Contingent Convertible Bonds. Ein Instrument zur Verbesserung der Verlustabsorptionsfähigkeit von Banken?


Bachelorarbeit, 2015

41 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Contingent Convertible Bonds
2.1 Contingent Capital: Begriffseinordnung
2.2 Funktion und Aufbau
2.3 Der Auslöser
2.3.1 Technische vs. diskretionäre Trigger
2.3.2 Kennzahlen- vs. marktpreisbasierte Trigger
2.3.3 Low- vs. High-Trigger
2.3.4 Dual-Trigger
2.4 Umwandlungsbedingungen von CCBs
2.5 Eine Differenzierung zum Bail-In

3 Warum treten Contingent Convertible Bonds in den Fokus der Betrachtung?
3.1 Geänderte Eigenkapitalanforderungen - Von Basel II zu Basel III
3.2 Geänderte Eigenkapitalquantität
3.3 Geänderte Eigenkapitalqualität
3.3.1 Neue Anforderungen
3.3.2 Anerkennung von CCBs zum regulatorischem Eigenkapital
3.4 CCBs als Lösungsansatz des TBTF-Problems

4 Untersuchung der Verlustabsorptionsfähigkeit von CCBs
4.1 Untersuchung ausgewählter Trigger hinsichtlich ihrer Wirkung
4.1.1 Einordnung in den thematischen Kontext
4.1.2 Marktbasierte Trigger
4.1.3 Kennzahlenbasierte Trigger
4.1.4 Entscheidungsbasierte Trigger
4.1.5 Dual-Trigger
4.2 Kritische Analyse der Verlustabsorptionsfähigkeit von CCBs

5 Zusammenfassung und Bewertung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Contingent Capital - Eine Übersicht

Abbildung 2: Ausgestaltungsformen eines Triggerereignisses

Abbildung 3: Änderung der Kapitalanforderung von Basel II nach Basel II

Abbildung 4: Einführung neuer Mindestanforderungen und Aufbau der Kapitalpuffer von 2012 -2019

Abbildung 5: Ein Vergleich des Aktienkurses mit dem harten Kernkapital der Deutschen Bank AG

Abbildung 6: Der Vergleich zweier Szenarien bei unterschiedlichem Verlauf der harten Kernkapitalquote

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Aufsicht und Regulierung des Finanzsystems ist ein wichtiger Bestand- teil unserer Volkswirtschaft und dessen Notwendigkeit wurde durch die letzten Finanzkrisen umso mehr bestätigt. Finanzmärkte verändern sich aufgrund der wachsenden Globalisierung immer schneller, was eine stetige Anpassung der Regulierungsprozesse mit sich führt. Dies bestätigte die Finanzkrise im Jahre 2007/2008 umso mehr, da Banken in dieser Not- situation zu wenig haftendes Eigenkapital gebildet haben. Aufgrund der defizitären Eigenkapitalausstattung, wurden einige Institute durch staatliche Mittel unterstützt, da ein Scheitern dieser systemrelevanten Finanzinstitute eine zu große negative Auswirkung für die gesamte Volkswirtschaft gehabt hätte.1 Das Resultat dieser Reaktion ist eine negative Anreizwirkung für klassische Anleihengläubiger von großen, systemrelevanten Geldhäusern, da diese nur im Falle einer Insolvenz haften. Die Zahlungsansprüche würden somit auch bei einer technischen Insolvenz aufrecht gehalten, da ein Scheitern der Bank aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht vorteilhaft ist.

Bereits in der Vergangenheit wurden durch das Regelwerk Basel II Vorkehrungen getroffen, die diese Situation verhindern bzw. abmildern sollten. Das sogenannte hybride Kapital sollte in einer Notsituation bereits vor einer Zahlungsunfähigkeit in Eigenkapital gewandelt werden, um die Zahlungsfähigkeit einer Bank zu stärken. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass genau diese Kapitalinstrumente in einer Notsituation nicht oder nur bedingt zur Verfügung standen. Dies hat der Basler Ausschuss zum Anlass genommen, mit dem Regelwerk um Basel III den negativen Anreizen und Lücken bei der Verlustabsorptionsfähigkeit von hybridem Kapital entgegen- zuwirken. Grundlage der Änderung ist die adäquate Bereitstellung von Eigenkapital oder solchen Kapitalinstrumenten, die in einer Krisensituation zur vollen Verlustabsorption beitragen können. Eine Art dieser eigenkapitalnahen Instrumente werden als Contingent Convertible Bonds bezeichnet und bilden den Untersuchungsrahmen dieser Arbeit.

