Das Konzept der Wagniserziehung im Sportunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ist Wagniserziehung im Sportunterricht berechtigt?

2. Wagniserziehung im Sportunterricht
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Didaktisch-methodische Schritte einer Wagnisbewältigung im Rahmen der Wagniserziehung
2.2.1 Aufsuchen
2.2.2 Aushalten
2.2.3 Auflösen
2.3 Ziele der Wagniserziehung im Sportunterricht
2.4 Die Ambivalenz sportlicher Wagnisse nach Neumann
2.4.1 Das Gelingen von Wagnissen
2.4.1.1 Die Sonnenseite des Gelingens
2.4.1.2 Die Schattenseite des Gelingens
2.4.2 Das Misslingen von Wagnissen
2.4.2.1 Die Schattenseite des Misslingens
2.4.2.2 Die Sonnenseite des Misslingens

3. Ausblick in die Zukunft der Wagniserziehung

Bibliographie:

1. Ist Wagniserziehung im Sportunterricht berechtigt?

Sportunterricht an bayerischen Schulen richtet sich nach dem Lehrplan für Sportunterricht herausgegeben vom bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Wesentliche Punkte dieses Planes sind die Entwicklung der Schüler und Schülerinnen (SuS) in körperlicher Hinsicht, also die Erziehung zu verschiedenen körperlichen Fähigkeiten wie Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit oder Beweglichkeit, genauso wie eine kognitive Erziehung, welche beispielsweise die Regelkenntnisse der großen Sportspiele beinhaltet. Ebenfalls wichtig ist allerdings die Erziehung zu sozialen und selbstständigen Menschen. Es kann also argumentiert werden, dass zu eben dieser Art von Erziehung auch eine Erziehung zum Eingehen oder Vermeiden von Wagnissen und zum richtigen Abschätzen solcher Situationen gehören sollte. Andererseits kommen Argumente auf die besagen, dass Kinder in ihrer Entwicklung Phasen durchschreiten in denen sie selbstständig und ohne Anleitung oder externen Ansporn Wagnisse aufsuchen und diese aufgrund ihres individuellen Wissensstandes entweder eingehen oder sie meiden. Deshalb stellt sich selbstverständlich die Frage, ob eine Wagniserziehung im Sportunterricht der Schulen wichtig und notwendig ist, oder ob die SuS auch selbst ihren Weg zum richtigen Umgang mit Wagnissituationen finden und ob das damit verbundene Risiko, welches die SuS und die Lehrkraft eingehen berechtigt ist.

Im Folgenden soll diskutiert werden, ob Wagniserziehung Thema des Sportunterrichts an bayerischen Schulen sein sollte, oder ob dies hinfällig ist. Außerdem wird erörtert welche Aspekte der Wagniserziehung ihren Reiz ausmachen und wie Wagnisse aufgebaut sind. Hierfür wird besonders auf Neumanns Struktur von Wagnissituationen eingegangen. Es werden ebenfalls positive sowie negative Eigenschaften und Auswirkungen von Wagnissituationen auf Schulkinder aufgezeigt und bewertet und schließlich schließt ein Ausblick auf die Möglichkeiten und Kritikpunkte der Wagniserziehung im Sportunterricht, sowie ein kurzer Ausblick in die Zukunft bayerischer Lehrpläne und des Sportunterrichts an bayerischen Schulen die Arbeit ab.

2. Wagniserziehung im Sportunterricht

In diesem Teil der Arbeit werden zuerst die Definitionen gegeben, die im Zusammenhang mit Wagniserziehung auftauchen, geklärt. Anschließend wird auf die typische Struktur einer Wagnissituation und der Umgang mit dieser geschildert, welche Neumann bereits 1988 geprägt hat und die Ziele der Wagniserziehung werden näher betrachtet und erläutert. Abschließend werden positive sowie negative Aspekte die Wagnisse mit sich bringen können beleuchtet und einige Kritikpunkte an der Wagniserziehung werden diskutiert.

