Frauenpornografie. Diskriminierung oder Revolution der emanzipierten Frau?


Seminararbeit, 2015

25 Seiten, Note: 5.5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFSDEFINITION PORNOGRAFIE

3. PORNOGRAFIE IM KONTEXT DER fSEXUAL-iPÄDAGOGIK
3.1. Sexualität der Frau
3.2. Entwicklung der Sexualpädagogik

4. FRAUENPORNOGRAFIE
4.1. Begriffsdefinition Frauenpornografie
4.2. What A Woman Wants

5. FEMINISTISCHE DISKUSSION fFRAUENÌPORNOGRAFIE
5.1. Feministische Positionen zur Pornografie
5.1.1 Anti-Porno-Feminismus
5.1.2 Liberale Feministinnen
5.1.3. Pro-Sex-Feminismus
5.2. Pro / Kontra Frauenpornografie

6. CONCLUSIO

7. BIBLIOGRAPHIE

8. ANHANG (EXEMPLARISCHE BEISPIELE FÜR FRAUENPORNOSÌ

1. Einleitung

Ich werde in meiner Seminararbeit der Frage nachgehen, ob das Genre Frauenpornografie grundsätzlich eine Revolution für die emanzipierte, sexuell offene Frau von heute ist oder eher eine Diskriminierung darstellt. Dabei möchte ich herausfinden, wie Frauen das «alltägliche» Angebot an Pornografie bewerten und ob die Nachfrage nach «speziellen» Pornos für Frauen überhaupt vorhanden ist. Dazu werde ich verschiedene Studien über die Rezeption von Pornos von Frauen betrachten und möchte in einem weiteren Schritt herausfinden, wie Frauen sich einen für sie ansprechenden Porno vorstellen und ob dieser sich von Mainstreampornografie unterscheidet.

Um herauszufinden, ob dieses neue Genre eine sexuelle Revolution darstellt, erläutere ich zuerst wie sich die Sexualität der Frau in den vergangen Jahren entwickelt hat, weil ich einen Zusammenhang zwischen der sexuellen Revolution der 60er Jahre und der heutigen Entwicklung der Frauen als Rezipientinnen und im Pornogeschäft vermute. Durch verschiedene Seminare weiss ich, dass sich die Sexualpädagogik im Laufe der vergangen Jahre in Bezug auf Pornografie stark entwickelt hat. Diese Entwicklung möchte ich erläutern, um sie in einen Zusammenhang mit Frauenpornografie zu bringen, da ich die Sexualpädagogik als Grundstein für den offenen gesellschaftlichen Diskurs über Pornografie, der zur Zeit stattfindet, betrachte.

Diskriminierung und Feminismus hängt stark zusammen. Inwiefern kann das Subgenre Frauenpornografie diskriminierend wirken und was spielt Feminismus in Bezug auf Pornografie im Allgemeinen für eine Rolle? Dabei werde ich mich auf eine kurze Abhandlung über Feminismus und Pornografie beschränken müssen, da eine umfassende Bearbeitung dieses Themas den Umfang einer Seminararbeit übersteigen würde.

In meiner Arbeit werde ich mich in erster Linie auf das weibliche Geschlecht konzentrieren, dass heisst den Blickwinkel von zum Beispiel männlichen Produzenten auf das Subgenre Frauenpornografie werde ich in dieser Arbeit leider nicht behandeln können.

2. Begriffsdefinition Pornografie

Betrachtet man den Begriff Pornografie auf wissenschaftlicher Ebene wird deutlich, dass keine Einigung darüber herrscht, dass diese Bezeichnung viele Probleme mit sich bringt. Einerseits ist es schwierig diesem Begriff eine unanfechtbare Definition zuzuschreiben, andererseits ist auch die Abgrenzung zu anderen Bereichen wie etwa Sexualität, Erotik oder auch Gewalt teilweise problematisch.

