Die Lesekompetenz in der Zweitsprache

Wie wird das Lesen in der Zweitsprache erlernt und welche Probleme können auftreten?


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Lesevorgang

3. Mehrsprachigkeit und Lesekompetenz
3.1 Unterschiede des Lesens zwischen Erst- und Zweitsprache
3.2 Das mehrsprachige Lesen und die Probleme

4. Eine eigene Unterrichtsidee zu einem Bilderbuch: Regenbogenfisch, komm hilf mir! (Gökkuşağɪ Balɪğɪ Bana Yardɪm Et! )
4.1 Das Thema der Unterrichtsidee
4.2 Die einzelnen Unterrichtsstunden

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen modernen Gesellschaft ist das Lesen eine Kulturtechnik und zählt zu den Schlüsselqualifikationen, die jeder erreichen sollte. Spätestens beim Schuleintritt wird diese Fähigkeit erworben. Das Lesen ist nicht nur für die Schule notwendig, sondern für den kompletten Alltag. Ohne Lesen zu können kann man das alltägliche Leben kaum oder nur schwer bewältigen. Somit ist die Lesesozialisation eine der bedeutendsten Aufgaben der Grundschulzeit.

In jeder Sprache gibt es eine Unterscheidung zwischen der geschriebenen und der gesprochenen Sprache. Die Seite der geschriebenen Sprache muss ein Kind durch die Aneignung der schriftlichen Fähigkeiten erlernen. Zu diesen Fähigkeiten zählt auch das Lesen, denn Lesen und Schreiben hängen zusammen. Allerdings ist die Problematik der geschriebenen Sprache, dass diese weniger flexibel ist.

In der vorliegenden Arbeit soll sich mit der Lesekompetenz in der Zweitsprache beschäftigt werden. Es stellt sich die Frage, wie das Lesen in der Zweitsprache erlernt wird und welche Probleme dabei auftreten können.

In dem ersten Abschnitt soll geklärt werden, wie der technische Lesevorgang abläuft und welche Kompetenzen für das Lesen lernen erworben werden müssen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den zweiten Teil, indem das Thema Mehrsprachigkeit und Lesekompetenz erläutert wird. Dafür werden zuerst die Unterschiede des Lesens zwischen der Erst- und Zweitsprache genannt. In einem weiteren Schritt wird die Frage beantwortet, welche Probleme beim mehrsprachigen Lesen auftreten können. Darauf folgt eine eigens ausgedachte Unterrichtsidee, welche im DaZ-Unterricht eingesetzt werden kann. Zum Schluss wird aus den gewonnenen Erkenntnissen ein Fazit gezogen.

2. Der Lesevorgang

Sowohl das Schreiben wie auch das Lesen sind ,, eng mit der visuellen Wahrnehmung verbunden “ ( De Rosa 2007, S. 65 ). Um Schreiben und auch Lesen zu erlernen müssen zwei Fähigkeiten vorhanden sein. Zum einen benötigt ein Lerner eine phonologische Bewusstheit, welche einem dazu befähigt ,, die Laute in kleinere sprachliche Einheiten wie einzelne Laute und Silben zu gliedern “ ( ebd. S. 65 ). Zum anderen benötigen Lerner eine lexikalische Kompetenz. Diese ,, beschreibt die Fähigkeit, den Wortschatz einer Sprache zu erkennen und zu verstehen “ ( ebd. S 65 ).

Bis heute ist es den zahlreichen Wissenschaftlern noch nicht gelungen, Theorien zu entwickeln, welche ,, den Erwerb und die Entwicklung der schriftlichen Fertigkeiten in ihrer Ganzheit beschreiben “ ( ebd. S. 66 ). Das einzige was entwickelt wurde ist ein Lesemodell, welches den Verlauf der Wahrnehmung der schriftlichen Fertigkeiten beschreibt.

