen Stress herangezogen (Schulz, Schlotz & Becker, 2004). Diese Skala besteht aus 12 Items. Mit diesem Instrument wird die individuell erlebte Stressbelastung in 5 verschiedene Stressbereiche eingeteilt: chronische Besorgnis, arbeitsbezogene und soziale Überlastung, Überforderung und Mangel an sozialer Anerkennung. Die Häufigkeit der Stressbelastung in den vorgestellten fünf Stressbereichen wird jeweils mit den Ausprägungen „nie“, „selten“, „manchmal“, „häufig“ und „sehr häufig“ erfasst. Auf Basis der 12 Itemwerte wurde ein Mittelwert berechnet. Insgesamt ergab sich für das Konstrukt „Chronischer Stress“ ein Alpha-Wert von .897, was einen relativ hohen und sehr guten Wert darstellt (Bühl 2014, 592)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Stresserleben im Studium. Bedeutung von Geschlecht und Resilienz auf das chronische Stressempfinden
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
LLF
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V311946
ISBN (eBook)
9783668109957
ISBN (Buch)
9783668109964
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stresserleben, Studierende, Chronischer Stress, Resilienz
Arbeit zitieren
Michael Reinke (Autor), 2014, Stresserleben im Studium. Bedeutung von Geschlecht und Resilienz auf das chronische Stressempfinden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311946

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