2.1 Begriffsdefinitionen

Um die Wagniserziehung und ihre Konzepte zu verstehen sollen vorerst wichtige Begrifflichkeiten erklärt und veranschaulicht werden. Definiert werden die Begriffe Wagnis und Wagnissport aus welchen sich letztendlich eine Definition für Wagniserziehung bilden lässt.

Neumann definiert das Wagnis verschiedenartig. Einerseits ist er der Meinung ein Wagnis sei das Finden eines Gleichgewichts und der Prozess des Abwägens zwischen den eigenen Fähigkeiten und dem Grad der Ungewissheit (Neumann in Lange und Sinning, 2009) andererseits die

„Bewusste Entscheidung, sich angesichts möglicher negativer leiblicher Folgen im Fall des Misslingens zu exponieren und diese unsichere Handlungssituation nicht im alleinigen Vertrauen auf das Material oder andere zu bewältigen, sondern auf der Basis des eigenen sportlich-motorischen Könnens“. (Neumann in Gissel und Schwier, 2003, S. 49)

Ein Vergleich der beiden Definitionen zeigt deutlich, dass Neumann das Eingehen eines Wagnisses als freiwilligen Prozess sieht, welche jedoch auch gewisse Gefahren mit sich bringen kann. Scheitert man am Wagnis kann dies einerseits zu einer sozialen Gefahr werden, da man sich möglicherweise vor Anderen blamiert, auf der anderen Seite kann das Misslingen eines Wagnisses ernste körperliche Folgen und Verletzungen nach sich ziehen. Ebenfalls charakteristisch für ein Wagnis scheint zu sein, dass die Aufgabe im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, sowohl kognitiv als auch motorisch, gelöst wird. Vertrauen in andere Personen wird nicht ausgeschlossen, ist aber kein wesentlicher Faktor jedes Wagnisses.

Schleske definiert ein einheitliches Handlungsmuster des Erlebnissports wie folgt:

„[D]er Sportler [gibt] freiwillig eine Position der Sicherheit und/oder des festen Standortes auf der Erde [auf] und [setzt sich] Unsicherheiten, Risiken und vielleicht sogar realen Gefahren [aus], um dann das aktive Wiedergewinnen von Sicherheit als Triumph der eigenen Tüchtigkeit, Reaktionsbereitschaft und Leistungsfähigkeit auszukosten (zit. von Neumann in Gissel und Schwier, 2003, S. 25).

Neumann distanziert sich von Schleske und dessen Ansichten bezüglich des Erlebnissports. Er bezeichnet die individuelle und freiwillige Entscheidung zum Eingehen eines Wagnisses, als auch die vom Sportler im Vorfeld nicht vollends abzuschätzende Situation in die sich dieser begibt als wesentliche Bestandteile des Wagnissports. Außerdem ist Wagnissport, im Gegensatz zu Schleskes Erlebnissport Theorie, welche vorwiegend auf dem Prinzip Freude und Triumph durch Erfolg in Wagnissituationen abzielt, seiner Meinung nach von pädagogischer Relevanz. Neumann definiert Wagnissport also nicht als Nebenprodukt der Gesellschaft, die nach immer neuen Erlebnissen und Grenzerfahrungen sucht, sondern als eigenständige Erziehungsmethode innerhalb des Sports. (Neumann in Gissel und Schwier, 2003)

Abgeleitet daraus lässt sich zusammenfassend also sagen, dass die Wagniserziehung durch Wagnissituationen helfen soll SuS zum richtigen Umgang mit diesen zu erziehen. Wichtig ist dabei, dass die Entscheidungen zum Eingehen oder Meiden einer Situation freiwillig getroffen werden und dass der Prozess des Abwägens vor der Entscheidung stattfindet. Die Entscheidung wird schließlich mit Einbezug eventueller Hilfestellungen durch Material und andere Personen, jedoch hauptsächlich auf der Grundlage der eigenen motorischen und kognitiven Fähigkeiten getroffen. Ein Beispiel zur Veranschaulichung wäre das Springen eines Schülers von einem erhöhten Punkt auf eine Matte. Je höher der Absprungpunkt, desto größer wird das Wagnis. Der Schüler muss selbst abwägen, von welcher Höhe er sich traut abzuspringen. Dabei bedenkt er seine Stärken und Schwächen, überwindet seine Ängste und springt, oder gesteht sich letztendlich ein, dass die Absprunghöhe zu hoch gewählt ist und er sich nicht mehr traut auf die Matte zu springen. Bei diesem Prozess wird er nicht durch Äußeres beeinflusst, sondern ist auf sich alleine gestellt.