Das Lesemodell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

( Abb: ebd. S. 66 )

Die lexikalische Kompetenz ist in diesem Modell die zentrale Fähigkeit, welche beherrscht werden muss um das Lesen zu erlernen. Lexikalische Fähigkeit ist ,, die Fähigkeit ein Wort zu erkennen und anhand der schon erworbenen sprachlichen Erfahrungen zu verstehen “ ( ebd. S. 67 ). Am Anfang des Leseprozesses stehen die visuellen Wahrnehmungsprozesse. Zu Beginn der Lesefähigkeit dient der Wahrnehmungsprozess den einzelnen Buchstaben eines Wortes. Allerdings kann ,, im Idealfall die lexikalische Kompetenz mit der Erkennung des Wortes gleich nach der direkten visuellen Wahrnehmung des Wortes abgerufen werden “ ( ebd. S. 69 ). Ein nächster Schritt ist das wahrgenommene Wort von anderen Wörtern zu unterscheiden. Dies folgt nach der visuellen Wahrnehmung, indem die einzelnen Buchstaben des Wortes identifiziert werden. Entscheidend ist bei diesem Prozess die lexikalische Kompetenz, da es eine Verbindung zwischen dieser und dem Tempo der Wahrnehmung gibt. Wenn die Buchstaben identifiziert worden sind werden diese den zugehörigen Lauten zugeordnet. Am Anfang des Leseprozesses werden die einzelnen Buchstaben noch laut ausgesprochen, so dass eine Zuordnung gewährleistet ist. Im weiteren Verlauf jedoch wird der Prozess automatisiert, so dass das Lesen schneller geht. Somit sieht der Prozess wie folgt aus: zuerst werden die einzelnen Buchstaben eines Wortes segmentiert und mit den Lauten verbunden; anschließend werden die einzelnen Laute wieder zusammengesetzt ,, und die Bedeutung des Wortes mental abgerufen “ ( ebd. S. 71 ). Am Schluss wird das Wort ausgesprochen und der Lesevorgang ist beendet. Allerding solle man wissen, ,, dass die einzelnen Verarbeitungsschritte – visuelle Erkennung von Buchstabenmerkmalen, Buchstabenidentifikation, Graphem-/Phonemzuordnung, Worterkennung, Zuordnung von Bedeutung zu Wörtern, Bildung propositionaler Einheiten – nicht im zeitlichen Nacheinander, sondern parallel und asymmetrisch verlaufen “ ( Ehlers 2010, S. 216 ). Somit kann flüssiges und verstehendes Lesen nur erfolgen, wenn die Teilfertigkeiten automatisiert werden. Wenn die Teilfertigkeiten automatisiert worden sind und somit die Grundlage für das Lesen geschaffen worden ist, folgen zwei weitere Prozesse: die hierarchieniedrigen Prozesse und die hierarchiehohen Prozesse.

Hierarchieniedrige Prozesse: Aufbau einer propositionalen Textpräsentation. Als Voraussetzung für diesen Prozess zählen Fähigkeiten wie ,, die Worterkennung und die Verbindung von Wortfolgen auf der Grundlage von semantischen und syntaktischen Relationen von Sätzen “ ( Christmann, S. 28 ). Bei den hierarchieniedrigen Prozessen werden somit automatisch äußerlich-technische Prozesse erlernt, die als Grundlage für die hierarchiehohen Prozesse dienen.

Hierarchiehohe Prozesse: die lokale Kohärenzbildung. In diesem Prozess müssen ,, semantische Relationen zwischen aufeinanderfolgenden Sätzen ( bzw. Präpositionen ) hergestellt werden “ ( ebd. S. 30 ). Das Ziel dieses Prozesses ist es ,, zu einer kohärenten, zusammenhängenden Textrepräsentation zu gelangen “ ( ebd. S. 30 ). Die hierarchiehohen Prozesse gliedern sich in drei Teilprozesse:

- Globale Kohärenzbildung: diese muss hergestellt werden und ist eine Erweiterung der lokalen Kohärenzbildung. Dieser Prozess wird benötigt um längere und komplexere Texte lesen und verstehen zu können. Es entsteht ,, eine Verdichtung und Verknüpfung von Propositionssequenzen im Sinne größerer Textteile “ ( ebd. S. 31 ). Es wird also der rote Faden des Textes erkannt und verinnerlicht.
- Die zweite Teilkompetenz ist die Bildung von Superstrukturen: die ,, Superstrukturen beschreiben den Text im Sinne eines Rasters oder abstrakten Schemas “ ( ebd. S. 33 ). Dabei verfügt jedes Genre über unterschiedliche Superstrukturen.
- Das Erkennen von rhetorischen Strategien: dazu gehören ,, rhetorische, stilistische und argumentative Strategien, die meist zur Akzentuierung bestimmter Inhaltselemente eingesetzt werden “ ( ebd. S. 34 ). Dieser Prozess ist der schwierigste, da einerseits die figurative Sprache erkannt und verstanden werden muss und andererseits die Sprache zusätzlich gedeutet und interpretiert werden muss.

Die Teilkompetenzen der hierarchiehohen Prozesse sind also strategisch und zielbezogen. Sie beschreiben einen gedanklich-verarbeitenden Vorgang und können bewusst gesteuert werden. Da sie bewusst gesteuert werden können, ist eine Förderung bei allen Teilprozessen möglich.

Für die Lesekompetenz sind alle fünf Teilkompetenzen notwendig. Der Vorgang des Lesens setzt sich aus vielen Teilfertigkeiten zusammen, welche miteinander verknüpft sind und zudem aufeinander aufbauen. Nur wenn alle fünf Kompetenzen geschult werden, kann der komplexe Vorgang des Lesens erlernt werden.

3. Mehrsprachigkeit und Lesekompetenz

Im vorherigen Abschnitt wurden die Teilkompetenzen für den Lesevorgang beschrieben, woraus sich nun die Frage ergibt, ob es einen Unterscheid gibt zwischen dem Lesen in der Erstsprache und der Zweitsprache? Zudem steht die Frage offen, ob Zweitsprachenlerner noch weitere Kompetenzen benötigen, um in ihrer Zweitsprache lesen zu können?

3.1 Unterschiede des Lesens zwischen Erst- und Zweitsprache

Im kognitiven Prozess gibt es kaum Unterschiede zwischen dem Lesen in der Erstsprache und der Zweitsprache. Das vorher erwähnte Lesemodell kann auf beide Gruppen angewandt werden, da sowohl Erst- wie auch Zweitsprachenlerner dieselben Teilkompetenzen beherrschen müssen um mit Erfolg lesen zu können. In der Zweitsprache gibt es allerdings weitere Variablen, welche im Gegensatz zum Lesen in der Erstsprache unbedeutend sind. Diese Variablen sind: ,, das Schriftsystem, die Erwerbsphase, das Alter, die zuerst in einer Sprache erworbene Lesefähigkeit und vorhandene Zweitsprachenkompetenz

( Ehlers 2010, S. 220 ). Ein weiterer Punkt sind die sprachlichen Eigenschaften der beiden Sprachen. Dazu zählt die Wortstellung, die Flexionsmorpheme und die semantischen Merkmale von Nomen ( vgl. Ehlers 2010, S. 220 ). Auch die Erziehungsumgebung darf nicht außer Acht gelassen werden.

Somit stellen die Zweitsprachenkenntnisse wichtige Einflüsse auf das Lesen in der Zweitsprache dar. ,, Unzureichende Sprachkenntnisse schränken die Lesefähigkeit ein “ , so dass die Grammatik und der Wortschatz der Zweitsprache gut beherrscht werden muss ( ebd, S. 220 ). Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Lesekompetenz in der Erstsprache, denn die Lerner übertragen ihre Lesefähigkeit in der Erstsprache auf die Zweitsprache ( vgl. ebd. S. 220 ).