Deshalb möchte ich zu dem Problem der Definitionsfindung in erster Linie auf Faulstich verweisen, der sehr gründlich darstellt, wie Pornografie oft über ihre Wirkungsweise oder Funktion definiert wird, oder - anstatt einer Definition - nach moralischen oder ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt wird. Faulstich vertritt den Standpunkt, dass eine Charakterisierung nach der Wirkung weniger Sinn macht, da diese subjektiv unterschiedlich ist. Ausserdem sagt er, dass moralische Urteile wie zum Beispiel «Tabuverletzung» stets in Abhängigkeit von Gesellschaft und Zeit zu betrachten sind und daher ebenfalls untauglich sind.[1]

Weiter führt Faulstich seine eigene Begriffsbestimmung von Pornografie ein, die besagt, dass Pornografie die Darstellung von sexuellen Handlungen in Wort, Bild oder Ton in allen Medien ist, gekennzeichnet durch drei Merkmale[2]:

1) Explizit detailliert - Konkretheit: Sie ist explizit detailliert, als Kennzeichen der Konkretheit. Dadurch unterscheidet sie sich von Erotik. Sexuelle Handlungen werden also nicht einfach angedeutet sondern wirklich dargestellt[3].
2) Fiktional wirklich - Wirklichkeitsrepräsentanz: Sie ist fiktional wirklich, also Kennzeichen der Wirklichkeitsrepräsentanz. Dieser Punkt ist besonders wichtig: Abgebildet wird eine reale Handlung, dennoch muss man den fiktionalen Charakter hervorheben und so Pornografie von Sexualität trennen. Was gezeigt wird ist eine Inszenierung und immer auch als solche zu verstehen.[4]
3) Szenisch narrativ - Strukturiertheit: Pornografie folgt einer Narration, sie ist also szenisch narrativ als Kennzeichen der Strukturiertheit.[5]

3. Pornografie im Kontext der (Sexual-)Pädagogik

Der Begriff Pornografie kann zwar laut Faulstich von konkreter Sexualität klar abgegrenzt werden, es kann aber davon ausgegangen werden, dass der Konsum von Pornografie mit sexuellen Vorlieben verbunden ist.[6] Dies legt eine Untersuchung von (füge jemanden der so was mal vielleicht angeschaut oder am Rande erwähnt hat ein) nahe Deshalb werde ich in den folgenden zwei Kapiteln zuerst auf die Sexualität der Frau und dann auf die Entwicklung der (Sexual-)Pädagogik eingehen, um in einem nächsten Schritt mögliche Zusammenhänge mit dem Genre Frauenporno herausarbeiten zu können. Da eine umfassende Abhandlung über die geschichtliche Entwicklung der Sexualität der Frau und der Entwicklung der Sexualpädagogik den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde, beschränke ich mich auf die für meine Arbeit wichtigen Aspekte.

3.1. Sexualität der Frau

In der Geschichte wurde der weibliche Körper seit dem 18 Jh. als andersartig als den männlichen Körper betrachtet. Die Geschlechterunterschiede wurden mit der Implementierung des «two-sex-models» und der Betonung der körperlichen Unterschiede akzentuiert und nahmen so Einfluss auf die Wahrnehmung von männlicher und weiblicher Natur und Sexualität. Das heisst, die «normale» weibliche Sexualität wurde ohne aktives, sexuelles und eigenes Begehren konstruiert. Abweichende Weiblichkeitsbilder wurden stets negativ und teilweise sogar krankhaft gewertet, wie beispielsweise die «femme fatale» oder die «Hysterikerin». Die Ausgangssituation der Sexualität von Männern und Frauen sind also historisch betrachtet sehr unterschiedlich.[7] Dem weiblichen Körper wurde im Laufe der Zeit dann die Fähigkeit der sexuellen Lustempfindung zugestanden, doch bis zur sexuellen Revolution der 1960er Jahre galt die Artikulation von sexuellen Bedürfnissen als Frau als gesellschaftlich nicht akzeptiert.[8]