Contingent Convertible Bonds sind Kapitalinstrumente mit Fremd- und Eigenkapitalcharakter zugleich. Zunächst findet eine Abgrenzung zu klassischen Anleihen dieser Kapitalklasse statt, um im Folgenden auf den Aufbau und die Funktionen einzugehen. Hierbei liegt der Schwerpunkt der Betrachtung beim Trigger, der über die Wandlung von Fremd- in Eigenkapital entscheidet.

Im Focus der Arbeit steht die Analyse der Verbesserung der Verlust- absorptionsfähigkeit von Contingent Convertible Bonds. Der Begriff der Verlustabsorptionsfähigkeit wird in Abschnitt 3 genauer definiert, um im Weiteren Verlauf der Arbeit die Fragestellung auf Basis dieser Definition zu untersuchen. Des Weiteren wird auf die gesetzlichen Vorgaben, basierend auf Basel III, Bezug genommen, welche die Verwendung sowie die Ausgestaltung von Contingent Convertible Bonds maßgeblich beeinflussen.

Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang ist jedoch der Zeitpunkt, wann es zur Verlustabsorption kommt. Das in Abschnitt 2 bereits definierte Triggerereignis wird im letzten thematischen Abschnitt dieser Arbeit hinsichtlich seiner Wirkung genauer untersucht. Im Folgenden wird schließlich analysiert, welche externen Einflüsse die Entscheidung über die Wandlung beeinflussen können und welche Vor- und Nachteile hiermit einhergehen. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einer kritischen Analyse über die Wirksamkeit von Contingent Convertible Bonds im Gesamtkontext hinsichtlich gesetzlicher Bestimmungen sowie externen Einflüssen.

2 Contingent Convertible Bonds

2.1 Contingent Capital: Begriffseinordnung

Der Begriff „Contingent Capital“ beschreibt eine hybride Form von Wert- papieren, welche durch Eigen- als auch durch Fremdkapitalcharakter gekennzeichnet sind. Zum Zeitpunkt der Emission werden die hybriden Wertpapiere als nachrangige Anleihen mit meist festen Kuponzahlungen ausgegeben.2 Ein auslösendes Ereignis entscheidet nun über den Zeitpunkt der Wandlung von Fremd- in Eigenkapital zu einem vorher festgelegten Wandlungsverhältnis. Für jeden Anteil wird eine zuvor fest vereinbarte Summe oder Stückzahl in Aktien getauscht. Bei einer klassischen Wandelanleihe entscheidet der Investor, wann die Anleihe gewandelt wird. Es ist aber auch möglich, die Wandlung fest vorzuschreiben oder diese an eine Bedingung zu knüpfen. Letztere Art von Wertpapieren nennt man Contingent Convertible Bonds, welche Hauptbestandteil dieser Analyse sein werden.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Contingent Capital - Eine Übersicht (Entworfen nach: Zähres (2011), S. 3-7.)

Abbildung 1 zeigt einen Überblick über die möglichen Ausprägungs- merkmale von bedingtem Kapital. Der Wandlung von Fremd- in Eigen- kapital steht eine weitere Möglichkeit der Verlustabsorption in Form von Wertberichtigung entgegen. Bei sogenannten Write Down Bonds werden bei einem ex ante vereinbarten Ereignis keine neuen Eigentumsanteile aus- gegeben, sondern der Wert der Anleihe wird durch Abschreibung reduziert. Es entsteht für den Emittenten zwar kein neues Eigenkapital in Form von neuen Aktien, die Verbindlichkeiten auf der Passivseite der Bilanz werden jedoch geschmälert. Bei herkömmlichen Write down Bonds besteht keine Möglichkeit der späteren Zuschreibung, auch wenn die Solvenz des Emittenten wieder hergestellt ist. Ein Zuschreibungspotenzial bieten jedoch sogenannte Temporary Write Down Bonds. Diese Anleihen haben nach vorher festgelegten Kriterien ein Aufwärtspotenzial, wenn zuvor eine Ab- schreibung erfolgt ist.4