2.2 Didaktisch-methodische Schritte einer Wagnisbewältigung im Rahmen der Wagniserziehung

Neumann spricht von drei Phasen, wenn es um die Bewältigung von Wagnissen geht. Zu Beginn steht das Aufsuchen von Wagnissen, also eine Vorbereitungsphase, welche daraufhin abzielt, dass noch in der Zukunft liegende Wagnis sorgfältig geplant wird, damit es erfolgreich abgeschlossen werden kann. Die zweite Phase ist das sogenannte Aushalten. Ist ein Wagnis begonnen ist dieses oftmals schwer abzubrechen oder vorzeitig zu beenden. Deshalb summiert Neumann in dieser Phase alle Aktivitäten, physisch sowie motorisch, die in der Phase stattfinden, in der das Wagnis ausgeführt wird. Schließlich folgt die Phase des Auflösens welche das Wagnis abschließt. In dieser Phase wird nachbereitet was gerade erlebt wurde, also ob das Wagnis gelungen oder misslungen ist und welche Folgen daraus entstanden sind, es handelt sich also um eine reflexive Phase, die die Möglichkeit gibt, die begangenen Wagnisse einzustufen und zu archivieren. Die einzelnen Phasen sollen im Folgenden genauer betrachtet werden und die wichtigsten Aspekte werden hervorgehoben.

2.2.1 Aufsuchen

Wie bereits erwähnt ist das Aufsuchen eine Planungs- und Vorbereitungsphase auf ein Wagnis. Ein wichtiger Aspekt ist deshalb selbstverständlich das Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten. Nur wenn dies vorhanden und realistisch ist, kann antizipiert werden, wie sich der Körper in einer bestimmten Situation verhalten wird, wie man selbst mit einer Wagnissituation umgeht und welche Möglichkeiten bestehen die Wagnissituation mit Erfolg zu beenden. Ein zentraler Aspekt des Aufsuchens ist auch, dass SuS lernen sich Aufgaben zu suchen in denen sie Wagnisse eingehen können. Dies schult die Wahrnehmung im Sinne, dass die SuS Situationen erkennen sollen, in denen wagnishaltige Bewegungen möglich sind, sodass diese nicht vorgegeben werden müssen, sondern dass die Kinder sie selbst erkennen und gezielt danach suchen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, dass Gerätschaften und Örtlichkeiten entsprechend genutzt werden. Die SuS sollen lernen Material und Umgebung so zu nutzen, dass verschiedenste Wagnissituationen damit erschaffen werden können. Beispielsweise sollen sie erkennen, dass man von einem Kasten hinunterspringen, ihn aber genauso auch als Hindernis benutzen kann, dass es zu überwinden gilt.

Als Aspekt größter Bedeutung in der Phase des Aufsuchens ist allerdings wieder die Freiwilligkeit zu nennen. SuS sollen die Wagnissituationen freiwillig und selbstgesteuert eingehen und sich nicht zu etwas zwingen lassen. Gruppendruck kann sich sehr negativ auf SuS auswirken, deshalb sollte in dieser Phase sichergestellt werden, dass niemand irgendwelche Wagnisse eingehen muss und dass sich SuS gegenseitig zwar ermutigen sollen, sie es aber auch unterstützen sollen, wenn sich einer ihrer Mitschüler etwas nicht traut. (Katzer und Neumann, 2011)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Wagniserziehung im Sportunterricht
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Sportzentrum)
Veranstaltung
Begleitveranstaltung zum studienbegleitenden fachdidaktischen Praktikum (vertieft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V311964
ISBN (eBook)
9783668107502
ISBN (Buch)
9783668107519
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, wagniserziehung, sportunterricht
Arbeit zitieren
Maximilian Bauer (Autor), 2014, Das Konzept der Wagniserziehung im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311964

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