Frauenkörper waren schon immer in höherem Mass Ziel von ästhetischer Darstellung als der Männerkörper. So kristallisierte sich schon früh die Rolle des Mannes als Betrachter und die Rolle der Frau als Betrachtete heraus, wobei dadurch das Erscheinungsbild der Frau eine gewisse Wichtigkeit erlangt und gewissen Ansprüchen genügen soll, in einem Ausmass, wie es bei Männerkörpern nicht der Fall ist.[9] Dieser Aspekt hat auch einen Einfluss auf die Entwicklung der Sexualität der Frau, da schon früh eine Stigmatisierung einer bestimmten Rolle der Frau in der Sexualität von Mann und Frau stattgefunden hat.

Eine historische Wandlung der öffentlichen Sexmoral im Sinne einer Enttabuisierung sexueller Themen und der Sexualität an sich brachte die sexuelle Revolution in den 1960er Jahren. Mit ihr geht eine zunehmende Toleranz und Akzeptanz sexueller Bedürfnisse der Geschlechter, also auch der Sexualität der Frau einher. Dem Zuge der sexuellen Revolution geht die Entwicklung der Frauenbewegung voraus, die ihren Ursprung im 19 Jh. mit der ersten Welle des Feminismus hat und sich in vielen Ländern Europas, den USA und in Australien[10] zutrugen.

Da es viele (Unter)Gattungen und Strömungen der Begriffe Emanzipation und Feminismus gibt, möchte ich von einer möglichst offenen Begriffsdeutung ausgehen, da die Differenzierung des Begriffes im engeren Sinne den Rahmen einer Seminararbeit sprengen würde.

Unter «Feminismus» verstehe ich:

Die «Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z. B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt»[11].

Unter Emanzipation im weiteren Sinne verstehe ich:

«Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit; Gleichstellung»[12] und «der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung [der Frau mit dem Mann]»[13]

Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau wurden die Frauenbewegungen verstärkt und es fand ein frauenpolitischer Aufbruch statt, der unter anderem die Stimmberechtigung von Frauen in aller Deutlichkeit forderte[14]. Der Formierung der Frauenbewegungen in Westdeutschland und anderen europäischen Ländern ging die amerikanische Frauenbewegung, das Women’s Liberation Movement (Women’s Lib), voraus. Als sich in der Bundesrepublik zögernd die ersten autonomen Frauengruppen konstituierten, hatte sich in den Vereinigten Staaten bereits ein breites Netz von Frauenorganisationen und Frauengruppen entfaltet. Die erste neue feministische Gruppierung war die im Juni 1966 gegründete «National Organization for Woman (NOW)».[15]

Die Selbstbestimmung über die weibliche Sexualität wurde in Deutschland zum zentralen Thema als im Jahre 1971 im Protest gegen das Verbot der Abtreibung im § 218 sich eine Bewegung etablierte, die weit über die feministischen Diskussionsgruppen hinausgingen. Es bildeten sich grundlegende intellektuelle Strömungen heraus, die sich auf verschiedene Weisen mit unterschiedlichen Facetten des Feminismus beschäftigten, unter anderem bildete sich der lesbische separatistische Feminismus heraus. Das europäische Emanzipationsdenken, aber auch Impulse aus anderen westeuropäischen Ländern, vor allem Frankreich, aus den USA und der so genannten Dritten Welt beeinflussten diese Strömungen.[16]

Diese emanzipatorische Frauenbewegung und damit die Entstehung des Feminismus war eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Sexualität und damit für die Selbstbestimmung der Frau und ihren Bedürfnissen.

3.2. Entwicklung der Sexualpädagogik

Für den Umgang mit Pornografie und die Entwicklung von verschiedenen Porno­Genres, unter anderem dem Frauenporno, kann davon ausgegangen werden, dass der allgemeine Umgang mit Sexualität und damit verbunden die Sexualerziehung eine Rolle spielt. Deshalb möchte ich die Entwicklung der Sexualpädagogik kurz anführen.