In der aktuellen Literatur werden Write Down Bonds oftmals in der gleichen Kategorie wie Contingent Convertible Bonds eingeordnet. Es handelt sich hierbei zwar um eine Form bedingten Kapitals, eine echte Wandlung in neues Eigenkapital wird jedoch nicht vorgenommen. Demnach ist eine klare Differenzierung vorzunehmen, die in Abbildung 1 dargestellt ist.5 Da dieses Detail jedoch nicht Bestandteil der folgenden Analyse ist, werden beide Begriffe synonym behandelt.

2.2 Funktion und Aufbau

Wie im vorherigen Abschnitt abgegrenzt, sind Contingent Convertible Bonds, auch CCBs genannt, eine spezielle Ausprägungsform von bedingtem Kapital. Sie werden als langfristige Anleihen mit einem festen Coupon vergeben. Findet keine Wandlung in Eigenkapital statt, erfolgt deren Rückzahlung in voller Höhe. Ein vorher festgelegtes Ereignis, auch Trigger genannt, entscheidet nun während der Laufzeit über die Wandlung in Aktien. Zweck der Emission von CCBs ist die Fähigkeit, in wirtschaftlich schlechten Zeiten die Eigenkapitalausstattung des Emittenten zu verbessern. Zum einen werden die Forderungen in Stammkapital getauscht, zum anderen entfallen die zukünftigen Verpflichtungen zur Zahlung von Kuponansprüchen. Das Auslösen eines Triggerereignisses hat demnach Einfluss auf die Erfolgs- als auch auf die Bestandskonten der Bilanz.6

Je nach Anforderungsprofil potenzieller Investoren kann die Fälligkeit eines CCBs von fünf Jahren bis hin zu einer unbegrenzten Laufzeit gestaltet werden. Aber nicht nur die Anforderungen Seitens der Nachfrager bestimmen über solch ein wesentliches Merkmal wie die Laufzeit. Die zeit- liche Komponente wird durch die Anrechenbarkeit zu den einzelnen Kapitalsegmenten nach Basel III maßgeblich beeinflusst. Sollen CCBs die Verlustabsorption des zusätzlichen Kernkapitals (Additional-Tier-1-Capital) stärken, dürfen sie keine feste Laufzeit aufweisen.7 Unter bestimmten Voraussetzungen kann der CCB jedoch nach fünf Jahren vom Emittenten gekündigt werden.8 Bei Anrechenbarkeit zum Ergänzungskapital liegt die Mindestlaufzeit bei fünf Jahren.9 Auf die genauen Vorgaben und Bedingungen des Basler Ausschusses wird in Abschnitt 3 noch einmal Bezug genommen.

Bei einer klassischen Wandelanleihe ist die Verzinsung gegenüber einer normalen Schuldverschreibung niedriger, da zusätzlich die Möglichkeit zum Tausch der Anteile in Aktien besteht.10 Da bei CCBs die Wandlung durch ein nicht beeinflussbares Triggerereignis verursacht wird, ist die Verzinsung meist höher als bei herkömmlichen Anleihen ohne Eigenkapitalcharakter. Der Zinsaufschlag für dieses zusätzliche Risiko, wird maßgeblich durch die Höhe und Abhängigkeit des Triggers beeinflusst. Im folgenden Absatz werden die verschiedenen Ausgestaltungsformen des Auslösers erläutert.