Ein weiterer Unterschied der zwischen dem Lesen in der Erstsprache und dem Lesen in der Zweitsprache festgestellt werden kann ist die Lesegeschwindigkeit. Der Grund dafür ist die Leseflüssigkeit, denn diese ,,ist gegenüber dem L1-Lesen verringert und seine Lesezeitspanne ist kürzer “ ( ebd. S.220 ). Auch beim ,, Erkennen von wichtigen Wörtern, Konzepten und Propositionen “, also der Inferierfähigkeit, kann ein Unterschied zwischen dem Lesen in der Erstsprache und in der Zweitsprache festgestellt werden ( ebd. S. 221 ). Dabei ist zu sehen, dass Leser beim Lesen in der Zweitsprache ,, zu eng an der sprachlichen Basis orientiert “ sind ( ebd. S. 221 ). Außerdem können Leser in der Zweitsprache ,, Sätze weniger gut in Textzusammenhänge bringen “ ( ebd. S. 221 ). Zudem werden Konnektive, also Merkmale auf der Textoberfläche aufgrund von fehlenden Kenntnissen in der Zweitsprache nicht wahrgenommen.

Zu all diesen Problemen, welche sich auf die Persönlichkeit, die Fähigkeiten und die Kenntnisse der Lerner beziehen, kommt noch die Variable der sozialen Faktoren hinzu. Diese Bedingungsfaktoren sind zum Beispiel ,, das Bildungsmilieu der Eltern, der ökonomische Satus und das Prestige der Herkunftssprache “ ( ebd. S. 221 ). Zudem wird auch ,, die Verwendung der Zweitsprache als Unterrichtssprache oder die Alphabetisierung in der Erstsprache “ als sozialer Bedingungsfaktor gesehen ( ebd. S. 221 ).

Aus all diesen Punkten kann man den Schluss ziehen, dass das Lesen in der Zweitsprache von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist. Manche Faktoren kann man durch gezielte Förderung ausgleichen, andere jedoch nicht. Beispielsweise kann der Wortschatz erweitert und die Grammatik erlernt werden. Dahingegen ist die soziale Situation, also die Bildungsnähe oder Bildungsferne einer Familie oder auch das Prestige der Erstsprache in der Gesellschaft, kaum beeinflussbar.

3.2 Das mehrsprachige Lesen und die Probleme

Es entstehen nicht nur die bereits genannten Differenzen zwischen dem Lesen in der Erstsprache und dem Lesen in der Zweitsprache, denn es gibt weitere Probleme als auch Perspektiven für die Schüler und Schülerinnen. Wichtig dabei ist die phonologische Bewusstheit der Schüler und Schülerinnen, denn diese sind für das Lesen sehr bedeutungsvoll. Man kann drei phonologische Systeme unterscheiden, die von mehrsprachigen Personen entwickelt werden können:

1. Der Lerner entwickelt zwei getrennte phonologische Systeme:

Die Systeme sind ,, von einander unabhängig und beeinflussen sich nur gering “ ( De Rosa 2007, S. 88 ). Diese Art des phonologischen Systems tritt vor allem da auf ,, wo ein Kind beide Sprachen schon von Anfang an gleichzeitig erworben hat “ ( ebd. S. 88 ). Dabei können beide Sprachen erfolgreich entwickelt werden. Durch zwei voneinander getrennten, phonologischen Systemen werden die Lerner nicht mehr Probleme beim Lesen lernen haben als Lerner mit nur einer Sprache. Auch die schriftlichen Fähigkeiten können ohne große Hindernisse erlernt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Lesekompetenz in der Zweitsprache
Untertitel
Wie wird das Lesen in der Zweitsprache erlernt und welche Probleme können auftreten?
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V311986
ISBN (eBook)
9783668107526
ISBN (Buch)
9783668107533
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lesekompetenz, zweitsprache, lesen, probleme
Arbeit zitieren
Kathryn Metzner (Autor), 2011, Die Lesekompetenz in der Zweitsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311986

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