Die Sexualpädagogik erlebte in den vergangenen Jahrzehnten einen starken Wandel. In unserem Kulturkreis wurde Sexualerziehung seit dem 17. Jahrhundert durch die kirchenamtlich interpretierte christliche Sicht von Sexualität bestimmt. Wie Koch noch 1971 in seiner Analyse von sexual- pädagogischen Aufklärungsschriften zeigte, sind die meisten Bücher und Traktate bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein katholischer, evangelischer, aber auch überkonfessionell­christlicher Herkunft und somit identisch mit sexual -moralischen Praxistheorien als didaktisierte moralische Werte.[17]

Als Konsequenz entstanden zu Beginn des 20 Jahrhunderts pädagogische Initiativen von Sexualwissenschaftlern, wie z. B. Wilhelm Reich, aber auch von weniger sexualpolitisch orientierten Sexualreformern wie Max Hodan. Trotz aller Anstrengungen blieben die Reformbemühungen aus Machtmangel jedoch weitgehend theoretisch und fanden - in radikalisierter Form - erst im Zusammenhang der sozio-ökonomischen und politischen Veränderungen der 60er Jahre gesellschaftliche Beachtung und damit größere Verbreitung. Die «68er- Bewegung» erklärte die radikale Befreiung von sexuellen Zwängen zur zentralen Bedingung für eine Demokratisierung der Gesellschaft und machte diese Forderung durch vielerlei öffentlichkeitswirksame Demonstrationen und Schriften bekannt. Die Enttabuisierung seit der 68er Bewegung war nachweislich ein sehr wichtiger Beitrag zur sexuellen Befreiung und zur Förderung der individuellen sexuellen Selbstbestimmung, auch für Frauen.[18]

Die 70er und die erste Hälfte der 80er Jahre gelten als die Jahre der reaktionären Ereignisse und sexualpädagogischen Ernüchterung. Zwar beschloss man zum Beispiel in Deutschland im Jahre 1968 die «Empfehlungen zur Sexualerziehung in den Schulen» und den meisten Bundesländer verordnete man bis 1984 Richtlinien zur Sexualerziehung, doch für die Schule blieb es ein «Siegeszug der Sexualpädagogik am grünen Tisch»[19]. In der Praxis der Jugendarbeit konnte sich die Sexualerziehung dennoch durch Initiativen von Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden in dieser Zeit ausdifferenzieren und durch Pionierleistungen maßgebliche Standards setzen. Sexualerziehung fand in der schulischen Praxis faktisch nicht statt, wohl aber in der außerschulischen Jugendarbeit.[20]

[...]


[1] Kuckenberger 2011: S. 17

[2] Faulstich 1994: S. 8

[3] Faulstich 1994: S. 9

[4] Faulstich 1994: S. 9

[5] Faulstich 1994, S. 10

[6] Wöhrle 2014: S. 69

[7] Kuckenberger 2011: S. 29

[8] Wouters 2004: S. 125

[9] Kuckenberger 2011 : S. 30-31

[10] Rupp 2011: S. 20

[11] http://www.duden.de/rechtschreibung/Feminismus

[12] http://www.duden.de/rechtschreibung/Emanzipation

[13] http://www.duden.de/rechtschreibung/Emanzipation

[14] http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35275/neuanfang-im-westen

[15] http://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus#cite_note-14

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus#cite_note-14

[17] Sielert 2011: S. 258-259

[18] Sielert 2011: S. 259-260

[19] Müller 1992: S. 19

[20] Sielert 2011: S. 260-261

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Frauenpornografie. Diskriminierung oder Revolution der emanzipierten Frau?
Hochschule
Universität Basel
Note
5.5
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V312030
ISBN (eBook)
9783668111905
ISBN (Buch)
9783668111912
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenpornografie, diskriminierung, revolution, frau, emanzipation, feminismus, pornografie, female friendly, von frauen für frauen
Arbeit zitieren
Marleen Diener (Autor), 2015, Frauenpornografie. Diskriminierung oder Revolution der emanzipierten Frau?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312030

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