2.3 Der Auslöser

2.3.1 Technische vs. diskretionäre Trigger

Der Auslöser, auch Trigger genannt, entscheidet über die Wandlung von Fremd- in Eigenkapital. Für die Bewertung und damit auch für den Preis eines CCBs, ist die Wahl des Triggers entscheidend. In der ersten Ebene wird zwischen technischen- und diskretionären Auslösern unterschieden. Hängt das Ereignis von einer objektiven Zahl oder einem Verhältnis ab, spricht man von einem technischen Auslöser. Wird die vorher fest definierte Schwelle, wie z. B. die Eigenkapitalquote unterschritten, werden die CCBs automatisch in Aktien konvertiert. Das ausschlaggebende Ereignis unterliegt somit einer objektiven Entscheidung.11

Dem entgegen steht das diskretionäre Ereignis. Hierbei handelt es sich um eine subjektive Entscheidung, die den CCB wandeln lässt. Der Entscheider kann der Emittent selbst oder eine Aufsichtsbehörde sein. Ähnlich wie beim technischen Trigger wird vorher festgelegt, bei welchem Umweltzustand der Umtausch in Aktien erfolgt. Hierbei wird allerdings keine feste Zahl vor- geschrieben, sondern die Solvenz des Emittenten oder einer Branche entscheidet über das Auslösen. Ist eine Bank also zahlungsunfähig, oder kann sich am Kapitalmarkt nicht mehr eigenständig refinanzieren, obliegt es der Entscheidung des Regulators oder der Bank selbst, das Triggerereignis auszulösen. Der Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit wird als PONV (point- of-non-viability) bezeichnet.12

2.3.2 Kennzahlen- vs. marktpreisbasierte Trigger

Nach Identifizierung der ersten Ebene, lässt sich der technische Auslöser weiter in kennzahlen- und marktpreisbasierte Schwellen unterteilen. Als eine Kennzahl kann beispielsweise die Kernkapitalquote, eine Bilanz- position oder das risikogewichtete Eigenkapital heran gezogen werden. All diese Kennzahlen haben gemein, dass sie in direktem Zusammenhang mit der Bank stehen. Die Beobachtungszeitpunkte erfolgen quartalsweise, können in besonderen Situationen jedoch auch außerplanmäßig ermittelt werden.13 Die Höhe des kennzahlenbasierten Auslösers legt der Emittent fest. Beeinflusst wird er jedoch durch die Verordnung CRR „Capital Requirements Regulation“, sowie durch die Richtlinie CRD IV „Capital Requirements Directive“. Hiernach entscheidet sich, in welches Kapitalsegment die CCBs eingeordnet werden. Dieser regulatorische Punkt wird in Abschnitt 4 weitergehend erläutert.

Eine weitere Alternative ist die Vereinbarung eines marktbasierten Triggers. Dieser orientiert sich häufig an Aktienkursen oder Indizes. In der Vergangenheit wurden allerdings auch schon CCBs emittiert, welche sich an den Spread eines Credit Default Swaps orientierten. Beide Instrumente haben gemein, dass sie transparent und für Außenstehende nachvollziehbar sind.14

2.3.3 Low- vs. High-Trigger

Bei der Gestaltung von CCBs spielt die Höhe des Triggers, also wann die Wandlung in Aktien erfolgt, eine große Rolle. Hierbei wird zwischen Lowund High-Triggern unterschieden. Beim Low-Trigger tritt das Ereignis erst relativ spät ein, wenn beispielsweise die Kernkapitalquote unter 5 % gefallen ist. Somit sollte es nur dann zur Auslösung kommen, wenn sich der Emittent in einer echten Krisensituation befindet und der Kapitalmarkt nicht mehr zur Refinanzierung bereit steht.15

Bei einem hohen Auslöser findet das Triggerereignis bereits früher statt. Dieser Fall ist für vorübergehend unsichere Zeiten geeignet, die sich durch beispielsweise vermehrt auftretende Kreditausfälle auswirken. Durch die Wandlung könnte eine adäquate Kernkapitalquote weiter aufrecht gehalten werden und der Geschäftsbetrieb weitergeführt werden. Bei der Wahl eines hohen Triggers ist die Wandlungswahrscheinlichkeit jedoch deutlich größer, als bei einem Trigger mit niedriger Schwelle. Diese Tatsache beeinflusst auch den Preis eines CCB. Aus diesem Grund ist der Preisaufschlag kongruent zur Höhe des Triggers.16 Die Wahl des Triggers entscheidet jedoch nicht nur über den Preis, sondern auch über die Käufergruppen. Ein niedriger Auslöser ist aufgrund der kleineren Wandlungswahrscheinlichkeit besser zu bewerten und somit gerade für institutionelle Anleger interessant.17

2.3.4 Dual-Trigger

Als weitere Alternative besteht die Möglichkeit, zwei verschiedene Trigger zu kombinieren. Es könnte als Beispiel ein marktbasierter Auslöser, in Form des eigenen Aktienkurses sowie eines Branchenindex erfolgen. Würden es zum Unterschreiten beider Schwellenwerte kommen, werden die CCBs in Aktien konvertiert.18

Doch nicht nur technische Auslöser können kombiniert werden. In der Vergangenheit wurden CCBs konstruiert, die mit einem technischen- und diskretionären Auslöser versehen wurden. Zum einen wird durch eine regulatorische Instanz entschieden, dass eine systematische Krisensituation vorherrscht, zum anderen muss ein marktbasierter Trigger, in Form des eignen Aktienkurses unterschritten werden. Nur wenn beide Vertrags- merkmale erfüllt sind, werden die Schuldverschreibungen zu hartem Kern- kapital gewandelt.19

Abbildung zwei zeigt eine Übersicht über die verschiedenen Arten von Auslösern bei Contingent Convertible Bonds.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ausgestaltungsformen eines Triggerereignisses (Entworfen nach: Zähres (2011), S. 6 f.)

2.4 Umwandlungsbedingungen von CCBs

Ist das Triggerereignis eingetreten, werden die Anleihen in Aktien des Emittenten gewandelt. Hierbei kann es zu unterschiedlichen Vertragsgestaltungen hinsichtlich der Wandlungsquote kommen.

Die Umwandlungsquote kann so gewählt werden, dass Aktien zu einer festgelegten Menge an Eigenkapital getauscht werden. Somit würden je nach Aktienkurs eine entsprechende Stückzahl getauscht werden.20 Wie auch bei der Auswahl des Triggers und somit der Höhe des Risiko- aufschlages ist die Wandlungsquote ein Instrument zur Zielsetzung des CCBs.21 Ferner besteht die Möglichkeit, die Ausgabe der neuen Aktien unter, über oder zum Nennwert festzulegen. Diese Bedingungen bringen verschiedene Vor- und Nachteile mit sich. Würde sich der Emittent der CCBs für eine Wandlung über dem Nennwert entscheiden und ein markt- basierter Trigger bestimmt über das Wandlungsereignis, bestünde der Anreiz von Manipulation des Aktienkurses. Investoren, die gleichzeitig Inhaber von Aktien und CCBs sind könnten den Preis der Aktie durch Leerverkäufe negativ beeinflussen. Unterschreitet der Aktienkurs nun die Schwelle, würde der Investor junge Aktien über dem Nennwert geliefert bekommen. Mit der Aussicht, dass sich der Aktienkurs wieder erholt, würden Kursgewinne die Folge sein. Dieser vermeintliche Nachteil ist auf der anderen Seite jedoch ein Vorteil. Damit kein Verwässerungseffekt entsteht, würde die emittierende Bank das Auslösen des Triggers versuchen zu vermeiden, sodass Altaktionäre nicht verärgert werden.22 Um diesen Gefahren entgegenzuwirken, kann die Umwandlungsquote unter dem Nennbetrag vereinbart werden. Dies würde außerdem die Attraktivität für Investoren steigern, was einen geringeren Preisaufschlag bei den Kupon- zahlen zur Folge hätte. Somit Ist die Ausgabe neuer Aktien aus regulatorischer Sicht sowie auch aus preispolitischen Gründen mindestens zum Nennbetrag sinnvoll.23 Eine weitere Möglichkeit besteht darin, im Vorfeld eine fixierte Anzahl von Aktien festzulegen die im Falle eines Triggerereignisses getauscht werden.24

2.5 Eine Differenzierung zum Bail-In

Im Rahmen der „too-big-to-fail“ Diskussion wird angenommen, dass ausgewählte Kreditinstitute eine so fundamentale Rolle in unserem Finanz- system spielen, dass ein Scheitern und die damit verbundenen Risiken, nicht hingenommen werden können. Wie auch die Finanzkrise 2007/2008 gezeigt hat, wurden Banken die in Schieflage geraten sind nicht durch nachrangige Finanztitel, sondern ausschließlich durch Staatsgelder rekapitalisiert.25 Die EU-Kommission hat dies zum Anlass genommen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Gläubiger schon vor einer drohenden Insolvenz an Verlusten zu beteiligen. Dies geschieht in Form eines Forderungsverzichts oder dem Tausch von Forderungen in Beteiligungen (Debt for Equity Swaps).26

Der wesentliche Unterschied zu Contingent Convertible Bonds liegt im Zeitpunkt der Wandlung oder Forderungsabschreibung und im Ausmaß der betroffenen Gläubiger. Beim Bail-In entscheidet eine nationale Aufsichts- behörde, wenn alle privatrechtlichen Refinanzierungsversuche fehl- geschlagen sind, über den Eingriff der Rekapitalisierung. Hierbei sind alle Anleihengläubiger gleichermaßen betroffen. Beim CCB hingegen wird die Wandlung in Eigenkapital durch ein vorher festgelegtes Triggerereignis herbeigeführt. Die dafür notwendigen Bedingungen werden ex ante fixiert und betreffen nur Gläubiger von CCBs. Es bleibt festzuhalten, dass bei beiden Varianten eine Wandlung von Fremd- in Eigenkapital erfolgt, der CCB jedoch einer angeschlagenen Bank zur eigenständigen Re- kapitalisierung verhelfen soll.27

[...]


1 Vgl. Finance Watch (2014), S. 3.

2 Vgl. Heidorn/Gerold (2004), S. 5.

3 Vgl. Zähres (2011), S. 3 f.

4 Vgl. Zähres (2011), S. 3 f.

5 Vgl. Zähres (2011), S. 4.

6 Vgl. Brahmi (2011), S. 4.

7 Vgl. Niedermeier (2014), S. 1.

8 Vgl. Noack/Cremers/Mala (2014), S. 62.

9 Vgl. Niedermeier (2014), S. 1.

10 Vgl. Heidorn/Gerold (2004), S. 11 f.

11 Vgl. Frank (2014), S. 3.

12 Vgl. Frank (2014), S. 3.

13 Vgl. Zähres (2011), S. 7 f.

14 Vgl. Frank (2014), S. 4 f.

15 Vgl. Niedermeier (2014), S. 1-3.

16 Vgl. Frank (2014), S. 10.

17 Vgl. Zähres (2011), S. 6 f.

18 Vgl. McDonald (2011), S. 4.

19 Vgl. McDonald (2011), S. 8.

20 Vgl. Frank (2014), S. 8 f.

21 Vgl. Zähres (2011), S. 9.

22 Vgl. Brahmi (2011), S. 9 f.

23 Vgl. Zähres (2011), S. 9.

24 Vgl. Flannery (2009), S. 13 f.

25 Vgl. Finance Watch (2014), S. 3.

26 Vgl. Zähres (2011), S. 17.

27 Vgl. Zähres (2011), S. 16 f.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Contingent Convertible Bonds. Ein Instrument zur Verbesserung der Verlustabsorptionsfähigkeit von Banken?
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
41
Katalognummer
V312044
ISBN (eBook)
9783668110403
ISBN (Buch)
9783668110410
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Contingent Convertible Bonds, CoCo, Verlustabsorption, Verlustabsorptionsfähigkeit, Basel, Trigger, Bail in, Eigenkapital, CCB, TBTF, Contingent Capital
Arbeit zitieren
Philipp Kallies (Autor), 2015, Contingent Convertible Bonds. Ein Instrument zur Verbesserung der Verlustabsorptionsfähigkeit von Banken?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312044

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